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Entscheidender Vorsprung dank Hardware und Software: Bosch überbrückt Grenzen zw ...

05.01.2026

Referat

Wirtschaft

Entscheidender Vorsprung dank Hardware und Software: Bosch überbrückt Grenzen zw ...

Dr. Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Paul Thomas, Präsident von Bosch in Nordamerika, auf der CES ® am 5. Januar 2026 Es gilt das gesprochene Wort.Tanja Rückert: Guten Morgen! Herzlich willkommen zur Bosch-Pressekonferenz auf der CES 2026. Paul Thomas: Auch von mir ein herzliches Willkommen. Wir freuen uns sehr, dass Sie hier sind – vielen Dank für Ihre Teilnahme, ob vor Ort oder online! Tanja Rückert: Ob Fahrzeugkomponenten, Industriemaschinen, Elektrowerkzeuge, Haushaltsgeräte oder Mikrochips – dass Bosch ein breit aufgestelltes Unternehmen ist, ist kein Geheimnis. Doch unsere Kompetenz ist nicht nur breit, sie baut auch Brücken, wo viele andere scheitern: nämlich zwischen der physischen und der digitalen Welt. Die meisten Unternehmen fühlen sich entweder auf der einen oder auf der anderen Seite zu Hause. Nur selten bewegt sich ein Unternehmen in der Hardware-Welt ebenso sicher wie in der Welt der Software. Bosch ist eine solche Ausnahme. Wir sind in beiden Welten zuhause. Paul Thomas: Seit seinen Anfängen steht Bosch für innovative, hochwertige Hardware. Auch mit Beginn des digitalen Zeitalters haben wir getan, was wir immer tun, um bahnbrechende Lösungen mit maximalem Mehrwert auf den Markt zu bringen: Wir haben den Bedarf an künftigen Kompetenzen analysiert und diese intern aufgebaut. Tanja Rückert: Dank dieser Herangehensweise gehört Software seit Jahrzehnten zu unseren Kernkompetenzen. Sie hat es uns ermöglicht, uns in unseren vielfältigen hardwarebasierten Geschäftsfeldern früh als digitaler Vorreiter zu positionieren und die Entwicklung des sogenannten Internet der Dinge und der Industrie 4.0 maßgeblich mitzugestalten. Heute verhilft sie uns bei der Gestaltung der softwaregetriebenen Mobilität der Zukunft zu einer Schlüsselposition. Außerdem ist sie ein Wachstumstreiber über alle Bereiche hinweg: Bis zum Beginn des neuen Jahrzehnts wollen wir mit Software und Services einen Umsatz von über 6 Milliarden Euro erwirtschaften. Gleichzeitig hat sie uns an die Spitze der KI-Entwicklung geführt. Denn mit inzwischen über 2 000 angemeldeten KI-Patenten gehören wir zu den führenden Unternehmen Europas. Bis Ende 2027 werden wir insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Euro in künstliche Intelligenz investieren. Bereits heute haben wir über 100 000 Beschäftigte im Umgang mit KI geschult – fast ein Viertel unserer gesamten Belegschaft. Vor allem aber ermöglicht uns die Kombination aus Hardware- und Softwarekompetenz, in beiden Bereichen Spitzenleistungen zu erbringen. Genau das macht am Ende den entscheidenden Unterschied. Unsere Hardware ist unserer Konkurrenz voraus, weil wir sie mit eigener Software und KI-Kompetenz gezielt weiterentwickeln können. Der Wettbewerbsvorteil unserer Software wiederum besteht darin, dass wir die Hardware, auf der sie läuft, in- und auswendig kennen. So entstehen innovative und intelligente Lösungen, die ihren Anwendern spürbaren Mehrwert bieten. Mit anderen Worten: Es handelt sich um Technologie, die den Mensch in den Mittelpunkt stellt. Aber kommen wir zu den Einzelheiten. Wie genau verschafft uns unsere Kompetenz an der Schnittstelle von Hard- und Software diesen Vorsprung? Paul Thomas: Vor allem versetzt uns diese Stärke in die Lage, unsere Lösungen mit bahnbrechenden Funktionen auszustatten und bislang einzigartige Fähigkeiten freizusetzen. Ein anschauliches Beispiel dafür ist unsere smartphonebasierte Lösung Origify, die Sie an unserem Messestand live erleben können. Produktfälschungen sind ein massives und stetig zunehmendes Problem. Allein im vergangenen Jahr machten sie Schätzungen zufolge bis zu drei Prozent des weltweiten Handels aus, mit einem Marktvolumen in Billionenhöhe. Wir brauchen dringend wirksamere Mittel, um diesem Problem Einhalt zu gebieten. Mit Origify haben wir dafür einen wirklich innovativen Ansatz entwickelt. Vereinfacht gesagt, basiert er auf der Erkennung von Oberflächenmustern. Während andere Lösungen auf Add-ons wie Markierungen, Chips oder Codes setzen, nutzt Origify die einzigartigen physischen Eigenschaften eines Objekts, um eine fälschungssichere digitale Identität zu erzeugen. Sobald diese Identität in unserem System hinterlegt ist, kann unsere neue Erkennungs-App die Echtheit schnell und zuverlässig per Live-Videostream überprüfen. So wissen Sie innerhalb weniger Sekunden, ob ein Paar Sneaker, ein Autoteil oder sogar ein Gemälde echt ist. Diese revolutionäre Technologie hat das Potenzial, die Fälschungsindustrie in die Ecke zu treiben. Sie beruht auf unserem fundierten Fachwissen über die physische und digitale Welt. Tanja Rückert: Natürlich drehen sich die täglichen Herausforderungen vieler Menschen um praktischere Dinge: Wäschewaschen, Hausarbeit, Kochen. Im Haushalt setzen unsere Geräte seit Langem Maßstäbe in Sachen Qualität, Innovationskraft und Präzisionstechnik. Mithilfe von Software und künstlicher Intelligenz erschließen wir nun eine neue Dimension von Benutzerfreundlichkeit und Intelligenz. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass Technologie dem Menschen dienen sollte – nicht umgekehrt. Sie soll den Alltag entlasten und dabei helfen, mit weniger Aufwand mehr zu erreichen, unabhängig von den eigenen Vorkenntnissen. Zum Beispiel in der Küche… Und wir haben noch eine weitere Überraschung...Gastauftritt von Marcel Vigneron, Top Chef und Food Network Star Paul Thomas: Wir haben heute einen besonderen Gast bei uns. Begrüßen Sie mit uns Marcel Vigneron! Tanja Rückert: Marcel, wir freuen uns sehr, dass Sie heute hier sind. Aber ich muss gestehen: Bei all dem Reden übers Kochen bekomme ich langsam richtig Hunger. Vielleicht auch, weil ich heute nicht gefrühstückt habe… Marcel Vigneron: Tanja, keine Sorge, ich kenne mich da ein klein wenig aus. Ich kümmere mich um alles. Ich hoffe nur, ein kleines Steak zum Frühstück ist für Sie in Ordnung… Tanja Rückert: Ich habe ohnehin Jetlag, und in Deutschland ist jetzt Abendessenszeit. Klingt also wunderbar! Paul Thomas: Gegen ein Steak habe ich sowieso nie etwas einzuwenden! Marcel Vigneron: Zufälligerweise haben wir hier ein paar richtig saftige Ribeyes. Dann legen wir los. Wie mögen Sie Ihr Steak denn am liebsten? Tanja Rückert: Natürlich medium-rare! Paul Thomas: Klingt gut. Marcel Vigneron: Fantastisch. Ich werde Ihr Steak heute mithilfe einiger neuer Technologien zubereiten, die Sie eben im Video gesehen haben. Bei dieser hochmodernen Technik trifft generative KI auf außergewöhnliche Sensorik von Bosch. Paul Thomas: Das Ganze beruht auf einem Feature, das das Induktionskochfeld der Serie 800 bereits serienmäßig mitbringt: unsere AutoChef-Funktion. Marcel Vigneron: Ganz genau, Paul. AutoChef bildet hier die Grundlage. Die sensorbasierte Technologie überwacht die Temperatur der Pfanne permanent und passt sie automatisch für ein perfektes Ergebnis an. Und nun erhält AutoChef durch die neue Bosch Cook AI ein Upgrade. Die Funktion befindet sich noch in der finalen Testphase, aber ich kann Ihnen heute schon einen kleinen Vorgeschmack geben, wie sie funktioniert und wie nützlich sie für Hobbyköchinnen und -köche sein kann. Tanja Rückert: Wir freuen uns immer besonders, wenn KI den Alltag erleichtert. Können Sie uns erklären, wie das funktioniert? Marcel Vigneron: Natürlich, Tanja. Bosch Cook AI basiert auf generativer KI, kombiniert mit Technologien und Prozessen von Bosch in den Geräten selbst. Im Prinzip fotografieren Sie Ihre Zutaten und sagen dem System, welches Ergebnis Sie erzielen wollen, hier zum Beispiel den gewünschten Gargrad Ihres Steaks. Der Algorithmus berechnet dann die optimale Temperatur und Garzeit, kommuniziert direkt mit dem Kochfeld und gibt Ihnen präzise Anweisungen in Echtzeit. Glaskugel-Kochen gehört damit der Vergangenheit an. Außerdem misst dieser Bluetooth-Fleischsensor kontinuierlich die Kerntemperatur des Steaks. So führen Bosch Cook AI und AutoChef Sie gemeinsamen Schritt für Schritt zum perfekten Ergebnis. Ganz einfach. Paul Thomas: Das klingt großartig, aber mal ehrlich, ist das wirklich auch für einen Koch Ihres Kalibers sinnvoll? Marcel Vigneron: Ehrlich gesagt, Paul, bin ich ein großer Fan von Wissenschaft und Technologie. Ich beobachte begeistert, wie neue Innovationen meinen Berufsstand voranbringen können. Genau deshalb schätze ich Bosch so sehr. Ich bekomme hier einen Blick in eine Zukunft, die für uns alle in ein paar Jahren selbstverständlich sein wird. Sie machen diese Zukunft möglich, und es ist großartig, ein Teil davon zu sein. Letztendlich muss selbst ich manchmal einfach nur schnell etwas auf den Tisch bringen. Da ist ein kleines Helferlein Gold wert – vor allem, wenn mein Fünfjähriger mich im falschen Moment ablenkt… Tanja Rückert: Oh ja, das kenne ich nur zu gut. So etwas hätte ich mir gewünscht, als meine Kinder klein waren. Das hätte mir sicher einiges erspart. Marcel Vigneron: Absolut. Übrigens, wer diese Woche am Bosch-Stand vorbeischaut, kann mich und einige meiner Mitstreiter aus „Top Chef“ treffen: meinen Kollegen Bryan Voltaggio, ebenfalls Star des Food Network, und meine langjährige Freundin und Co-Moderatorin von „Next-Level Chef“ auf Fox, Nyesha Arrington. Ganz nach dem Motto „Battle in the Booth“ erwarten Sie dort unter anderem spannende Kochwettbewerbe. Wenn Sie Glück haben, bekommen Sie vielleicht sogar eine Kostprobe... Sieht so aus, als wäre es fertig. Mal sehen, wie es geworden ist. Tanja Rückert: Oh, das sieht perfekt aus. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies eine bahnbrechende Neuheit sein könnte, denn damit kann jeder ein tolles Gericht für Freunde und Familie zubereiten. Das nenne ich Technologie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Paul Thomas: Und genau das ist unser Ziel… Die nahtlose Funktionalität unserer Produkte mit ihren verbesserten digitalen Fähigkeiten soll Menschen unterstützen und ihnen neue Möglichkeiten eröffnen. Wie wir bei Bosch so schön sagen: „The more you Bosch, the more you feel like a Bosch!“ Marcel Vigneron: Oder in diesem Fall: „... cook like a Bosch!“ Tanja Rückert: > Ganz genau, vielen Dank, Marcel! Einen großen Applaus, bitte. Zunächst kombinieren wir unsere Software- und Hardwarekompetenz, um bahnbrechende Funktionen und einzigartige Fähigkeiten auf den Weg zu bringen. Außerdem nutzen wir unser Software-Know-how, um Hardware weiterzuentwickeln – was den bisherigen Ansatz völlig revolutioniert. Denn wer früher auf dem neuesten Stand sein wollte, musste sein altes Gerät gegen ein Neues austauschen. Heute hingegen kann Hardware mit den richtigen Fähigkeiten und der passenden Software auch lange nach dem Kauf weiter dazulernen und neue Funktionen hinzugewinnen. Dank umfassender Konnektivität lassen sich viele Geräte von Bosch heute per Over-the-Air-Updates mit neuen Features ausstatten. So haben wir kürzlich eine Reihe vernetzter Backöfen um Funktionen zum Frittieren und Sous-vide-Garen erweitert, die ursprünglich nicht enthalten waren. Und das ohne zusätzliche Kosten für die Käufer. Paul Thomas: Wir tragen jedoch nicht nur zur Weiterentwicklung unserer eigenen Hardware bei. Im Mobilitätssektor ermöglicht es unser Vehicle Motion Management bei vielen Fahrzeugen, auch lange nach dem Kauf beim Händler neue Features, Funktionen und Personalisierungsoptionen hinzuzufügen. Diese bahnbrechende, hardwareunabhängige Softwarelösung steuert und koordiniert unterschiedlichste Funktionen in Bremse, Lenkung, Antriebsstrang und Fahrwerk. Im Wesentlichen ermöglicht sie die Feinabstimmung all dieser Variablen per Tastendruck. Durch die Auswahl verschiedener Fahrmodi lassen sich die Fahrzeugeigenschaften intelligent an die individuellen Anforderungen oder die jeweilige Fahrsituation anpassen. Und auch das Vehicle Motion Management selbst entwickelt sich kontinuierlich weiter. So haben wir es kürzlich um Funktionen erweitert, mit denen sich die Fahrzeugbewegung in allen sechs Freiheitsgraden steuern lässt. Diese Funktion ist entweder als Bestandteil eines vorinstallierten Pakets oder per Over-the-Air-Update für entsprechend kompatible Fahrzeuge verfügbar und kann eine wesentliche Rolle bei der Reduzierung der Fahrzeugneigung in Kurven spielen. Das wiederum hilft, Reiseübelkeit spürbar zu verringern. Studien zeigen, dass davon bis zu einem Drittel der Erwachsenen betroffen ist und insbesondere Mitfahrende überdurchschnittlich darunter leiden. Da viele von uns in den selbstfahrenden Fahrzeugen der Zukunft vor allem Passagiere sein werden, hat diese Technologie das Potenzial, Hunderten Millionen Menschen weltweit mehr Fahrkomfort zu bieten und ein echtes Hindernis auf dem Weg zur autonomen Mobilität aus dem Weg zu räumen. Gar nicht schlecht für einen kleinen Algorithmus! Das zeigt ebenfalls eindrücklich, wie wir unseren Vorsprung an der Schnittstelle von Hardware und Software nutzen, um das Leben von Menschen konkret zu verbessern. Und damit komme ich zu Punkt 3. Dank unserer Kompetenz in beiden Domänen bieten wir grundsätzlich weit mehr als einzelne Komponenten oder isolierte Insellösungen. Über all unsere Geschäftsbereiche hinweg konzentrieren wir uns auf ganzheitliche Systeme, intelligente Plattformen und sogar komplette Ökosysteme. Wie Sie gleich sehen werden, bringt das unseren Kundinnen und Kunden eine Vielzahl von Vorteilen. Tanja Rückert: Besonders sichtbar und wertvoll wird unser Systemverständnis im Fahrzeugbereich. Sie haben sicher schon gehört, wie Software heute für mehr Intelligenz, Effizienz, Sicherheit und Individualisierung hinter dem Lenkrad sorgt. Das ist wirklich ein Paradigmenwechsel. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden weltweit voraussichtlich über 80 Prozent aller Neufahrzeuge softwaredefiniert sein. Der Marktwert liegt dabei bei über einer Billion US-Dollar. Bosch gestaltet diesen Wandel maßgeblich mit. Die Kombination aus unserer Softwarekompetenz und unserem tiefgehenden Know-how in allen Bereichen der Fahrzeugtechnik verschafft Automobilherstellern dabei einen erheblichen Vorteil. Konkret bedeutet das, dass wir ihnen individuell anpassbare, sofort einsetzbare Systeme mit minimalen Entwicklungszeiten und ohne die üblichen Kompatibilitätsprobleme bereitstellen. Die softwaregesteuerte Mobilität entwickeln wir von Grund auf federführend mit. Unser Projekt „Eclipse Safe Open Vehicle Core“, kurz S-CORE, treiben wir gemeinsam mit unserer Tochtergesellschaft ETAS voran. Ziel ist der Aufbau einer leistungsfähigen Middleware-Plattform auf Open-Source-Basis. Middleware ist gewissermaßen das zentrale Nervensystem softwaredefinierter Fahrzeuge. Sie vermittelt zwischen den hochkomplexen und vielfältigen Hardware- und Softwarekomponenten im Auto. In Zusammenarbeit mit internationalen Automobilherstellern wollen wir bestehende OEM-spezifische Lösungen hinter uns lassen und einen einheitlichen Standard etablieren, der allen offensteht. Das wird die Entwicklung beschleunigen, Kosten senken, die Sicherheit erhöhen und Innovationen branchenweit vorantreiben. So profitieren letztlich mehr Menschen von den Vorteilen softwaredefinierter Mobilität. Paul Thomas: Auch auf Lösungsebene zeigt sich unsere Systemkompetenz besonders deutlich. Hier zählen wir zu den Leitanbietern innovativer Hardware, etwa elektronischer By-Wire-Systeme, ebenso wie der Software, die deren Funktion und Zusammenspiel steuert. Schon bald werden wir eine echte Marktpremiere erleben: Dann bringen wir unser vollwertiges Brake-by-Wire-System in die Serienproduktion, und zwar gemeinsam mit einem der weltweit größten Automobilhersteller. By-Wire-Systeme bilden eine Schlüsseltechnologie für die selbstfahrenden und softwaredefinierten Fahrzeuge der Zukunft. Bosch etabliert sich hier rasant als bevorzugter Partner: Bis 2032 erwarten wir einen kumulierten weltweiten Umsatz von mehr als 7 Milliarden Euro mit unseren Steer-by-Wire- und Brake-by-Wire-Systemen. Beim Thema Fahrzeuge der Zukunft darf natürlich auch die KI nicht unerwähnt bleiben. Bei Bosch setzen wir KI bereits heute ein, um die Sicherheit und den Komfort im Fahrzeug zu erhöhen. Bis 2035 streben wir mit KI-basierten Lösungen für assistiertes und autonomes Fahren einen Umsatz von deutlich über 10 Milliarden Euro an. An unserem Messestand können Sie unser KI-gestütztes Cockpit live erleben. Ein echter Game Changer ist, dass es sehen und hören kann – dank zweier verschiedener Sprachmodelle. Das eine ist ein textbasiertes Large Language Model, über das Sie ganz natürlich mit Ihrem Fahrzeug sprechen können, als säße eine Person neben Ihnen. Das andere ist ein Vision Language Model, mit dem das Cockpit analysieren und verwerten kann, was es über Kameras und Sensoren inner- und außerhalb des Fahrzeugs erfasst. Die Kombination aus beiden eröffnet revolutionäre Möglichkeiten: Zum Beispiel kann das Fahrzeug bei der Ankunft automatisch nach einem Parkplatz suchen oder Protokolle für Onlinemeetings erstellen, an denen Sie während der Fahrt teilnehmen. Tanja Rückert: Sie sehen also: Unsere Fähigkeit, die physische und digitale Welt zu verbinden, bringt eine enorme Bandbreite an Funktionen, Möglichkeiten und Systemen hervor. Gleichzeitig macht sie uns zum bevorzugten Partner – etwa in der Industrie, wo wir sowohl als Nutzer als auch als Anbieter über jahrelange Erfahrung verfügen. Tatsächlich unterzeichnen wir hier auf der CES eine umfassende Absichtserklärung, um die Möglichkeiten einer Initiative auszuloten, die mithilfe agentengestützter KI den nächsten großen Sprung in der industriellen Produktivität ermöglichen könnte. Um Ihnen diese spannende Kooperation näher vorzustellen, bitte ich nun Dayan Rodriguez auf die Bühne, Corporate Vice President Manufacturing and Mobility bei Microsoft.Gastauftritt von Dayan Rodriguez, Corporate Vice President Manufacturing and Mobility bei Microsoft Dayan Rodriguez: Hallo Tanja, hallo Paul! Tanja Rückert: Hallo Dayan, schön, dass Sie bei uns sind! Erzählen Sie uns doch zum Einstieg ein wenig über das Projekt. Dayan Rodriguez: Sehr gern! Lassen Sie mich zunächst kurz den Kontext erläutern. Die Welt verändert sich, und mit ihr die Anforderungen an die Geschäftswelt im KI-Zeitalter. Unternehmen müssen immer neue Komplexitäten und rasante technologische Entwicklungen bewältigen. In unseren Fabriken ist es eine große Herausforderung, unterschiedliche Wertströme miteinander zu verbinden. Dafür brauchen wir neue Arbeitsweisen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Viele Werke arbeiten mit veralteten Systemen, weshalb hier gezielt und mit Bedacht vorgegangen werden muss. Gleichzeitig wächst das Datenvolumen an, was es zunehmend schwierig macht, daraus die richtigen Schlüsse und Entscheidungen zu ziehen. Genau hier setzen wir an. Gemeinsam wollen Bosch und Microsoft KI-Agenten nutzen, um Fabriken grundlegend zu transformieren. Diese leistungsstarke Technologie kann Daten auswerten und anschließend selbstständig Entscheidungen treffen und Aufgaben ausführen, um Produktion, Instandhaltung und Lieferketten zu optimieren. Man kann es sich wie eine zusätzliche Intelligenzebene in den Fertigungsprozessen vorstellen. Paul Thomas: Genau deshalb nennen wir diesen Ansatz „Manufacturing Co-Intelligence“. Unser tiefgreifendes Branchenwissen bildet die Basis dafür. Bosch bringt Fertigungsexpertise aus jahrzehntelanger Erfahrung sowie Lebenszyklusdaten von mehr als einer Milliarde Produkten und 700 Millionen digitalen Zwillingen aus unseren eigenen KI-gestützten Fabriken ein. Tanja Rückert: Stimmt. In Kombination mit der IT-Infrastruktur und Softwarekompetenz von Microsoft wollen wir ein offenes, skalierbares und sicheres Ökosystem mit echtem Mehrwert für unsere Kunden aufbauen. Dabei wollen wir Daten in ihrem Kontext verstehen und daraus Erkenntnisse für das „echte Leben“ ziehen. Das hilft Herstellern, sich weiterzuentwickeln und den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Wir wollen ihnen Werkzeuge an die Hand geben, um bessere Entscheidungen zu treffen und ihre Effizienz zu steigern – bei gleichzeitig höchster Qualität und Flexibilität. Ebenso möchten wir die Fertigung menschenzentrierter gestalten, nicht wahr? Dayan Rodriguez: Ja, im Mittelpunkt unserer Vision steht eine Fabrik, die Mitarbeitende unterstützt und entlastet. Das Ziel sind schlankere Lösungen. Heute ist es oft so, dass bei Störungen wie Maschinenausfällen in der Fertigungslinie alle verfügbaren Kräfte sofort ausrücken müssen. Instandhaltungsteams werden nachts, am Wochenende oder an Feiertagen gerufen, um Probleme zu beheben und die Produktion schnellstmöglich wieder zum Laufen zu bringen. Das ist stressig, und große Maschinen unter Zeitdruck zu reparieren, ist auch nicht ungefährlich. Wenn alle Prozesse durch agentengestützte KI überwacht werden, lassen sich schon kleinste Abweichungen erkennen und Lösungen implementieren, lange bevor es zu einem größeren Ausfall kommt. Das schafft ein sichereres, stressfreieres und zugleich produktiveres Arbeitsumfeld für alle. Paul Thomas: Und diese Produktivität zahlt sich natürlich auch finanziell aus. In unseren eigenen Betrieben und bei unseren Pilotkunden sind die Integrationskosten um bis zu 70 Prozent gesunken. Prädiktive Lösungen für Garantieansprüche ermöglichen zusätzlich Einsparungen von bis zu einem Drittel. Tanja Rückert: Unser agentengestützter Ansatz sorgt zudem für eine deutlich höhere Zuverlässigkeit auf semantischer Ebene. Dank integriertem Domänenwissen beantworten unsere KI-Agenten Fragen bis zu dreimal häufiger korrekt als isolierte KI-Systeme. Gleichzeitig sparen sie Zeit und reduzieren den manuellen Aufwand für Aufgaben wie Faktenrecherche, Datenkonsolidierung und Dokumentation um bis zu 50 Prozent. Dayan Rodriguez: Ja, die Wirkung ist wirklich durchgreifend. Durch unsere starke Kombination aus fundiertem Industriewissen und modernster Technologie wollen wir die Fertigungslandschaft und den Arbeitsalltag der Menschen verändern, die dort tätig sind. Gemeinsam gestalten wir eine neue Zukunft, in der Mensch und Maschine intelligent und kooperativ zusammenarbeiten. Nicht ohne Stolz sprechen wir bei dieser Vision von „Manufacturing Co-Intelligence“. Tanja Rückert: Ganz genau. Vielen Dank, Dayan. Ich bin gespannt, wohin uns unsere Zusammenarbeit führen wird! Dayan Rodriguez: Vielen Dank Ihnen beiden! Paul Thomas: Unsere Zusammenarbeit mit Microsoft ist nur eines von vielen tollen Beispielen dafür, wie wir Wachstum, Investitionen und Partnerschaften hier in den USA konsequent vorantreiben. Die USA zählen zu unseren wichtigsten Wachstumsmärkten. So hat Bosch kürzlich eine spannende Kooperationsvereinbarung mit Kodiak AI geschlossen. Kodiak AI ist ein dynamisches Unternehmen an der Spitze KI-gestützter autonomer Lkw-Technologien, das bereits Lastwagen ohne menschliche Besatzung im kommerziellen Betrieb einsetzt. Im Rahmen der Zusammenarbeit unterstützen wir die Entwicklung einer produktionsreifen redundanten Plattform, die die erforderliche Hardware, Firmware und Software bündelt, damit vollautonomes Lkw-Fahren großflächig realisiert werden kann. Zu dieser Plattform gehören Sensoren wie Kameras und Radargeräte, mit denen die Lkws ihre Umgebung erfassen, ebenso wie moderne Lenktechnologien für mehr Sicherheit in diesem wesentlichen Fahrzeugsegment. Diese Zusammenarbeit ist für uns eine Win-win-Situation: Sie bietet uns eine hervorragende Gelegenheit, unser Verständnis realer Anforderungen an selbstfahrende Fahrzeuge weiter zu vertiefen und gleichzeitig unser Portfolio für das gesamte Ökosystem der autonomen Mobilität gezielt auszubauen. Auch bei Investitionen sind wir voll auf Kurs, etwa bei unserem Siliziumkarbid-Halbleiterwerk im kalifornischen Roseville. In den vergangenen zweieinhalb Jahren haben wir bereits einen erheblichen Teil der geplanten Investitionen in Höhe von 1,9 Milliarden US-Dollar getätigt und werden noch in diesem Jahr mit der Produktion beginnen. Die Herstellung von Siliziumkarbid-Chips in den USA ist ein zentraler Baustein unseres strategischen Plans, unser Halbleiterportfolio zu stärken und unsere Kunden vor Ort mit dieser Schlüsseltechnologie für die Zukunft von Energie und Mobilität – insbesondere Hybridfahrzeugen – zu versorgen. Und an alle Football-Fans: Ich hoffe, Sie haben unseren ersten Werbespot bei einem der größten Sportereignissen im letzten Jahr gesehen. Gemeinsam mit großartigen Partnern haben wir den USA gezeigt, wie Bosch-Produkte das Leben zum Besseren verändern können. Wenn Sie den Spot nicht kennen: kein Problem. Am 9. Februar sind wir wieder dabei mit einem weiteren Werbespot, der zeigt, was wir meinen, wenn wir sagen: „The more you Bosch, the more you feel like a Bosch.” Wir hoffen, Sie schalten ein! Tanja Rückert: Ganz toll! Ich bin gespannt, was als Nächstes kommt. Innovation bei Bosch folgt seit jeher einem einfachen Ziel: das Leben mittels Technologie zu verbessern. Dabei stellen wir den Menschen in den Mittelpunkt unseres Handelns und nehmen seine sich wandelnden Bedürfnisse ernst. Doch Technologie, die den Menschen in den Mittelpunkt rückt, entsteht nicht im menschenleeren Raum. Daher ist der Dialog für uns so entscheidend. Genau deshalb führen wir seit fünf Jahren unsere jährliche Umfrage „Bosch Tech Compass“ in sieben Ländern weltweit durch. Hieraus wissen wir beispielsweise, dass viele Menschen des Fortschritts gewissermaßen müde sind. So würden 57 Prozent der Befragten bei der Technologieentwicklung gern einfach mal die Pausetaste drücken, bis die damit einhergehenden Folgen genauer bekannt sind. Andererseits fallen die Rückmeldungen zu KI so begeistert wie nie aus. Die Mehrheit der Befragten prognostiziert ihr einen größeren positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft als jeder anderen Technologie. Und damit nicht genug: Allgemein ist der Technologieoptimismus größer als seit Jahren. Weltweit sind heute 71 Prozent der Menschen der Meinung, dass technologischer Fortschritt die Welt zu einem besseren Ort macht. Bei Bosch teilen wir diese Einstellung natürlich aus vollster Überzeugung. Schließlich haben wir uns der Entwicklung von Technologien, die den Menschen in den Mittelpunkt rückt, verschrieben. Wir bauen Brücken zwischen Hard- und Software. So entsteht Technik, die Menschen hilft und neue Möglichkeiten eröffnet. Technik fürs Leben. Herzlichen Dank – und kommen Sie an unserem Stand vorbei! Paul Thomas: Vielen Dank an alle. Wir sehen uns an unserem Stand in der Haupthalle!

„Coded #LikeABosch“: Wie Bosch Technik fürs Leben in Form von Software und KI-Lö ...

06.01.2025

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Wirtschaft

„Coded #LikeABosch“: Wie Bosch Technik fürs Leben in Form von Software und KI-Lö ...

Dr. Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Paul Thomas, President von Bosch in Nordamerika, auf der CES® am 6. Januar 2025 Es gilt das gesprochene Wort.Gastauftritt von Danny MacAskill, Trialfahrer aus Schottland Danny MacAskill: Meine Damen und Herren, bitte begrüßen Sie auf der Bühne: Tanja Rückert und Paul Thomas! Tanja Rückert: Vielen Dank, Danny. Einen großen Applaus für Danny MacAskill! Danny, du bist wirklich ein Akrobat auf deinem Rad! Und bestimmt eröffnen sich dir mit den digitalen Technologien, die gerade im Radsport Einzug halten, ganz neue Möglichkeiten. Paul Thomas: Danny, blicken wir einmal zehn oder 15 Jahre voraus: Welche digitale Lösung wird sich am stärksten positiv auf deine Karriere ausgewirkt haben? Danny MacAskill: In zehn bis 15 Jahren? Naja, ich nutze schon heute sehr viele Technologien – beispielsweise um meine Routen zu planen und Daten zu erfassen, mit denen ich dann meine Leistung auswerte, um mich weiter zu verbessern. Aber wenn wir schon so weit in die Zukunft blicken: Ich denke, etwas anderes hätte deutlich mehr Wirkung. Tanja Rückert: Und was? Danny MacAskill: Ein Klon meiner selbst in Form eines KI-gestützten Roboters, der besonders riskante Manöver erst einmal für mich ausprobiert. Das erspart mir viel Reha-Zeit und definitiv eine ganze Reihe unangenehmer Verletzungen. Er müsste nur wirklich genau wie ich aussehen, damit niemand merkt, dass es ein Roboter ist. Aber das schafft ihr mit links, oder? Paul Thomas: Aber deine Stunts werden ja erst durch dich so interessant! KI kann zwar bei Training und Daten helfen, aber als Ersatz für den Menschen sehen zumindest wir sie nicht. Und genau darum geht es übrigens heute. Danny MacAskill: Tja, Fragen kostet nichts. Tanja Rückert und Paul Thomas: Guten Tag und herzlich willkommen zur CES 2025! Wir freuen uns sehr, dass Sie heute vor Ort oder virtuell dabei sind! Danny hat uns mit seinem Rad den perfekten Einstieg in unser heutiges Thema geliefert: wie Bosch im Digitalgeschäft neue Wege geht. Insbesondere unsere eBike-Sparte bildet den idealen Ausgangspunkt, denn sie zeigt beispielhaft, wie sich unser gesamtes Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt hat. Wir haben uns von einem führenden Innovator und Hersteller von Hardware zu einem Unternehmen gewandelt, das die Welt der Dinge naht- und mühelos mit der Welt der Daten verbindet. Vor 15 Jahren ging das erste eBike-System von Bosch an den Start. Zu Beginn vereinte der Geschäftsbereich unser Fachwissen aus klassischen Hardware-Bereichen wie kabellosen Elektrowerkzeugen und E-Motoren auf sich. Wir kamen mit einem einzigen Antrieb, Akku und LED-Display auf den Markt. Spulen wir vor in die Gegenwart: Heute sind wir einer der Weltmarktführer für Antriebssysteme von eBikes. Zudem sind wir führender Anbieter intelligenter vernetzter Lösungen, mit denen sich die Einstellung der Kunden zu Mobilität und Radfahren grundlegend wandelt. Von unserem stetig wachsenden Digitalwissen zu eBike-Systemen können Sie sich hier auf der CES ein Bild machen. Mit Battery Lock etwa starten wir eine neue, einzigartige Lösung, über die sich der Akku Ihres eBikes ganz einfach mithilfe des Smartphones oder des Kiox-Displays digital deaktivieren lässt, wenn er nicht gebraucht wird. Denn fest steht: Der Akku ist nicht nur eines der teuersten Teile am eBike, sondern lässt sich auch mit am einfachsten weiterverkaufen. Ist er aber erst einmal deaktiviert, wird er für Fremde quasi nutzlos. Damit sinkt das Diebstahlrisiko – und Sie haben Ihre Ruhe. Das Ganze ist extrem einfach: Um das Rad wieder zu entsperren, braucht man das Handy nicht einmal aus der Tasche ziehen. Denn der Akku erkennt Sie per Bluetooth. Eine weitere Lösung, die wir hier zeigen, ist Range Control. Diese Funktion unserer eBike Flow App unterstützt mithilfe von KI bei der Routenplanung. Wer ein eBike besitzt, weiß, wie sehr man oft zittert, ob die Motorunterstützung noch bis zum Ziel reicht. Mit Range Control weiß man schon vorher genau, wie weit man mit einer Akkuladung kommt. Sie können sogar bestimmen, wie voll der Akku bei der Ankunft noch sein soll. Bei der Berechnung berücksichtigt der Algorithmus Größen wie das Systemgewicht, installierte Komponenten, Höhenunterschiede und individuelles Fahrverhalten. Darauf basierend passt er dann die Motorunterstützung so an, dass der Akku bei der Fahrt maximal effizient genutzt wird. Und das Beste: Je öfter Sie die Funktion nutzen, desto genauer wird sie, weil sie Ihren Fahrstil analysiert. Zumindest auf einem Zweirad mit intelligentem Bosch-System ist die Sorge um genug Reichweite ab sofort Schnee von gestern. Das Beispiel vom eBike zeigt, dass Software und digitale Lösungen mittlerweile fester Bestandteil all unserer Geschäftsbereiche sind – und dass sich unsere massiven Investitionen hier auszahlen. Bis zum Beginn des neuen Jahrzehnts wollen wir mit unabhängigen Softwarelösungen und Services einen Umsatz von 6 Milliarden Euro erwirtschaften. Natürlich kommt vieles davon mit KI: Schließlich beschäftigen wir rund 5 000 KI-Fachkräfte und haben in den letzten fünf Jahren mehr als 1 500 KI-basierte Patente angemeldet. Damit halten wir übrigens europaweit die meisten KI-Patente. Vielleicht erinnern Sie sich an unsere Ankündigung auf der CES 2020, dass wir bis 2025 jedes Produkt und jede Lösung in unserem Portfolio entweder mit KI ausstatten oder mithilfe von KI entwickeln bzw. fertigen wollten. Dieses Ziel haben wir nicht nur umgesetzt, sondern sogar zwei Jahre früher als geplant erreicht. Doch unsere digitale Transformation und der Erfolg, der sich bei Software und KI einstellt, sind nur ein Teil des Ganzen. Der andere Teil verbirgt sich bereits in unserem diesjährigen CES-Slogan „Coded #LikeABosch“. Codes bilden natürlich die Grundlage einer jeden Digitallösung. Heute heißt es „Vorhang auf“, damit Sie sehen, dass diese Grundlage bei Bosch steht. Natürlich nicht Zeile für Zeile – wir zeigen Ihnen etwas viel Grundlegenderes. Kurz gesagt: „Coded #LikeABosch“ beschreibt den Ansatz, mit dem wir an all unsere Digitalaktivitäten herangehen – und der sich vor allem an unserem Grundsatz „Technik fürs Leben“ orientiert. Betrachten wir einmal seine vier Kernaspekte. Vor allem spiegelt „Coded #LikeABosch“ zunächst unser oberstes Ziel wider: zu verstehen, was die Menschen brauchen und wollen – insbesondere bei Themen wie Sicherheit, Komfort und Effizienz. Auf dieser Grundlage entwickeln wir digitale Lösungen mit echtem Mehrwert – und nicht nur Neuheitsfaktor. Als langjähriger Technologieführer ist es uns seit jeher wichtig, mit unseren Innovationen Leben zu verbessern. Von Bosch kam die Magnetzündung, die großen Anteil an der Demokratisierung des Automobils hatte. Und auch revolutionäre Fahrzeug-Sicherheitssysteme wie Airbag-Steuergeräte und ESP, die unzählige Leben weltweit gerettet haben, stammen von uns. Dasselbe gilt nun für unsere digitalen Innovationen. Unsere Software warnt Verkehrsteilnehmer vor Geisterfahrern. Auf ihr basieren intelligente Kameras, die Rauch und Feuer „sehen“, bevor es zu brenzlig wird, oder den Ball erkennen, der vor Ihrem Auto auf die Straße rollt, und Sie vor dem Kind warnen, das möglicherweise hinterherläuft. Auf unserer Software basieren auch Plattformen für energieeffizientes Gebäudemanagement, hochmoderne digitale Gesundheitslösungen und sichere, effiziente Fertigungsbetriebe. Im Bereich Mobilität unterstützt sie uns dabei, dem softwaredefinierten Fahrzeug der Zukunft den Weg zu ebnen, wobei sich ganz nebenbei noch viele weitere neue Vorteile für Nutzer ergeben. Eines der beeindruckendsten Ausstellungsstücke an unserem Stand ist dieses Jahr ein Rennwagen. Aber nicht irgendeiner: Es ist ein hochmoderner Rennwagen der Kategorie Le Mans Daytona hybrid – auch bekannt als LMDh. Es ist der erste hybrid betriebene Prototyp, der sowohl in der IMSA SportsCar Championship von NASCAR als auch der FIA World Endurance Championship des ACO zugelassen ist – also den klassischen Langstreckenrennen wie Le Mans, Daytona und Sebring. Besonders daran ist zweierlei: Erstens war der LMDh das erste völlig neue Auto, das von beiden Organisationen genehmigt wurde, und zweitens fährt er mit einem Hybridsystem von Bosch. Die Motorsportfans unter Ihnen müssen ihn sich unbedingt ansehen! Zu den digitalen Hightech-Leckerbissen gehört dieses Jahr zudem unsere neue cloudbasierte Telemetrielösung RaceConnect. Mit ihrer Hilfe können wir aus dem Datenstrom aus Fahrzeugen auf der Strecke das Maximum herausholen: So ziehen wir daraus in Echtzeit verwertbare Erkenntnisse für das Rennen sowie die Hersteller, Teams und Fans. Aber eigentlich wollte ich einer anderen Systemkomponente ein paar Minuten widmen: dem Bremssystem. Allerdings nicht aus den Gründen, die Sie womöglich annehmen. Wir berichten, wie dieses Bremssystem einem Fahrer trotz widrigster Umstände ermöglicht hat, weiterhin seinen Lieblingssport zu betreiben. Zu dieser packenden Geschichte haben wir heute einen ganz besonderen Gast eingeladen. Doch bevor wir ihn gleich auf die Bühne bitten, sehen wir uns die Herausforderungen an, denen er sich stellen muss, und wie er sie mit Technologie von Bosch meistert.Gastauftritt von Rennfahrer Robert Wickens Paul Thomas: Robert, vielen Dank, dass du heute zu uns auf die CES gekommen bist. Du hast wirklich Unglaubliches erlebt. 2022 bist du wieder ins Renngeschäft eingestiegen und letztes Jahr bist du mit der Bosch Handsteuerung fürs Bremsen an den Start gegangen. Erzähl uns doch ein bisschen über das System und was es dir gebracht hat. Robert Wickens: Vielen Dank, Paul. Ich freue mich, hier zu sein. Als ich nach meinem Unfall auf die Rennstrecke zurückgekehrt bin, bremste ich zunächst über ein System, das mechanisch mit dem echten Bremspedal verbunden war. Das funktionierte zwar, war aber nicht optimal. Dann kam Bosch mit einer Lösung auf mich zu, die auf dem elektrischen Bremssystem für die LMDh-Klasse basierte. Sie nutzt hochmoderne Brake-by-Wire-Technologie, bei der mittels Software das Bremsdrehmoment aus der E-Maschine bzw. Motor-Generator-Einheit und die herkömmlichen Hydraulikbremsen aufeinander abgestimmt werden. Das Bosch-Motorsportteam hat es geschafft, die Neuentwicklung in Teile meines bestehenden Systems zu integrieren und vor allem die Software auf Handsteuerung anzupassen und zuzuschneiden. Für mein Fahrgefühl und die Reaktivität ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Mit der zusätzlichen Technologie kann ich schneller und gefühlvoller bremsen als mit dem Behelfssystem. Außerdem kommt sie mit einer modernen Diagnosefunktion für mehr Sicherheit. Kurzum: Dank des neuen Bremssystems kann ich mein Fahrzeug genauso steuern wie andere Fahrer auch. Paul Thomas: Das heißt, mit der Bosch-Technologie fährst du nun hinsichtlich Geschwindigkeit und Genauigkeit wieder auf Weltklasseniveau? Robert Wickens: Ganz genau. Tanja Rückert: Was ändert das für dich und deine Karriere? Robert Wickens: Ganz ehrlich: alles. Ich fahre wieder wie früher. Und das heißt im Grunde, dass ich meinen Lieblingsberuf weiter ausüben kann: mich als Rennfahrer auf höchstem Niveau zu messen. Besonders toll finde ich auch, dass das System aufgrund seiner Software-Architektur transportabel ist. Bisher bin ich einen Hyundai Elantra N TCR gefahren, aber ich kann es künftig in so viele Autos mitnehmen, wie ich will. Vor allem aber bin ich stolz darauf, dass ich – egal, was ich in meiner Karriere noch erreiche – gemeinsam mit Bosch ein bleibendes Erbe für die nachfolgende Generation von Rennfahrern mit Behinderung hinterlasse. Nicht nur, weil ich ihnen beweise, dass Rennsport und Behinderung absolut kompatibel sind, sondern auch durch meinen Beitrag zur Entwicklung und Feinjustierung der Technologie an sich, die anderen hilft, ihren Traum zu leben. Paul Thomas: Was meinst du, was dir die Zukunft bringt? Robert Wickens: Da habe ich aufregende Neuigkeiten. Erstens werde ich 2025 in der Corvette Z06 GT3.R mit der Startnummer 36 von DXDT in der IMSA WeatherTech SportsCar Championship einsteigen. Damit arbeite ich mich auf ein höheres Leistungs- und Rennniveau vor – und freue mich riesig. Darüber hinaus eröffnet meine Zusammenarbeit mit Bosch unendliche Möglichkeiten, weshalb wir das System weiter ausbauen wollen. Dies ist also erst der Beginn unseres gemeinsamen Wegs. Tanja Rückert und Paul Thomas: Herzlichen Glückwunsch, Robert, und vielen Dank, dass du heute hier warst. Deine unglaubliche Geschichte inspiriert sicher viele Menschen und es ist uns eine Ehre, dazu beigetragen zu haben. Dieses Beispiel zeigt wirklich eindrucksvoll, was wir mit „Technik fürs Leben“ und „echtem Mehrwert“ meinen. Und es verdeutlicht, weshalb wir so ehrgeizig auf das softwaredefinierte Fahrzeug hinarbeiten: weil es ein enormes Potenzial für mehr Sicherheit, Effizienz und Verfügbarkeit bietet. Und das nicht nur im Bereich des Rennsports! Schließlich stammt das Software-Know-how von Bosch aus unserem umfassenden Wissen im gesamten Mobilitätsspektrum. Damit unterscheiden wir uns von anderen Unternehmen. Denn wir sind auf allen Ebenen und in allen Bereichen des softwaredefinierten Fahrzeugs bewandert, was uns zum ersten Ansprechpartner macht. Apropos Partner: Kommen wir nun zum zweiten Aspekt unseres Ansatzes. Grundsätzlich setzen wir bei all unseren Digitalaktivitäten auf eine kollaborative, hardwareunabhängige Strategie mit offener Plattform. Hierbei leitet uns die Überzeugung, dass sich allgemein in diesem Bereich durch Öffnung mehr erreichen lässt als durch Einschränkung. Deshalb schließen wir Kooperationen mit anderen Unternehmen wie mit VW und seiner Tochter Cariad, mit der wir automatisierte Fahrfunktionen in Autos aller Preissegmente einführen wollen. Daher ist uns hardwareunabhängige Software so wichtig. Dazu gehört beispielsweise unser revolutionäres Vehicle Motion Management, das wir an unserem Stand ausgestellt haben. Und deshalb setzen wir in nahezu allen Geschäftsbereichen auf offene, markenübergreifende Plattformen wie unsere preisgekrönte Automatisierungslösung für die Industrie, ctrlX AUTOMATION. Sie basiert auf dem Open-Source-Betriebssystem Linux und funktioniert wie ein App Store für Hightech-Fabrikanwendungen. Über 100 Partner weltweit sind bereits eingebunden und tragen aktiv zur Weiterentwicklung bei. Ein anderes Beispiel ist unsere Smart-Home-Sparte. In den letzten Jahren haben wir nicht nur weitere intelligente, vernetzte Lösungen entwickelt, die für ein einfacheres Leben und mehr Komfort sorgen, sondern wir haben sie auch kompatibel mit den Produkten und Plattformen anderer Hersteller gestaltet. Denn noch einfacher und komfortabler wird es ja, wenn man frei unter verschiedenen Marken wählen kann und trotzdem noch alles nahtlos zusammenwirkt, nicht wahr? An unserem Stand stellen wir eine Reihe neuer Smart-Home-Produkte von Bosch aus, die nun mit „Matter“ kompatibel sind. Dabei handelt es sich um einen kostenlosen, quelloffenen Verbindungsstandard für Smart Home und IoT-Geräte. Kommen Sie vorbei und entdecken Sie unsere Smart-Produkte wie Zwischenstecker, Tür- und Fensterkontakte, Heizkörperthermostate, Luftreiniger und Klimaanlagen. Darüber hinaus präsentieren wir Ihnen den neuen freistehenden French-Door-Kühlschrank der 100er-Serie von Bosch , der ab 2025 dank Matter mit Alexa kompatibel ist. Bei Bosch freuen wir uns sehr, gemeinsam mit Amazon die Sparte Matter-gestützter Haushaltsgeräte voranzubringen. Zudem stärkt dieses Neuprodukt unsere Führungsposition als erstes Unternehmen weltweit, das ein Matter-fähiges Hausgerät auf den Markt bringt. Die Devise lautet also „mehr Auswahl, mehr Komfort“. So können wir Kundenanforderungen dank eines kollaborativen Ansatzes noch besser erfüllen. Damit komme ich zu Aspekt Nummer 3: Bei allen Digitalaktivitäten ist es uns besonders wichtig, Vertrauen in die neuen Technologien aufzubauen. Das hören Sie schon seit Langem von uns, doch heute ist das Thema brisanter denn je. Bei Bosch haben wir schon früh erkannt, dass sich digitale Technologien ohne das Vertrauen der Nutzer niemals breitflächig durchsetzen und verbreiten können. Deshalb haben wir einen wesentlichen Teil unserer Digitalstrategie den Nutzern unserer Technologie gewidmet, um vor allem die Bedenken der Menschen aufzugreifen. Nirgendwo ist dies wichtiger als bei KI. Deshalb ist es unsere erklärte Priorität, KI sicher, robust und erklärbar zu entwickeln. Seit einigen Jahren leitet uns dabei unser KI-Kodex. Wir befürworten darüber hinaus ein standardisiertes, leicht verständliches KI-Label, das dem Kerngedanken des europäischen KI-Gesetzes Leben einhaucht und Verbrauchern mehr Transparenz bietet. DieseAnsätze sind unseres Erachtens unabdingbar, um Menschen davon zu überzeugen, dass sie unseren Digitaltechnologien – ebenso wie seit Langem unseren Analoglösungen – vertrauen können. Außerdem bleibt der Mensch so im Zentrum des Entwicklungs- und Anwendungsinteresses von KI-Technologien. Für uns bedeutet dieser menschenzentrierte Ansatz, dass wir vor allem die Anwendungsfälle identifizieren müssen, in denen KI Menschen helfen und ihr Leben leichter, sicherer und besser machen kann. Eine der Innovationen, die wir auf der CES präsentieren, verkörpert dieses Konzept perfekt: Unsere neue multimodale KI-Lösung „Revol“ für Babys wurde in den Kategorien „Smart Home“ und „Künstliche Intelligenz“ als CES Innovation Award Honoree ausgezeichnet. Alle Eltern da draußen wissen, wie viel Zeit, Energie und Ungewissheit mit der Betreuung eines kleinen Kindes verbunden sind. Hier kann uns Technologie helfen. Das intelligente Babybettchen Revol behält Ihr Baby dank Sensoren, Kamera und KI im Auge. Wie genau? Durch die Überwachung der Herz- und Atemfrequenz Ihres Kindes. Indem es erkennt, wenn das Gesicht von einer Decke oder einem Kuscheltier verdeckt wird oder wenn das Baby weint. Und wenn das Neugeborene schlecht einschläft, kann das Kinderbett es automatisiert in den Schlaf wiegen. Die menschliche Komponente allerdings kann die Lösung nicht ersetzen. Betreuen können das Kind nur seine Eltern mit Liebe und Erfahrung – denn schließlich treffen Sie ja auch die Entscheidungen. Bosch unterstützt Sie lediglich dabei, dass Ihr Baby sicher und gesund bleibt, Sie die gemeinsame Zeit intensiver genießen können und sich weniger Sorgen machen müssen. Hier erweist sich KI als unglaublich hilfreich, weshalb wir uns auf Anwendungsfälle wie diesen konzentrieren, um Vertrauen in die Technologie zu gewinnen. Auch der verantwortungsvolle und transparente Umgang mit Nutzerdaten gehört dazu. Bei Revol werden sämtliche Daten mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen und auf von Bosch verwalteten Servern gespeichert, während ruhende Daten lokal mit individueller Verschlüsselung gesichert werden. Trotzdem haben Sie das letzte Wort darüber, ob die Daten überhaupt übertragen werden sollen: Denn Revol funktioniert auch offline, wobei Ihre Daten Ihre vier Wände nicht verlassen, wenn Sie es nicht wünschen. Das Babybett Revol und wie es Eltern mit seinen Digitaltechnologien unter die Arme greift, bietet die perfekte Überleitung zum vierten und letzten Aspekt unseres Ansatzes. Unser Ziel ist es nämlich, mit diesen Technologien – und insbesondere KI – menschliche Intelligenz und Fähigkeiten nicht zu ersetzen, sondern zu unterstützen. Erlauben Sie mir, etwas näher auf KI – und insbesondere generative KI bzw. GenAI – einzugehen, da es sich dabei zweifelsohne um die technische Entwicklung handelt, die in den letzten Jahrzehnten so viel verändert hat wie keine andere. Schon die Entwicklung der künstlichen Intelligenz an sich stellte einen Meilenstein dar. Doch der Sprung zur generativen KI ist nicht mehr und nicht weniger als eine technologische Revolution, die sich neben der Erfindung des Computers oder des Internets einreiht. GenAI hat KI für alle zugänglich gemacht. Mittlerweile braucht man kein KI-Experte mehr zu sein, um das Potenzial und die Möglichkeiten der Technologie zu nutzen. Bei Bosch erleben wir derzeit, wie GenAI die Einführung von KI-Technologien in unserem Unternehmen wie ein Katalysator beschleunigt. Dadurch gewinnen Themen wie AI Upskilling und AI Governance rasant an Bedeutung. Wie nutzen wir GenAI? In unseren internen Prozessen kommt GenAI in verschiedensten Anwendungen zum Einsatz, um unsere Arbeit zu bündeln und unsere Kunden besser bedienen zu können. Seit Kurzem nutzen wir etwa ein Tool, das unsere Beschäftigten beim Erstellen von Texten, Videos und Softwarecode unterstützt. Dank GenAI erschließen wir auch in unseren Lösungen für Kunden neue Möglichkeiten. Gemeinsam mit dem deutschen Unternehmen Aleph Alpha haben wir einen KI-gestützten Dienst auf den Markt gebracht, der mithilfe der Verarbeitung natürlicher Sprache auf Pannenmeldungen aus Fahrzeugen reagiert. Der multilinguale Aufzugnotruf von Bosch ist ein weiterer KI-gestützter Dienst, der im steckengebliebenen Fahrstuhl eingesperrte Personen mit unseren Serviceexperten verbindet. Dabei übersetzt ein KI-basierter Voice-Bot – verstärkt durch GenAI – das Gespräch in Echtzeit. Bei beiden Beispielen können Menschen in Not umgehend Hilfe rufen und erhalten – und das in mehreren Sprachen. Auch unser intelligenter Backofen der Serie 8, den Sie hier auf der CES finden, nutzt GenAI. Dank Sensoren, einer Kamera und einem winzigen Basismodell in jedem Gerät lernt der Backofen Gerichte automatisch zu erkennen und wählt jeweils die optimale Back- oder Garzeit und -temperatur aus. Sie kümmern sich um die Zutaten – der Backofen macht den Rest. Und auch hier gilt: Je öfter Sie ihn nutzen, desto besser wird er. Denn er lernt aus der eigenen Erfahrung und merkt sich Ihre Vorlieben. Das ist das Tolle an KI und deshalb faszinieren mich die Möglichkeiten, die sie bietet, so sehr. Aber ehrlich gesagt finde ich es schade, dass die Gesellschaft oft keinen ausgewogenen Blick auf KI wirft. Auf der einen Seite stößt sie auf viel Angst und Missverständnis, was zu Misstrauen und sogar Widerstand gegen KI führt. Und auf der anderen Seite spielen ihre größten Verfechter legitime Bedenken oft herunter und schreiben ihr Superkräfte zu. Wie meistens liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Bei klugem und verantwortungsbewusstem Einsatz ist KI ein wertvolles Instrument, das mit der menschlichen Intelligenz zusammenarbeitet und sie ergänzt. Sie kann uns im Berufs- wie Privatleben unterstützen und begleiten. Aber sie kann – und sollte – nicht menschenunabhängig arbeiten oder den Menschen ersetzen wollen. Daher ist es so essenziell, sich KI-Kenntnisse anzueignen. Dies geht auch aus dem jüngsten Bosch Tech Compass hervor, in dessen Rahmen wir einmal jährlich weltweit Einstellungen gegenüber Technologie erheben. In der jüngsten Umfrage haben wir die Teilnehmenden zu verschiedenen KI-bezogenen Themen befragt. Interessanterweise zeigten die Ergebnisse, dass dem Wissenserwerb rund um KI weithin große Bedeutung beigemessen wird. Beispielsweise planen 82 Prozent der Befragten weltweit, sich zum Thema KI weiterzubilden. Dementsprechend befürworten 63 Prozent, dass KI als eigenständiges Fach in der Schule gelehrt werden sollte. Das zeigt, dass damit verbundene Fähigkeiten zunehmend als grundlegend betrachtet werden und daher früh erworben werden sollten. Demgegenüber beginnen Arbeitgeber gerade erst, die Bedeutung von KI-Kenntnissen zu begreifen: Nur etwa ein Viertel der Befragten gaben an, im Job eine KI-Fortbildung erhalten zu haben. Bei Bosch nehmen wir das Thema KI-Kenntnisse sehr ernst. Wir haben bereits verschiedene Initiativen ins Leben gerufen, um unsere Belegschaft KI-fit zu machen. Hierzu gehört ein eigenes Lernportal, unsere AI Academy, die allen im Unternehmen offen steht. Dort finden sich vielfältigste Präsenz- und virtuelle Schulungen von Anfänger- bis Profiniveau für unsere Beschäftigten. Bisher haben über 65.000 Beschäftigte Schulungen zu KI und GenAI absolviert. Die Fertigung ist ein weiterer Bereich, in dem wir aktiv unter Beweis stellen, wie wir diese neuen Fähigkeiten einsetzen können – und wie KI allgemein menschliches Fachwissen ergänzen statt ersetzen kann. Bosch gilt weithin als Vorreiter der sogenannten industriellen KI, bei der Fertigungsabläufe KI-gestützt optimiert und verschlankt werden, um sie sicherer, effizienter und genauer zu gestalten. Um es auf den Punkt zu bringen: Bei „Coded #LikeABosch“ geht es um Digitallösungen, die Menschen helfen, unterstützen und nützen sollen. Sie spielen in all unseren Märkten weltweit zunehmend eine grundlegende Rolle für unser Portfolio und damit auch unsere Wachstumsbestrebungen. Apropos Wachstum: Die USA sind und bleiben ein wichtiger strategischer Schwerpunkt, weshalb wir dort weiterhin massiv investieren. Vor einigen Monaten haben wir die größte Einzeltransaktion in unserer Unternehmensgeschichte angekündigt: So planen wir, von Johnson Controls und Hitachi das Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsgeschäft für Wohn- und kleine Gewerbegebäude für acht Milliarden Dollar zu erwerben. Der Abschluss wird für dieses Jahr erwartet. Darüber hinaus wirken wir am Ausbau der Halbleiterfertigung in den USA mit. So sollen ab 2026 in unserem Werk im kalifornischen Roseville Siliziumkarbid-Chips gefertigt werden, worauf wir ehrgeizig hinarbeiten. Erst kürzlich, im Dezember, kam die erfreuliche Nachricht, dass das Projekt vorgeschlagene Förderungen aus dem CHIPS and Science Act erhält, wodurch wir den Standort zu einem Halbleiterwerk von Weltklasse machen können. Und das ist noch nicht alles. Wir planen mehrere Einführungen neuer, speziell auf den US-Markt zugeschnittener Produkte in unseren Bereichen Elektrowerkzeuge und Hausgeräte. Sie sehen, bei Bosch in den USA geht derzeit viel Spannendes vor sich. Und schon bald wird man auch hierzulande mehr von uns hören. Außerdem werden wir dort auftauchen, wo wir bisher noch nicht zu sehen waren. Und besonders ein Auftritt dürfte Sie überraschen: Mit Stolz dürfen wir Ihnen hier auf der CES mitteilen, dass Bosch erstmals in seiner Geschichte Werbung bei einer großen Sportveranstaltung am 9. Februar schalten wird. Mehr dazu erfahren Sie in den nächsten Wochen. Halten Sie auf jeden Fall beim Spiel Ausschau nach Bosch! Mit Blick auf die Zukunft eröffnet sich mithilfe digitaler Technologien eine endlose Landschaft an Möglichkeiten. Insbesondere KI und GenAI besitzen das Potenzial für mehr Komfort, Effizienz, Einsparungen und Nachhaltigkeit in nahezu allen Bereichen – vorausgesetzt, der Ansatz stimmt. Für uns muss dabei der Mensch im Mittelpunkt stehen. Vor allem hinsichtlich KI sind die vier Aspekte, die ich gerade erörtert habe, essenziell, um einen ausgewogenen und realistischen Blick auf die Technologie zu verankern. Sie tragen auch dazu bei, dass KI dazu genutzt wird, was sie am besten kann: unser menschliches Wirken unterstützen, verstärken und optimieren. Bei Bosch haben wir unsere reine Hardware-Fokussierung schon lange hinter uns gelassen und arbeiten beständig an revolutionären digitalen Errungenschaften. Doch auch eine datengetriebene Welt ändert nichts an dem Beweggrund, der uns antreibt: Unser Anspruch ist und bleibt es, das Leben von Menschen mithilfe von Technologie zu verbessern – getreu unserer Devise „Technik fürs Leben“. Kommen Sie zu unserem Stand und sehen Sie selbst, wie mehrwertstiftende Digitaltechnologie im Sinne von „Coded #LikeABosch“ aussieht. Vielen Dank!

Zukunft vorprogrammiert: Bosch treibt das Software-Geschäft voran

19.06.2024

Referat

Wirtschaft

Zukunft vorprogrammiert: Bosch treibt das Software-Geschäft voran

Dr. Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, Dr. Markus Heyn, Mitglied der Geschäftsführung, anlässlich des Bosch Tech Day am 18. und 19. Juni 2024 Es gilt das gesprochene Wort.Sehr geehrte Damen und Herren, die Library of Congress in Washington ist eine der größten Bibliotheken der Welt. Ihre digitale Sammlung umfasst weit über 900 Millionen Dateien mit einer Gesamtgröße von gut 21 Petabyte. Ein Petabyte ist etwas mehr als eine Million Gigabyte. Damit kann man sich schon eine Weile beschäftigen: zum Beispiel mehr als 13 Jahre lang fernsehen – am Stück und in HD. Die Verkehrsdaten, die wir bei Bosch mit unserer Sensorik inzwischen aufgezeichnet haben, brauchen allerdings etwas mehr an Platz als 21 Petabyte: nämlich weit mehr als das Zehnfache. Das zeigt nicht nur, dass wir zusammen mit unseren Partnern oft auf den Straßen dieser Welt unterwegs sind. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass digitale und dingliche Welt bei Bosch miteinander verschmelzen und sich gegenseitig bedingen. Denn nur mithilfe dieser enormen Fülle an Daten können wir beispielsweise unsere Lösungen für die Mobilität der Zukunft entwickeln – Hardware wie Sensoren oder Bremssysteme, vor allem aber auch neue, intelligente Software für die Mobilität von morgen. Sie werden heute hier auf der Teststrecke einige dieser Lösungen selbst erleben und – im wahrsten Sinne des Wortes – erfahren können – und ich freue mich sehr, dass Sie dafür zu uns gekommen sind: herzlich willkommen in Renningen zu unserem Bosch Tech Day. Gerade in der Mobilität ist das Tempo der Software-Entwicklung äußerst hoch. Man könnte fast den alten Begriff der „Datenautobahn“ wieder hervorkramen – dieses Mal aber in einer neuen, nahezu wörtlichen Bedeutung: Denn auf den Straßen der Zukunft wird Software den Verkehr stärker prägen als jede andere Technologie. Für Bosch ist die hohe Dynamik in diesem Bereich ein Vorteil: Software ist schließlich über alle Unternehmensbereiche hinweg bereits der entscheidende Treiber für all unsere Zukunftsthemen – das gilt für die intelligente Steuerung von Fabriken ebenso wie für smarte Hausgeräte oder auch für unser neues Wachstumsfeld Medizintechnik. Dabei ist Software nichts Neues für Bosch. Bislang aber lag der Schwerpunkt weit überwiegend auf Programmen für Produkte; Software zum Beispiel für Airbag-Steuergeräte etwa, für eBikes oder auch für effiziente Wärmepumpen. Mittlerweile aber wächst parallel dazu unser Geschäft mit sogenannter „eigenständiger Software“, die unabhängig vom Produkt entwickelt und vertrieben werden kann. So bieten wir beispielsweise eine Software für eine Videofunktion an, mit der Fahrzeuge ihr Umfeld besser erkennen können. Entscheidend dabei: Das Programm läuft hardwareunabhängig auf Chips verschiedener Hersteller. Der Bedarf an solch eigenständiger Software sowie an digitalen Diensten wird in den kommenden Jahren stark anziehen. Bis Ende der Dekade wollen wir mit Software Umsätze in Milliardenhöhe erwirtschaften Dabei ist die in unseren Produkten eingebettete Software noch nicht einmal eingerechnet. Wie wichtig diese embedded software ist, zeigt ein kurzer Rückblick auf unser allererstes Softwareprodukt: die Bosch-Motronic. Das war ein Steuergerät, das Zündung und Benzineinspritzung gleichzeitig steuerte – und zwar digital, mit Microcontroller und Speicher. Vor 45 Jahren wurde die Motronic erstmals in ein Serienfahrzeug eingebaut, in den BMW 732i. Damit hatte Bosch das Software-Zeitalter im Automobil eingeläutet. Und was 1979 mit sehr überschaubaren Stückzahlen für ein einzelnes Fahrzeugmodell begann, bewegt sich inzwischen in ganz anderen Dimensionen – jedes Jahr liefern wir weltweit mehr als 250 Millionen Steuergeräte mit eigenem Code an unsere Kunden aus. Seit der Einführung der Motronic hat sich Bosch also von einem reinen Hardware-Unternehmen zu einem der größten Anbieter von Software in Europa, wenn nicht weltweit, entwickelt. Insgesamt arbeiten bei Bosch derzeit 48 000 Menschen an Software – viele davon in Deutschland, aber auch in unserem indischen Tochterunternehmen Bosch Global Software Technologies, das in den vergangenen 25 Jahren massiv gewachsen ist und mittlerweile Niederlassungen in Mexiko und Vietnam betreibt. Bosch-Software findet sich in zahllosen Fertigungslinien, Auto-Werkstätten oder in medizinischen Geräten rund um den Globus. Sie warnt vor Falschfahrern und wacht über Wahrzeichen wie etwa die Elbphilharmonie oder das Schloss Neuschwanstein, wo sie wertvolles Kulturgut vor Feuer und Vandalismus schützt. Sie finden Software in der Industrietechnik, wo wir mit der Steuerungsplattform crtlX Automation das am schnellsten wachsende Ökosystem der Fabrikautomation geschaffen haben. Oder im Bereich Building Technologies, wo wir mit Nexospace eine digitale Service-Lösung für effizientes und nachhaltiges Gebäudemanagement anbieten. Und bis vor kurzem waren von uns entwickelte Algorithmen sogar im Weltraum unterwegs, wo die Software an Bord der ISS Geräusche analysiert und auf mögliche Abweichungen hingewiesen hat. Sie sehen also, „Technik fürs Leben“ gilt auch bei der Software. Und wir können sogar – im Unterschied zu reinen Software-Unternehmen – Codezeilen direkt in Produkte bringen, sozusagen ins Leben der Menschen. Die Basis für unseren Anspruch – Technik fürs Leben – liegt seit jeher in unseren Stärken bei der präzisen, qualitätssicheren Herstellung von komplexen, physischen Dingen. Auf diese Stärken wollen wir weiterhin kraftvoll aufbauen, genauso wie auf unserem tiefen Domänenwissen in Mobilität, Industrie oder der Gebäudetechnik. Und mittlerweile machen uns genau diese Fähigkeiten immer attraktiver für Partner, die in der Welt der Software traditionell führend sind. Im Alleingang wird ohnehin kaum ein Unternehmen das große Potenzial von Software und KI voll ausschöpfen können. Gefragt sind stattdessen Kooperationen auf Augenhöhe. Insbesondere Open-Source-Software bietet dabei die Möglichkeit, Kompetenzen über Unternehmen hinweg zu bündeln, Kosten zu sparen und standardisierte Lösungen zu schaffen. Bei der KI wiederum, die für die Software-Entwicklung immer wichtiger wird, brauchen wir jetzt Planungssicherheit. Der von der EU beschlossene AI Act muss nun rasch in Standards und Normen umgesetzt werden, um teure und aufwendige Einzelfallprüfungen zu vermeiden. Regulierung ist notwendig. Aber sie darf das Tempo der Technik nicht unnötig drosseln oder sogar Innovationen verhindern. Und dieses Tempo zieht vor allem im Bereich der Mobilität immer stärker an. Der Siegeszug der Software wird die Autobranche umfassender umwälzen als jeder neue Antrieb. Immer mehr Kunden erwarten zurecht, dass sich ihr Fahrzeug nahtlos in ihre digitale Welt einfügt. Dazu gehört auch die Update-Fähigkeit. Die Software von Autos, Lastwagen, Motorrädern oder eBikes wird in Zukunft nicht mehr auf dem Stand der Technik zum Zeitpunkt ihrer Herstellung sein, sondern auf dem jeweils aktuellen. Mit Software unter der Haube altern Autos langsamer. Fortschritte beim Fahrkomfort, neue Sicherheitsfunktionen können dann ganz entspannt per Update over the air – wie beim Smartphone – ins Fahrzeug integriert werden. Bosch-Technik ermöglicht Software-Updates für eBikes, Motorräder, Pkw und Lkw. Allein seit Einführung unseres smarten Systems für eBikes Ende 2021 haben wir per Software-Update über die eBike Flow App rund 70 neue Features oder Erweiterungen ausgerollt – angefangen bei einer Alarm- und Trackingfunktion bis hin zu neuen Fahrmodi. Die steigenden Ansprüche an die softwaredefinierte Mobilität bringen allerdings die bisherigen Fahrzeugarchitekturen an ihre Grenzen. Deshalb entwickelt Bosch nun eine zentralisierte, domänenübergreifende Software- und Elektronik-Architektur mit einem performanten Software-Stack und leistungsstarken Fahrzeugcomputern und Sensoren. Unser Vorteil dabei: Wir können Hardware UND Software – und sind damit eines der wenigen Unternehmen, die das Zusammenspiel von Automobilelektronik und Cloud umfassend beherrschen. Der globale Markt für Automobilsoftware und -elektronik, so hat es McKinsey ausgerechnet, kann 2030 voraussichtlich 462 Milliarden US-Dollar erreichen. Das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von mehr als 5,5 Prozent seit 2019 – und liegt damit deutlich höher als der Zuwachs in der Fahrzeugproduktion. Unser Anspruch ist es, auch in diesem Bereich Partner Nummer eins für Automobilhersteller weltweit zu sein. Hinzu kommt die Hardware, ohne die sich die neue Software-Welt nicht umsetzen lässt. Hier sind wir bereits erfolgreich unterwegs: Allein mit unseren modernen Fahrzeugcomputern haben wir in den vergangenen drei Jahren knapp vier Milliarden Euro umgesetzt. Meine Damen und Herren, Software ist für Bosch kein Add-On, sondern eine der Säulen unseres Erfolgs. Software bestimmt unsere Prozesse, unsere Produktion, unser Denken. Software gehört für uns also längst genauso zum Alltag wie die fünf roten Buchstaben an den Werkstoren. Sie ist zusammen mit der KI die Grundlage für kommende Innovationen. Und sie wird in allen Unternehmensbereichen in stark zunehmendem Maße zur Wertschöpfung beitragen. Insbesondere aber in der Mobilität haben wir ein ganz klares Ziel: So wie es heute nahezu kein Auto ohne ein Bosch-Teil an Bord gibt, so wird in Zukunft kein Fahrzeug ohne Software von Bosch unterwegs sein. Und wie wir damit die Mobilität der Zukunft mitgestalten, erklärt Ihnen nun mein Kollege Markus Heyn. Vielen Dank!Ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Automobilbaus: Markus Heyn über das Zeitalter des softwaredefinierten FahrzeugsMeine Damen und Herren, auch ich darf Sie herzlich in Renningen begrüßen. Um zu uns zu kommen, haben wahrscheinlich einige von Ihnen heute Morgen schon ein paar Minuten in einem der Staus rund um Stuttgart verbracht. Zehn Meter vor – Bremsen – Stehen – Nicken. Nochmal zehn Meter – wieder Bremsen, Stehen, Nicken. Damit könnte es bald vorbei sein. Leider nicht mit den Staus. Aber immerhin mit dem ständigen Nicken bei jedem Bremsvorgang. Denn Bosch – und wir führen Ihnen das später noch vor – hat eine Software entwickelt, mit der sich das Fahrzeug ganz butterweich abbremsen lässt – ohne jeden Nicker. Nun könnte man meinen, dieses sanfte Anhalten sei nicht viel mehr als eine nette Spielerei im Auto der Zukunft. Aber haben Sie tatsächlich schon einmal versucht, ihr Fahrzeug ohne jeden Ruck, so wie ein echter Chauffeur, zum Stehen zu bringen? Das ist gar nicht so einfach, selbst wenn man sich darauf konzentriert! Und außerdem können Sie mal ihre Mitfahrer oder die Kinder auf dem Rücksitz fragen, was die davon halten. Wer gerade auf dem Handy liest oder an Reisekrankheit leidet, wird für das samtweiche Bremsen sehr dankbar sein. Wir sorgen für ruckfreies Stop and Go mit einer Software, die so sanft bremst wie ein echter Chauffeur. Dabei ist diese Lösung nicht nur besonders komfortabel, sondern gehört auch schon zu einem neuen Abschnitt in der Geschichte des Automobilbaus: denn vor uns liegt das Zeitalter des softwaredefinierten Fahrzeugs. Stefan hat es gerade schon deutlich gemacht: Bosch ist ebenso ein Software- wie ein Hardwareunternehmen. Das gilt besonders für unsere Mobilitätssparte: Weltweit arbeiten 42 000 Menschen daran, Software für aktuelle und kommende Fahrzeuge zu entwickeln. Das sind so viele wie sonst in keinem anderen Unternehmen in der Automobilindustrie. Damit sind wir also bereits ein Teil des Wandels in unserer Branche: neue Fahrzeugmodelle werden immer mehr von der Software her gedacht und entwickelt. Das software defined vehicle (SdV) kommt allerdings nicht von heute auf morgen, und bislang sind erst sehr wenige sogenannte fully SdVs unterwegs – nahezu ausschließlich von Herstellern, die völlig neu auf dem Markt sind. Der Softwareanteil im Fahrzeug wird sich mit der schrittweisen Einführung von fully SdV verdreifachen. Derzeit arbeiten teilweise mehr als hundert Steuergeräte von verschiedenen Herstellern in einem einzigen Auto. Diese Vielfalt zu koordinieren, ist schon höchst anspruchsvoll. Sie mit der gebotenen Sicherheit und Verlässlichkeit upzudaten, ist eine Herausforderung. Damit ein SdV aber updatefähig ist, darf die elektrische und elektronische Architektur eines Fahrzeugs nicht zu komplex daherkommen. Wir brauchen also einen performanten Software-Stack und immer weniger, dafür jedoch leistungsfähigere Fahrzeugcomputer. Also müssen wir im SdV viele der Funktionen, die bislang domänenspezifisch waren, zusammenbringen: Bosch hat als erster Zulieferer überhaupt zusammen mit Qualcomm bereits ein System on Chip vorgestellt, mit dem Vorgänge aus dem Infotainment und aus der Fahrerassistenz zeitgleich verarbeitet werden. In Zukunft könnten weitere Domänen auf einen Chip integriert werden. Bis 2030 könnte so die Zahl der Steuergeräte auf unter Zehn sinken. Die Folge: weniger Bauraum, weniger Kabel, weniger Gewicht, kurz: weniger Kosten bei höherer Flexibilität. Allein die Fusion von Fahrerassistenz- und Infotainment-Steuergeräten kann die Kosten um bis zu 30 Prozent senken. Das sind – je nach Fahrzeugklasse – teils mehr als 100 Euro Ersparnis bei nur einer einzigen Komponente. Dadurch werden automatisierte Fahrfunktionen günstiger und somit auch für preissensible Fahrzeugsegmente attraktiv. Sie sehen also, das software defined vehicle verändert die Anforderungen auch an die Hardware, mehr als der Name vermuten lässt. Die notwendige Software wiederum wird in enger Partnerschaft zwischen OEM und Zulieferer entwickelt. Eine Herausforderung dabei ist die Vernetzung der vielen Software-Pakete im Fahrzeug, die über alle Hersteller hinweg kommunizieren müssen. Die Bosch-Tochter ETAS liefert dafür die Middleware. Das ist, wenn Sie so wollen, die Übersetzungssoftware zwischen den physischen Komponenten und der Anwendungssoftware im Auto – auch von verschiedenen Zulieferern. Neu ist aber vor allem, dass einzelne Software-Funktionen nun auch losgelöst von Hardware als Lizenzprodukt auf den Markt kommen können. Ein gutes Beispiel ist das Vehicle Motion Management von Bosch. Und damit kommen wir wieder zurück zum Nicken oder zum „Ruck“ beim Bremsen. Denn das Vehicle Motion Management oder kurz VMM ist eine umfassende Systemlösung, die das Fahrerlebnis sicherer, komfortabler, effizienter und auch ein Stück außergewöhnlicher macht. Sowohl die Dämpfung wie auch die Antriebs-, Brems- und Lenksysteme werden von der Software optimal und koordiniert angesteuert. Damit kann das Fahrverhalten, etwa Beschleunigung und Bremsverhalten, individuell abgestimmt werden – bis hin zum ruckfreien Anhalten. Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich nachher selbst ein Bild von dieser Steigerung bei Komfort, Sicherheit und Fahrdynamik zu machen. Das Vehicle Motion Management steht auch für den Erfolg unserer neuen Organisation im Geschäftssektor „Mobility“. Sie wissen sicher bereits, dass wir uns hier völlig neu aufgestellt haben – vor allem mit Blick auf drei domänenübergreifende Zukunftsfelder der Mobilität: Software, Halbleiter und Fahrzeugrechner. Wichtigstes Ziel dabei ist die bestmögliche Ausrichtung auf Märkte und Kunden. Unsere Antwort auf die weltpolitischen Entwicklungen ist eine nochmals deutliche Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit. Dafür arbeiten wir seit Anfang dieses Jahres noch stärker über Geschäftsbereiche, Regionen und Funktionen hinweg zusammen. Das Vehicle Motion Management wäre ohne diese neue Struktur wohl nicht so schnell gekommen. Das neue Tempo kommt auch bei unseren Kunden gut an: Wir erwarten allein für das VMM bereits 2030 einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Der Anteil der Stand Alone-Software wird dabei in Zukunft deutlich höher sein als der der klassischen Embedded Software. Insgesamt wollen wir mit unseren Mobilitätslösungen in der neuen Aufstellung bis 2029 einen Umsatz von mehr als 80 Milliarden Euro weltweit erzielen.Dazu sollen natürlich auch Lösungen aus dem Bereich des Automatisierten Fahrens beitragen: Das SdV ist hier eine ganz wesentliche Voraussetzung für die weitere Entwicklung. Bosch konzentriert sich für Fahrzeuge in Privatbesitz auf einen schrittweisen Fortschritt bei der Fahrerassistenz. Aktuell sind wir der einzige etablierte Tier-1-Lieferant, der Fahrerassistenzsoftware für Level 2+ und darüber hinaus entwickelt. Bosch bietet dabei für verschiedene Stufen die wichtigsten Produkte an: Sensoren, Kameras und Radar ebenso wie die dazugehörigen Fahrzeugrechner, Software und Services. Gerade beim Automatisierten Fahren eröffnen sich mit dem Fortschritt der KI ganz neue Möglichkeiten. Denn generative KI wird in der Lage sein, die visuelle Welt genauer zu beschreiben und in Code umzusetzen. Fahrzeuge werden damit viel besser mit komplexen Situationen umgehen können. Wenn also plötzlich ein Ball auf die Fahrbahn rollt, erkennt das Auto demnächst nicht mehr nur den bloßen Gegenstand, sondern „ahnt“ auch das Kind, das vielleicht hinterläuft. Das System kann sich durch den erweiterten Kontext deutlich schneller und angemessener in vergleichbaren Situationen verhalten. Möglich wird dieses Szenario durch die Verknüpfung von sogenannten foundation models mit unserem tiefen Verständnis von Fahrzeugsystemen. Mit unseren enormen Mengen an Verkehrsdaten trainieren wir die KI. Und weil man dafür nie genug Material haben kann, arbeiten wir mit verschiedenen Herstellern auf der ganzen Welt zusammen, um noch mehr Verkehrsdaten zu sammeln, unter anderem auch mit der VW-Softwaretochter Cariad. Unser Datenspeicher wird also wohl auch in Zukunft größer sein als jener der Library of Congress – eine Art von digitaler Bibliothek für die Mobilität der Zukunft. Jetzt freuen wir uns auf Ihre Fragen und anschließend können Sie dann vieles von dem, was wir hier angesprochen haben, in der Praxis ausprobieren. Unter anderem auch das butterweiche Bremsen. Ich wünsche Ihnen einen spannenden – und ruckelfreien – Nachmittag. Vielen Dank!

Energized #LikeABosch – Technologische Innovationen für eine nachhaltige Zukunft

08.01.2024

Referat

Wirtschaft

Energized #LikeABosch – Technologische Innovationen für eine nachhaltige Zukunft

Dr. Tanja Rückert, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Mike Mansuetti, President von Bosch in Nordamerika, auf der CES® am 8. Januar 2024 Es gilt das gesprochene Wort. Übersetzung aus dem Amerikanischen.Guten Tag und herzlich willkommen zur Bosch-Pressekonferenz auf der CES 2024! Wir freuen uns sehr, dass Sie hier sind – vielen Dank für Ihre zahlreiche Teilnahme, ob persönlich oder online! Heute geht es um ein Thema, das uns alle betrifft: Energie. Wussten Sie, dass der weltweite Energieverbrauch sich in den letzten 50 Jahren verdoppelt hat? Schon die 1970er-Jahre waren keineswegs mehr ein „finsteres Mittelalter“. Die meisten modernen Errungenschaften wie Autos, Geschirrspüler, Klimaanlagen oder Flugreisen gab es auch damals schon. Da jedoch immer mehr Menschen auf der Welt Zugang zu modernen Technologien haben und wir diese insgesamt intensiver nutzen, ist unser Energieverbrauch gestiegen. Den Höhepunkt haben wir dabei noch gar nicht erreicht: Tatsächlich steigt unser Energiebedarf noch immer um ein bis zwei Prozent jährlich. Herausfordernd ist natürlich, dass wir diesen Bedarf weiterhin hauptsächlich mit fossilen Energieträgern decken. Diese machen nach wie vor über 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs aus – obwohl wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zum Schutz des Klimas reduzieren müssen. Den Verbrauch auf vorindustrielles Niveau zu senken, ist definitiv keine Option. Es gilt, unseren ständig steigenden Energiebedarf mit der Gesundheit und Stabilität unseres Planeten in Einklang zu bringen. Wir brauchen ein gesellschaftlich, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiges Konzept. Das gilt insbesondere beim Thema Energie. Heute stellen wir Ihnen unser breites Technologieportfolio vor, das künftig zu einer nachhaltigeren Deckung unseres Energiebedarfs beitragen kann – mit Lösungen für ein Leben ganz nach dem Motto „Energized #LikeABosch“. Bei energiespezifischen Innovationen fahren wir einen zweigleisigen Ansatz: Erstens konzentrieren wir uns darauf, herkömmliche Energiequellen optimal zu nutzen . Das bedeutet vor allem ständige Effizienzsteigerungen, Energie- und Kosteneinsparungen sowie das Vorantreiben der Elektrifizierung. Letztere bietet immenses Potenzial auf dem Weg hin zu den Emissionszielen in verschiedensten Bereichen, etwa der privaten wie der geschäftlichen Mobilität sowie zu Hause. Zweitens suchen wir neben herkömmlichen Energiequellen auch nach nachhaltigeren Alternativen. Hierbei konzentrieren wir uns insbesondere auf Wasserstoff, der unseres Erachtens maßgeblich dazu beitragen wird, unseren künftigen Energiebedarf klimaneutral zu decken. Wir setzen an verschiedenen Punkten der Wertschöpfungskette an: vom Aufbau der Erzeugungs- und Versorgungsinfrastruktur bis hin zur Entwicklung innovativer wasserstoffbasierter Technologien. Sehen wir uns nun genauer an, wie wir die Nutzung herkömmlicher Energieträger optimieren. Wie erwähnt, liegt dabei ein wesentlicher Schwerpunkt auf der Elektrifizierung. Auf den ersten Blick scheint die Elektrifizierung nur ein Mittel zur Senkung des Energieverbrauchs zu sein, da elektrische Technologien oft deutlich effizienter sind als ihre fossilen Pendants. Doch sie bietet weit mehr: Elektrische Lösungen bergen automatisch das Potenzial für klimaneutralen Betrieb. Denn hierzu müssen sie lediglich mit Strom aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Insbesondere die Mobilität wird zusehends elektrisch, weshalb Bosch sich als Leitanbieter entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Elektromobilität etabliert hat. In Sachen Vielseitigkeit sind wir weltweit ein Vorreiter – mit Technik vom Chip bis zur E-Achse, vom eBike bis zum Truck, von der Batterie bis zur Brennstoffzelle und von Hardware über Software bis hin zu Services. In den letzten Jahren haben sich E-Autos zunehmend als Transportmittel für den Alltag etabliert. Eine Herausforderung stellt jedoch nach wie vor der Ladevorgang dar: War es bisher eine Sache von wenigen Minuten, eine Tankstelle zu finden und zu tanken, müssen sich Autofahrer heute mit der Frage auseinandersetzen, wo sie ihr E-Fahrzeug laden sollen – und vor allem wann. Darüber haben wir uns natürlich auch Gedanken gemacht und eine Antwort gefunden: Wie wäre es, wenn sich das Auto selbst laden würde? Vorletztes Jahr wurde unsere Lösung „Automated Valet Parking“ als erstes fahrerloses Parksystem offiziell für den gewerblichen Einsatz zugelassen. Auf der CES 2024 präsentieren wir eine spannende Ergänzung dazu, die praktischerweise auch mit Energie zu tun hat – und als CES Innovation Award Honoree ausgezeichnet wurde: Mit Automated Valet Charging (AVC) laden Sie Ihr E-Auto, ohne dabei sein zu müssen. Sie brauchen sich nicht um eine freie Ladestation kümmern oder Ihren Einkauf unterbrechen, um zurück zum Parkhaus zu hetzen und Ihr Auto von der Ladesäule abzustecken. Alles, was Sie tun müssen, ist einen Knopf auf Ihrem Handy zu drücken. Den Rest erledigt das System: Es fährt das Auto zur Ladestation und nach abgeschlossenem Ladevorgang zurück zum Parkplatz. Diese Technologie steckt nicht irgendwo in der Pipeline – sie steht unseren Kunden schon jetzt zur Verfügung. Dazu braucht es keineswegs neue, hochmoderne Parkhäuser. Das Ladesystem funktioniert auf zweierlei Weise: Der AVC-Roboter lässt sich entweder in Parkhäusern einsetzen, die bereits über Automated Valet Parking verfügen, oder in solchen, die die erforderliche Infrastruktur gerade erst einführen. Die Kombination aus Automated Valet Parking und Automated Valet Charging ist einmalig und stößt bei unseren Automobilkunden bereits auf beträchtliches Interesse. Hört sich wie ein nettes Gadget an, stimmt‘s? In Wirklichkeit ist es weit mehr: Denn je komfortabler wir Elektromobilität gestalten, desto attraktiver wird sie auch – und damit steigt wiederum ihre Akzeptanz. Aktuell arbeiten wir daran, ihre Praktikabilität und Attraktivität auf verschiedensten Ebenen zu verbessern. Deshalb investieren wir auch in Siliziumkarbid-Chips. Sie steigern die Reichweite von Elektrofahrzeugen und ermöglichen effizienteres Laden, da sie bis zu 50 Prozent weniger Energie als herkömmliche Chips benötigen. So verlängern sie als Bestandteil der Leistungselektronik die Strecke, die ein Fahrzeug mit einer Batterieladung zurücklegen kann, beträchtlich – im Schnitt um sechs Prozent. Derzeit bauen wir unsere Produktionskapazitäten für Siliziumkarbid-Chips weltweit aus, unter anderem mit einer erheblichen Investition hier in den USA. So haben wir, wie bereits vor einigen Monaten bekannt gegeben, ein Halbleiterwerk im kalifornischen Roseville gekauft, in das wir in den nächsten Jahren über 1,5 Milliarden Dollar investieren wollen. Der Produktionsstart ist für 2026 geplant. An unserem Messestand erfahren Sie in einer Demo mehr über die Vorteile der überaus wichtigen Siliziumkarbid-Technologie, deren Herstellung wir hier in den USA ausbauen wollen. Neben der Mobilität nehmen wir uns den Bereich Wohnen mit seinem gewaltigen Optimierungspotenzial vor. Haushalte bieten bei der Energienutzung enormes Optimierungspotenzial. So entfällt in den USA knapp ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs sowie aller Treibhausgasemissionen auf Wohn- und Geschäftsgebäude. Dies ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass über die Hälfte der amerikanischen Haushalte immer noch hauptsächlich mit Gas oder anderen fossilen Brennstoffen heizen oder kochen. Weltweit entwickeln wir Technologien, um Gebäude und ihre Ausstattung energieeffizienter zu gestalten und die Elektrifizierung zu fördern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Wärmepumpentechnologie. Auf der CES präsentieren wir eine spannende Innovation für Nordamerika, die noch dieses Jahr auf den Markt kommt: unsere neue Kaltklima-Wärmepumpe IDS Ultra . Anders als die meisten Luft-Luft-Wärmepumpen wurde sie für Gebiete mit sehr kalten Wintern entwickelt. Herkömmliche Luftwärmepumpen sind meist recht erschwinglich und leicht installierbar und können – wie alle Wärmepumpen – heizen ebenso wie kühlen. Ihr Nachteil besteht jedoch darin, dass sie bei sehr kalten Temperaturen an ihre Grenzen kommen. Kürzlich haben wir hier in den USA und Kanada eine Studie durchgeführt, die unsere Vermutung bestätigte: Zwar hat fast jeder schon einmal von Wärmepumpen gehört und über 20 Prozent aller Befragten haben aktuell sogar eine, doch ist die geografische Verteilung sehr unregelmäßig. Die anteilsmäßig meisten Wärmepumpen sind im Südosten des Landes installiert, höchstwahrscheinlich weil dort die Winter mild sind. In kälteren Gebieten wie New England oder dem oberen Mittleren Westen liegen die Installationsraten sechs- bis siebenmal niedriger. Die wenigen Hausbesitzer, die dort in eine Wärmepumpe investieren, müssen meist ein Notheizsystem vorhalten, das bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt einspringt. Mit unserer neuen Kaltklima-Luft-Luft-Wärmepumpe ist das nahezu nicht mehr nötig. Sie liefert bei Außentemperaturen von -15 Grad Celsius volle Heizleistung und funktioniert auch bei -25 Grad Celsius noch. Haushalte in nördlichen Regionen sind damit weniger von fossil betriebenen Heizsystemen abhängig. Die Umstellung auf eine elektrische Anlage wird außerdem dank staatlicher Subventionen und Steuergutschriften hier in den USA erschwinglicher. Und abgesehen davon, dass elektrische Systeme nachhaltiger sind und den Emissionszielen zuarbeiten, können Wärmepumpen Energie und Kosten sparen. Über unser neues Produkt freuen sich daher sicherlich die knapp zwei Drittel der Befragten, für die beim Thema Heizung und Klimatisierung ihres Zuhauses Kosten und Effizienz im Mittelpunkt stehen! Wie heute vom US-amerikanischen Energieministerium angekündigt, erfüllt die Kaltklima-Wärmepumpe von Bosch die Anforderungen für den Übergang vom Labor zum Feldversuch als Teil der „Residential Cold Climate Heat Pump Challenge“, mit der das Ministerium die Entwicklung der Wärmepumpentechnologie voranbringen und Verbrauchern den Umstieg auf die elektrische Beheizung und Klimatisierung ihres Zuhauses erleichtern will. Die Wärmepumpentechnologie ist so vielversprechend, dass wir sie auch noch in anderen Haushaltsbereichen einsetzen. Ein Beispiel dafür ist der neue hybridelektrische Warmwasserbereiter , den wir auch hier auf der CES ausstellen. Er startet dieses Jahr in Nordamerika und ist das energieeffizienteste Gerät seiner Art in unserem Sortiment: Durch die Kombination von Wärmepumpentechnologie und elektrischen Elementen ist der ENERGY-STAR-zertifizierte Warmwasserbereiter drei- bis viermal effizienter als unsere herkömmlichen Elektro-Warmwasserspeicher. Mit Lösungen wie dieser tragen wir zu zunehmend elektrifizierten Haushalten bei. Natürlich wollen wir auch mit unseren Geräten Energie sparen. Die Hausgeräte von Bosch sind hier seit Langem Vorreiter – was etwa die Ernennung zum ENERGY-STAR-Partner des Jahres im dritten Jahr in Folge durch die US-Umweltschutzbehörde sowie das US-Energieministerium belegt. Zwar lassen sich unsere Produkte bekanntermaßen so programmieren, dass Stromkosten minimiert oder bevorzugt grüne Energien verwendet werden. Doch in der Praxis ist das nicht immer ganz einfach. Zunächst muss man wissen, zu welcher Tageszeit das Gerät laufen soll – zu der es dann auch eingeschaltet werden muss. Bei beidem hilft nun die neue Funktion MySchedule. Sie ist bereits in unserer neuen Geschirrspüler-Generation integriert und funktioniert über Home Connect. Kurz gesagt: Mit MySchedule lassen sich Geräte so programmieren, dass sie zu Zeiten geringerer Strompreise oder bei Verfügbarkeit von grüner Energie laufen. Damit kann man nicht mehr nur dann Energie sparen, wenn man daran denkt, im richtigen Moment auf „On“ zu drücken. Ein weiterer Ansatz zu optimierter Energienutzung stammt von Bosch Power Tools. Wer schon einmal mit kabellosen Elektrowerkzeugen gearbeitet hat, kennt das Dilemma: Man weiß nicht mehr, welcher Akku wohin gehört und welcher geladen war oder eben nicht. Wir wollen Handwerkern mit weniger unterschiedlichen Akku-Lösungen das Leben erleichtern. Dank der gemeinsamen Akku-Plattform AMPShare lässt sich ein und derselbe Akku für alle Elektrowerkzeuge von Bosch ebenso wie für AMPShare-kompatible Produkte unserer Partner verwenden. Die Idee, die Akkuvielfalt zu verschlanken, stieß bei Handwerkern auf große Begeisterung. Seit dem Start von AMPShare hat die Plattform über 30 Partner weltweit gewonnen, darunter 15 hier in Nordamerika, von denen wir ihnen drei neue hier auf der CES vorstellen! Wir suchen aber nicht nur nach neuen Partnern, sondern arbeiten auch mit unseren Bestandspartnern an Neuprodukten. Schon bald dürften einige neue AMPShare-kompatible Geräte auf den Markt kommen, etwa das PerfectPro Radio, das am CES-Stand von Bosch zu sehen ist. AMPShare erleichtert nicht nur das Akkumanagement, sondern soll auch die Zahl an benötigten Akkus und damit Materialeinsatz und Abfallproduktion verringern – während gleichzeitig mehr Werkzeuge im Einsatz sind. Neben dem Wohnbereich arbeiten wir auch daran, den gewerblichen Sektor energieeffizienter aufzustellen. Hier bieten wir nicht nur Produkte, sondern auch Beratungsdienste und Systemlösungen an. Weltweit – wie auch hier in Nordamerika – investieren wir massiv in unser Geschäftsfeld Systemintegration. Wie vor einigen Monaten bekannt gegeben, haben wir kürzlich das kanadische Unternehmen Paladin Technologies übernommen, mit dem wir unser Geschäft in Nordamerika beträchtlich ausweiten werden. In den USA haben wir bereits durch unsere weiter wachsende Tochtergesellschaft Climatec eine starke Marktpräsenz aufgebaut, die unterschiedliche Kunden bei der energetischen Gebäudeoptimierung unterstützt. So arbeitet Climatec etwa seit sieben Jahren mit dem Schulbezirk Rowland Unified School District in Kalifornien zusammen. Dank der von unserer Tochter durchgeführten Verbesserungen, einschließlich Modernisierung der Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, Gebäudeautomatisierungssysteme, LED-Beleuchtung und Solaranlagen, erwartet der Schulbezirk in den nächsten Jahren Effizienzsteigerungen mit Energiekosteneinsparungen von über 38 Millionen Dollar. Der Ausbau unserer Portfolios im Wohnbereich und bei Konsumgütern sowie unseres Geschäftsfelds Systemintegration unterstreicht unseren Fokus auf profitables Wachstum in Nordamerika. Auch der Bereich Mobilität wird maßgeblich dazu beitragen, was mich zum zweiten Strang unserer Energiestrategie bringt. Wie bereits gesagt, setzen wir bei der aktuellen Klimaherausforderung auf neue erneuerbare Energiequellen – insbesondere Wasserstoff. Erneuerbare Energie lässt sich am effizientesten in den sonnen- und windreichsten Regionen der Welt erzeugen, wo sie aber nicht immer benötigt wird. Daher brauchen wir Speicher, um diese Energie zu transportieren, wofür sich Trägermedien wie Wasserstoff, der mithilfe von Strom gewonnen wird, hervorragend eignen. Bei Bosch sind wir davon überzeugt, dass Wasserstoff maßgeblich zur Dekarbonisierung unseres Energiesystems beitragen kann. Daher investieren wir erheblich in Wasserstofftechnologien und entwickeln Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein Schwerpunkt besteht hierbei in unserem wasserstoffbasierten Brennstoffzellenantrieb, mit dem sich unserer Ansicht nach auch schwerere Fahrzeuge elektrifizieren lassen werden. Im vergangenen Sommer haben wir in Stuttgart mit der Serienproduktion dieses Systems begonnen. Daneben wollen wir auch wichtige zugehörige Komponenten bereitstellen und verzeichnen bereits Bestellungen von Lkw-Herstellern aus den USA, Europa und China. Diese Woche führt Nikola die neue Technologie bei Probefahrten mit einem Laster mit Brennstoffzelle von Bosch vor. Darüber hinaus arbeiten wir an Komponenten für einen Wasserstoffmotor, der den Kraftstoff unmittelbar für den Antrieb nutzt, ohne ihn zuerst in Strom umzuwandeln. Diese Technologie kann die Leistung eines Dieselmotors erbringen. Zudem lässt sich die Klimafreundlichkeit des Wasserstoffmotors durch den Einsatz von grünem Wasserstoff weiter steigern. Er eignet sich für Nutzfahrzeuge im On- und Offroad-Segment wie Schwerlast- bzw. Langstreckentransporter sowie Baumaschinen. Als Systemanbieter entwickeln wir Lösungen für die Saugrohr- als auch Direkteinblasung. Der Start unseres ersten Wasserstoffmotors mit unseren Komponenten soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Weltweit gewinnen Investitionen in Wasserstofftechnologien langsam, aber sicher an Fahrt. Die USA gehen hier mit gutem Beispiel voran: Die Regierung fördert den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur und hat sieben Milliarden Dollar für die Errichtung sogenannter Wasserstoff-Hubs im ganzen Land bereitgestellt. Private Mittel mit eingerechnet, haben die Investitionen bereits die 50-Milliarden-Dollar-Marke überschritten – was das Geschäft kräftig ankurbelt. Bei Bosch unterstützen wir den Ausbau sauberer Energien in Nordamerika, weshalb wir derzeit an verschiedenen Stellen Projekte identifizieren, zu denen wir mit unserem technologischen Fachwissen rund um die Erzeugung wie auch die Bereitstellung von Wasserstoff beitragen können. Dabei intensivieren wir nicht nur unsere Aktivitäten bei der Erzeugung von Wasserstoff, sondern suchen auch nach Möglichkeiten, ihn lokal herzustellen. Zum einen verbessern wir also die Energieeffizienz und treiben die Elektrifizierung voran, zum anderen setzen wir auf Wasserstoff als nachhaltigere Energiequelle. In all unseren Geschäftsfeldern setzen wir auf eine umfassende Nutzung von Software und Digitalisierung, um Bestandslösungen zu optimieren und neue zu entwickeln. Hier macht unser Fachwissen nicht mehr nur einen kleinen Teil unseres Portfolios aus, sondern bildet die Grundlage nahezu jedes Produkts. Bosch gehört zu den wenigen Hightech-Innovatoren, die sich sowohl mit Geräten als auch mit Daten auskennen. So umfasst unsere weltweite Software-Entwicklung derzeit mehr als 44 000 Mitarbeitende. Auch hier treibt uns unser Motto „Technik fürs Leben“ an: Praktisch bedeutet das, dass wir Daten und Algorithmen gezielt einsetzen, um Komfort, Effizienz und Nachhaltigkeit zu steigern. Im Bereich Mobilität ist Software der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft. Wir sind derart von dieser Vision überzeugt, dass wir unser gesamtes Mobilitätsgeschäft daran ausrichten, um sie in die Tat umzusetzen: So positionieren wir uns stärker denn je als Softwareanbieter für Mobilität und intensivieren unsere bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Als weltweit größter Automobilzulieferer ebnen wir den Weg hin zum softwaredefinierten Fahrzeug – das elektrifiziert, automatisiert und vernetzt ist und ein breites Spektrum an Mobilitätsdiensten nutzt, die wiederum für mehr Effizienz, Leistung und Komfort sorgen. Insbesondere bei der Entwicklung nützlicher, gewinnbringender Services für softwaredefinierte Fahrzeuge setzen wir alles daran, möglichst viel Know-how einzubringen. Deshalb arbeiten wir mit Partnern aus dem Automotive-Umfeld zusammen, um neue, innovative Lösungen für unsere Kunden bereitzustellen. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist unsere Kooperation mit Amazon Web Services (AWS) , in deren Rahmen wir nützliche bereichsübergreifende Bordfunktionen und Services entwickeln, die Fahrerassistenzsysteme auf ein neues Level heben. An dieser Stelle darf ich Wendy Bauer bei uns begrüßen. Sie ist Vice President und Geschäftsführerin des Automotive- und Produktionsbereichs von AWS und wird Ihnen präsentieren, woran wir derzeit gemeinsam arbeiten. Gastauftritt Wendy Bauer, Vice President und Geschäftsführerin des Automotive- und Produktionsbereichs von AWS: Wir arbeiten tatsächlich an einigen überaus spannenden neuen Funktionen und Services und freuen uns schon darauf, die Vorzüge der Cloud der gesamten Branche sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern weltweit, zugutekommen zu lassen. Das Innovationsspektrum ist breit gefächert und reicht von der Fahrzeugtechnik über die Logistik mit der Service-Plattform L.OS bis hin zu Smart Home-Geräten. Tanja Rückert: Nehmen wir beispielsweise die vernetzte, vollautomatische Bean-to-Cup-Espressomaschine , die Bosch hier auf der CES erstmals präsentiert. Das Gerät – übrigens ein CES Innovation Honoree der Kategorie „Smart Home“ – ist schon an sich ein tolles Ding, doch gemeinsam statten wir es mit der Funktion für Fahrermüdigkeitserkennung aus. Wendy Bauer: Wir alle kennen die Situation: Man macht sich, erschöpft von Besorgungen, auf den Heimweg. Wie wäre es, wenn Ihr Auto Ihre Müdigkeit erkennen könnte und automatisch Maßnahmen ergreifen würde? Mit der neuen Cloudfunktion in softwaredefinierten Fahrzeugen greift Ihr Fahrzeug Ihren Bedürfnissen künftig vor. Bevor Sie überhaupt auf die Idee kommen, sich noch irgendwo einen Kaffee mitzunehmen, fragt Sie nun Ihr fahrzeugintegrierter Sprachassistent – etwa Amazon Alexa –, ob Sie einen koffeinhaltigen Muntermacher gebrauchen könnten. „Ja, warum nicht“, antworten Sie. Nach der CES käme ein dreifacher Cappuccino gerade recht. Und siehe da: Wenn Sie zehn Minuten später zur Haustür hereinkommen, rundet Ihre Kaffeemaschine Ihr Getränk gerade mit einer Milchschaumwolke ab. Tanja Rückert: Und für den Fall, dass Sie keine Erfrischung zu Hause einnehmen können, entwickeln wir derzeit unseren Point-of-Interest-Assistenten. Dabei verfolgt die Fahrzeuginnenraumkamera von Bosch während der Fahrt Ihren Blick und erkennt automatisch, wohin er sich richtet – beispielsweise auf ein bestimmtes Restaurant oder Café. Wendy Bauer: Dank der Echtzeit-Funktion der Cloud und mit Unterstützung von Technologien wie KI, generativer KI und dem Zugang zu führenden Basismodellen können Sie Ihren Sprachassistenten fragen, ob es geöffnet und viel los ist – ohne dabei den Namen des Lokals in Ihrem Sichtfeld nennen zu müssen. In Echtzeit erfahren Sie nun, ob sich ein Zwischenstopp dort lohnt oder ob Sie lieber anderswo auf dem Weg anhalten sollten, um Zeit und Umwege zu sparen. Tanja Rückert: Wäre das nicht hilfreich? Und das sind nur einige der Funktionen, mit denen Fahrzeuge dank unserer Zusammenarbeit schon bald aufwarten könnten. Fest steht, dass kein Unternehmen allein die Zukunft der Mobilität gestalten kann. Deshalb ist es wichtig, branchenweit zusammenzuarbeiten. Wendy Bauer: Für uns bei AWS liegt der Schlüssel zum Fortschritt und Erfolg unserer Branche in der Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Partnern machen wir die Zukunft der Mobilität schneller denn je zur Realität. Tanja Rückert: Bleiben wir bei Fahrzeugen und Digitalisierung: Hier auf der CES stellen wir auch zwei neue Mobilitätsdienste vor, die cloudbasiert Kosten senken und für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Ich meine zum einen den Neuzugang zu unserem Serviceportfolio „Battery in the cloud“: Usage Certificate To Go ist ein Nachrüstprodukt, das wir mit unserem umfassenden Know-how in der Batteriemodellierung entwickelt haben. Es analysiert die Batteriedaten, die über einen OBD2-Dongle in die Cloud hochgeladen wurden. Damit bestimmt der Service den genauen Zustand der Batterie, deren Lebensdauer sich so um bis zu 20 Prozent verlängern lässt. Unsere neuen cloudbasierten Vehicle Health Services richten sich an Flottenbetreiber: Sie bieten Tools wie vorausschauende Diagnosen für eine effizientere Überwachung des Fahrzeugzustands und präventive Wartung, um Fahrzeugausfälle zu vermeiden und die Flottenverfügbarkeit zu steigern. Diese beiden neuen Serviceangebote tragen letztlich zu einer längeren Fahrzeuglebensdauer und optimaler Ressourcennutzung bei. Wer Mobilität mithilfe der Digitalisierung optimieren will, kommt nicht um unser eBike-Geschäft herum. Wir setzen in allen Bereichen auf cloudbasierte Vernetzung, um das eBiken noch attraktiver zu gestalten. So lässt sich das eBike-System etwa mit Over-the-Air-Updates über unsere eBike Flow App regelmäßig aktualisieren und kontinuierlich mit neuen Funktionen und Upgrades verbessern. Vernetzung liegt auch einer ganzen Reihe Digitaldienste zugrunde, etwa eBike Lock oder der Lösung eBike Alarm, die Sie über verdächtige Bewegungen Ihres Rads informiert und es im Diebstahlsfall orten kann. Wie Sie an unserem Stand sehen können, erweitern wir fortlaufend unser eBike-Portfolio, um eBikes zu einem praktikablen und attraktiven Teil im Puzzle der urbanen Mobilität zu machen. Mehr Nachhaltigkeit ist in vielen unserer digitalen Servicelösungen ein positiver Nebeneffekt, bei anderen ist sie das Hauptziel. Wir haben bereits erläutert, wie wir über unsere Systemintegrationslösungen den Energieverbrauch auf Gewerbeflächen reduzieren. Hier setzen wir für weitere Effizienzsteigerungen ebenfalls auf die Digitalisierung. Unser Geschäftsbereich Building Technologies etwa hat kürzlich sein Angebot für digitales Gewerbegebäudemanagement um einen neuen energieorientierten Dienst für den europäischen Markt ergänzt. Der Nexospace Energy Manager ist modular, anpassbar und mit Alt- wie Neubauten kompatibel und analysiert mithilfe von cloudbasierter Datenanalytik die Effizienz der Energieversorgung, -verteilung und -nutzung. Auf dieser Grundlage schlägt er konkrete Maßnahmen für eine Senkung des Verbrauchs vor. Einer unserer aktuellen Kunden ist die deutsche, international tätige Supermarktkette REWE. Sie konnte ihren Energieverbrauch mithilfe unserer Software in über 2 000 ihrer Filialen um bis zu 20 Prozent senken. Außerdem nutzen wir digitale Technologien in Kombination mit unserem Know-how im Bereich der emissionsarmen Fertigung, um anderen Akteuren der Industrie zu helfen, ihren CO 2 -Fußabdruck zu reduzieren. Das Herzstück von „Decarbonize Industries“, unseres digitalen Planungsdienstes zur Dekarbonisierung, den wir mit einem Partner anbieten, bildet ein leistungsstarkes, KI-gestütztes Datenanalysetool. Bei Bosch wissen wir aus Erfahrung, dass die Erstellung herkömmlicher Dekarbonisierungspläne Monate, wenn nicht Jahre dauert. Dagegen liefert unser datenbasiertes Programm innerhalb weniger Minuten einen konkreten Plan. Der Abo-Dienst unterstützt unsere Kunden in Deutschland mithilfe von Effizienzsteigerungen bereits dabei, sowohl CO 2 -Emissionen als auch Kosten zu senken. Derzeit bereiten wir die Einführung der Plattform in anderen Regionen vor. Die Herausforderungen im Energiesektor lassen sich nicht über Nacht lösen, doch eins steht fest: Wir können es uns nicht leisten, untätig zu bleiben. Um unseres Planeten willen müssen wir uns von fossilen Brennstoffen lossagen – und zwar schnell. Gleichzeitig führen unrealistische Ziele in die Sackgasse. Deshalb müssen wir uns auf machbare und bezahlbare Lösungen konzentrieren. Die Vergangenheit zeigt, dass unser Energiebedarf offenbar keine Grenzen kennt. Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass auch unser CO 2 -Fußabdruck ins Unermessliche steigen muss. Indem wir die Elektrifizierung vorantreiben, auf sauberere, erneuerbare Stromquellen umstellen und die Energieeffizienz maximieren, decken wir unseren stetig ansteigenden Energiebedarf auf für Mensch und Planeten nachhaltige Weise. Dies erfordert jedoch entsprechende Anstrengungen, Investitionen und politische Rahmenbedingungen. Ein weiteres wichtiges Puzzleteil besteht in der richtigen Technologie. Hier arbeiten wir bereits intensiv an innovativen, neuen Lösungen, mit denen wir die CO 2 -Bilanz unserer Fahrzeuge, Gebäude und Branchen verbessern und gleichzeitig das Fundament für eine klimaneutrale Energieversorgung legen können. Bei Bosch ist es unser Anspruch, mithilfe von Technologien eine bessere Zukunft zu gestalten. An unserem Stand auf der CES erleben Sie diese Woche, wie unsere Technik fürs Leben uns unserem Ziel von nachhaltiger, unbegrenzter Energie für alle näherbringt. Vielen Dank! Pressemappe #BoschCES 2024 Event #BoschCES 2024

Hardware, Software und ihre Kombination: Bosch bringt alles mit für die Mobilitä ...

04.09.2023

Referat

Wirtschaft

Hardware, Software und ihre Kombination: Bosch bringt alles mit für die Mobilitä ...

Dr. Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Dr. Markus Heyn, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility, auf der IAA-Pressekonferenz am 4. September 2023 Es gilt das gesprochene Wort.Sehr geehrte Damen und Herren, das Video hat es uns gezeigt: Wir werden morgen anders fahren als heute! Gemeinsam mit unseren Kunden und Mitarbeitern, aber auch mit Gesellschaft und Politik wollen wir die Zukunft der Mobilität gestalten. Genau das meinen wir mit unserem Motto: „Let’s shape the new era of mobility, together.“ Dabei sehen wir durchaus, dass auf dieser IAA nicht nur das Auto im Fokus des Interesses steht, sondern auch der Protest gegen das Autofahren. Es ist okay, dass die Automobilindustrie auch kritisch beobachtet wird. Allerdings sollte die Kritik fair bleiben. Die Elektromobilität wird für uns ein Kerngeschäft. Wir wollen nachhaltige Mobilität, wir wollen sie vor allem bezahlbar machen – nur so wird sie sich auf dem Markt durchsetzen. Einfach ist die Transformation unseres Geschäfts nicht, aber wir gehen diese Aufgabe im Sinne unserer Kunden mit aller Kraft an. Und das heißt auch: Wir stellen uns – über unsere Stärken in der Hardware hinaus – mehr denn je als Software-Haus der Mobilität auf. Wenn man so will, werden Fahrzeuge in Zukunft in der Cloud ebenso wie auf der Straße unterwegs sein. Dabei wird es neben der Hardware auf das problemlose Zusammenspiel von Software aus verschiedenen Quellen ankommen. Eben deshalb stärken wir mit der neuen Organisation unseres Unternehmensbereichs Mobility die Zusammenarbeit über Bereichsgrenzen hinweg. Dazu richten wir auch eine horizontale Verantwortung für Software, Fahrzeugrechner und Halbleiter ein. Alles dies ist auf gutem Weg. Dahinter steht ein großes Ziel: Wir wollen mit Bosch-Technik das Software-definierte Fahrzeug Realität werden lassen. Schon jetzt bieten wir vom Steuergerät bis zur Cloud Lösungen in allen Domänen der automobilen Software-Entwicklung. Dazu nachher noch mehr von meinem Kollegen Markus Heyn, vorab will ich die aktuelle Marktsituation skizzieren. Hier zeigt sich: Bosch wächst kräftig, investiert aber auch kräftig in die Zukunft der Mobilität. Die Geschäftslage: Bosch legt stark zu und erbringt hohe Vorleistungen Dabei sehen wir auch 2023 eine volatile Marktentwicklung. Die Automobilproduktion ist im ersten Halbjahr zwar auf niedrigem Niveau gewachsen, doch das Plus schmilzt bereits wieder ab. Die Folgen des Krieges, vor allem die Unsicherheiten bei Energie und Rohstoffen, werden uns noch länger beschäftigen. Zudem belastet die Inflation vor allem in Europa und den USA die Kaufkraft. Dieser Entwicklung kann sich unser Unternehmensbereich Mobility nicht entziehen, auch wenn er stärker wächst als die Branche. Wechselkursbereinigt wird sein Umsatz 2023 voraussichtlich um rund zehn Prozent steigen. Darin sehen wir zwar auch Preiseffekte. Doch zugleich verzeichnen wir starke Volumen-Zuwächse vor allem durch Neuanläufe, zum Beispiel mit der neuen Generation des ESP-Schleuderschutzes. Über das Jahr hinaus erbringen wir hohe Vorleistungen für den Wandel der Mobilität – Software, elektrisches und automatisiertes Fahren, um hier nur Stichworte zu nennen. Insgesamt stehen wir, wie andere Unternehmen auch, mit der Transformation unserer Branche vor einer Doppelaufgabe: Einerseits geht es um tragfähige Perspektiven für unsere Beschäftigten und ihre Qualifizierung. Dazu haben wir mit der Zukunftsvereinbarung für unsere deutschen Standorte jüngst eine wichtige Voraussetzung geschaffen. Anderseits müssen wir technisch ganz vorn bleiben. Dies gilt vor allem auf dem Weg zum Softwaredefinierten Fahrzeug. Auf dem Weg zur Mobilität von morgen: Bosch denkt das „Software Defined Vehicle“ weiter Software von Bosch verändert allerdings nicht nur das Fahren, sondern auch die Produktion der Fahrzeuge. Wir sind mehr als Automobilzulieferer, auch mit unserer Industrietechnik können wir die Automobilbranche entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützen. Dazu drei Beispiele, bevor wir unmittelbar ins Auto einsteigen: Erstens sichern wir Automotive-Lieferketten. Mit unserer Track- & Trace-Lösung erfassen wir Position und Zustand von Transportboxen in Echtzeit. Damit statten wir jetzt bei BMW 260 000 Ladungsträger aus, um wichtige Antriebskomponenten transparent und sicher zu verfolgen. Zweitens digitalisieren und vernetzen wir die Automotive-Produktion. Noch haben zum Beispiel Batteriezellfabriken einen Ausschuss von zehn bis 15 Prozent. Unsere Industrie-4.0-Software Nexeed hilft diesen Ausschuss deutlich zu reduzieren. Sie kommt künftig in VW-Zellfabriken zum Einsatz. Drittens bringen wir künstliche Intelligenz in die Automotive-Produktion, um Anomalien und Fehler frühzeitig zu erkennen. Unsere Manufacturing Analytics Solution, kurz MAS, ist bei Bosch bereits in 50 Werken im Einsatz. Mit Hilfe von KI sind die Fertigungskosten zum Beispiel am türkischen Standort Bursa deutlich gesunken. Jetzt aber steigen wir unmittelbar ins „Software Defined Vehicle“ ein. Es setzt eine neue zentralisierte IT- und Elektronik-Architektur voraus. Bosch gehört zu den wenigen Unternehmen, die solch eine Architektur durchgängig entwickeln – von der Cloud über zentrale Fahrzeugcomputer bis zum Chip. Wir fertigen als führendes Unternehmen in der Automobilindustrie Halbleiter selbst. Zudem produzieren wir einen großen Teil der Chips gemeinsam mit Partnern. Gerade erst haben wir mit TSMC, Infineon und NXP angekündigt, in ein Joint Venture in Dresden zu investieren. Das gemeinsame Ziel: eine neue Fabrik für den weiter-wachsenden Bedarf an Chips für das Auto der Zukunft. Wir verzeichnen ein starkes Wachstum im Geschäft mit Fahrzeugrechnern. Voraussichtlich kommen wir allein mit Rechnern für Fahrerassistenz und Infotainment bereits 2026 auf einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro. Und wir beherrschen das Zusammenspiel der automobilen Elektronik mit dem Internet der Dinge. Mit der nächsten Fahrzeug-Generation, die in der zweiten Hälfte der Dekade auf den Markt kommt, wird Vernetzung Standard. Hier sehen wir nicht nur eine Verdreifachung der Software-Applikation voraus, sondern auch eine Verzehnfachung der Anwendungen mit Zugriff auf die Cloud. In dieser Zukunft der Mobilität versteht sich Bosch nicht mehr nur als Zulieferer von Systemen und Komponenten. Wir sind mehr denn je auch Software-Partner der Automobilhersteller. Dazu beschäftigt unser Unternehmensbereich Mobility allein 38 000 Software-Entwickler – das größte Team dieser Art in unserer Branche. Dabei denken wir das „Software Defined Vehicle“ weiter als andere. Unsere Logik unterscheidet sich vom Ansatz vieler Tech-Player, die Rechnerkerne aus der Konsumelektronik fest mit automobilen Software-Funktionen verknüpfen. Das schafft technische Abhängigkeiten, die wir im Interesse der Branche möglichst vermeiden wollen. Software von Bosch läuft daher weitgehend hardware-unabhängig auf Chips verschiedener Hersteller. Möglich wird das zum Beispiel durch unsere neue Middleware-Lösung für Systeme der Fahrerassistenz und des automatisierten Fahrens, die Software-Anwendungen und die zugrundeliegende Hardware entkoppeln hilft. Mehr denn je kommt es zudem auf die Integration von Software aus verschiedenen Quellen an. Auch dafür bringt Bosch besonderes Know-how mit. Beispiel Infotainment-Systeme, wo der Anteil der Fremdsoftware bei 90 Prozent liegt. Bosch realisiert hier das flexible Zusammenspiel der Software-Pakete, egal woher sie kommen – und dies „on time“ etwa für einen weltweit agierenden Automobilhersteller, der jährlich 200 Neuanläufe bewältigen muss. Wir wachsen derzeit mit Infotainment-Systemen jährlich um 25 Prozent – doppelt so schnell wie der Markt. Mit unserer Erfahrung wollen wir auch die Software-Entwicklung entlang der Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie beschleunigen. Dazu etablieren wir jetzt eine Kooperationsplattform, mit der Entwickler aus verschiedenen Unternehmen Funktionsänderungen kontinuierlich testen und integrieren können. Dies ist bereits Standard in der IT-Industrie – mit unserer Lösung setzen wir ihn erstmals in der Automobilindustrie um. Über die neue Plattform arbeiten wir bereits mit anderen Zulieferern zusammen und bieten dies auch den Automobilherstellern an. Grundsätzlich kommen mit dem „Software Defined Vehicle“ neue Funktionen etwa für die Fahrerassistenz schneller auf die Straße – sie kommen über Software-Updates, entkoppelt von der Hardware-Entwicklung. Auch nach Jahren können Fahrzeuge damit „wie neu“ werden. Dabei ist auch Software „Technik fürs Leben“, wie wir bei Bosch sagen. Denn ganz konkret macht sie Mobilität auch nachhaltiger und sicherer. Dazu übergebe ich nunmehr an meinen Kollegen Markus Heyn … Die Elektromobilität: Bosch bietet Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette … Vielen Dank, Stefan! Ich beginne mit der nachhaltigen Mobilität, die wir sehr konkret in Elektromobilität übersetzen können. Wir tun alles für ihren Hochlauf, auch mit neuen Software-Lösungen. Insgesamt entwickelt sich unser Geschäft mit Elektromobilität gut – ich könnte auch sagen: Es steht unter Strom. Wir sind hier klar auf Kurs zu unserem Ziel: sechs Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2026. Schon im vergangenen Jahr konnten wir unsere Fertigung von Komponenten für das elektrische Fahren um gut 50 Prozent steigern, in diesem Jahr wird sich allein die Produktion von E-Motoren verdoppeln. Noch in diesem Herbst bringen wir in 800-Volt-Technik einen neuen Antrieb mit Inverter in Serie – ein System, mit dem sich die Batterie doppelt so schnell laden lässt als bisher. Ob technisch oder geschäftlich – auch in der Elektromobilität will Bosch vorn sein. Dabei ist Software der Schlüssel, um Komfort und Nachhaltigkeit noch zu steigern. Im Elektroauto selbst unterstützt sie das vernetzte Energie- und Thermomanagement, das die Batterie prädiktiv auf die richtige Temperatur für den Ladezeitpunkt bringt. Allein damit verkürzt sich die Ladezeit um bis zu 20 Prozent. Neu ist die effiziente Verteilung elektrischer und thermischer Energie während der Fahrt zwischen Batterie, Antrieb oder auch Klimaanlage. Wichtig für den Autofahrer ist nicht nur der Komfort, sondern auch die Sicherheit beim Laden. Gemeinsam mit dem Start-up Fetch AI entwickelt Bosch einen digitalen Pass fürs Elektroauto – unabhängig von zentralen Datenplattformen. Dieses Software-Paket bedeutet Datenschutz beim Zugang zum Ladenetzwerk. Zudem ermöglicht es neue Services, zum Beispiel die KI-gestützte Prognose der Verkehrslage, um die Ladesäulen-Suche noch einfacher zu machen. Wirklich nachhaltig ist Elektromobilität vor allem dann, wenn Rohstoffe wie Lithium und Kobalt zurückgewonnen werden. Auch dabei kommt Software von Bosch zum Einsatz. In automatisierten Recycling-Anlagen identifiziert sie nicht nur Herkunft und Zustand der Batterien, sie führt auch durch die Prozess-Schritte. So wird die Demontage der Batteriepacks schnell und sicher. Der Bedarf für diese Art der Kreislauf-Wirtschaft wächst: Bis 2030 wird die jährliche Recycling-Kapazität für Batteriematerialien von 50 auf 420 Kilotonnen steigen. Auch dieses Beispiel zeigt: Bosch begleitet Elektromobilität entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Wir sind vielseitig wie kein anderer Automobilzulieferer aktiv – mit Technik vom Chip bis zur E-Achse, vom E-Bike bis zum Truck, für Batterie und Brennstoffzelle. Und schon hier ist Bosch immer beides: Lieferant von Hard- und Software. Das eine fördert das andere. Das automatisierte Fahren: Bosch bringt Video-Software, die auf jedem Chip läuft Noch deutlicher, meine Damen und Herren, zeigt sich bei unseren Unfallschutz-Systemen, wie sich Hard- und Software-Entwicklung entkoppeln, aber auch gegenseitig treiben. Schon unsere neue ESP-Generation ist dafür ein markantes Beispiel. Sie ist mehr als eine Weiterentwicklung der Hardware. Denn die wesentliche Innovation steckt in der Software. Es ist die Vehicle Dynamics Control 2.0 – ein neues Regelungskonzept, das nicht nur auf das Bremssystem, sondern auch auf den elektrischen Antrieb und die elektrische Lenkung zugreifen kann. Damit wird der Autofahrer noch mehr Sicherheit erleben: weniger Gegenlenken, kürzere Bremswege. Wichtig für die Automobilhersteller ist der flexible Einsatz in der Elektronik-Architektur von morgen: Die neue Regelung lässt sich in zentrale Fahrzeugrechner ebenso wie im ESP-Steuergerät integrieren, und künftig kommt sie auch als eigenständiges Software-Paket. Sie wird Teil des Vehicle Motion Managements – einer Software, die alle Fahrzeugbewegungen koordiniert, indem sie zentral Bremse, Lenkung, Antrieb und Fahrwerk ansteuert. Dies bringt uns nicht zuletzt auf dem Weg zum automatisierten Fahren voran. Auf diesem Weg hat Bosch früh die technischen und geschäftlichen Chancen erkannt. Mit Systemen für die Fahrerassistenz werden wir auch im laufenden Jahr zweistellig zulegen. Und über die vergangenen fünf Jahre haben wir unsere Entwicklungspower für das assistierte und automatisierte Fahren mehr als verdoppelt. Unsere Neuheiten, wie wir sie hier auf der IAA vorstellen, zeigen den flexiblen Zuschnitt von Hard- und Software. So arbeitet zum Beispiel unsere neue Radarsensor-Generation mit künstlicher Intelligenz. Damit kann sie Hindernisse noch genauer und trennschärfer erkennen und klassifizieren – auch kleinere Objekte wie Motorräder, die nur wenig reflektieren. Für die Videosensorik bieten wir zum einen neue Kameraköpfe, deren Intelligenz sich in zentrale Fahrzeugrechner auslagern lässt. Zum anderen führen wir mit der „Video Perception“ eine reine Software-Lösung ein. Damit lässt sich die Umfeld-Wahrnehmung des Fahrzeugs flexibel auslegen – sei es nach vorn oder auch mit einem 360-Grad-Gürtel. So können Automobilhersteller, egal mit welcher Hardware, neue Sicherheits- und Komfortfunktionen schneller realisieren. Mit der „ADAS Integration Plattform“ bringen wir schließlich einen Fahrzeugcomputer auf den Markt, der gleichsam als Gehirn automatisierter Fahr- und Parkfunktionen fungiert. Diese Plattform lässt sich auch als modularer Baukasten verstehen, offen für Hard- und Software aus eigener oder anderer Entwicklung, flexibel vor allem durch die Möglichkeit, „Systems on Chip“ verschiedener Hersteller zu integrieren. Entscheidend auch hier: Software von Bosch läuft auf jedem Chip. Services für Mobilitätsdienstleister: Bosch macht den Betrieb von Fahrzeugflotten noch effizienter Die Beispiele zeigen, wie rasant sich die Entwicklung des Autos verändert – und Bosch gehört zu den Treibern dieser Entwicklung, immer das Interesse der Kunden fest im Blick. Dabei denken wir die Softwaredefinierte Mobilität auch übers einzelne Fahrzeug hinaus. Mit unserer neuen Cloud-Lösung „RideCare Connected Rent“ können Mobilitätsdienstleister ihre Flotten noch effizienter betreiben. Sie erhalten nach der Vermietung ihrer Fahrzeuge automatisiert Informationen – etwa über den Ladezustand der Batterie oder auch über Schäden, die daraufhin zweifelsfrei zugeordnet werden können. Das bietet zwei wesentliche Vorteile: mehr Effizienz für den Dienstleister, mehr Transparenz für den Nutzer. Die neue Lösung wird bereits bei Rental-Firmen erprobt – nach ersten Erfahrungen ermöglicht sie bis zu 150 Euro Ersparnis pro Fahrzeug und Monat. Bis Ende der Dekade will Bosch damit mehr als zwei Millionen Fahrzeuge ausstatten. Auch damit wird deutlich: In der Mobilität von morgen steht Bosch für Hard- und Software-Lösungen gleichermaßen – und wenn wir von Software sprechen, dann immer auch von Services, die Menschen einfacher denn je bewegen. Wir bringen breites Knowhow mit für den Aufbruch in die neue Ära der Mobilität. In unserem Eingangsvideo heißt es denn auch: „Let’s move like a Bosch!“ Pressemappe IAA 2023 Eventseite IAA 2023

Wachsen mit Wasserstoff

13.07.2023

Referat

Wirtschaft

Wachsen mit Wasserstoff

Dr. Stefan Hartung, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Dr. Markus Heyn, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility, anlässlich des Bosch Tech Day am 13. Juli 2023 in Stuttgart-Feuerbach Es gilt das gesprochene Wort.Sehr geehrte Damen und Herren, geografisch liegen die Auto Shanghai und die Hannover Messe weit auseinander, aber nie waren sie sich so nah wie in diesem Jahr: In China wie in Deutschland war auf dem Bosch-Stand kaum ein Thema so gefragt wie „Wasserstoff“. Uns werden Lösungen zugetraut wie nur wenigen Unternehmen – Lösungen für die Erzeugung und Verwendung von H 2 , die schnell in große Serien übergehen. Genau daran arbeiten wir – in aller Welt, zugleich mitten in Europa. Auch hier in Stuttgart-Feuerbach, an unserem ältesten Produktionsstandort, findet die Wasserstoff-Zukunft statt. Hier startet heute symbolisch die Serienproduktion unseres Brennstoffzellen-Antriebssystems. Das ist der Anlass dieser Presseveranstaltung, zu der auch ich Sie herzlich begrüße. Wir wollen zeigen: Bosch „kann“ Wasserstoff, und Bosch wächst mit Wasserstoff. 2030 wollen wir mit unseren H 2 -Technologien einen Umsatz von rund fünf Milliarden Euro erzielen. Unsere Lösungen entwickeln wir entlang der gesamten H 2 -Wertschöpfungskette. Dazu vorab eine kleine technische Orientierung, aber keine Sorge, daraus wird keine naturwissenschaftliche Lehrstunde. Nur so viel: Wir erzeugen in der Brennstoffzelle aus Wasserstoff Strom – mobil mit Protonen-Austausch-Membranen, stationär im Festoxid-Verfahren. Wobei die mobilen Systeme vor allem in Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen, die stationären Anlagen hingegen Rechenzentren oder Stadtquartiere mit Energie versorgen können. Was ist hier der Clou? Beide Verfahren lassen sich umkehren, und in dieser Umkehrung eignen sie sich für die Elektrolyse, sie können also auch aus Strom Wasserstoff erzeugen. Auch dabei ist Bosch aktiv. Es ist offensichtlich, dass es zwischen den jeweiligen Brennstoffzellen- und Elektrolyse-Verfahren große Synergien gibt. Wir wollen sie heben. Bosch gestaltet die Wasserstoff-Wirtschaft mit, aber die Politik muss in vier Punkten Tempo machen Ob mit Brennstoffzelle oder Elektrolyse, Bosch gestaltet die Wasserstoff-Wirtschaft mit. Das hilft, weltweit neues Geschäft zu erschließen, aber auch Beschäftigung in unseren Werken zu sichern – wir haben immer beides im Blick. So startet die Produktion mobiler Brennstoffzellen-Systeme in Chongqing ebenso wie hier in Feuerbach. Bosch ist das erste Unternehmen, das solche Systeme in China und in Deutschland fertigt. Und die nötigen Komponenten kommen aus Bamberg und Homburg wie aus Wuxi. Auch bei Wasserstoff setzen wir von Anfang an auf einen weltweiten Fertigungsverbund. Wir planen, daran künftig auch das Werk Anderson in South Carolina zu beteiligen. Vor allem zu Beginn kommt es in diesem Verbund auf die Leistungsfähigkeit der deutschen Standorte an. Wie aber sehen die langfristigen Perspektiven aus? Wie groß sind die Aussichten, in Deutschland und Europa mit Wasserstoff nicht nur zu starten, sondern auch dauerhaft zu wachsen? Die Antwort hängt davon ab, ob die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Darauf will ich noch genauer eingehen, weil diese Bedingungen den Erfolg der Wasserstoff-Technologien in Deutschland und im globalen Wettbewerb erst möglich machen. Grundsätzlich eint uns das politische Ziel der Klimaneutralität – die aber wird es ohne Wasserstoff nicht geben. Zwar ist die Elektrifizierung von Fahrzeugen und Heizungen aktuell der wesentliche Hebel der Energiewende, und auch hier ist Bosch dabei. Aber regenerative Energien lassen sich besonders effizient in den sonnen- und windreichsten Regionen der Welt gewinnen, also nicht dort, wo die industriellen Zentren liegen. Wie also grüne Energie vom Ort ihrer Gewinnung an die Orte ihrer Verwendung bringen? Das gelingt nicht über Strom, sondern nur mit chemischen Trägern, konkret mit Wasserstoff und seinen Derivaten. Weltweit wird der Übergang von der Kohlenstoff- in die Wasserstoff-Wirtschaft entscheidend im Kampf gegen den Klimawandel sein. Dieser Kampf ist eine Jahrhundertaufgabe. Und doch müssen wir den Turbo einlegen, hier und jetzt auch in Deutschland. Wir sind dankbar, dass wir gerade einen Förderbescheid für unsere stationäre Brennstoffzellen-Technologie bekommen haben. Insgesamt aber erreichen wir, wenn es um Wasserstoff geht, das neue „Deutschland-Tempo“ noch nicht. Die USA sind schneller unterwegs. Dort werden mit dem „Inflation Reduction Act“ die Betriebsmittel für den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft massiv gefördert. Außerhalb Europas wächst das Interesse an H 2 -Technologien rasant, von China ganz zu schweigen. Europa selbst hat große Ambitionen, jedoch sehen wir bedenkliche Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Vier Punkte sind uns wichtig. Erstens müssen wir die Wasserstoff-Erzeugung in Europa forcieren. Tatsächlich wird sie derzeit eher erschwert – vor allem durch strenge Strombezugskriterien, wie es sie weder in China noch in den USA gibt. Beispiel ist das sogenannte „Additionalitätsprinzip“, das den Bezug von Grünstrom für Elektrolyseure nur aus zusätzlichen Wind- und Sonnenenergie-Anlagen zulässt. Klar ist: Die Priorität der Europäischen Union liegt auf der direkten Verstromung erneuerbarer Energien etwa in Autos und Heizungen. Jedoch stellt sich die Frage: Warum müssen Elektrolyseure sogar die Herkunft des genutzten Grünstroms nachweisen, während es für E-Autos und Wärmepumpen egal ist, woher überhaupt der Strom kommt. Gleichbehandlung geht anders. Vor allem kurbelt diese Art der Regulierung die Wasserstoff-Produktion nicht an, die EU tut sich damit keinen Gefallen. Um diesen Wettbewerbsnachteil wenigstens annähernd auszugleichen, braucht es zumindest in der Hochlaufphase eine starke Förderung von Investitions- und Betriebskosten. Zweitens gilt es internationale Wasserstoff-Lieferketten zu etablieren. Noch sind auch hier Hürden zu überwinden. Denn weltweit lässt sich Wasserstoff am besten über Derivate transportieren, die zum Beispiel aus der Synthese mit Kohlenstoff gewonnen werden, etwa Methanol. Für den Import dieser Derivate schreibt die EU jedoch eine effektive CO 2 -Bepreisung in den Herkunftsländern vor – ohne die Kriterien bisher genauer zu spezifizieren. Das ist wichtig, weil es solch eine Bepreisung bisher in den wenigsten Ländern der Welt gibt. Unter diesen Bedingungen werden mögliche Investoren eines nur zögerlich tun – investieren. Das ist bedenklich, weil Europa bis 2030 die Hälfte seines Wasserstoff-Bedarfs über Partnerschaften mit anderen Weltregionen abdecken will. Nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur können afrikanische Länder 5 000 Megatonnen H 2 pro Jahr produzieren – das entspricht der heutigen Gesamtenergieversorgung der Welt. Die EU muss alles tun, um Wasserstoff-Partnerschaften mit anderen Kontinenten aufzubauen. Das ist kluge Energie- und Entwicklungspolitik zugleich. Mein dritter Punkt ist das Plädoyer, Wasserstoff in allen Sektoren der Wirtschaft einzusetzen. Richtig ist: Für die CO 2 -Neutralität von Chemie- und Stahlwerken ist H 2 unabdingbar. Aber auch in Verkehr und Gebäuden kommen rein strombasierte Lösungen an Grenzen. Je älter das Haus, desto weniger rechnet sich die Wärmepumpe. Und je länger die Fahrstrecke, desto weniger sinnvoll ist der bloße Batterie-Antrieb. Nicht nur Schiffe und Flugzeuge, auch Nutzfahrzeuge benötigen H 2 -basierte Kraftstoffe. Unsere Devise in Verkehr und Gebäuden lautet also: kein Entweder-oder zwischen Elektrifizierung und Wasserstoff-Lösungen, sondern Sowohl-als-auch. Last but not least muss in Europa Infrastruktur für die Wasserstoff-Verteilung entstehen. Der Transport grüner Moleküle ist auf vielen Wegen möglich, über Pipelines, Lastwagen und Schiffe. Auch innerhalb der EU benötigen wir eine bessere Vernetzung von Energieversorgungs- und Energieverbrauchszentren. Eine Voraussetzung, damit zum Beispiel der H 2 -Betrieb stationärer Brennstoffzellen in Kleinkraftwerken gelingt. Und nicht zuletzt kommt es auf ein Wasserstoff-Tankstellennetz an, orientiert am Bedarf von Nutzfahrzeugen. Ohne fördernde Rahmenbedingungen wird es nicht gehen. Egal ob in Europa oder USA, der Staat ist gefordert, um auf dem Weg in die Wasserstoff-Wirtschaft das „Henne-Ei-Problem“ zwischen Infrastruktur- und Marktentwicklung zu überwinden. Ohne H 2 -Lastwagen keine H 2 -Tankstellen und ohne H 2 -Tankstellen keine H 2 -Lastwagen – hier wird die Notwendigkeit staatlichen Anschubs überdeutlich. Insgesamt muss Europa weit mehr tun, um nicht nur „H 2 ready“, sondern „H 2 competitive“ zu werden. Immerhin gibt es positive Signale, die Forschungsförderung zum Beispiel – genau darauf zielt die Unterstützung für unsere stationären Brennstoffzellen-Technologie im Rahmen des IPCEI-Programms. Auch bei der Regulierung der Wasserstoff-Erzeugung ist die EU-Kommission der Industrie mit einigen Lockerungen entgegengekommen. Ganz wichtig jedoch ist die geplante Review-Klausel. Möglichst zügig muss überprüft werden, wie die Kriterien zum Strombezug die H 2 -Produktionskosten und damit die europäische Wettbewerbsfähigkeit belasten. Weltweit wird jetzt das „Level Playing Field“ für die Wasserstoff-Wirtschaft bestellt, auch dabei muss Europa ein Gegengewicht zur starken Dynamik in den USA schaffen. Es ist höchste Zeit für einen Sprint! Was aber tut Bosch? Dazu übergebe ich nunmehr an meinen Kollegen Markus Heyn … Bosch industrialisiert Wasserstoff-Technologien, das Brennstoffzellen-Antriebssystem geht jetzt in Serie … vielen Dank Stefan! Ich kann klar sagen: Bosch macht Ernst mit dem Einstieg in die Wasserstoff-Wirtschaft. Das deutlichste Signal sind unsere Vorleistungen. Insgesamt investieren wir von 2021 bis 2026 nahezu 2,5 Milliarden Euro in die Entwicklung und Fertigung unserer H 2 -Technologien. Davon zielen nahezu zwei Drittel auf den Brennstoffzellen-Antrieb, mit dem voraussichtlich schon 2030 jedes fünfte neue Nutzfahrzeug ab sechs Tonnen unterwegs sein kann. Zudem arbeiten wir an einem Wasserstoff-Motor, geeignet vor allem für Land- und Baumaschinen, aber auch für schweren Fernverkehr. Wie Stefan Hartung bereits deutlich gemacht hat, stellen wir uns breit auf, entlang der gesamten H 2 -Wertschöpfungskette. Das heißt auch: Wir werden Stacks für die Wasserstoff-Erzeugung liefern – damit treten wir in den Elektrolyse-Markt ein, der 2030 weltweit ein Volumen von 26 Milliarden Euro haben soll. Und wir wollen Brennstoffzellen-Technik auch stationär für dezentrale Energiesysteme nutzen – hier wird das Weltmarktvolumen 2030 voraussichtlich bei 20 Milliarden Euro liegen. Die geschäftlichen Chancen also sind groß, nicht weniger wichtig sind die Beschäftigungseffekte, die vom Einstieg in die Wasserstoff-Wirtschaft ausgehen. Schon jetzt beschäftigen wir bei Bosch mehr als 3 000 Menschen mit Wasserstoff-Technologien, davon mehr als die Hälfte in Europa. Wenn es hier noch mehr werden sollen, dann kommt es wiederum auf die politischen Rahmenbedingungen an, wie Stefan Hartung sie beschrieben hat. Was dabei besonders wichtig ist: Unser Engagement für Elektrolyse und Brennstoffzelle hilft bei der Transformation unseres Kerngeschäfts. Denn das Gros der Stellen im entstehenden Wasserstoff-Geschäft können wir intern besetzen, vor allem mit Beschäftigten aus unserer Antriebssparte. Das Gute ist: Wir können Know-how von hier nach dort mitnehmen. Ob es um Diesel oder Wasserstoff geht, tatsächlich kann sich Bosch in der einen wie der anderen Technologie auf zwei wesentliche Kernkompetenzen stützen: Da ist zum einen das System-Know-how – die Fähigkeit, eine Vielzahl von Komponenten mit Sensorik und komplexer Elektronik zu steuern. Zum anderen ist es die Industrialisierung – die Fähigkeit, neue Entwicklung schnell in großen Serien zu skalieren. Grundsätzlich bringt Bosch einzigartige Automotive-Erfahrung in die Wasserstoff-Wirtschaft mit. Gefragt sind wir daher auch in der H 2 -Erzeugung, wo wir neu in den Markt eintreten. Elektrolyse-Stacks im Labor bauen, das können viele. Solche Stacks aber auch großindustriell vom Band laufen zu lassen, das werden nur wenige realisieren. Ganz konkret können wir Prozesse aus der Fertigung von Diesel- und Benzinsystemen für die Herstellung von Brennstoffzellen nutzen und weiterentwickeln. Das Laserschweißen etwa kennen wir aus der Injektor-Produktion. Sei es in der Beschichtungstechnik oder bei Dichtheitsprüfungen – allenthalben ist ein Technologie-Übertrag möglich. Ohne die Beherrschung komplexer Verfahren ist alles nichts. Das ist der Grund für unsere hohe Fertigungstiefe: Auch langfristig soll mehr als die Hälfte der Wertschöpfung unseres Brennstoffzellen-Antriebs im eigenen Haus entstehen. Dahinter steckt nicht zuletzt der traditionell starke Sondermaschinenbau von Bosch. Er deckt gut 50 Prozent unserer Fertigungsausrüstung ab. Was wir können, zeigt sich auch im Detail. Dazu noch zwei markante Beispiele: Erstens das Highspeed-Laserschweißen: Damit machen wir in mobilen Brennstoffzellen-Systemen in jedem Stack 1 200 Meter Schweißnähte wasserstoffdicht. Ein Prozess, den es so nur bei Bosch gibt. Zweitens das Laserbohren. Damit erzeugen wir in stationären Brennstoffzellen-Systemen pro Stack mehr als 200 Millionen Löcher – 6 000 pro Sekunde. Auch beim Übergang in die Wasserstoff-Wirtschaft zeigt sich: Die konkreten Lösungen für den Klimaschutz setzen tiefes technisches Wissen voraus. Eben dieses Wissen bringt Bosch mit. Zu guter Letzt möchte ich Ihnen dazu einen Überblick über den aktuellen Stand der Dinge vermitteln. Zunächst zur Wasserstoff-Erzeugung: Zu Jahresbeginn hat bei Bosch der Musterbau für das Elektrolyse-Verfahren mit Protonen-Austausch-Membranen begonnen – das ist die Umkehrung der Energieumwandlung, wie wir sie in der mobilen Brennstoffzelle nutzen. Im ersten Schritt haben wir 150-Kilowatt-Stacks hergestellt, von Herbst an werden wir 1,25-Megawatt-Funktionsmuster für Pilotanwendungen zur Verfügung stellen. Damit sind wir auf Kurs zum Serienstart im Jahr 2025. In den Markt treten wir als Zulieferer von Stacks ein, wir werden aber auch Sensorik und Steuerung sowie die nötigen Services anbieten. Unser Leitwerk ist Bamberg, zugleich kommt es gerade in der Elektrolyse auf weltweite Lieferketten an. Der Kundenwunsch ist klar: Es geht um Skaleneffekte durch hohe Fertigungsvolumina – dafür steht Bosch. Zudem ist die Wasserstoff-Erzeugung ein wichtiges Thema in unserer Forschung und Entwicklung. So werden wir von 2024 an gemeinsam mit unseren Partnern Ceres Power und Linde in einem Demonstrator-Projekt auch die Elektrolyse im Festoxid-Verfahren erproben. Damit bin ich bereits bei der stationären Brennstoffzelle, die gleichermaßen auf der Festoxid-Technologie basiert. Ihr Einsatzgebiet ist die dezentrale Energieversorgung – und das nicht nur mit Strom, sondern auch mit Wärme. Damit werden wir zum Beispiel bei unserem Pilotprojekt im Krankenhaus Erkelenz bei Köln bereits einen Gesamtwirkungsgrad von 90 Prozent erzielen. Solch ein Kleinkraftwerk startet mit Erdgas, kann jedoch auf grünen Wasserstoff umgerüstet werden – so gelingt ein schrittweiser Übergang in die Klimaneutralität. Unsere Technik wollen wir Mitte der Dekade in Serie bringen. Für die Fertigung der stationären Brennstoffzellen-Stacks können wir nicht zuletzt unser Know-how in der Funktionskeramik nutzen, wie wir es aus der Produktion der Lambda-Sonde mitbringen. Schauen wir auf die mobilen Anwendungen, so können wir Wasserstoff nicht nur mit dem Brennstoffzellen-Antrieb in Strom umwandeln – wir können ihn auch unmittelbar als Kraftstoff nutzen. Solch ein H 2 -Motor kann alles, was der Diesel kann, jedoch nahezu CO 2 -neutral. Dies ist ein schneller und kostengünstiger Einstieg in den mobilen Wasserstoff-Einsatz, da sich bestehende Entwicklungs- und Fertigungstechnologien zu mehr als 90 Prozent nutzen lassen. Geeignet ist der H 2 -Motor vor allem für schwere Fahrzeuge, die über längere Zeit mit besonders hohen Lasten unterwegs sind. Bosch entwickelt für diesen Motor zwei Systeme: die Saugrohr- und die Direkteinblasung von Wasserstoff. Die größte technische Herausforderung ist der Injektor für die direkte Einblasung. Er muss, anders als beim Diesel, ohne Schmierung durch den Kraftstoff auskommen – und doch, genauso wie beim Diesel, milliardenfach öffnen und schließen können. Unsere Ingenieure sind dabei, diese Herausforderung zu meistern, ohne dass zusätzlich Öl emittiert wird – das ist bisher weltweit einzigartig. Auf den Markt kommt der H 2 -Motor voraussichtlich von 2024 an. Schon jetzt hat Bosch vier Serienprojekte in allen Teilen der Triade. Ende der Dekade sind sechsstellige Stückzahlen möglich. Zu guter Letzt nun, meine Damen und Herren, zum Brennstoffzellen-Antrieb. Hier gehen wir in Serie. Wir können das Antriebssystem, aber auch wichtige Bestandteile liefern, sei es den Stack, sei es das Wasserstoff-Dosierventil und den elektrischen Luftverdichter. Wir haben vier Serienaufträge für das komplette System, weitere für unsere Komponenten. Den Truck unseres Kunden Nikola Iveco können Sie hier in der Ausstellung sehen. Insgesamt beliefern wir Nutzfahrzeug-Hersteller in China ebenso wie in den USA und Europa. Im Pilotbetrieb bei unseren Kunden hat unser System bereits mehr als zwei Millionen Kilometer zurückgelegt. Dazu haben wir einen internationalen Fertigungsverbund aufgebaut. So ist die Stack-Produktion bereits 2022 in Bamberg und Wuxi angelaufen. Hier wie dort werden wir bis Mitte der Dekade Stacks mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt hergestellt haben. Überdies läuft jetzt die Produktion unseres kompletten Antriebssystems an, hier in Feuerbach ebenso wie in Chongqing. In der ersten Ausbaustufe werden wir insgesamt jährlich mehrere tausend Systeme fertigen. Die stärkste Marktentwicklung sehen wir zunächst in China. Dennoch beginnt hier und heute ganz offiziell die Serienproduktion unseres Brennstoffzellen-Antriebssystems. Gemeinsam mit Stefan Hartung und Thomas Pauer, dem Chef unserer Antriebssparte, starte ich jetzt symbolisch diese Produktion. Dazu darf ich die Kollegen auf die Bühne bitten. Es ist nur ein kleiner Knopfdruck, doch damit beginnt für uns der Aufbruch in ein neues und großes Geschäftsfeld. Bosch wird ein Name für Wasserstoff!

Hightech #LikeABosch – mit vernetzten, intelligenten und nachhaltigen Lösungen d ...

04.01.2022

Referat

Wirtschaft

Hightech #LikeABosch – mit vernetzten, intelligenten und nachhaltigen Lösungen d ...

Dr. Tanja Rückert, Chief Digital Officer der Robert Bosch GmbH, und Mike Mansuetti, Präsident Bosch in Nordamerika, anlässlich der Consumer Electronics Show am 4. Januar 2022 Es gilt das gesprochene Wort. Guten Morgen und herzlich willkommen zur Bosch-Pressekonferenz! Wir freuen uns, dass wir Sie heute digital bei uns begrüßen dürfen. Leider können wir uns wegen der aktuellen Pandemie-Lage wieder nicht persönlich treffen. Das ist bedauerlich, aber die Gesundheit aller hat natürlich oberste Priorität. Die gute Nachricht ist, dass wir dank technischer Lösungen sicher auf virtuelle Art und Weise zusammenkommen können. Und das passt perfekt zu dem, was heute unser Thema ist. Wir möchten mit Ihnen über Technologie, ihre Vorteile und Möglichkeiten sprechen und darüber, welche positiven Auswirkungen sie haben kann. Technologie für eine bessere Welt – heute und morgen Sie haben gerade den neuesten Clip unserer #LikeABosch-Kampagne gesehen: „Hightech #LikeABosch“. Hier auf der CES ist der Begriff „Hightech“ natürlich jedem vertraut; bei Bosch haben wir jedoch eine ganz besondere Sicht darauf. Welche, das möchten wir Ihnen heute zeigen. Wir wollen erläutern, warum Hightech für uns mehr bedeutet, als nur die Grenzen des Machbaren zu erweitern. Wir setzen Technologie vielmehr als Mittel ein, um das Leben der Menschen zu verbessern, wo immer sie sind: zu Hause, bei der Arbeit, auf der Straße, im Krankenhaus oder sogar im Weltall! Als Unternehmen, das sich Innovationen verschrieben hat, die das Leben verbessern, stellen wir den Menschen in den Mittelpunkt unserer Entwicklung. Aber gerade in Zeiten so tiefgreifenden technologischen Wandels reicht es für Unternehmen nicht zu glauben, sie hätten auf alles eine Antwort. Um Menschen das zu geben, was sie brauchen und sich wünschen, muss man ihre Bedürfnisse – aber auch ihre damit verbundenen Vorbehalte und Bedenken – verstehen. Deshalb haben wir genau das getan: Wir haben eine repräsentative Meinungsumfrage in fünf Ländern – China, Deutschland, Indien, Großbritannien und USA – zu unterschiedlichen Technologiethemen durchgeführt. Ziel ist, herauszufinden, wie Menschen technologischen Fortschritt beurteilen, was sie von Technologie erwarten und worin sie die größten Chancen und Risiken sehen. Entstanden ist der Bosch Tech Compass, der hier auf der CES seine Weltpremiere feiert. Im Verlauf unserer Pressekonferenz werden wir einige der interessantesten und wichtigsten Erkenntnisse mit Ihnen teilen. Beginnen wir gleich mit dem für uns vielleicht entscheidendsten Ergebnis. Wie die Umfrage zeigt, herrscht weltweit großes Vertrauen in Technologie und starke Begeisterung für ihre Möglichkeiten. 72 Prozent der Befragten weltweit glauben, dass Technologie die Welt zu einem besseren Ort macht. Sie glauben vor allem, dass Technologie ihr Leben bequemer und sicherer macht und ihnen die Arbeit erleichtert. Auch zeigen sich die Menschen optimistisch, was das Potenzial von Technologie betrifft: 76 Prozent der Befragten sehen in ihr den Schlüssel zur Bekämpfung des Klimawandels. Dem stimmen wir bei Bosch voll und ganz zu. Auch wir sind fest davon überzeugt, dass Technologie unser aller Leben verbessern kann – nicht umsonst ist „Technik fürs Leben“ unser Leitbild. Das zeigt ein Blick in unser Portfolio: Denken Sie an nützliche und sogar lebensrettende Innovationen wie das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), Airbag-Steuergeräte, unseren digitalen Schutzengel Help Connect oder den Corona-PCR-Schnelltest, den wir letztes Jahr für unser Vivalytic-Analysegerät entwickelt haben. Auch das Thema Klimaschutz nehmen wir sehr ernst: Bosch war das erste global tätige Industrieunternehmen, das alle internationalen Standorte klimaneutral gestellt hat. Derzeit arbeiten wir daran, bis 2030 die CO 2 -Emissionen entlang unserer Lieferketten und über den Lebenszyklus unserer Produkte um 15 Prozent zu senken. Dies entspricht 67 Millionen Tonnen Kohlendioxid – und ist etwa zwanzigmal mehr als unsere Standorte im Basisjahr 2018 emittiert haben. Über unsere Tochtergesellschaft Bosch Climate Solutions teilen wir zudem unsere Erfahrungen und unterstützen andere Unternehmen dabei, Klimaneutralität zu erreichen. Auch mit unseren Produkten fördern wir Nachhaltigkeit und ermöglichen den Nutzern, ihren CO 2 -Fußabdruck zu reduzieren. So hat zum Beispiel unsere US-Gebäudetechnik-Tochter Climatec einen 35-Millionen-Dollar-Auftrag der kalifornischen Stadt Ontario gewonnen, um sie energieeffizienter und sicherer zu machen und ihre Vernetzung voranzutreiben. Im Rahmen des „Smart Ontario“-Projekts werden wir durch die Nachrüstung der Infrastruktur mit intelligenten, vernetzten Lösungen wie Gebäudeautomation und LED-Straßenbeleuchtung die Treibhausgasemissionen der Stadt um voraussichtlich mehr als 10 000 Tonnen pro Jahr reduzieren. Zudem verfolgen wir schon lange die Vision einer klimafreundlichen Mobilität und haben dafür die ganze Palette an Komponenten und Systemlösungen für die Elektromobilität im Portfolio. Tatsächlich verfügt kein anderes Unternehmen über ein so breitgefächertes Angebot wie Bosch; vom batterieelektrischen Antrieb über regenerative Bremssysteme bis hin zur Brennstoffzelle: Wir bewegen alles, vom eBike bis zum schweren Nutzfahrzeug. Apropos eBikes: Hier kommen zwei der wichtigsten Treiber unseres Geschäfts zusammen – die Elektrifizierung und die Vernetzung. Vor nicht allzu langer Zeit galt das eBike noch als Nischenprodukt. Inzwischen ist es weltweit zu einem der beliebtesten Fortbewegungsmittel aufgestiegen. Was aber hat Vernetzung mit eBikes zu tun? Mehr denn je ist sie die Grundlage für ein individuelles Fahrerlebnis. Genau das bietet unsere neue Systemgeneration namens eBike Smart System den Nutzern. Die Ende letzten Jahres erstmals vorgestellte Innovation wurde mit einem CES ® 2022 Innovation Award Honoree ausgezeichnet und wird nun hier auf der CES erstmals in den USA einem breiten Publikum vorgestellt. Das völlig neue System bestehend aus eBike Flow App, Bedieneinheit, Display, Akku sowie Drive Unit verbindet das physische Erlebnis des eBike-Fahrens mit digitalen Annehmlichkeiten wie Vernetzung, Personalisierung und Services. So kann sich Ihr eBike zum Beispiel künftig Ihrem Fahrstil anpassen, Routen nach Ihrem Geschmack vorschlagen und Sie sicher ans Ziel leiten. Zudem lernt es dabei Ihre Interessen und Vorlieben. Dank Vernetzung ist das Fahrrad somit kein statisches Produkt mehr, sondern entwickelt sich nach dem Kauf ständig weiter. Mit Over-the-Air-Updates kann das Nutzererlebnis fortwährend mit neuen digitalen Erfahrungen verbessert werden. Dies ist nur ein Beispiel dafür, welche zentrale Bedeutung Vernetzung für unsere Produkte hat. Mehr noch freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir ein wichtiges und langjähriges Ziel unseres Unternehmens erreicht haben: 100 Prozent unserer elektronischen Produktklassen sind inzwischen internetfähig. Das bedeutet, dass wir für nahezu alle unserer Produkte auch Funktionen wie drahtlose Updates und internetbasierte Services anbieten können. Denken Sie etwa an nützliche Dienste, wie den automatischen Notrufservice eCall oder unsere Falschfahrerwarnung, die wir durch die Internetanbindung von Fahrzeugen ermöglicht haben. Bosch ist ein IoT- und Softwareunternehmen Dieser Meilenstein ist ein Beleg dafür, wie Bosch sich zu einem Software- und IoT-Unternehmen entwickelt hat. Derzeit beschäftigen wir rund 35 000 Softwareentwickler. Jährlich investieren wir mehr als viereinhalb Milliarden Dollar in den Auf- und Ausbau der Softwarekompetenz in unserem Unternehmen. Wir verstehen deshalb besser als die meisten anderen Unternehmen beide Seiten der Medaille – besonders, wenn es um die Vernetzung von Dingen mit dem Internet geht. Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, was wir in zwei unserer Kernbereiche jüngst erreicht haben: dem Zuhause und der Mobilität. Im Bereich Technik für die eigenen vier Wände hat Bosch im Jahr 2020 vier Millionen internetfähige Elektrowerkzeuge, Hausgeräte und Heizsysteme verkauft. Diese Zahl ist 2021 auf über sechs Millionen Stück gestiegen – ein Wachstum von 50 Prozent. Und auch im Mobilitätsbereich hat Software absolute Priorität: Fahrzeuge entwickeln sich mehr und mehr zu Internetknoten. Das ist bereits seit geraumer Zeit eine Vision von Bosch. Daher sind wir bestens positioniert, um das softwaredefinierte Fahrzeug entscheidend mitzugestalten. In unserem Unternehmensbereich Mobility Solutions investieren wir jährlich knapp dreieinhalb Milliarden Dollar in unsere Softwarekompetenz. Zu Beginn des letzten Jahres hat der neue Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions seine Arbeit aufgenommen. Diese Einheit bündelt die Hard- und Softwareentwicklung für neue Elektronikarchitekturen im Fahrzeug. Dieses Jahr unternehmen wir einen weiteren Schritt und bündeln unsere Arbeit an anwendungsunabhängiger Fahrzeugsoftware für Autos und Cloud unter dem Dach unserer Tochtergesellschaft ETAS GmbH. Damit können wir Herstellern und anderen Zulieferern entsprechende Softwarelösungen künftig schneller, sicherer und effizienter bereitstellen. Wir optimieren aber nicht nur unsere eigene Organisation und bauen unsere Kompetenzen aus, sondern gehen auch Partnerschaften ein, um unsere Technologieführerschaft im Mobilitätsbereich voranzutreiben. So stärken wir beispielsweise gemeinsam mit Microsoft unsere Position in der Softwareentwicklung für alle Domänen – vom Auto bis zur Cloud. Wir können so die Softwareentwicklung beschleunigen und neue Funktionen schneller in Fahrzeuge bringen. Wir machen in der Zusammenarbeit große Fortschritte bei der Entwicklung einer offenen Technologieplattform, mit dem Ziel, die Entwicklungszyklen in der Autoindustrie zu verkürzen. Der steigende Bedarf an Software bringt nicht zuletzt auch einen erhöhten Bedarf an Softwareintegration mit sich. Auf diesem Gebiet ist Bosch dank seines Domänenwissens ideal aufgestellt und verfügt über das nötige Integrations-Know-how. Nehmen wir zum Beispiel das automatisierte Fahren. Ein automatisiertes Fahrzeug muss alle Fähigkeiten mitbringen, die auch ein Mensch zum Autofahren braucht: seine Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen, beschleunigen, bremsen und lenken. Bosch hat alle Bausteine für das automatisierte Fahren im Portfolio und schafft Schritt für Schritt die technischen Voraussetzungen. Mit unseren Fahrerassistenzsystemen ebnen wir schon jetzt den Weg für alle Stufen der Automatisierung. Das zahlt sich aus: Bosch hat mit Fahrerassistenzsystemen in den letzten fünf Jahren mehr als 10 Milliarden Dollar umgesetzt. Von Komponenten bis zu Systemen, von Software bis zu Services – bei der Mobilität der Zukunft führt kein Weg an Bosch vorbei. Welche Bandbreite an Technologien wir anbieten und wie diese in künftigen Fahrzeugen nahtlos integriert werden, zeigen wir auf unserem Messestand. Wir geben einen Einblick, wie Software, Personalisierung, Automatisierung, Vernetzung und Elektrifizierung schier unendliche Möglichkeiten für die Art und Weise eröffnen, wie wir in Zukunft von A nach B gelangen. Bosch auf dem Weg zu einem führenden datengetriebenen KI-Unternehmen Apropos Zukunft: Auf die Frage, welche Technologie in zehn Jahren ihrer Meinung nach den größten Einfluss haben wird, nannten die Befragten des Bosch Tech Compass weltweitübereinstimmend KI und 5G. Bei Bosch haben wir KI zu einem strategischen Schwerpunktthema gemacht. Wir wollen Vernetzung und Daten, die im Internet der Dinge (IoT) gesammelt werden, mit künstlicher Intelligenz (KI oder englisch: AI) zum AIoT verbinden, um unsere Produkte und Services kontinuierlich zu verbessern. Ein Meilenstein auf unserem Weg zu einem führenden datengetriebenen KI-Unternehmen war die Gründung des Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) im Jahr 2017. Das BCAI ist derzeit mit insgesamt sieben Standorten in den USA, Deutschland, Indien, Israel und China vertreten. Es hat mehr als 200 Projekte in den Bereichen Mobilität, Fertigung, Landwirtschaft und Smart Home umgesetzt und leistet bereits einen positiven Ergebnisbeitrag von rund 350 Millionen Dollar. Mit dem systematischen Ausbau unserer KI-Kompetenz verfolgen wir zudem ein konkretes Ziel: Bis 2025 soll jedes Bosch-Produkt entweder mit KI ausgestattet oder mithilfe von KI gefertigt werden. Ein neues KI-Produkt, das wir hier auf der CES zeigen, ist unser neuer Home-Connect-Kühlschrank. Er kann die enthaltenen Lebensmittel erkennen, entsprechende Rezepte vorschlagen und damit nicht nur Abwechslung in Ihre Essensroutine bringen, sondern auch dabei helfen, Lebensmittel rechtzeitig aufzubrauchen, anstatt sie wegwerfen zu müssen. Ein weiteres, ganz besonderes Beispiel dafür, wie wir fortwährend Lösungen für höchstmöglichen Nutzen entwickeln, ist unsere SoundSee-Technologie. Dieses Audio-System kam erstmals in der Internationalen Raumstation ISS zum Einsatz, wo es mit KI dabei hilft, den Zustand kritischer Systeme zu überwachen, zum Beispiel die Umweltkontroll- und Lebenserhaltungssysteme der Raumstation. Heute zeigen wir erstmals einen neuen Anwendungsfall für Audio-KI, der auf der gleichen Technik basiert wie an Bord der ISS. Gemeinsam mit Highmark Health in Pittsburgh, Pennsylvania, erforschen wir, wie Audio-KI als Diagnosewerkzeug in der Kindermedizin genutzt werden kann. Genauer gesagt, arbeiten wir daran, das Sensorsystem so anzupassen, dass es Lungenkrankheiten wie Asthma schon in jungen Jahren erkennen kann, indem es die Atemmuster von Kindern abhört. Unsere Annahme ist, dass jedes Kind einen individuellen Audio-Fingerabdruck hat, und wir mithilfe von Audio-KI sein normales Atemgeräusch ermitteln können. Etwaige Veränderungen, so der Ansatz, werden von der KI erkannt, sodass möglichst durch einen frühzeitigen therapeutischen Eingriff bessere Ergebnisse erzielt werden können. Idealerweise ermöglicht uns diese Technologie eine nicht-invasive Überwachung kleiner Patienten und eine weitaus frühzeitigere Warnung der Eltern, sobald eine Abweichung vom Normalzustand vorliegt. Wir sehen in der Kombination von KI und IoT den Schlüssel, um den größten Nutzen aus diesen beiden Technologien zu ziehen. Sie können sich das wie einen unendlichen Verbesserungskreislauf vorstellen: Vernetzte Produkte übertragen Daten, die mithilfe von KI verarbeitet werden. Verbesserungen werden identifiziert, über Software-Updates wieder in das Produkt eingespeist und immer so weiter. Auf diese Weise werden die Kunden in den Entwicklungsprozess einbezogen und die Lösungen genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Das Ergebnis sind bessere Lösungen für unsere Kunden – und neue Einnahmequellen für uns. Wir sind in der Lage aus jedem Umsatz mit digitalen Produkten auch einen Serviceumsatz abzuleiten. Vertrauen und Verantwortung als Schlüssel zum Erfolg Wie die Befragten des Bosch Tech Compass sind auch wir überzeugt, dass künstliche Intelligenz und zunehmende Vernetzung künftig enormen Einfluss haben werden. Um das volle Potenzial dieser neuen Technologien auszuschöpfen, müssen sie jedoch auf breite Akzeptanz stoßen. Um das zu erreichen, müssen wir den Menschen den Nutzen nicht nur nachvollziehbar erläutern, sondern auch ihr Vertrauen in die Technologie und die Unternehmen, die sie entwickeln, stärken. Das gilt für alle neuen digitalen Technologien: Vertrauen kommt nicht von allein, es muss gewonnen werden. In diesem Punkt herrscht in unserer Umfrage ebenfalls große Übereinstimmung. Vier von fünf Befragten weltweit glauben, dass der Erfolg eines Unternehmens davon abhängt, inwieweit es ihm gelingt, das Vertrauen seiner Kunden im digitalen Umfeld aufzubauen. Dazu müssen Unternehmen verantwortungsbewusst handeln: beim Umgang mit sensiblen Daten ebenso wie bei der Abwägung ökologischer und ökonomischer Überlegungen und der Nutzung von Innovationen für das Gemeinwohl. Auch darin sind sich die Umfrageteilnehmer einig: Beeindruckende 83 Prozent der Befragten denken, dass sich technologischer Fortschritt stärker auf die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen statt auf die Befriedigung individueller Bedürfnisse konzentrieren sollte. In besonderem Maße zeigt der Bosch Tech Compass, dass sich die Menschen mehr denn je des Potenzials, aber auch der Tücken der Technik bewusst sind. Sie fordern von denen, die sie entwickeln, ebenso wie von denen, die ihre Nutzung gesetzlich regeln – also von Unternehmen und der Politik –, dass sie die Entwicklung verantwortungsbewusst in die richtige Richtung steuern. In unserem Streben nach technischem Fortschritt haben wir bei Bosch Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein stets in den Mittelpunkt gestellt. Dies galt in der analogen Welt und gilt umso mehr in der digitalen Welt, wo Vertrauen ein knappes Gut ist. Vor allem wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es darum geht, Innovation als Kraft für das Gute statt nur für den Profit einzusetzen. Deshalb haben wir für unsere eigenen Entwickler einen KI-Ethikkodex herausgegeben und verfolgen ausdrücklich eine KI, die sicher, robust und nachvollziehbar ist. Zudem stehen wir als treibende Kraft hinter dem Digital Trust Forum, einem internationalen Konsortium, das sich zum Ziel gesetzt hat, Vertrauen in KI und IoT-basierte Lösungen maßgeblich zu stärken. Insbesondere arbeiten wir mit unseren Partnern daran, vertrauensfördernde Richtlinien und mögliche Zertifizierungs- und Konformitätskennzeichen zu definieren. Die Idee ist, dass Produkte, die bestimmte Kriterien erfüllen, ein Digital-Trust-Siegel erhalten – vergleichbar mit den Energieeffizienzklassen, die Sie von Hausgeräten kennen. Nicht zuletzt hängen Vertrauen und Akzeptanz auch davon ab, ob Menschen einen konkreten Nutzen einer neuen Technologie erkennen können. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen eine Bosch-Innovation vorstellen, die einmal mehr das unglaubliche Potenzial von KI zeigt. Es handelt sich um den ersten auf dem Markt verfügbaren Gassensor mit KI von Bosch, der in einem revolutionären neuen Produkt zur Anwendung kommt. Der Silvanet Wildfire Sensor von Dryad ist eine bahnbrechende Innovation zur sehr frühen Erkennung von Waldbränden – und unser Gassensor ist seine digitale Nase. Ganz abgesehen von der unvorstellbaren Zerstörungskraft die Waldbrände haben: Wussten Sie, dass sie für bis zu 20 Prozent der jährlichen CO 2 -Emissionen weltweit verantwortlich sind? Das ist so viel wie der gesamte Transportsektor zusammen, also alle Autos, Schiffe und Flugzeuge auf dieser Erde. Die Sensoren von Dryad werden an Bäumen angebracht, wo sie kontinuierlich das lokale Mikroklima überwachen, um beginnende Brände frühzeitig zu erkennen und die örtlichen Behörden drahtlos zu benachrichtigen – lange, bevor kamera- oder satellitengestützte Systeme dies tun können. Diese Sensoren werden dazu beitragen, zahllose Menschenleben und Häuser zu retten und Tonnen von CO 2 davor zu bewahren, in die Atmosphäre zu gelangen – alles dank KI und Konnektivität. Lösungen für eine bessere Welt Unser Ziel bei Bosch war stets und ist es nach wie vor, mit unseren Produkten und Lösungen den Alltag von Menschen zu verbessern. Die Befragten das Bosch Tech Compass sind optimistisch, was das Potential und den Nutzen von Technologie betrifft. Und wir sind es auch: Deshalb arbeiten wir weiterhin an Innovationen, die das Leben von Menschen in aller Welt positiv verändern sollen. Das geht Lichtjahre über Hightech hinaus, das ist „Hightech #LikeABosch“. Vielen Dank.

Stabilität durch Dynamik: Bosch setzt auf AIoT, Elektrifizierung und grünen Wass ...

22.04.2021

Referat

Wirtschaft

Stabilität durch Dynamik: Bosch setzt auf AIoT, Elektrifizierung und grünen Wass ...

Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 22. April 2021 Es gilt das gesprochene Wort.Sehr geehrte Damen und Herren, in diesen bewegten Zeiten sprechen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über den Wandel – wir unternehmen ihn und sind dabei mit großer Dynamik unterwegs. Dies ist eine der spannendsten Zeiten in der Geschichte unseres Unternehmens. Gerade sind Drehraten- und Beschleunigungssensoren von Bosch mit der Nasa-Mission auf dem roten Planeten unterwegs. Sie helfen den Mars-Helikopter zu stabilisieren, von dem wir ganz aktuell so spektakuläre Bilder sehen können. Hier unten auf der Erde freue ich mich, Sie heute zu unserer Bilanzpressekonferenz herzlich begrüßen zu können. Wandel unternehmen – das heißt für uns: nicht nur das Kerngeschäft weiterentwickeln, sondern aus neuen Herausforderungen auch neues Geschäft machen. Um es bildlich zu sagen: Gegenwind wird zu Rückenwind, wenn man sich konsequent ausrichtet. So antworten wir zum Beispiel auf … den Klimawandel mit der CO 2 -Neutralität unseres Unternehmens, auf die Notwendigkeit klimaneutraler Mobilität mit elektrischen An-trieben, auf die Pandemie mit dem Wachstumsfeld Molekulardiagnostik, auf die IT- und AI-Entwicklungssprünge in China und den USA mit industrieller AIoT by Bosch. Bosch hat die richtigen Antworten auf die wesentlichen Zukunftsfragen, um sich an die Spitze wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen zu setzen. Die Stabilität unseres Unternehmens liegt in seiner Dynamik. Das haben wir im Krisenjahr bewiesen: Zum einen haben wir uns mit Mut und Konsequenz den Herausforderungen der Pandemie gestellt. Zum anderen haben wir den Übergang von bestehendem zu neuem Geschäft weiter vorangetrieben – immer mit dem Ziel im Blick, das eine muss das andere finanzieren können. Umso wichtiger, dass wir das vergangene Geschäftsjahr trotz Corona mit einem deutlich positiven Ergebnis abschließen konnten und dies auch im laufenden Geschäftsjahr erwarten. Über die Geschäftslage wird nunmehr Stefan Asenkerschbaumer berichten, bevor ich auf die Strategie von Bosch eingehe.Die Geschäftslage der Bosch-Gruppe: Zuversicht für 2021 Meine Damen und Herren, vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle von enormen Herausforderungen für das Geschäftsjahr 2020 gesprochen. Heute kann ich feststellen: Wir haben die großen Herausforderungen gut gemeistert. Und dieser Erfolg vermittelt Zuversicht für das laufende Geschäftsjahr. Denn auch 2021 verlangt uns sehr viel ab: Die Pandemie birgt weiterhin erhebliche Risiken. Zusätzlich spüren wir gerade im Automobilsektor die Engpässe bei stark nachgefragten Halbleitern. Wir unternehmen in dieser angespannten Situation alles in unserer Macht Stehende, um unsere Kunden zu unterstützen. Daran arbeiten wir gemeinsam mit ihnen und unseren Lieferanten seit Wochen in Task Forces. Eine kurzfristige Verbesserung der Situation ist aber leider nicht zu erwarten, sondern unsere gesamte Industrie wird voraussichtlich auf Monate hinaus mit dieser unbefriedigenden Lage konfrontiert sein. Das belastet die Geschäftsentwicklung in einer Phase der wirtschaftlichen Erholung sowohl bei uns als auch bei unseren Kunden. Auf Dauer müssen die Lieferketten in der Automobilbranche besonders bei Halbleitern resilienter werden. Sie sind neben Corona zugleich auch durch Natur- und Brandkatastrophen gestört worden. Aber auch wenn mehrere Ausnahme-Ereignisse zusammentreffen, müssen wir gemeinsam alles unternehmen, damit die Lieferketten maximal aufrecht erhalten bleiben. Auch darüber sprechen wir mit unseren Geschäftspartnern. Den Unternehmensbereich Mobility Solutions richten wir konsequent auf Zukunftsfelder wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren oder auf die künftige Elektronikarchitektur aus. Dies erfordert enorme Vorleistungen. Die Herausforderungen des Jahres 2021 gehen wir mit Zuversicht an. Dazu geben uns die Zahlen für das erste Quartal allen Grund: Der Umsatz stieg in der Bosch-Gruppe um 17,0 Prozent. Sicher, da ist bereits ein deutlicher Effekt durch die Coronavirus-Pandemie zu berücksichtigen. Doch auch gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 legte der Umsatz um 8,5 Prozent zu. Bezogen auf die Unternehmensbereiche sehen wir einen Anstieg bei Mobility Solutions mit einem Plus von 13,6 Prozent. Bei Industrial Technology ist für das Plus von 11,6 Prozent die Markterholung im Maschinenbau verantwortlich. Der Unternehmensbereich Consumer Goods profitiert mit einem Zuwachs von 29,4 Prozent weiterhin von der anhaltend hohen Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen. Und auch bei Energy and Building Technology verzeichnen wir mit einem Umsatzwachstum von 10,0 Prozent eine erfreuliche Entwicklung. Bei der Umsatzentwicklung nach Regionen gibt es deutliche Unterschiede. Hier wirken sich drei Faktoren aus: der zeitlich versetzte Einbruch durch die Coronavirus-Pandemie im vergangenen Jahr, erhebliche Wechselkurseffekte sowie das unterschiedliche Erholungstempo der Volkswirtschaften in den großen Weltregionen. Der Umsatz in Asien-Pazifik inklusive Afrika ist nominal um 37,5 Prozent angestiegen, in China allein um 54,4 Prozent. Damit konnten wir in China den Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2019 um 26,7 Prozent steigern. In Nordamerika verzeichnen wir einen Rückgang um 3,2 Prozent, wechselkursbereinigt allerdings ein Plus von 6,6 Prozent. In Südamerika beträgt der Anstieg 16,2 Prozent. In Europa konnten wir den Umsatz gegenüber 2020 um 13,8 Prozent erhöhen. Für das Geschäftsjahr 2021 gehen wir derzeit von einem Wachstum der Weltwirtschaft von knapp 4 Prozent aus, nach einem Rückgang um 3,8 Prozent im Vorjahr. Am stärksten fällt die Erholung in Asien aus, gefolgt von Nordamerika. Beide Regionen weisen erkennbare Fortschritte bei der Eindämmung der Pandemie auf. Das macht sich inzwischen auch im Dienstleistungssektor bemerkbar und unterstützt das Wachstum. In den USA kommt das umfangreiche Konjunkturpaket hinzu. In Europa dagegen, wo viele Staaten weiterhin stark von den Einschränkungen aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Corona-Virus betroffen sind, wird sich die Erholung weiter verzögern und eine deutlich langsamere Ausweitung der Wirtschaftsleistung von kaum mehr als 3 Prozent die Folge sein. Während 2021 global der BIP-Verlust des vergangenen Jahres ausgeglichen werden dürfte, wird es in Europa wohl erst im kommenden Jahr zu einem Aufholen der Pandemie-bedingten Wachstumsausfälle kommen. Bei der Automobilproduktion sehen wir die bisher prognostizierte Erholung für 2021 durch die Engpässe bei Halbleitern gefährdet. Ohnehin wird die Produktion erheblich hinter dem Vorkrisenniveau von 92 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2019 und dem bisherigen Höchststand von 98 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2017 zurückbleiben. Die daraus resultierenden Überkapazitäten belasten die Branche. Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme, dass es nicht zu ähnlich gravierenden Restriktionen wie im zweiten Quartal 2020 durch die Pandemie kommen wird, gehen wir derzeit für 2021 von einem Umsatzanstieg in der Bosch-Gruppe von etwa 6 Prozent aus. Auch für den Unternehmensbereich Mobility Solutions erwarten wir ein Wachstum. Zurzeit rechnen wir mit 5 bis 7 Prozent, auch wenn die Halbleiter-Engpässe die Prognose erschweren. Für Industrial Technology prognostizieren wir einen Zuwachs von rund 6 Prozent. Für Consumer Goods gehen wir derzeit aufgrund der anhaltend guten Entwicklung von einem Umsatzwachstum von rund 5 Prozent im Vergleich zum Rekordvolumen des Vorjahres aus, bei Building and Energy Technology von einem Anstieg um rund 4,5 Prozent. Wie eingangs gesagt, wird 2021 nochmals ein sehr anspruchsvolles Jahr, um die Bosch-Gruppe auf die zukünftigen Anforderungen auszurichten. Dazu haben wir mit unserem umfassenden Programm zur Verbesserung der Kostenstrukturen und Wettbewerbsfähigkeit eine gute Basis geschaffen. Die vielfältigen Maßnahmen setzen wir weiter konsequent um. Das bedeutet allerdings erneut erhebliche Belastungen durch Restrukturierungskosten. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir unsere operative Rendite gegenüber dem Vorjahr leicht auf rund 3 Prozent verbessern können; ohne Restrukturierungsaufwendungen ergibt sich eine Rendite von rund 4 Prozent. Allerdings ist auch diese Prognose unsicher aufgrund der schwer abschätzbaren Auswirkungen der Halbleiter-Engpässe und der Pandemie. Das Jahr 2021 wird dennoch ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg, die Zielrendite von rund 7 Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder zu erreichen. Dafür haben wir mit unserem positiven Ergebnis im Geschäftsjahr 2020 die Grundlage geschaffen, obwohl wir hohe Belastungen durch die Pandemie zu verkraften hatten. Der Umsatz ging 2020 um 6,4 Prozent auf 71,5 Milliarden Euro zurück. Der Rückgang bezieht sich dabei auf den vergleichbaren bereinigten Wert für 2019, also ohne die damals noch enthaltenen Aktivitäten bei Verpackungsmaschinen. Trotz des Umsatzrückgangs erzielten wir eine operative EBIT-Rendite von 2,8 Prozent. Bereinigt um Restrukturierungsaufwendungen, die unser Ergebnis 2020 stark belastet haben, ergibt sich ein Wert von 4,7 Prozent. Zu dem angesichts der Pandemie erfreulich positiven Ergebnis haben neben den verbesserten Umsätzen im zweiten Halbjahr 2020 umfangreiche Kostenanpassungen beigetragen. Zudem weisen bis auf den Unternehmensbereich Mobility Solutions alle Unternehmensbereiche ein positives operatives Ergebnis aus. Für Mobility Solutions gilt dies ebenfalls, wenn man die Belastungen durch die umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen in diesem Bereich außer Acht lässt. Ein Highlight: Der Unternehmensbereich Consumer Goods konnte durch die hohe Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen eine operative Rekordrendite von 11,5 Prozent erzielen. Hervorzuheben sind auch unsere solide Finanzstruktur mit einer weiterhin sehr guten Eigenkapitalquote von 44 Prozent und einer erfreulichen Liquiditätssituation mit einem Free-Cash-Flow auf der Rekordhöhe von 5,1 Milliarden Euro. Dies ist eine solide Basis, um unsere Zukunftsthemen voranzutreiben. Damit gebe ich zurück an Volkmar Denner. Detaillierte Informationen zu den Geschäftszahlen 2020 finden Sie in den schriftlichen Unterlagen.Ausdauer und Sprint in Zeiten des Wandels – Bosch kann beides Vielen Dank, Stefan! Wenn ich nun die markanten Veränderungen in unserem Umfeld und im Unternehmen behandle, dann komme ich ohne Verweis auf den Zeitfaktor nicht aus. Denn Bosch muss immer beides können – langfristigen Strukturwandel forcieren, aber auch kurzfristig flexibel agieren. Chancen in Megatrends wie Vernetzung und Klimawandel ergreifen – das erfordert Investitionskraft und Durchhaltevermögen. Ein schlagendes Beispiel sind die fünf Milliarden Euro Vorleistungen, die wir bereits für die Elektromobilität aufgewendet haben. Langfristiges Denken ist typisch für Bosch, es schließt jedoch kurzfristige Beweglichkeit nicht aus. Wie sonst könnten wir im Gebrauchsgüter-Geschäft erfolgreich sein? Hier haben wir zuletzt besonders im Online-Geschäft kräftig zugelegt, und hier bringen wir in kurzen Intervallen immer neue Produkte auf den Markt – zum Beispiel den Cookit, eine Küchenmaschine mit integrierter Kochfunktion, die zugleich eine Vielzahl digitaler Dienste ermöglicht. Wir sind zudem vor zehn Jahren entschlossen in den Markt für E-Bike-Antriebe eingestiegen, bald waren wir Europas Marktführer und sind heute der weltweit führende Hersteller. Jüngstes Beispiel für Agilität ist die Entwicklung des PCR-Schnelltests für das Covid19-Virus, die am Beginn der Pandemie auf unserer Vivalytic-Plattform binnen sechs Wochen gelungen ist. Ein Test, mit dem auch alle bekannten Virusmutationen detektiert werden können. Übers Jahr hinaus erschließen wir auf unserer Plattform weitere Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel gegen multiresistente Keime – wichtig in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Hier zeichnet sich ein Wachstumsfeld für Bosch ab. Das zeigt: Bosch hat Ausdauer im Wandel, kann aber auch Sprint.Die Kunden werden Teil der Entwicklung – die Logik von AIoT In beiden Disziplinen üben wir uns, wenn wir im Zeichen von Vernetzung und künstlicher Intelligenz datengetriebenes Geschäft erschließen. Das ist bisher die Domäne von IT-Firmen außerhalb Europas. Die höchsten Investitionen auf diesen Zukunftsfeldern finden jedenfalls in China und den USA statt. Doch genauer betrachtet, bringt Bosch etwas mit, was einzigartig ist: Wir verbinden vielseitiges Domänenwissen mit Know-how in IoT und AI, also im Internet of Things und in der Artificial Intelligence. Und daraus geht AIoT hervor. So führt die Vernetzung zu Wissen über die Verwendung der Dinge. Und die Auswertung dieses Wissens mit den Methoden künstlicher Intelligenz bietet die Chance zur Entwicklung neuer Funktionen und Dienstleistungen, die wiederum den Nutzen der Dinge vergrößern. Damit schließen wir den Wertschöpfungskreislauf zwischen den Labors unserer Ingenieure und dem Alltag unserer Kunden. Wenn man so will, wird dieser Alltag produktiver Teil unserer Entwicklung. So können wir über Cloud-Algorithmen etwa die Ankunftszeit eines E-Bikers künftig dynamisch nach Erfahrungswerten abschätzen, also nicht mehr nur statisch nach Karte. Aus Felddaten zusätzlichen Kundennutzen ableiten – das wird Kernkompetenz von Bosch. Und aus jedem Produktumsatz auch Serviceumsatz ableiten – das ist unser erklärtes Ziel. Wir entwickeln Bosch weiter zur führenden AIoT-Company. Was dies technologisch und geschäftlich bedeutet, lässt sich am Beispiel der Videosicherheit zeigen. Wesentlicher Wachstumstreiber ist in Zukunft AI – die auf neuronalen Netzen basierende Videoanalyse. Dazu integrieren wir Detektoren sowohl in neue Kameras als auch in eine AI-Box, die sich mit installierten Geräten verknüpfen lässt. Solche Detektoren entwickeln wir für die Videosicherheit und für die Videosensorik in der Fahrerassistenz – Synergien, wie sie so nur Bosch heben kann. Erste Anwendung in der Videosicherheit ist ein „Traffic Detector“, der Fahrzeuge in verkehrsreichen Situationen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen präzise erkennen und lokalisieren kann – das ist wichtig etwa für eine hochgenaue Verkehrsfluss-Messung. Je mehr Daten fließen, desto mehr wird AI können, nicht zuletzt eine exakte Unfalldetektion. Solche Weiterentwicklungen werden mit Software-Updates möglich – das Produkt erhält damit neue Funktionen, es bleibt up-to-date. So schließt sich der AIoT-Kreislauf, und das Produktgeschäft wird durch Softwaregeschäft ergänzt. Auf diesem Weg kommen wir gut voran. So konnten wir zum Beispiel 2020 rund vier Millionen vernetzbare Geräte für den Wohnbereich verkaufen – Hausgeräte, Elektrowerkzeuge, Heizsysteme und Smart-Home-Devices. 2021 werden es doppelt so viele sein. Und mit KI-fähigen Erzeugnissen werden wir in den nächsten Jahren einen Milliarden-Umsatz erreichen. Dazu haben wir schon jetzt mehr als 50 Produktlösungen realisiert. Katalysator dieser Entwicklung ist nicht zuletzt das Bosch Center for Artificial Intelligence, kurz BCAI. Bereits drei Jahre nach Gründung hat es mit seinen Projekten einen Return of Invest erzielt, bei einem positiven EBIT-Beitrag von rund 300 Millionen Euro. Mit AIoT setzen wir einen eigenen Akzent im Megatrend der Digitalisierung. Genauso gehen wir im Klimaschutz einen Bosch-Weg. Dies ist ein Megatrend, der wie kein anderer das Leitmotiv unserer Forschung und Entwicklung herausfordert: Technik fürs Leben. Tatsächlich kann Bosch auch hier technische Antworten auf ökologische Fragen geben – das werde ich nunmehr zeigen.Schub von außen und innen – Aus Klimaschutz wird Geschäft Wir finden es gut, dass in aller Welt die Anstrengungen für den Klimaschutz anziehen. Erfreulich vor allem: das Comeback der USA im Pariser Abkommen. Besonders ehrgeizig: der Green Deal der Europäischen Union. Für unsere Branchen hat er zwei wesentliche Konsequenzen: mehr Elektrifizierung einerseits, mehr Wasserstoff-Technologien andererseits. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, wird der Elektroauto-Anteil unter den Neuzulassungen in Europa noch deutlich stärker steigen müssen als bisher prognostiziert, auf mindestens 60 Prozent im Jahr 2030. Zugleich wird sich die jährliche Rate der energetischen Wohngebäude-Sanierung auf gut zwei Prozent verdoppeln müssen – viel Bewegung also auch in den Immobilien. Vor allem aber zeichnet sich ein Schub für grünen Wasserstoff ab. Dessen Marktvolumen in der EU wird bis 2030 jährlich um 65 Prozent auf nahezu 40 Milliarden Euro wachsen. In Summe heißt das für Bosch: Der Strukturwandel in unseren bestehenden Geschäftsfeldern wird sich beschleunigen, die Chance für neues Geschäft sich vergrößern. Dieser Umbruch wird nicht nur von außen, sondern auch von innen getrieben – denn die Arbeit an der CO 2 -Neutralstellung geht weiter. Seit Frühjahr 2020 sind wir mit unseren weltweit mehr als 400 Standorten klimaneutral. Dies ist inzwischen zertifiziert – ein großer Schritt, aber nur ein erster Meilenstein. Denn jetzt nehmen wir den sogenannten Scope 3 in den Blick, den CO 2 -Ausstoß entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette, von den Lieferanten bis zu den Kunden. Dafür haben wir mit der Science-Based-Target-Initiative ein verbindliches Reduktionsziel vereinbart – minus 15 Prozent bis 2030 gegenüber 2018. Das sind 67 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß weniger, schon dies verringert den CO 2 -Fußabdruck mehr als 20mal so stark wie die Neutralstellung im eigenen Haus. Und wir konkretisieren das Ziel für Lieferanten und Logistik ebenso wie für die eigenen Produkte. Das heißt zum Beispiel: Der CO 2 -Fußabdruck wird künftig ein Kriterium bei Neuvergaben im Einkauf. Und vor allem bedeutet dies: Wir verändern unser Produktportfolio – sei es in Richtung Energieeffizienz oder gar Technologiewechsel.Elektrisches Fahren, elektrisches Heizen – Bosch gewinnt auf dem Markt mit Elektrifizierung Diese Entwicklung findet, auch wenn die Frage nach einer klimaschonenden Mobilität im Brennpunkt steht, in mehr als einem Unternehmensbereich statt. Elektrifizierung – das erfordert nicht nur Lösungen fürs elektrische Fahren im Auto, vielmehr auch fürs elektrische Heizen in Gebäuden. Hier wie dort geht es um den Übergang von der Verbrenner-Technik der Gegenwart in eine strombasierte Zukunft, hier wie dort forciert Bosch den Fortschritt, hier wie dort allerdings ist eine Ergänzung durch Wasserstoff-Technologien notwendig. Dazu lohnt sich eine differenzierte Analyse, die das „Entweder-Oder“ scheinbar konkurrierender Entwicklungspfade durch ein offenes „Sowohl-als auch“ ersetzt. Zunächst aber zur Elektrifizierung selbst. In unserem größten Unternehmensbereich Mobility Solutions etabliert sich die Elektromobilität als Kerngeschäft. Wir erbringen dafür hohe Vorleistungen – 700 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Mehr als 40 Prozent der FuE-Investitionen unserer Antriebssparte fließen in diese Technologie, nachdem es vor zwei Jahren noch gut 30 Prozent waren. Und dieser Aufwand führt zu Erfolgen, technisch wie geschäftlich. So liegt der Wirkungsgrad unserer E-Achse mit 96 Prozent im Wettbewerb vorn. Und während der Markt für elektrische Antriebskomponenten derzeit jährlich um gut 20 Prozent wächst, legt Bosch um nahezu 40 Prozent zu. Bis Ende 2020 haben wir bereits ein Auftragsvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro akquiriert. Unser Umsatz wird sich bis 2025 verfünffachen, auf rund fünf Milliarden Euro. Und ein Jahr zuvor werden wir den „break even“ erreicht haben. Die Elektromobilität ist damit keine Wette auf die Zukunft mehr, wir verdienen die Vorleistungen zurück. Auch in der Thermotechnik wachsen wir mit elektrischen Lösungen deutlich schneller als der Markt. Unser Umsatz mit Wärmepumpen ist 2020 um mehr als 20 Prozent gestiegen, bis 2025 wird er sich voraussichtlich verdreifachen. Dabei bedeutet das kräftige Wachstum auch eine Herausforderung für die Branche, und dafür kann Bosch typische Stärken einbringen – Investitionskraft, Großserienfähigkeit, Know-how in der Industrialisierung. Einen Vorsprung haben wir nicht zuletzt mit unseren besonders leisen und effizienten Luft-Wasser-Wärmepumpen. Allein der Absatz dieser Geräte hat sich 2020 in Deutschland nahezu verdoppelt. Ob in Gebäuden oder auf der Straße, Bosch gehört zu den Gewinnern der Elektrifizierung.Ohne Wasserstoff keine Klimaneutralität – Bosch ist „H 2 -ready“ Je größer die Fortschritte bei der Elektrifizierung, desto mehr stellt sich die Frage: Warum überdies Wasserstoff-Technologien? Weil die rein strombasierte Elektrifizierung sowohl im Verkehr als auch in Gebäuden Grenzen hat – das ist die realistische Antwort. Tatsächlich steigen die Grenzkosten steil an, wenn ausschließlich elektrische Lösungen in allen stationären und mobilen Anwendungen kommen sollen. So rechnet sich der Wärmepumpen-Einbau eher in Neu- als in Bestandsbauten, der Batterie-Antrieb mehr im Pkw als im Lkw – in Off-Highway-Fahrzeugen ist er wenig sinnvoll, in Schiffen oder vielen Flugzeugen gar nicht. Je schwerer die Fahrzeuge, das ist die Faustregel, desto mehr kommt es auf regenerative Kraftstoffe an – und diese Kraftstoffe werden für Chemie- und Stahlwerke in Zukunft ohnehin gebraucht. Wer Klimaschutz wirklich will, darf Technologiepfade nicht gegeneinander ausspielen, er muss sie kombinieren. Ohne Wasserstoff-Wirtschaft jedenfalls wird Europa nicht klimaneutral! Es ist gut, dass sich diese Erkenntnis durchsetzt. Und doch wird eine Chance ausgelassen, wenn eFuels, gewonnen aus Wasserstoff und CO 2 , im Straßenverkehr tabu bleiben sollen. Für den Klimaschutz jedenfalls kommt es nicht auf das Ende des Verbrenners an, sondern auf das Ende der fossilen Treibstoffe. Und ein CO 2 -neutraler Straßenverkehr lässt sich mit E-Mobilität erreichen, aber auch mit regenerativen Kraftstoffen – Bosch forciert beides. Es scheint jedoch, als fixiere sich die europäische Politik allein auf das kurzfristige Ende des Verbrenners, scheue sich aber, über die Beschäftigungsfolgen zu sprechen. Stattdessen waren die ersten Pläne zur Euro7-Regulierung so unrealistisch, dass aus Umweltpolitik eine bedenkliche Industriepolitik werden könnte. Inzwischen kommt Bewegung in die Sache, und vor allem die Versachlichung der Debatte finden wir gut. Denn schon jetzt haben Diesel und Benziner auf die Luftqualität keinen nennenswerten negativen Einfluss mehr, auch dank der Fortschritte von Bosch. Die künftigen Grenzwerte sollten anspruchsvoll sein, aber es wäre ökologisch wie ökonomisch sinnlos, sie auch in Szenarien einzuhalten, die mit sauberer Luft in den Städten nichts mehr zu tun haben: bei Kaltstart am Berg, vollbeladen mit Anhänger. Meine Damen und Herren, Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen können genauso klimaneutral unterwegs sein wie Batteriefahrzeuge. Klimaneutrale Mobilität – das ist ein beinahe so ehrgeiziges Ziel wie der Mondflug. Kennedy hatte seinerzeit das große Ziel „first man on the moon“ ausgegeben – die konkrete Entwicklung aber den Ingenieuren überlassen. Die EU-Kommission läuft Gefahr, es umgekehrt zu machen. Mit ihrer Politik, die faktisch auf ein Technologie-Monopol hinausläuft, wäre schon die Mondlandung nicht gelungen. Heute schneidet sie mögliche Pfade zum Klimaschutz ab. Bosch jedenfalls ist offener – wir setzen unsere Antriebssysteme unter Strom, sind aber auch „H 2 -ready“. Auf dem raschen Weg zur Serienreife befindet sich die Brennstoffzelle, die Wasserstoff in Strom umwandelt. Auch dafür entwickeln wir stationäre ebenso wie mobile Lösungen. Von 2021 bis 2024 investieren wir für den Brennstoffzellen-Antrieb gut 600 Millionen Euro, für Brennstoffzellen-Kleinkraftwerke nochmals 400 Millionen Euro. Diese Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit: Bosch antwortet auf den Klimaschutz nicht nur technologieoffen, sondern auch geschäftlich offensiv. Schon in diesem Jahr werden wir nahezu 100 Anlagen mit unserer stationären Brennstoffzelle in Betrieb nehmen, etwa um Rechenzentren, Industriebetriebe und Wohnquartiere mit Strom zu versorgen. Dazu zeigen wir erstmals einen Realbetrieb in der Bamberger Innenstadt. In allen Teilen der Triade sind wir bereits mit unserer Entwicklung für die mobile Brennstoffzelle unterwegs. In diesen Wochen sind wir ein Joint Venture mit der chinesischen Qingling Motor Group eingegangen, und noch in diesem Jahr wird eine Testflotte mit 70 Trucks über die Straße rollen. Überdies beginnt 2021 in unserem Werk Wuxi die Produktion von Brennstoffzellen-Komponenten. Weltweit geht es bis Ende der Dekade um ein Marktvolumen von 18 Milliarden Euro, und wir haben die Power, um auch auf diesem Markt vorn zu sein.Perspektiven für die Mitarbeiter – Bosch baut Zukunft nicht auf der grünen Wiese, sondern in seinen Werken Bei allen geschäftlichen Chancen, ich kann meine Ausführungen nicht schließen, ohne auf die Perspektiven unserer Mitarbeiter einzugehen. Denn der Wandel von Bosch mutet nicht zuletzt den Boschlern einiges zu – er wird Beschäftigung kosten, aber auch bringen. Das Unternehmen selbst wird sich auf dem Weg in die Zukunft treu bleiben und Balance halten – nicht nur zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen, sondern auch sozialen Interessen. Unsere Mitarbeiter zeigen Offenheit für Veränderung, und das stimmt zuversichtlich. Da sind zum einen die Betriebsvereinbarungen, die wir in unseren Stammwerken abgeschlossen haben. Sie enthalten Kostensenkungen, aber auch Zukunftsbausteine. Damit wird klar: Wir bauen die Zukunft nicht auf der grünen Wiese, sondern in unseren Werken. Dies mag gegen Lehrbuchweisheiten verstoßen, tatsächlich aber können wir Qualifikationen aus Entwicklung und Fertigung von Benzin- und Dieselsystemen für neue Technologien nutzen. Schon in den vergangenen beiden Jahren haben wir mehr als die Hälfte der Stellen für die Elektromobilität mit Mitarbeitern aus dem Verbrenner-Geschäft besetzt. Auch die Brennstoffzelle sorgt bereits für Beschäftigung – in der mobilen Anwendung steigt die Mitarbeiterzahl weltweit allein in diesem Jahr von 600 auf nahezu 1 100, für die stationäre wird sie sich auf gut 500 verdoppeln. Mehr als 90 Prozent dieser Stellen können wir intern besetzen, auch hier vor allem mit Mitarbeitern aus unserer Antriebssparte. Überdies haben wir eine unternehmensweite Vermittlungsplattform aufgebaut. Damit verfolgen wir gleich zwei Ziele: dringend benötigte Stellen schneller besetzen, Fachkräften aus dem klassischen Geschäft neue Perspektiven bieten. So konnten wir für ein großes Fahrzeugcomputer-Projekt binnen sechs Monaten nahezu 100 Ingenieure gewinnen, größtenteils über unsere Plattform, fast ein Viertel aus der Antriebssparte. Genauso wichtig ist ein anderer Punkt: Die Mitarbeiter selbst machen sich auf den Weg, zumindest verstehen sie Bosch mehr denn je als „learning company“. Davon zeugt in besonderem Maße die digitale Qualifizierung. Seit Anfang 2020 verzeichnen wir mehr als 400 000 Zugriffe auf unser Lernportal. 2020 war bereits mehr als jedes dritte Schulungsangebot ein Online-Training, bis 2023 wird es jedes Zweite sein. Schon 1 200 Lernvideos sind über den „Bosch Tube“ im Intranet verfügbar, gut 7 000 Mitarbeiter haben sich bereits in einer „E-University“ eingeschrieben. Was uns inhaltlich wichtig ist: dass die Lernangebote den Weg von Bosch in die Zukunft unterstützen. Dafür stehen zum Beispiel die Software-Schulungen für die Entwickler unserer Mobility Solutions, vor allem aber die KI-Trainings für mehr als 25 000 Führungskräfte. Sie sehen, meine Damen und Herren, wir tun viel für die Qualifikation und Vermittlung unserer Mitarbeiter für Zukunftsthemen. Es ist gut zu wissen, dass der Wandel von Bosch mehr ist als ein strategisches Ziel. Längst wird er auch von unseren Mitarbeitern „unternommen“. Es ist dieser innovative Geist, der von den Frauen und Männern in unseren Reihen gelebt wird, mit dem wir immer neue, in jedem Fall aber immer besondere Antworten auf die großen Fragen der nächsten Jahre geben werden – ob auf die Digitalisierung oder den Klimaschutz. Am Ende des Jahrzehnts, da bin ich mir sicher, wird Bosch nach wie vor ein stabiles und zugleich dynamisches Unternehmen sein. Vielen Dank fürs Zuhören, jetzt sind wir gespannt auf Ihre Fragen!

Beneficial AI – Gemeinsam digitales Vertrauen aufbauen

06.01.2020

Referat

Wirtschaft

Beneficial AI – Gemeinsam digitales Vertrauen aufbauen

Dr. Michael Bolle, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Mike Mansuetti, President von Bosch in Nordamerika, anlässlich der Consumer Electronics Show in Las Vegas am 6. Januar 2020Es gilt das gesprochene Wort. Übersetzung aus dem Amerikanischen.2001: Odyssee im Weltraum. Terminator. Matrix. Ex Machina. Das klingt wie eine Liste unserer Lieblingsfilme. Tatsächlich haben all diese Filme etwas gemeinsam.Sie spielen alle in einer Zukunft, in der Maschinen gelernt haben, selbst zu denken – mit katastrophalen Folgen für die Menschheit. Ob sie uns manipulieren, versklaven oder ersetzen – die Botschaft dieser Filme ist immer die gleiche: Mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz öffnen wir die Büchse der Pandora. Seit Jahrzehnten kommen Filme, in denen KI das Böse verkörpert, beim Kinopublikum gut an. Auch ich bin ein Anhänger von Science-Fiction. Doch nun ist die Zeit gekommen, sich mit dem wahren Potenzial dieser Technologie auseinanderzusetzen, dem Potenzial, echten Mehrwert für real existierende Menschen zu schaffen. „Wie können wir künstliche Intelligenz zu unserem Vorteil nutzen? Wie können wir damit unsere menschliche Intelligenz ergänzen?“ Das sind zwei der großen Fragen, mit denen sich die diesjährige CES befasst. Wie lautet unsere Antwort? Künstliche Intelligenz hat nichts mehr mit Science-Fiction zu tun – sie ist bereits fester Bestandteil unseres Alltags. Sie verändert unsere Art zu fahren, zu arbeiten, zu lernen, einzukaufen und zu reisen fundamental. Bei Bosch wird sie auch zunehmend Bestandteil der Produkte, die wir herstellen – Produkte, die uns helfen und unterstützen und uns das Leben insgesamt erleichtern. Ob in der Produktion, im Smart Home oder beim automatisierten Fahren: Uns geht es immer darum, KI für die Menschen sicher, robust und nachvollziehbar zu machen, getreu unserem Motto „Technik fürs Leben“. Die Arbeitswelt steht nicht nur vor einem technischen Wandel, sondern auch vor einem deutlichen Facharbeitermangel. Auch vor diesem Hintergrund gewinnt die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen an Bedeutung. Für Bosch steht dies außer Frage. In diesem Sinne versuchen wir, die digitale Transformation mit gezielten Schulungsmaßnahmen zu gestalten, wir investieren in die Qualifikation unserer Mitarbeiter ebenso wie in die Intelligenz unserer Produkte und Maschinen. Als Gesellschaft müssen wir lernen, mit einer Technologie umzugehen, die ihrerseits lernt. Das erreichen wir zum Beispiel, indem wir verstärkt in unsere eigene Bildung investieren – und genau das tun wir. Mit einem groß angelegten Qualifizierungsprogramm wollen wir in den nächsten zwei Jahren nahezu 20000 Mitarbeiter fit für die KI-Zukunft machen – dazu später mehr. Doch geht der gesellschaftliche Nutzen von KI weit über Alltag und Arbeitswelt hinaus. So birgt künstliche Intelligenz auch für Umwelt- und Klimaschutz enormes Potenzial. Dieses Potenzial möchten wir heben, um unser Ziel einer Balance zwischen ökonomischer, ökologischer und sozialer Verantwortung zu erfüllen. Ende 2019 sind alle unsere Standorte in Deutschland klimaneutral geworden. Und bis Ende dieses Jahres werden alle 400 Bosch-Standorte weltweit vollständig klimaneutral sein. Damit ist Bosch das erste große Industrieunternehmen, das dieses ehrgeizige Ziel in nur gut einem Jahr realisiert haben wird. Das schaffen wir auch mit Hilfe unserer eigenen Lösungen: Schon jetzt nutzt zum Beispiel unsere eigene Energieplattform intelligente Algorithmen, um den Energieverbrauch in der Produktion zu überwachen. Abweichungen im Energieverbrauch einzelner Maschinenwerden rasch erkannt und Lastspitzen aufgefangen. Allein dadurch konnten wir den Kohlendioxidausstoß in einigen Werken binnen zwei Jahren um mehr als zehn Prozent verringern. Für ein Unternehmen mit 270 Produktionsstandorten liegt hier ein enormes Einsparpotenzial. Dieser Erfolg hat uns dazu veranlasst, die Energieplattform extern zu vermarkten. Und das ist längst nicht alles: Mit KI werden wir den Energieverbrauch auch langfristig prognostizieren und reduzieren können.KI schafft Märkte, aber ohne digitales Vertrauen ist alles nichts Dieses Beispiel verdeutlicht, dass in der künstlichen Intelligenz auch ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial steckt, wie auch eine Vielzahl unterschiedlicher Studien belegt. So wird zum Beispiel in großen Volkswirtschaften auf der ganzen Welt eine erhebliche Steigerung des Bruttoinlandsprodukts durch KI erwartet – PwC geht von einem Anstieg von 15 Prozent alleine in Nordamerika aus. Gleichzeitig werde sich der Umsatz mit KI-Anwendungen rund um den Globus bis 2025 gegenüber 2018 verzwölffachen – auf knapp 120 Milliarden Dollar. Und das Weltwirtschaftsforum prognostiziert, dass durch KI zwar weltweit Arbeitsplätze verloren gehen, aber auch neue geschaffen werden, so dass bis 2022 mit einem Nettozuwachs von fast 60 Millionen neuen Arbeitsplätzen zu rechnen ist. Wie bereits erwähnt, wird es sich dabei um Aufgaben handeln, für die ganz neue Kompetenzen erforderlich sein werden. Umschulung und Weiterbildung werden daher ein wichtiges Thema sein. Künstliche Intelligenz – das ist unbestritten – wird enorme Auswirkungen haben. Wir müssen den Nutzen von KI für die Menschen nachvollziehbar machen – und, was noch wichtiger ist, digitales Vertrauen aufbauen. Unser CES-Motto bringt es auf den Punkt: „Beneficial AI. Building trust together.“ Damit KI eine Erfolgsgeschichte wird, geht Bosch zwei Wege. Zum einen schaffen wir die technischen Voraussetzungen, entwickeln Lösungen und erschließen neue Geschäftsfelder mit Hilfe unserer Innovationen. Zum anderen wollen wir die Gesellschaft vom Nutzen der KI überzeugen, indem wir mittels KI unsere strategische Verpflichtung erfüllen, kreative „Technik fürs Leben“ zu entwickeln. Schließlich sind es unsere Ingenieure, denen wir lebensrettende Erfindungen zu verdanken haben, wie die elektronische Stabilitätskontrolle, Airbag-Steuergeräte sowie Antiblockiersysteme für sämtliche Fahrzeugklassen vom Auto über das Motorrad bis hin zum eBike. Das verstehen wir unter „Technik fürs Leben“ – und genau das gilt auch für unsere Arbeit mit KI. Auch sie wird zum Beispiel in automatisierten Fahrzeugen Leben schützen, aber dazu später mehr.Verantwortung wird konkret, mit Ethik für die KI-Entwickler Wir nehmen unternehmerische Verantwortung ernst, an ihr richten wir unsere Herangehensweise an neue Technologien wie künstliche Intelligenz aus. In der digitalen Welt ist dabei Vertrauen maßgeblich. Denn Vertrauen entscheidet über den Erfolg unseres digitalen Geschäfts, genauso wie unser klassisches Geschäft mit Produktqualität steht und fällt. Wir müssen beides entwickeln: KI, aber auch Vertrauen in KI, denn ohne dieses wird sich künstliche Intelligenz langfristig nicht durchsetzen. Aber wie lässt sich dieses Vertrauen gewinnen? Indem wir KI entwickeln, die sicher, robust und nachvollziehbar ist. Beim Thema Vertrauen spielen auch Datensicherheit und Datenschutz eine große Rolle – insbesondere wenn es um personenbezogene Daten geht. Diesbezüglich haben wir bei Bosch eine ganz klare Linie: Bei allen unseren smarten Produkten und Dienstleistungen haben die Nutzer vollständige Transparenz und Kontrolle über die erhobenen Daten und darüber, wer sie verwendet. Um digitales Vertrauen bei unseren Kunden und Partnern zu schaffen, haben wir uns bereits 2015 Datenschutzleitsätze für unser Geschäft imInternet of Things gegeben. Unsere IoT Principles haben wir damit schon Jahre, bevor die DSGVO als regulatorischer Standard in Europa eingeführt wurde, formuliert. Ähnliche Leitsätze erarbeiten wir derzeit für die kommenden Anwendungen der künstlichen Intelligenz: einen KI-Kodex, der ethische Leitlinien für die Entwicklung und Anwendung von KI, besonders für Zweifelsfälle und Dilemmas, festlegt. Entscheidend für die Zukunft ist, dass die Menschen die Kontrolle über KI-basierte Systeme behalten. Nehmen wir das Beispiel Fahrerassistenz: Hier wollen wir KI in unseren Systemen so implementieren, dass sie vom Fahrer stets übersteuert werden kann. Grundsätzlich wollen wir die Algorithmen unserer KI-Modelle nicht in einer „Black box“ verstecken. Die Regeln und Entscheidungsparameter müssen zumindest für Fachleute nachvollziehbar bleiben. Der KI-Ansatz von Bosch unterscheidet sich von dem der Technologiegiganten in einem wichtigen Punkt: Unser Fokus liegt auf KI-Anwendungen für Dinge. Ob es um den Notbremsassistenten im Auto oder Produktionsvorgänge im Werk geht – unsere künstliche Intelligenz erklärt Maschinen die physische Welt. Unsere neueste Kamera für automatisiertes Fahren versteht mittels KI, was sie sieht – und schließt zum Beispiel daraus, ob ein Fußgänger die Fahrbahn betreten wird oder nicht. Das Resultat ist eine verbesserte Objekterkennung, zuverlässigere automatische Notbremsungen und somit erhöhte Sicherheit. Bosch geht es darum, das Potenzial der künstlichen Intelligenz zu nutzen, um Technik und Leistung unserer Produkte und Maschinen zu optimieren. Wir nennen das industrielle KI, und damit entwickeln wir smarte Lösungen in drei Kerndomänen: Mobility, Residential und Industry. Nicht von ungefähr heben wir den Begriff „Dinge“ hervor, wenn wir über das Internet der Dinge sprechen. Es sind unsere eigenen Produkte und Maschinen, die wir vernetzen und mit Intelligenz ausstatten. Wir kennen uns mit Autos wie Verkehr, Fabriken wie Gebäuden bestens aus – wie kein anderes IT- oder auch KI-Unternehmen bringen wir ein nicht nur tiefes, sondern auch breites Domänen- und Branchenwissen mit. Wir generieren aus unserer Sensorik ein so großes Datenvolumen, dass wir daraus mit den Methoden der KI neue Services und Applikationen kreieren können. Schon bis Mitte der nächsten Dekade soll jedes unserer Erzeugnisse über künstliche Intelligenz verfügen, mit ihr entwickelt oder produziert worden sein. Letztendlich bringen wir unseren Produkten bei, Assistenten unserer Kunden und Entwickler zuwerden.Unsere Investitionen, unsere Ingenieure, unsere Innovationen Um dies zu erreichen, streben wir auch in Sachen KI-Innovationen die Weltspitze an. Auf dieses Ziel richten wir unsere Forschung und Entwicklung aus. Bosch investiert derzeit 3,7 Milliarden Euro jährlich in die Softwareentwicklung und beschäftigt rund 30000 Softwareentwickler. Das 2017 gegründete Bosch Center for Artificial Intelligence arbeitet bereits an über 150 Projekten. Es beschäftigt rund 250 KI-Spezialisten an sieben Standorten rund um den Globus, darunter zwei hier in den USA – in Pittsburgh, Pennsylvania, und Sunnyvale, Kalifornien. Unsere Forschungsteams in den USA haben eine Schlüsselrolle in unserer KI-Entwicklung, insbesondere in den Bereichen Robotik und automatisiertes Fahren. Und wir arbeiten hier nicht in einem Vakuum. Gerade wenn es um die künstliche Intelligenz geht, versteht sich ein Technologieunternehmen wie Bosch als Teil der wissenschaftlichen Community. In Deutschland sind wir zum Beispiel Gründungsmitglied der Cyber-Valley-Initiative – einer KI-Forschungsallianz aus Wissenschaft und Industrie. Wir investieren unter anderem 100 Millionen Euro in einen KI-Campus, an dem ab Ende 2022 rund 700 KI-Experten von Bosch sowie von externen Start-ups und Forschungsgruppen tätig sein werden. Hier in den USA arbeiten wir bei der KI-Forschung eng mit der Carnegie Mellon University in Pittsburgh zusammen. An dieser Universität wird seit 60 Jahren, an künstlicher Intelligenz geforscht, also seit den Anfängen der Technologie. Seither hat die Hochschule Pionierleistungen für selbstfahrende Autos, für die Gesichtserkennung oder auch die Sprachverarbeitung hervorgebracht. Unserer Meinung nach haben sowohl Industrie als auch Wissenschaft einen wichtigen Beitrag zu leisten. Und wir schätzen besonders den Wissenstransfer zwischen unseren Entwicklern dies- und jenseits des Atlantiks.SoundSee hört, was im All defekt ist – mit KI von Bosch Ein tolles Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit mit einem unserer amerikanischen Partner befindet sich derzeit rund 390 Kilometer über der Erdoberfläche. Es handelt sich um das innovative KI-Sensorsystem SoundSee. Dieses kleine Gerät wird im Weltraum eine ziemlich große Rolle spielen. SoundSee ist eine Technologie zur Tiefenaudioanalytik auf der Internationalen Raumstation ISS. Mit hochempfindlichen Mikrofonen zeichnet es Geräusche der Systeme und Geräte der Raumstation auf und erkennt mittels KI potenzielle Anomalien in den Geräuschmustern. SoundSee hört also, wenn etwas in der Station defekt ist, und kann bestimmen, ob etwas repariert oder ersetzt werden muss. Dieses System haben wir zusammen mit dem Raumfahrtunternehmen Astrobotic Technology Inc. entwickelt. Im November wurde es zur ISS geschickt und wird in Kürze in den Astrobee-Roboter eingebaut. Natürlich wird das neue Sensorsystem auch ganz irdisch nützlich sein. In der Produktion lassen sich damit zum Beispiel Maschinenausfälle präziser vorhersagen, was die Wartungskosten verringert und die Produktivität steigert. An Bord der ISS kann diese Technologie jedoch auch lebensrettend sein.Virtual Visor – eine Idee aus den USA erhält die Auszeichnung „Best of Innovation“ Ein weiteres Beispiel für die Kreativität unserer amerikanischen Entwickler und ihre Fähigkeit, fachliche Grenzen zu überspringen, feiert hier auf der CES Weltpremiere. Unsere Ingenieure haben eine digitale Lösung für ein alltägliches und dabei nicht ungefährliches Problem der Autofahrer gefunden. Diese Innovation ersetzt ein knapp 100 Jahre altes Automobilprodukt: die Sonnenblende. Laut einer Studie der amerikanischen Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (National Highway Traffic Safety Administration, NHTSA) verursacht Gegenlicht der tiefstehenden Sonne fast doppelt so viele Unfälle wie alle anderen Wetterwidrigkeiten zusammen. Mit unserem Virtual Visor, einer digitalen Sonnenblende, haben wir nun eine Lösung dafür. Auf den ersten Blick sehen Sie dabei nur ein transparentes LCD Display auf Augenhöhe des Fahrers. Das Besondere daran ist, dass es mit einer Innenraumkamera vernetzt ist, die das Gesicht des Fahrers während der Fahrt betrachtet und mittels KI analysiert. Intelligente Algorithmen erkennen sowohl die Gesichtspartien als auch den Schatten, den die Sonne auf das Gesicht des Fahrers wirft. Sie analysieren permanent, wohin der Fahrer gerade blickt und verdunkeln ausschließlich einen kleinen Bereich auf dem Display, damit nur ein Schatten im Bereich der Augen des Fahrers entsteht. Der Rest des Displays bleibt transparent. Der Virtual Visor ist ein weiteres tolles Beispiel für „Technik fürs Leben“, das offensichtlich auch die Consumer Technology Association (CTA) überzeugt hat. Die digitale Sonnenblende, die Sie auf unserem Messestand testen können, ist mit dem renommierten „Best of Innovation Award“ der CES 2020 ausgezeichnet worden.3D-Fahrzeugdisplay – unser zweiter Best of Innovation Award Dieses Jahr haben wir gleich zwei Preise gewonnen – was, wie mir gesagt wurde, gar nicht so leicht ist: Auch unser neues 3D-Fahrzeugdisplay wurde mit einem CES Best of Innovation Award ausgezeichnet. In Fahrzeugdisplays steckt großes wirtschaftliches Potenzial – schließlich soll sich das weltweite Marktvolumen bis 2025 auf 30 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Unser preisgekröntes Display arbeitet mit einer besonders kostengünstigen Multi-View-3D-Technologie, die ohne Eye-Tracking und 3D-Brille auskommt. Wie das funktioniert, lässt sich am leichtesten anhand von Kinofilmen erläutern. Wir alle kennen 3D-Filme, die dank Technologie lebendiger und unterhaltsamer wirken. In einem Fahrzeug erfüllt 3D eine ähnliche, aber nützlichere Funktion: 3D hilft, Informationen schneller zu begreifen. Durch die Tiefenwirkung der Anzeige erfassen Autofahrer wichtige Informationen, wie Warnungen von Assistenzsystemen oder Gefahrenmeldungen, schneller. Warnhinweise, die aus dem Display herauszuwachsen scheinen, springen einem geradezu ins Auge und sind kaum zu übersehen.Interior Monitoring – Technik, die das Kind im Auto schützen kann Die Gefahr durch Müdigkeit oder Ablenkung wächst, je länger wir hinter dem Steuer sitzen und je technologielastiger das Cockpit ist. Unser Fahrerüberwachungssystem erkennt Ablenkungen mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Kameras zeichnen die Blickrichtung des Fahrers, seine Kopfhaltung sowie die Häufigkeit, mit der er blinzelt, auf. Wenn das System feststellt, dass ein kritischer Punkt erreicht ist, ertönt, je nach Herstellerwünschen und gesetzlichen Vorgaben, ein Alarmsignal oder Fahrassistenzsysteme greifen ein. In der EU werden ab 2022 alle Neuwagen standardmäßig über ein solches System verfügen. Auch beim automatisierten Fahren wird diese Technologie eine wichtige Rolle spielen. Schließlich werden die Fahrer auch bei den nächsten Entwicklungsstufen aufmerksam und bereit bleiben müssen, um in kritischen oder heiklen Situationen zu übernehmen.Das Überwachungssystem überprüft, ob der Fahrer dazu in der Lage ist, jederzeit zu reagieren, und passt die Übergabe der Fahraufgabe entsprechend an. Je nach Design können manche Systeme auch auf die Insassen achtgeben und ihre Sicherheit erhöhen, indem sie zum Beispiel Änderungen in ihrer Sitzposition wahrnehmen und ihre Airbags sowie Gurtstraffer für den optimalen Schutz im Falle eines Aufpralls anpassen. Oder indem sie erkennen, dass sich Kinder allein in abgestellten Autos befinden. 2018 sind in den USA mehr als 50 Kinder in parkenden Fahrzeugen ums Leben gekommen – sei es, weil sie länger als geplant im Auto zurückgelassen wurden oder unbemerkt hineingeklettert waren. Das neue System von Bosch erkennt die Anwesenheit von Kindern und warnt Eltern umgehend über eine Nachricht auf dem Smartphone. Notfalls kann es auch einen Notruf absetzen. Wie der Hot Cars Act, der derzeit im US-Kongress debattiert wird, zeigt, besteht ein erhebliches Interesse an Lösungen, die solche Tragödien verhindern können. Wieder einmal verbessert unsere Technologie nicht nur unser Leben, sie hilft auch, Leben zu schützen. Wir planen, unsere Innenraumüberwachungssysteme um In-Vehicle-Sensing zu ergänzen, und dies auch in Carsharing-Flotten einzusetzen. Mit Hilfe von In-Vehicle-Sensing kann man zum Beispiel erkennen, ob jemand etwas in einem gemeinsam genutzten Fahrzeug vergessen hat oder in einer Notsituation Hilfe braucht. Mit unseren Lösungen echten Mehrwert zu bieten, steht für uns stets im Vordergrund. Nahezu alle unsere Fahrerassistenzsysteme erhöhen sowohl die Sicherheit als auch den Komfort. Wir sind einer der führenden Anbieter der Automobilbranche in diesem Bereich. 2019 stieg unser Umsatz hier um 12 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. Technisch betrachtet, sind wir über die Fahrerassistenz auf dem Weg zum automatisierten Fahren. Eine Entwicklung, für die wir bis 2022 rund vier Milliarden Euro investieren und unser Team auf 5000 Ingenieure aufstocken werden. In diesem Zusammenhang haben wir auch mit der Serienentwicklung von Lidar-Sensoren begonnen. Neben unserer neuen Videokamera mit KI, Radar und Ultraschallsensoren wird Bosch bald das vollständige, zum automatisierten Fahren benötigte Sensorportfolio anbieten. Wenige Automobilzulieferer weltweit verfügen in diesem Bereich über ein mit Bosch vergleichbares Know-how. Unser Lidar wird die erste automotive-taugliche Lösung sein, das heißt skalierbar und in großen Stückzahlen zu fertigen. Es wird auch die erste Lidar-Technologie sein, die für Funktionen des automatisierten Fahrens auf den SAE-Level 3-5 geeignet ist. Sie bietet weitreichende Sensorik-Funktionalitäten, ein weites Blickfeld und eine außergewöhnlich hohe Auflösung. Unsere verschiedenen Sensorarten werden zusammen für eine äußerst zuverlässige Umwelterkennung sorgen. Um die vielen Herausforderungen des vollautomatisierten Fahrens im Straßenverkehr zu meistern, setzt Bosch auf sein fundiertes Sensorik- und System-Know-how – eine Wissensbasis, wie sie nur ein Automobilunternehmen aufweisen kann. Wir testen das automatisierte Fahren bereits in verschiedenen Umgebungen, auch in den weithin als ultimative Herausforderung geltenden Innenstädten. Unser Pilotprojekt mit Mercedes-Benz, ein On-Demand-Ridehailing-Dienst mit autonom fahrenden Fahrzeugen, ist inzwischen gestartet. Ausgewählte Nutzer können nun per App einen Shuttle-Service mit automatisierten Mercedes-Benz-S-Klasse-Wagen zwischen dem Stadtteil West im kalifornischen San José und dem Stadtzentrum nutzen. Von diesem Projekt erhoffen wir uns wertvolle Erkenntnisse über die Entwicklung des automatisierten Fahrens sowie Antworten auf die Frage, wie selbstfahrende Autos am besten in ein multimodales Mobilitätssystem zu integrieren sind. Bei der Entwicklung dieses Projekts kommen sowohl KI als auch Simulationen und Tests zum Einsatz, bei denen es um äußerst seltene Situationen im Straßenverkehr geht. Unsere Mobilitätslösungen verwenden wir jedoch nicht nur, um Autos das Fahren beizubringen, sondern auch, um elektrisches und vernetztes Fahren zu realisieren. Damit erschließen wir neue Geschäftsfelder und ebnen den Weg für neue Partnerschaften mit neuen Kunden. So entwickeln wir zum Beispiel einen Wasserstoffantrieb für die Schwerlaster des amerikanischen Start-ups Nikola Motor Company. Auch Mobilitätsdienstleister wie DiDi und Lyft arbeiten mit unseren Lösungen. Für DiDi werden wir bald einen Cloud-Service bereitstellen, der die Lebensdauer von Autobatterien verlängern wird. Unsere Vision einer urbanen Mobilität der Zukunft können Sie in einem IoT-Konzept-Shuttle an unserem Stand erleben. Dieses Jahr präsentieren wir Ihnen, wie wir Mobilitätsdienstleister beim Betrieb sicherer und effizienter automatisierter Ridesharing- und Ridehailingangebote unterstützen.Mikromechanik von Bosch – für Smart Glasses ohne Alien-Look Unsere Expertise in Sachen Mobilität ist zugleich Nährboden für Innovationen in anderen Bereichen. Bestes Beispiel dafür sind auf mikroelektromechanischen Systemen basierende Sensoren – kurz MEMS. Für diese Sensoren, die in Automobilanwendungen und Smartphones verwendet werden, sind wir marktführender Anbieter. Unsere neueste Entwicklung in diesem Bereich zeigen wir hier auf der CES: unser Light Drive System für Smart Glasses. Als kleinstes Modul dieser Art ist es fast um ein Drittel schmaler als derzeit auf dem Markt erhältliche Lösungen und eignet sich für nahezu jede Art von Gestell, so dass es problemlos in eine normale Brille integriert werden kann. Mit einem MEMS-basierten Laserscanner und einem holografischen Spiegel wird ein Bild auf die Netzhaut des Trägers projiziert. Dieses Bild kann jede Art von Textnachricht beinhalten – zum Beispiel von einem Navigationssystem oder Ihrem persönlichen Kalender. So können Sie immer auf dem Laufenden bleiben. Auch im Gesundheitsbereich kann KI von enormen Nutzen sein. Unsere indischen Ingenieure haben mit Vivalution (Markenname wurde geändert) eine bahnbrechende Innovation entwickelt, die mit einem CES® Innovation Award Honoree ausgezeichnet wurde. Dabei handelt es sich im Kern um eine intelligente Pathologie-Plattform für die medizinische Diagnose auf Basis hoch entwickelter Algorithmen des maschinellen Lernens. Sie analysiert mit Hilfe von KI Form, Kontur und Struktur menschlicher Zellen im Hinblick auf Abweichungen und weist Ärzte auf mögliche Erkrankungen hin. Und das in Minutenschnelle, was das Testverfahren drastisch verkürzt. Menschen zu helfen, gesundheitliche Probleme schneller und genauer zu diagnostizieren – auch das ist mit „Technik fürs Leben“ gemeint.AIoT mit Vorteilen für alle – Bildung für die Arbeit der Zukunft Wir sind der Meinung, dass IoT und KI allen zugutekommen sollten. Das bedeutet, sie dürfen nicht nur technische Spielereien sein und müssen Alltag und Arbeit der Menschen wirklich vereinfachen. Das gilt für alle unsere Bereiche: vernetzte Mobilität, vernetzte Häuser und vernetzte Industrie. Insbesondere in der Welt der Produktion kann künstliche Intelligenz menschliche Kreativität ergänzen und, was noch entscheidender ist, Routinearbeiten übernehmen. Auf jedem neuen Weg, den wir einschlagen, nehmen wir unsere Mitarbeiter mit. Auf unserer Mission, die Fabriken der Zukunft zu gestalten, möchten wir sie auf die Arbeit der Zukunft vorbereiten. Genau hier schließt sich der Kreis zu unserem KI-Qualifizierungsprogramm, das ich bereits erwähnt habe. Es besteht aus drei Teilen: Zum einen schulen wir rund 16000 Führungskräfte in den wirtschaftlichen Aspekten von KI. Mit unserer digitalen Transformation bewältigen wir den Spagat, einerseits ein Industrieunternehmen zu bleiben, andererseits führender IoT- und KI-Anbieter zu werden. Das setzt die richtigen Entscheidungen unserer Führungskräfte voraus. Dafür stärken wir ihre KI-Kompetenzen. Zweitens erweitern wir unsere KI-Lernplattform. Diese Plattform gleicht einer Online-Universität, wobei Anwendungen und Übungen aus dem realen Betrieb bei Bosch stammen. Mehr als 1500 Entwickler nutzen die Plattform bereits, und bis nächstes Jahr könnten es doppelt so viele sein. Bemerkenswert ist dabei unter anderem die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs über unsere KI-Lernplattform sowie die Verwendung von Best-Practice-Beispielen und Wettbewerben. Drittens besuchen knapp 500 erfahrene Entwickler Schulungen zum Thema KI-Entwicklungsmethoden. Dies ist die höchste Stufe unseres Qualifizierungsprogramms, gleichsam ein zusätzlicher Studiengang über Inhalte wie Data Engineering und Datenanalyse. Wir erhöhen die Anzahl unserer KI-Entwickler nicht nur über die Einstellung neuer Fachleute, sondern auch über die vertiefende Weiterbildung bereits vorhandener Mitarbeiter. Insgesamt werden wir auf diese Weise 20.000 unserer Mitarbeiter technologisch auf den neuesten Stand bringen. Wir sind der Meinung, solche Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten gehört nicht nur zu unserer unternehmerischen Verantwortung, sondern liegt auch in unserem strategischen Interesse.Fazit Meine Damen und Herren, es ist offensichtlich, dass die Entwicklung künstlicher Intelligenz für uns bedeutet, uns nicht nur auf technologische Innovationen zu konzentrieren. Einerseits müssen wir verstärkt in menschliche Intelligenz investieren, andererseits die Menschen vom wahren Potenzial dieser Technologie überzeugen. „Beneficial AI. Building trust together“ – das ist nicht nur ein flotter Spruch, den wir uns hier für die CES ausgedacht haben. Wir sind davon überzeugt, dass KI der Schlüssel zu einem sichereren, leichteren und umweltfreundlicheren Leben ist. Bitte besuchen Sie unseren Stand in der Central Hall und erleben Sie selbst anhand von Beispielen, wie wir das praktisch umsetzen. Und lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, Zweifel zu zerstreuen und eine neue, echte Science-Fiction-Ära einzuläuten, in der KI zum Helden wird.

Die emissionsfreie Mobilität kommt – wenn die Lösungen bezahlbar sind und begeistern

10.09.2019

Referat

Wirtschaft

Die emissionsfreie Mobilität kommt – wenn die Lösungen bezahlbar sind und begeistern

Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, auf der Pressekonferenz zur Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am 10. September 2019 Es gilt das gesprochene Wort.Diese IAA bewegt, sehr geehrte Damen und Herren! Sie bewegt nicht mehr nur die Automobilindustrie und ihre Kunden, vielmehr auch Debatten und Demonstrationen. Und mehr denn je bewegen kritische Fragen die Gesellschaft: Wie Mobilität gestalten, ohne die Umwelt zu schädigen? Wie den nötigen technischen Fortschritt wirtschaftlich realisieren? Wie schließlich die sozialen Folgen der Verkehrswende beherrschen? Wir werden eine neue Balance finden müssen im Dreieck zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen. Einfache Lösungen gibt es dafür nicht, niemand hält allein den Schlüssel in der Hand. Darum muss man ringen – im offenen Dialog. Es ist Automesse, und doch stehen Fragen wie diese ebenso wie die Neuheiten auf vier Rädern im Brennpunkt des Interesses. Unsere Antwort besteht aus zwei Teilen. Zum einen: Wir wollen Mobilität, die das Klima des blauen Planeten ebenso wie die Luftqualität in den Städten schützt. Bosch ist das erste Industrieunternehmen, das weltweit alle Standorte binnen eines Jahres CO 2 -neutral stellt. Und genauso entschlossen realisieren wir effiziente Antriebstechniken – vom Verbrenner bis zur Brennstoffzelle. Zum anderen: Was ökologisch richtig ist, darf wirtschaftlich und sozial nicht falsch sein. Emissionsfreie Mobilität ist möglich – wenn sie für die Menschen bezahlbar bleibt und ihr Nutzen begeistert. Nur so können wir sie auf dem Markt durchsetzen. Dabei ist Mobilität für uns längst mehr als das Fahren mit dem eigenen Auto. Wir stellen uns die Mobilität von morgen nicht nur elektrifiziert und automatisiert vor, vielmehr auch vernetzt und personalisiert. Und gerade das personalisierte Fahren wird mehr sein als Autofahren. Wir verstehen darunter Services für den persönlich besten Weg zum Ziel, egal ob auf zwei oder vier Rädern, egal ob auf Straße oder Schiene. Multimodale Mobilität unterstützen – auch das ist eine Antwort auf die kritischen Fragen zum Straßenverkehr. Schlüssel in die Zukunft: Jährlich drei Milliarden Euro für Software Zunächst aber entwickeln wir für die Mobilität der Zukunft die technischen Grundlagen. Tiefes Know-how in Elektronik und Software – das ist für uns der Schlüssel. Schon jetzt beschäftigt unser Unternehmensbereich Mobility Solutions gut 14 000 Software-Entwickler – jährlich investiert er in die Software-Entwicklung nahezu drei Milliarden Euro. Damit machen wir die Elektronik- und Software-Architektur der Fahrzeuge deutlich leistungsfähiger – wichtig fürs vernetzte, aber auch fürs automatisierte und elektrifizierte Fahren. Die Rechenleistung wird sich Anfang der nächsten Dekade mindestens um den Faktor 1 000 vergrößern. Kommen werden leistungsstarke Leitrechner. Rechner dieser Art realisiert Bosch bereits für die Integration von Infotainment-Systemen und Fahrerassistenz-Funktionen. Mit solchen Rechenzentren werden sich Fahrzeuge zunehmend im Internet der Dinge bewegen. Endlich Wachstum: Die Elektromobilität wird zur Erfolgsgeschichte Wie aber fahren sie morgen auf der Straße? Wir sehen eine schrittweise Transformation des automobilen Antriebs voraus. Zunächst steckt im Verbrenner noch Energie. 2030 werden drei von vier Neuwagen Diesel- oder Benzinmotoren an Bord haben, mit oder ohne Hybrid. Schon deshalb ist es praktizierter Umweltschutz, auch diese Motoren weiterzuentwickeln. So stößt der Diesel mit der neuen Abgastechnik von Bosch nahezu kein Stickoxid mehr aus, wie unabhängige Tests bereits gezeigt haben. Und unsere Lösung geht in Serie, auch mit Fahrzeugen hier auf der Messe. Unser nächstes Ziel ist die Partikelreduktion beim Benziner. Das heißt im Klartext: 70 Prozent weniger Feinstaub, als nach der geltenden Norm Euro 6d erlaubt ist – nachgewiesen auf der Straße ebenso wie auf dem Prüfstand. Damit nicht genug: Um mehr als 90 Prozent können wir auch den Bremsstaub vermindern, sei es mit regenerativen Bremssystemen oder unserer iDisc-Bremsscheibe. Ein Straßenverkehr, der die Luft in den Städten nicht mehr belastet – diesem Ziel kommen wir immer näher. Endlich kommt auch der Markt für Elektromobilität unter Strom. Immer deutlicher zeichnet sich ab: Der elektrische Antrieb wird die nächste Erfolgsgeschichte von Bosch. Technisch wie geschäftlich liegen wir vorn. Wir sind an der Spitze mit dem Wirkungsgrad unserer Komponenten, wir sind breiter aufgestellt als andere Zulieferer – vom Bike bis zum Truck. Und das Wachstum kommt. 2018 haben wir für die elektrische Mobilität 30 Serienprojekte im Wert von acht Milliarden Euro akquiriert, im ersten Halbjahr 2019 ist bereits eine Reihe weiterer Aufträge in Höhe von fünf Milliarden Euro eingegangen. In Summe ergibt dies also für unsere Elektromobilität einen Orderwert von 13 Milliarden Euro binnen 18 Monaten. Schon 2020 werden wir die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro übertreffen. Für 2025 haben wir einen Umsatz von fünf Milliarden Euro anvisiert – eine Marke, die wir mehr als erreichen werden. Unsere Produkte kommen an, unsere Vorleistungen zahlen sich aus. Zugleich industrialisieren wir den Brennstoffzellen-Antrieb. Dazu bereiten wir die Produktion eines Bosch-Stacks vor. Konkret entwickeln wir den Stack unseres Partners Powercell weiter, der in der Branche derzeit die höchste Leistungsdichte aufweist. Jetzt geht es darum, ihn kostengünstig zu fertigen. Das wird uns nicht nur über Skaleneffekte gelingen, vielmehr auch über die simultane Entwicklung von Produkt und Fertigungsprozess. Hier liegt eine Stärke von Bosch. Und diese Stärke werden wir ausspielen, auch indem wir erfahrene Großserien-Entwickler aus dem Dieselgeschäft auf die neue Technik ansetzen. Wir machen alternative Antriebe bezahlbar – das war beim Common Rail so, das wird uns ebenso mit der Brennstoffzelle gelingen. Den Anfang macht das Parken: Das automatisierte Fahren wird Alltag Vorn sind wir auch auf dem Weg zum automatisierten Fahren. Auf diesem Weg wachsen wir mit Fahrerassistenz-Systemen im laufenden Jahr um zwölf Prozent, auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro. Allein unser Absatz von Radarsensoren legt 2019 um 20 Prozent zu, der von Videosensoren um 30 Prozent. Für die weitere Entwicklung zum automatisierten Fahren investieren wir bis 2022 vier Milliarden Euro. Der nächste Schritt: Autobahn-Assistenten, mit denen der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen kann. Solche „Level-2-Handsfree-Systeme“ entwickeln wir für den asiatischen und den amerikanischen Markt. Nur dort sind sie derzeit gesetzlich möglich. Genauso brauchen wir ihre Zulassung in Europa, damit die nächste Stufe der Automatisierung auch auf unseren Straßen stattfinden kann. Immerhin haben wir die weltweit erste Freigabe für das fahrerlose Parken gerade in Deutschland bekommen – für das gemeinsame Projekt mit Daimler im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum. Dieses Projekt ist jetzt kein Prototyp mehr, es geht in den Alltagsbetrieb. Wie der automatisierte Vorfahr- und Einparkservice funktioniert, möchte ich mit einem Filmausschnitt zeigen … ... und natürlich geht die Geschichte weiter. Auch hier werden wir an den Kosten arbeiten, etwa indem wir Videokameras aus unserer Gebäudetechnik einsetzen. Bis Ende 2021 werden wir das „Automated Valet Parking“ in einem Dutzend weiterer Parkhäuser einrichten – für 2025 haben wir uns mehr als 100 zum Ziel gesetzt. Mit der ersten Zulassung jedoch können wir sagen: Der Alltag des automatisierten Fahrens beginnt mit dem Parken. Gewappnet für disruptive Trends: Projekte mit neuen Marktakteuren Technologisch sind wir Innovationsführer – wie aber sehen wir neue Geschäftsideen im rasanten Wandel unserer Branche voraus? Gezielt erschließt Bosch Geschäft mit neuen Marktakteuren, die auch Sensoren für disruptive Trends sein können. So arbeiten wir mit den drei größten Ride-Hailing-Anbietern DiDi, Lyft und Uber zusammen, die zusammen weltweit bereits mehr als 50 Millionen Fahrten pro Tag vermitteln. Für DiDi zum Beispiel verlängern wir mit einem Cloud-Service die Lebensdauer der Batterien. Wie wir neue Wege in der Zusammenarbeit mit neuen Anbietern gehen, wie wir gerade die internetbasierte Mobilität vorausdenken – beides wird Ihnen nun Stefan Hartung zeigen ...

09.05.2019

Referat

Wirtschaft

Das nachhaltige Unternehmen Bosch: Weltweite Klimaneutralität schon 2020 und in ...

Referat von Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 9. Mai 2019Es gibt Bilder, sehr geehrte Damen und Herren … … die können ein Weltbild verändern. So war es vor ziemlich genau 50 Jahren mit „earthrise“, dem Bild der über dem Mond aufgehenden Erde. Es hat mehr als alles andere die Verletzlichkeit des blauen Planeten vor Augen geführt. Seine Wirkung hält bis heute an – auch bis zu dieser Bilanzpressekonferenz, zu der ich Sie herzlich begrüße. Denn mehr denn je beschäftigt uns die Frage, was Unternehmen tun können, um das Klima des blauen Planeten zu schützen. Ganz konkret geht es uns darum, eine Zahl schnell auf Null zu bringen: 3,3 Millionen Tonnen, den jährli-chen CO₂-Ausstoß von Bosch. Für unsere Zivilisation und nicht zuletzt unser Wirtschaftssystem ist der Klimaschutz eines der wichtigsten Projekte. Auch Unternehmen wie Bosch dürfen nicht warten. Daher möchten wir heute unser unternehmerisches „Moonshot-Projekt“ ankündigen. Schon 2020 werden weltweit alle Bosch-Standorte vollständig klimaneutral sein. Ich betone: Tatsächlich alle Standorte in aller Welt, also nicht nur deutsche Werke oder Neubauten, werden effektiv nie wieder einen CO 2 -Fußabdruck hinterlassen. Wir sind das erste große Industrieunternehmen, das dieses ehrgeizige Ziel in nur gut einem Jahr realisiert.Der Klimawandel ist keine „Science Fiction“, er findet statt. Aber viel zu oft wird das große Ziel des Klimaschutzes als Fernziel verstanden, das unsere Generation erst mal nichts kosten darf. Dagegen investiert Bosch mutig und zügig in die Zukunft des blauen Planeten und damit auch in die eigene Zukunft. Unterm Strich wenden wir bis 2030 eine Milliarde Euro für die CO 2 -Neutralstellung auf. Klimaschutz ist nicht etwas, was irgendwann gegen Ende des Jahrhunderts nach dem Prinzip Hoffnung zu einem guten Ende kommt. Das „happy end“ wird nicht kommen, wenn Energieverbrauch und CO 2 -Ausstoß weiter auf Rekordhöhen klettern, wie es die Internationale Energie-Agentur gerade für 2018 gemeldet hat. Ganz sicher erfordert Klimaschutz Durchhaltevermögen, ebenso sicher aber auch Schnelligkeit – und nicht zuletzt die Entschlossenheit von Unternehmen wie Bosch, CO 2 -Neutralität nicht langfristig, sondern kurzfristig zu wagen. • Umweltschutz jedoch ist mehr als Klimaschutz. Auch was Bosch zur Luftqualität in großen Städten beiträgt, wird Thema in meinen strategischen Ausführungen sein. Wir sehen uns nicht nur global, sondern auch vor Ort in der Verantwortung. • Zunächst aber bilanzieren wir das zurückliegende Geschäftsjahr. Auch wenn sich 2018 die Konjunktur abkühlte, lagen Umsatz und Ergebnis von Bosch erneut auf Rekordniveau. • Im laufenden Geschäftsjahr sind wir mit unseren Umsatz- und Ergebniserwartungen vorsichtig. 2019 sind die konjunkturellen Aussichten verhalten. Zudem gehen von Handelsbeschränkungen in aller Welt zunehmende Risiken aus. Auf die geschäftliche Entwicklung in diesem und im vergangenen Jahr wird nun Herr Asenkerschbaumer näher eingehen.Die Geschäftslage der Bosch-Gruppe: Gute Entwicklung im Jahr 2018, verhaltene Aussichten für 2019 Meine Damen und Herren, ich möchte Sie jetzt durch die wesentlichen Geschäftszahlen führen. Wie Herr Denner schon sagte, hat sich unser Unternehmen 2018 insgesamt gut entwickelt, obwohl wir schon im vergangenen Jahr auf dem Automobilmarkt einen zunehmenden Gegenwind gespürt haben, der sich aktuell deutlich verstärkt. Zunächst ein Blickauf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr: • Die Weltwirtschaft hat sich 2018 zwar im Jahresdurchschnitt besser entwickelt als erwartet. Das weltweite BIP wuchs um 3,2 Prozent und damit fast so stark wie im Jahr 2017. Allerdings hat sich die Dynamik im Jahresverlauf verlangsamt. • Deutlich ungünstiger war zudem bereits 2018 die Entwicklung der weltweiten Automobilproduktion. Hier hatten wir ein leichtes Wachstum erwartet. Sie ging jedoch um rund ein Prozent auf 97,3 Millionen Fahrzeuge zurück. Ein wichtiger Faktor war die erstmals seit Jahrzehnten rückläufige Automobilproduktion in China. • Vergleichsweise robust war die Erholung im Maschinenbau, auch wenn hier ebenfalls die Dynamik geringer war als im Vorjahr. • Der weltweite Private Verbrauch wuchs ähnlich wie im Vorjahr, blieb jedoch speziell in China hinter den Erwartungen zurück. • Das Wachstum der globalen Bautätigkeit reduzierte sich zudem leicht gegenüber Vorjahr. Vor diesem Hintergrund hat sich der Umsatz der Bosch-Gruppe gut entwickelt. Ohne Konsolidierungseffekte konnten wir den Umsatz um 2,2 Prozent auf 78,5 Milliarden Euro steigern, wechselkursbereinigt sogar um fünf Prozent. Damit liegt das wechselkursbereinigte Umsatzwachstum über unserer Prognose. Die Konsolidierungseffekte von 1,3 Milliarden Euro betreffen im Wesentlichen die Trennung vom früheren Geschäftsbereich Starter Motors and Generators Ende 2017. Zudem waren 2018 die Wechselkursbelastungen mit 2,1 Milliarden Euro weit überdurchschnittlich. Inklusive der Konsolidierungseffekte erhöhte sich der Umsatz um 0,5 Prozent, wechselkursbereinigt um 3,2 Prozent. Wie war die Entwicklung nach Unternehmensbereichen und Regionen? Am aussagekräftigsten ist ebenfalls das um Konsolidierungseffekte bereinigte Wachstum. Unser größter Unternehmensbereich Mobility Solutions steigerte auf dieser Basis seinen Umsatz um 3,5 Prozent auf 47,6 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt sogar um 5,8 Prozent. Diese vor dem Hintergrund des Marktumfelds erfreuliche Entwicklung konnten wir durch eine Vielzahl von Produkterfolgen erzielen. Sie reichen von Systemen und Komponenten bei der Abgasnachbehandlung, Getriebetechnik über Fahrerassistenzsysteme bis hin zu attraktiven Lösungen für eBikes, Motorräder oder im Bereich Commercial Vehicles and Off-Road. Aber auch wir bekamen die deutliche Abschwächung der Automobilproduktion in China zu spüren; hinzu kam in der Antriebstechnik der weiter rückläufige Anteil von Dieselfahrzeugen an den Neuzulassungen in Europa. Sehr erfolgreich war der Unternehmensbereich Industrial Technology, der seinen Umsatz um 8,8 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro steigern konnte, wechselkursbereinigt sogar zweistellig um 11,7 Prozent. Wachstumstreiber war der Geschäftsbereich Drive and Control Technology, der sich nach einer erfolgreichen Neuausrichtung unter anderem mit vernetzten Industrie-4.0-Lösungen sehr erfreulich entwickelte. Wie berichtet, haben wir uns nach intensiver und gründlicher Prüfung aller strategischen Optionen entschlossen, das Geschäft mit Verpackungsmaschinen zu verkaufen. Hier läuft derzeit der Verkaufsprozess. Verhalten war die Entwicklung bei Consumer Goods. Der Umsatz ging um 3,1 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro zurück; wechselkursbereinigt stieg er leicht um 0,7 Prozent. Vom Umsatzrückgang und den in diesem Unternehmensbereich besonders ausgeprägten Wechselkurseffekten war BSH Hausgeräte noch etwas stärker als Power Tools betroffen. Einen kontinuierlichen Wachstumstrend zeigt dagegen der Unternehmensbereich Energy and Building Technology, der seine Erlöse 2018 um 2,4 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro steigern konnte, wechselkursbereinigt um 5,1 Prozent. Auch regional war die Entwicklung sehr unterschiedlich. Erfreulich war die Umsatzsteigerung in Europa mit einem Plus von 3,3 Prozent und wechselkursbereinigt von 4,8 Prozent. Am stärksten entwickelte sich der amerikanische Markt – legt man die wechselkursbereinigten Wachstumszahlen zugrunde. Unser Umsatz in Nordamerika erhöhte sich um 2,7 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt sogar um 7,4 Prozent. Auch in Südamerika erholte sich wechselkursbereinigt das Geschäft mit einem Zuwachs von 11,6 Prozent. Nominal ging der Umsatz allerdings nochmals um 6,2 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zurück. Das Wachstum in Asien-Pazifik inklusive Afrika hat sich mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro und wechselkursbereinigt von 3,7 Prozent deutlich gegenüber den Vorjahren verlangsamt. Ein wesentlicher Grund war die schwache Entwicklung in China. Hier ging die Automobilproduktion 2018 erstmals seit rund zwei Jahrzehnten zurück – und das um vier Prozent. In Afrika konnten wir übrigens – auch aufgrund der Komplettübernahme eines Gemeinschaftsunternehmens von Bosch Rexroth in Südafrika – die 500 Millionen-Euro-Umsatzmarke übertreffen. Trotz der rückläufigen Entwicklung der Automobilproduktion und erheblicher weiterer Vorleistungen für Zukunftsthemen – sei es für Forschung und Entwicklung oder auch bei den Investitionen – konnten wir das operative Ergebnis gegenüber dem bereits hohen Vorjahresniveau nochmals steigern. In der Bosch-Gruppe erreichten wir für 2018 ein operatives EBIT von 5,5 Milliarden Euro gegenüber 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr sowie eine operative EBIT-Rendite von 7,0 Prozent gegenüber 6,8 Prozent im Vorjahr. Beim operativen Ergebnis sind wie in den Vorjahren die Belastungen aus den Abschreibungen im Zusammenhang mit dem vollständigen Erwerb der früheren Gemeinschaftsunternehmen BSH Hausgeräte und Automotive Steering im Jahr 2015 nicht berücksichtigt. Das in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesene EBIT stieg auf ebenfalls 5,5 Milliarden Euro gegenüber 4,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Hier wirkt zusätzlich ein positiver einmaliger Sondereffekt aufgrund der geänderten Bilanzierung der betrieblichen Altersversorgung in Bezug auf Zusatzleistungen bei Invalidität und Tod. Das gute Ergebnis führte zudem zu einer weiteren Steigerung der Eigenkapitalquote auf 47 Prozent gegenüber dem bereits hohen Niveau von 46 Prozent im Vorjahr. Auch alle Unternehmensbereiche tragen zu dem guten operativen Ergebnis bei. Bei Mobility Solutions liegt das operative EBIT mit rund 3,4 Milliarden Euro trotz der hohen Vorleistungen auf Vorjahresniveau, die operative Rendite leicht darunter. Industrial Technology steigerte sein EBIT kräftig auf rund 630 Millionen Euro und eine Rendite von mehr als acht Prozent. Der Unternehmensbereich Consumer Goods konnte trotz des Umsatzrückgangs ein weiterhin hohes Ergebnis- und Renditeniveau mit 1,4 Milliarden Euro oder 7,8 Prozent vom Umsatz ausweisen. Energy and Building Technology erzielte ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Damit zu den Forschungs- und Entwicklungskosten. Auch 2018 haben wir unsere Vorleistungen weiter deutlich gesteigert. Doch ein Teil dieser Vorleistungen – die direkt an Kunden verrechneten Entwicklungskosten – wird mit dem Abschluss 2018 nicht mehr als Entwicklungskosten erfasst; sie sind aufgrund neuer IFRS-Regelungen jetzt Teil der Herstellungskosten. Um Ihnen dennoch eine Vorstellung zu geben: Auf vergleichbarer Basis wären unsere Forschungs- und Entwicklungskosten um rund 300 Millionen Euro auf rund 7,3 Milliarden Euro gestiegen. Auf Basis des neuen Ausweises ergeben sich für 2018 Forschungs- und Entwicklungskosten von sechs Milliarden Euro. Drei Viertel unserer Forschungs- und Entwicklungskosten entfallen auf den Unternehmensbereich Mobility Solutions. Wichtige Themen sind hier Vorleistungen für Elektrifizierung, für das automatisierte Fahren, Anzeige- und Infotainmentsysteme sowie Sensorik. Unsere umfangreichen Vorleistungen für die Zukunft zeigen auch die Investitionen, die deutlich auf 4,9 Milliarden Euro gegenüber 4,3 Milliarden Euro im Vorjahr gestiegen sind. Besonders kräftig haben wir die Investitionen im Bereich Mobility Solutions erhöht. Schwerpunkte waren die Elektromobilität, automatisiertes Fahren und die neue Halbleiterfabrik für 300-mm-Technologie in Dresden. So viel zum guten Geschäftsjahr 2018. Die Perspektiven für 2019 sind deutlich verhaltener. Wir sind für die Weltkonjunktur, aber auch für die meisten unserer bedeutenden Marktsegmente skeptisch. Lediglich bei der globalen Bautätigkeit gehen wir von einem unveränderten Wachstumstempo aus, allerdings mit regionalen Unterschieden. Wir erwarten damit derzeit für 2019 ein deutlich verlangsamtes Wachstum der weltweiten Wirtschaftsleistung von nur noch 2,3 Prozent. Zudem sind die Risiken aus den weltweiten Handelskonflikten, der hohen Verschuldung wichtiger europäischer Länder und auch dem Brexit weiterhin hoch. Besonders betroffen von der abflauenden Konjunktur ist unser größter Markt, der Automobilsektor. Wir erwarten bei der Automobilproduktion ein Minus von drei Prozent auf 94,7 Millionen Fahrzeuge. Damit werden die Produktionszahlen erstmals seit der Finanzkrise in zwei aufeinanderfolgenden Jahren rückläufig sein und voraussichtlich unter das Niveau von 2016 fallen. Dieser Trend betrifft alle Regionen. In Asien werden ein erneutes deutliches Minus in China sowie ein stark verlangsamtes Wachstum in Indien eine wesentliche Rolle spielen. Aber auch für Europa und vor allem in Deutschland erwarten wir einen deutlichen Rückgang der Automobilproduktion. In Nordamerika gehen wir von einer leicht abgeschwächten Produktion aus. Auch wir bekommen dieses konjunkturelle Umfeld zu spüren. In den ersten drei Monaten 2019 lag der Umsatz nahezu auf Vorjahreshöhe. Für das Gesamtjahr erwarten wir derzeit einen Umsatz leicht über Vorjahr. Bei der operativen EBIT-Rendite rechnen wir mit rund sechs Prozent – auch aufgrund weiterhin erheblicher Vorleistungen in Zukunftsfelder, aber auch zur Bewältigung der Transformation. Mit dem Stichwort Zukunft möchte ich wieder an Herrn Denner übergeben … Strategie und Logik von Bosch: Technik fürs Leben … Vielen Dank, Herr Asenkerschbaumer. In meinen strategischen Ausführungen werde ich zeigen, wie ernst es Bosch mit seinem Leitmotiv „Technik fürs Leben“ ist. Wir sind überzeugt: Mit mehr Technik können wir die Welt zu einem besseren Ort machen. Auch ökologische Fragen erfordern technische Antworten. Selbst auf negative Technikfolgen wie zum Beispiel die Unfallgefahr im Straßenverkehr antworten wir positiv mit neuen und besseren technischen Lösungen. Das ist die Logik von Bosch – das Beste, was ein innovatives Unternehmen tun kann. Vor allem zwei Themen beschäftigen uns derzeit konkret: • Erstens wird der Klimaschutz dringlicher denn je. Steigender Meeresspiegel, Wetterextreme, Dürren, Fluchtgefahren – die absehbaren Folgen des Klimawandels muss ich hier nicht näher erläutern. Nur so viel: Sie gefährden die Stabilität der Welt. Ein Unternehmen wie Bosch, das mit Technik das Leben der Menschen verbessern will, kann das nicht ignorieren. Wir schlagen daher einen schnellen Weg zur CO 2 -Neutralität unserer Standorte in aller Welt ein. • Nicht nur zum Klimaschutz, auch zur Luftqualität will Bosch einen Beitrag leisten – das ist mein zweites nachhaltiges Anliegen. Vieles hat sich über die vergangenen Jahrzehnte verbessert, und doch ist Luftverschmutzung nach Ansicht der WHO noch immer die größte umweltbezogene Gesundheitsgefahr. Sie verursacht der OECD zufolge auch erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden: Vor allem steigen die Gesundheitskosten weltweit bis 2060 von derzeit 21 auf 176 Milliarden Dollar. Studien wie diese setzen voraus, dass kein Fortschritt stattfindet. Umso mehr wollen wir tun. Dabei sehen wir uns bestätigt durch die Empfehlungen der Wissenschaftsakademie Leopoldina an die deutsche Bundesregierung: dass Fahrverbote zu kurz greifen, vielmehr eine Verkehrswende nottut. Verantwortung hier und jetzt: Bosch wird 2020 als erstes Industrieunternehmen weltweit CO 2 -neutral Zunächst aber zum Kohlendioxid, bekanntlich kein Schadstoff in unserer Luft, aber das wesentliche Treibhausgas. Wie kein anderes Thema steht der Klimawandel für die ökologische Seite der Globalisierung. Und kaum etwas steht so markant für globale Verantwortung wie das Pariser Klimaschutz-Abkommen. Doch unverkennbar sind die Versuchungen, Verantwortung wegzuschieben – sei es in die Zukunft, da es doch um langfristige Veränderungen geht, sei es auf andere Verursacher, die tatsächlich oder angeblich mehr CO 2 ausstoßen. Dem begegnet Bosch mit dem Ansatz „hier und jetzt“. Der Klimawandel wartet nicht. Wir müssen in kürzeren Fristen reagieren, um die Ziele von Paris zu erreichen: den Temperaturanstieg der Erdatmosphäre bis 2100 auf maximal zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad gegenüber dem Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Noch dringlicher fordert der jüngste Sonderbericht des Weltklimarats IPCC zum Handeln auf. Danach ist das 1,5-Grad-Ziel nur noch realistisch, wenn der weltweite Energieverbrauch bis zur Jahrhundertmitte CO 2 -neutral wird. Eben diese CO 2 -Neutralität will Bosch nicht erst 2050 erreichen, auch nicht 2030, sondern schon 2020 – als erstes Industrieunternehmen mit Standorten rund um den Globus. Weshalb trauen wir uns das zu? Auch deshalb, weil wir unsere bisherigen Ziele zur Senkung der Kohlendioxid-Emissionen klar übertroffen haben. Schon 2007 hatte sich Bosch vorgenommen, bis 2020 den CO 2 -Ausstoß seiner Standorte relativ zur Wertschöpfung um 20 Prozent zu reduzieren. Dieses Ziel war schon 2014 erreicht, zur Hälfte der Zeit. Daher haben wir unser Ziel auf minus 35 Prozent verschärft. Auch das werden wir schaffen. Denn schon im vergangenen Jahr lag der CO 2 -Ausstoß unserer Standorte gemessen an der Wertschöpfung um gut 30 Prozent unter dem Ausgangswert vor zwölf Jahren. Was aber über 2020 hinaus tun – das war die Frage. Alle Standorte CO 2 -neutral stellen – diese Antwort haben wir zunächst mit Blick auf die nächste Dekade diskutiert. Doch gerade unter dem Eindruck des jüngsten IPCC-Sonderberichts hat sich die wissenschaftliche Diskussion nochmals intensiviert. Vor diesem Hintergrund haben wir das große Ziel der Klimaneutralität für Bosch vorgezogen, von 2030 auf 2020. Und die Berechnungen zeigen: Es ist möglich. Also machen wir es! Klimaschutz wird konkret: Schnelle Maßnahmen bis 2020 und zunehmende Qualität bis 2030 Grundsätzlich können wir vier Hebel für unser Ziel bewegen: erstens Energieeffizienz steigern, zweitens Versorgung mit regenerativen Energien ausbauen, drittens Ökostrom-Zukauf erweitern, viertens unvermeidbaren CO 2 -Ausstoß kompensieren. Die letzten beiden Hebel bewegen wir eher kurzfristig, übers Jahr hinaus verstärken wir die beiden anderen. Das heißt: Wir können das große Ziel der CO 2 -Neutralität im nächsten Jahr realisieren, hören aber danach mit unseren Anstrengungen für die Energiewende nicht auf. Wir werden also die Qualität unserer Maßnahmen weiter steigern. Was jedoch tun wir bis 2020? Wir verstärken von Anfang an das Energiesparen, dazu gleich noch mehr. Allerdings ist es unmöglich, den Energieverbrauch von Bosch sofort und radikal zu kürzen – 2018 waren das rund 7,8 Terawattstunden, das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch der privaten Haushalte von Berlin und München zusammen. Jedoch ist es möglich, die entsprechenden CO 2 -Emissionen komplett zu neutralisieren – rund 3,3 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Vor allem mit zwei Maßnahmenbündeln gleichen wir dies im nächsten Jahr aus: • Erstens werden wir weit mehr Ökostrom zukaufen, als im weltweiten Energiemix enthalten. Dieser Zukauf wird nach unseren Plänen nahezu 40 Prozent unseres Energieverbrauchs ausmachen. Und Ökostrom heißt: Herkunft aus bestehenden Solar- oder Windenergie-Anlagen, keine fossilen Energiequellen. • Zweitens werden wir Kompensationsleistungen erbringen, voraussichtlich für einen Anteil von knapp 40 Prozent unseres Energieverbrauchs. Die Logik ist klar: Wir sorgen dafür, dass andernorts genau so viel CO 2 -Ausstoß eingespart wird, wie er etwa in einer Gießerei vorerst unvermeidlich ist. Windkraft-Anlagen auf den Philippinen und in der Karibik, Waldschutz in Afrika, Aufforstung in Panama, Verstromung von klimaschädlichem Methangas– mit solchen Maßnahmen gleichen wir schon dieses Jahr unseren kompletten Erdgasverbrauch in Deutschland aus. Ganz wichtig dabei: Die Projekte fördern die soziale ebenso wie die ökologische Entwicklung, sie sind nach strengen Maßstäben von unabhängigen Dritten zertifiziert. Es sind vor allem diese beiden Hebel, die den CO 2 -Fußabdruck von Bosch bereits 2020 auf Null bringen. Doch dabei bleiben wir nicht stehen, bis 2030 steigern wir den ökologischen Wert unserer Maßnahmen zur CO 2 -Neutralität. So planen wir, den Anteil des Ökostrom-Zukaufs aus bestehenden Anlagen zurückzufahren. Im Gegenzug werden zwei Hebel in der nächsten Dekade eine kräftigere Wirkung entfalten: • Erstens wollen wir den Anteil regenerativer Energien an unserem Verbrauch auf bis zu 40 Prozent steigern. Dazu bauen wir auch unsere eigenen Photovoltaik-Anlagen aus – schon jetzt ist an unserem Standort Nashik in Indien die größte Anlage dieser Art in der indischen Automobilindustrie entstanden. Insgesamt wird sich die installierte Leistung unserer regenerativen Eigenversorgung bis 2030 verzehnfachen. Zudem setzen wir auf „New Clean Power“. Das heißt: Wir schließen langfristige und exklusive Lieferverträge mit neuen Wind- und Solarparks. Solche Verträge streben wir auch über Deutschland hinaus an. In Mexiko decken wir mit „New Clean Power“ schon jetzt mehr als 80 Prozent unseres Strombedarfs. • Zweitens streben wir Energie-Einsparungen in Höhe von 1,7 Terawattstunden an, mehr als ein Fünftel unseres derzeitigen Jahresverbrauchs, soviel wie der jährliche Stromverbrauch der privaten Haushalte von Köln. Energieeffizienz ist harte Arbeit, und gerade mit dieser harten Arbeit hören wir auch nach dem Erreichen der CO 2 -Neutralität nicht auf. Im Gegenteil: Unsere Anstrengungen sind ambitionierter als in früheren Jahren, denn wir wollen Energieverbrauch und Kohlendioxidausstoß absolut senken und nicht mehr bloß im Verhältnis zur Wertschöpfung. Jahr für Jahr werden wir also unseren Verbrauch bis 2030 um ein bis zwei Prozent senken, wie uns das auch 2018 mit nahezu 500 Energieeffizienz-Projekten bereits gelungen ist. Wir sind auf einem guten Weg – wobei sich der große Fortschritt aus der Summe kleiner Projekte ergibt. Das kann die Wärmerückgewinnung sein oder auch die bedarfsgerechte Lüftung und Kühlung. Wesentlicher Effizienztreiber ist inzwischen auch die Vernetzung der Produktion. In mehr als 30 Werken rund um den Globus setzen wir bereits die Energy-Plattform aus unserem Industrie-4.0-Lösungsportfolio ein. Damit lässt sich der Stromverbrauch jeder einzelnen Maschine verfolgen und steuern. Im Werk Homburg sind über die Plattform gut 10 000 Messpunkte vernetzt. Das Ergebnis vor Ort: nahezu 5 000 Tonnen oder elf Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß allein in den vergangenen beiden Jahren. Eine Lösung, die intern so erfolgreich ist, dass wir sie auch extern vermarkten. Systematisch betrachtet, berühren sich hier zwei unserer wesentlichen Strategiefelder: Energieeffizienz einerseits und Vernetzung andererseits. Gerade die Energieeffizienz war bei Bosch schon immer Motor von Innovationen. Bereits seit der ersten Ölkrise im Jahr 1973 leitet Energiesparen unsere Erzeugnis-Entwicklung an. Seinerzeit haben wir erstmals ein 3S-Programm ausgegeben: das Autofahren sicherer, sauberer und eben auch sparsamer zu machen. Dies war der Ausgangspunkt unserer Strategie „Technik fürs Leben“, die inzwischen in allen Unternehmensbereichen unser Portfolio bestimmt. Wenn wir heute die vernetzte Welt erschließen, dann wiederum mit „3S“ – mit Know-how in Sensoren, Software und Services. Auch daraus gehen Effizienz-Lösungen aller Art hervor, nicht zuletzt Lösungen zur Energieeffizienz. Gerade damit macht Bosch den Klimaschutz technisch möglich und wirtschaftlich nützlich. Klimaschutz rechnet sich: Mit Energieeffizienz wird das ökologische Ziel ökonomisch erreichbar Es bleibt die Frage, wie sich unsere Anstrengungen zur Klimaneutralität in den nächsten Jahren rechnen. Auch dafür ist Energieeffizienz ein Schlüssel. Vor allem drei Punkte sind in unserer Modellrechnung bis 2030 wesentlich: • Erstens entstehen uns Mehrkosten in Höhe von einer Milliarde Euro für Ökostrom-Zukauf, CO 2 -Kompensationsleistungen und Versorgung mit regenerativen Energien. • Zweitens investieren wir eine Milliarde Euro in die Steigerung unserer Energieeffizienz. • Dem steht drittens eine Ersparnis in Höhe von einer Milliarde Euro durch die zunehmende Energieeffizienz gegenüber. Denn jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, spart CO 2 und Geld zugleich. Unterm Strich reduziert sich also der Aufwand für das Projekt der CO 2 -Neutralität auf eine Milliarde Euro. Dabei ist uns klar: Der Wert von Klimaschutz geht über solche Rechnungen hinaus. An der Spitze der Bosch-Werte steht die Zukunfts- und Ertragsorientierung – genau dies denken wir neu, zumindest in einem größeren Kontext. Wir finden, ein Unternehmen wie Bosch sollte sich auch an der Zukunft seiner Umwelt orientieren. Wenn wir auf Ertrag verzichten, dann in der Regel für Vorleistungen in Forschung und Entwicklung, also für das Geschäft von morgen. Auch der Klimaschutz erfordert Vorleistungen – diesmal für die Zukunft des blauen Planeten. Und doch investieren wir nicht ins Blaue hinein, da in der Energieeffizienz ökonomische Kalkulation und ökologisches Ziel zumindest konvergieren. Unsere Rechnung legen wir auch deshalb offen, weil wir hoffen, dass andere Unternehmen unserem Beispiel folgen. Über die Motorhaube hinaus: Bosch fördert Luftqualität, auch mit neuen Lösungen für den Verkehr Letztendlich, meine Damen und Herren, steht und fällt Klimaschutz mit globalen Anstrengungen – was wir einatmen, lässt sich dagegen immer nur lokal verbessern. Gleichwohl ist die Luftqualität in den Städten rund um den Globus ein nicht weniger dringliches Anliegen – auch dazu kann Bosch einiges beitragen, wie ich in meinem zweiten Thema zeigen werde. Im vergangenen Jahr haben wir an dieser Stelle über den Durchbruch in der Dieseltechnik berichtet. In diesem Jahr können wir weitere Fortschritte zeigen. Zugleich aber schauen wir über die Motorhaube hinaus. Wir erarbeiten gemeinsam mit den Städten Lösungen für saubere Luft, die auf den Verkehr insgesamt zielen. Was aber sind zunächst unsere Fortschritte unter der Motorhaube? Wir haben unseren Durchbruch in der Dieseltechnik noch robuster gemacht – mit nochmals niedrigeren Emissionswerten auch in kritischen Fahrsituationen. Wir bringen diese Fortschritte in alle Kundenprojekte für kommende Dieselfahrzeuge ein. Und schon jetzt sind Teile hiervon in Serie, wie 70 unabhängige Testberichte gezeigt haben: Danach unterbieten bereits 84 Prozent der neuen Diesel im Straßenverkehr die Grenzwerte, die erst vom nächsten Jahr an gelten. Die Emissionen moderner Verbrennungsmotoren werden zur Luftbelastung in den Städten keinen nennenswerten Beitrag mehr leisten. Auch der Feinstaubausstoß ist kein Thema mehr – weder beim Diesel noch beim Otto. Gleichwohl arbeiten wir weiter, auch kommenden Emissionsnormen voraus. Zwar werden nach unserer Einschätzung 2030 rund 25 Prozent der neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge in aller Welt rein elektrisch unterwegs sein. Aber das heißt im Umkehrschluss: Rund 75 Prozent werden noch einen Verbrennungsmotor an Bord haben. Dazu zieht in aller Welt die Umweltgesetzgebung an. Dies treibt zum einen die technische Entwicklung. Wir setzen dafür auch künstliche Intelligenz ein – zum Beispiel, um die Abgasnachbehandlung je nach den Mustern im individuellen Fahrverhalten vorausschauend zu steuern. Zum anderen wirken die steigenden gesetzlichen Anforderungen auch als Markttreiber. So sind Abgasnachbehandlung und Abgassensorik zwei wachsende Produktbereiche bei Bosch – sie beschäftigen weltweit 3 500 Mitarbeiter und haben 2018 zusammen einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro erzielt. Bis 2025 werden das voraussichtlich drei Milliarden Euro sein. Mit dem Know-how dieser Bereiche entwickeln wir jetzt auch mobile Messboxen, um die Luftbelastung in den Städten engmaschig zu ermitteln. Wir erproben die Boxen bereits im Großraum Stuttgart, aber auch in Paris und Marseille. Zudem können wir aus dem Fahrverhalten einzelner Autos zuverlässig auf die Fahrzeugflotte schließen und daraus die Emissionen des aktuellen Verkehrs ableiten. Dazu arbeiten wir mit Simulationsmodellen Denn künftig wollen wir den Zusammenhang zwischen Emissionen und Immissionen, also zwischen Verkehr und Umwelt noch besser verstehen. Wie also muss sich der Verkehr verändern, damit sich die Luftqualität verbessert? Genau dies wollen wir mit unseren Messboxen im Zusammenspiel mit den Simulationsmodellen ermitteln. Wir haben zum Beispiel zeigen können, dass ein verstetigter Verkehr zu nahezu 20 Prozent weniger Schadstoffausstoß führt. In Zukunft lassen sich mit den Daten mobiler Messsysteme neue Services realisieren. Das können zum Beispiel hochauflösende Immissionskarten sein, die ein verfeinertes Verkehrsmanagement ermöglichen. Es ist unser Ziel, die nötigen Daten und Services bereitzustellen. Das ist nur ein Beispiel, wie wir mit einem größeren Ansatz die Luftqualität in den Städten verbessern können. Unsere Vision ist eine Smart City, die auch zur Clean City wird. Bike-Leasing, Car-Pooling, mobiles Arbeiten: Bosch-Mitarbeiter können in der Stadt das eigene Auto stehen lassen Inzwischen haben wir bei Bosch das Projekt „Vision Near Zero Immission“ aufgelegt. Dessen Ziel: Wir wollen die Luftbelastung des Verkehrs gegen Null führen. Das Projekt bündelt, was wir unter und über der Motorhaube für die Luftqualität in den Städten tun – die Entwicklung extrem schadstoffarmer Antriebstechniken einerseits, die Ansätze zur Verkehrsverstetigung andererseits. Mit dabei im Projekt ist unser betriebliches Mobilitätsmanagement. Wir sind Automobilzulieferer, aber gerade in den Ballungsräumen helfen wir unseren Mitarbeitern, das eigene Auto stehen zu lassen. Das beginnt mit Shuttle-Bussen, die wir für unsere großen Standorte unterhalten – übrigens nicht nur in der Region Stuttgart, vielmehr auch in Brasilien, China, Indien und der Türkei. Das geht weiter mit neuen Maßnahmen, wie wir sie zunächst im Großraum Stuttgart erproben. Wir haben dazu mit anderen Arbeitgebern ein Bündnis zur Luftreinhaltung geschlossen. Drei Beispiele zeigen, wie wir die Mobilität unserer Beschäftigten verändern: • Erstens müssen es nicht vier Räder sein, um in Ballungsräumen zügig voranzukommen. Wir bieten unseren Mitarbeitern ein attraktives Leasingmodell für Fahrräder und Pedelecs und geben dazu einen Zuschuss. • Zweitens fördern wir, wo immer es geht, mobiles Arbeiten. Jeder fünfte Mitarbeiter im Großraum Stuttgart ist im Schnitt an einem Tag pro Woche von zuhause tätig – das vermeidet Fahrten zum Arbeitsplatz, das tut der Umwelt gut, aber auch den Familien. • Drittens vernetzen wir das Berufspendeln. Wir führen die Car-Pooling-Plattform SPLT, die wir bereits in Mexiko erproben, jetzt auch im Großraum Stuttgart ein. Im ersten Schritt können seit März die Beschäftigten unseres Standorts Reutlingen die Mitfahr-App nutzen. Auch dieses vernetzte Pendeln hilft Straßenverkehr zu vermeiden. Auch die Mobilität von morgen sorgt für Luftqualität: Bosch liefert Fortschritte fürs automatisierte und elektrifizierte Fahren Das letzte Beispiel deutet an, wie wir auch unsere Fortschritte zur Mobilität der Zukunft für das Ziel der Luftqualität nutzen. Auf drei Entwicklungspfaden sind unsere Ingenieure unterwegs – nicht nur zur Vernetzung, auch zur Automatisierung und zur Elektrifizierung des Fahrens. Auf diesen drei strategischen Pfaden kommen wir mit großen Schritten voran: • Zunächst das automatisierte Fahren – auch das hilft Verbrauch und Emissionen zu reduzieren, schon indem es über gleichmäßige Geschwindigkeiten auf einen besseren Verkehrsfluss hinwirkt. Vor allem aber kann es nach Einschätzung unserer Unfallforschung jeden vierten Unfall mit Personenschaden vermeiden. Gleich doppelt steht also die Automatisierung für eine nachhaltige Mobilität. Wir forcieren diese Entwicklung – mit Vorleistungen in Höhe von vier Milliarden Euro bis 2022, mit mehr als 5 000 Ingenieuren, doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Eine starke Mannschaft, die noch in diesem Jahr eine Frontkamera mit künstlicher Intelligenz in Serie bringt. Diese Kamera versteht, was sie sieht. Ihre künstliche Intelligenz leitet etwa aus der Bewegung eines Fußgängers ab, ob dieser die Straße betritt oder nicht – damit wird die automatische Notbremsung noch reaktionsschneller. Überdies arbeiten unsere Entwickler gemeinsam mit Daimler am fahrerlosen Fahren in Robotaxis, wie wir es noch in diesem Jahr im kalifornischen San José erproben werden. Ganz wichtig dabei: dass die Gesetzgebung in Deutschland und Europa Schritt hält mit dem zügigen technischen Fortschritt. Sie darf in ihren Anstrengungen nicht nachlassen, um Zug um Zug automatisierte Fahrfunktionen auch auf europäischen Straßen zu ermöglichen. Immerhin ist schon der Weg in die Automatisierung ein geschäftlicher Erfolg. Er führt über die Fahrerassistenz, mit der wir auch 2019 um 15 Prozent wachsen, bei einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. Allein der Absatz von Radarsensoren legt dieses Jahr um 20 Prozent, der von Videosensoren um 30 Prozent zu. Technisch und geschäftlich sind wir in der Fahrerassistenz vorn. Wir haben es hier mit einem Zukunftsfeld zu tun, das schon jetzt ein Wachstumsfeld ist. • Auch beim elektrifizierten Fahren wachsen wir stark. Wir erwarten 2025 auf diesem Feld einen Umsatz von fünf Milliarden Euro, zehnmal so viel wie 2018. Zugleich aber zeichnet sich ein zunehmender Wettbewerb um die Wertschöpfung im Antrieb der Zukunft ab. Chancen für Bosch sehen wir auch wegen der besonderen Skaleneffekte, die uns die Belieferung einer Vielzahl von Automobilherstellern ermöglicht. Schon jetzt sind mehr als eine Million Elektroautos mit Antriebskomponenten aus unserem Haus unterwegs, Ende 2022 werden es nahezu 14 Millionen sein. Bereits für 50 Elektrofahrzeug-Plattformen haben wir Powertrain-Projekte realisiert, allein im vergangenen Jahr konnten wir 30 neue Projekte im Wert von nahezu acht Milliarden Euro akquirieren. Unsere Entwicklung für die Elektromobilität steht also unter Strom. Nicht genug, dass wir Antriebstechniken vom Bike bis zum Truck bieten – wir gehen technologieoffen vor. So bereiten wir uns auch auf den Durchbruch der Brennstoffzellen-Technik vor, beim Pkw, vor allem aber im Lkw. Gerade erst sind wir eine Kooperation mit Powercell eingegangen, dem schwedischen Hersteller von Brennstoffzellen-Stacks. Solche Stacks wandeln Wasserstoff in elektrische Energie. Sie machen zwei Drittel vom Wert eines Brennstoffzellen-Systems aus. Mit der Kooperation werden wir die Stacks industrialisieren, und das heißt vor allem: kostengünstig fertigen und spätestens 2022 auf den Markt bringen. Wie auch immer elektrisches Fahren technologisch realisiert wird, es ist emissionsfreies Fahren, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Und weil – last but not least – Elektroautos größtenteils regenerativ bremsen, können wir mit ihnen auch den Bremsstaub um gut 95 Prozent vermindern. Auch so schließt sich der Kreis zur Luftqualität in den Städten. Unternehmen müssen auf die Politik nicht warten: Umwelt- und Klimaschutz ist möglich ohne Abschied vom Wachstum Meine Damen und Herren, ein Unternehmen wie Bosch muss Nachhaltigkeit vor allem technologisch verstehen und verwirklichen. Von der Bremse bis zur künstlichen Intelligenz – wir schöpfen alle innovativen Möglichkeiten aus. Wir wollen für die Luftqualität mehr tun, als wir müssen. Und genauso ist es nach meiner Überzeugung an der Zeit, auch für den Klimaschutz unkonventionelle Wege zu gehen. Klimaschutz geht jeden an, aber es ist zu wenig, wenn jeder sich auf den anderen verlässt – jeder muss seinen Beitrag leisten. Auch ein Unternehmen wie Bosch wartet nicht länger. Die Industrie muss keineswegs in Umweltaktivismus verfallen, wohl aber kann sie ökologisch aktiv werden – mit ihren technischen Mitteln sogar besonders effektiv. Dafür ist es entscheidend, dass sie auch für das Ziel der CO 2 -Neutralität keinen Abschied vom Wachstum nehmen muss. Wie sich bei Bosch zeigt, hilft gerade Energieeffizienz, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit auf einen Nenner zu bringen – und dabei mit innovativen Lösungen auch noch zu wachsen. Eine unternehmerische Balance zwischen ökonomischer und ökologischer Verantwortung ist also durchaus zu schaffen. Doch geht es um mehr, auch um die Verantwortung, die wir für die Stabilität unserer Gesellschaften haben. Die Gelbwesten-Proteste in Frankreich, die Demonstrationen von Dieselfahrern auch hier in Stuttgart – beides deutet darauf hin, dass größere Teile der Bevölkerung der Meinung sind, Umwelt- und Klimaschutz seien nicht mehr mit ökonomischen Erfordernissen ausbalanciert. Darauf können Unternehmen nicht unmittelbar politische Antworten geben, wohl aber können sie mit ihren technischen Antworten die Politik entlasten. Wenn es uns gelingt, Klimaschutz wirtschaftlich zu realisieren, wenn wir es schaffen, mit neuen Lösungen für Motor und Verkehr die Luftqualität in den Städten spürbar zu verbessern, dann stabilisieren wir auch das gesellschaftliche Klima. Wir bei Bosch übernehmen Verantwortung – über die Grenzen unseres Unternehmens hinaus, ganz in der Tradition von Robert Bosch.

Bosch: Umsatz und Ergebnis 2018 erneut auf Rekordniveau

30.01.2019

Referat

Wirtschaft

Bosch: Umsatz und Ergebnis 2018 erneut auf Rekordniveau

Referat Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH und Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH anlässlich des Pressegesprächs am 29. Januar 2019 Es gilt das gesprochene Wort. Sehr geehrte Damen und Herren,zu unserem Kamingespräch 2019 ein herzliches Willkommen. Wir freuen uns, dass Sie heute Abend unsere Gäste sind und wir auch wieder internationale Medienvertreter begrüßen dürfen. „Like A Bosch“ – der junge, dynamische Mann aus dem eben gezeigten Video ist jederzeit Herr der Lage, hat alles im Griff – dank unserer vernetzten Lösungen. „Like A Bosch“ – ist der Slogan der weltweiten Imagekampagne für das Internet der Dinge – das IoT –, die Anfang des Jahres auf der CES in Las Vegas startete. Mit einem Augenzwinkern wollen wir zeigen, wie alltäglich die Vernetzung über das IoT zwischenzeitlich ist. Wir wollen zeigen, dass vernetzte Lösungen von Bosch bereits heute den Alltag vieler Menschen erleichtern und ihre Lebensqualität verbessern – „Like A Bosch“. Genau darum soll es auch heute Abend gehen. Meine Damen und Herren, Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung werden die Art und Weise, wie Menschen und Waren mobil sind, signifikant verändern. In Zeiten, in denen die negativen Auswirkungen des Verkehrs im Fokus und in der Kritik stehen, ergeben sich für Unternehmen technische Herausforderungen, aber auch geschäftliche Chancen. Darüber wollen wir heute sprechen. Nicht nur für den Wandel der Mobilität ist künstliche Intelligenz eine Schlüsseltechnologie. Mit ihr steht uns eine technologische, ökonomische, soziale und ethische Revolution bevor, deren Umwälzungskräfte noch schwer abzuschätzen sind. Auch darum soll es heute Abend gehen. Doch zuvor möchte ich Ihnen den Ort unserer heutigen Veranstaltung vorstellen. Über die Geschichte des Gebäudes wurde bereits gesprochen. Jetzt befinden wir uns in den Räumen der Bosch Connectory. Neben Chicago und Guadalajara ist Stuttgart Standort eines sogenannten Co-Innovation-Spaces: Orte im urbanen Umfeld, an denen wir mit Partnern zusammenarbeiten, voneinander Lernen oder gemeinsame Projekte umsetzen. Jede Connectory hat einen Fokus auf unterschiedliche IoT-Domänen. In Stuttgart liegt er auf digitalen Lieferketten und Logistik. Wir bringen hier verschiedene Partner wie etablierte Unternehmen, Start-ups, städtische Einrichtungen und Universitäten zusammen, um eine IoT-Community aufzubauen. Partnerschaften und Kooperationen sind für den Erfolg in der vernetzten Welt elementar. Wie erfolgreich wir im vergangenen Jahr waren, stellt Ihnen jetzt Herr Asenkerschbaumer vor. Nach der detaillierten Geschäftsentwicklung 2018 gibt er auch einen Ausblick auf das laufende Jahr.Geschäftsjahr 2018: Starkes Ergebnis, stabiler Umsatz Dankeschön, Herr Denner. Sehr geehrte Damen und Herren, guten Abend und noch einmal herzlich willkommen. Bereits in den vergangenen Monaten hat sich ein konjunktureller Wetterumschwung angedeutet. Unsere Prognose für 2018 war entsprechend vorsichtig. Was hat die Bosch-Gruppe nun also erreicht? Dies stelle ich Ihnen anhand unserer operativen Zahlen dar. Diese gerundeten Zahlen sind bereinigt um Sondereffekte aus Änderungen im Konsolidierungskreis und aus methodischen Änderungen. Ebenso sind die Zahlen bereinigt um Abschreibungen, die aus Kaufpreisallokationen resultieren. Vorweg: Wir konnten in widrigem Umfeld den Umsatz steigern und das Ergebnis absichern. Der operative Umsatz der Bosch-Gruppe stieg um 1,2 Milliarden Euro und erreichte 77,9 Milliarden Euro. Das Umsatzwachstum beträgt 1,5 Prozent. Wechselkursbereinigt stieg der operative Umsatz um 4,3 Prozent. Das operative EBIT liegt bei rund 5,3 Milliarden Euro. Die operative EBIT-Rendite beläuft sich damit auf vorrausichtlich 6,9 Prozent vom Umsatz. Betrachten wir die Rahmenbedingungen, war die Geschäftsentwicklung 2018 in Summe gut. Umsatz und Ergebnis bleiben trotz schwierigem konjunkturellen Umfeld und schwacher Märkte auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Das wechselkursbereinigte Umsatzwachstum beträgt 4,3 Prozent und übertrifft damit unsere Prognose. Die negativen Wechselkurseffekte belaufen sich auf 2,1 Milliarden Euro. Bereits zum dritten Mal in Folge belasten erhebliche Wechselkurseffekte den Umsatzausweis deutlich – auch das ist ein Zeichen politischer Instabilitäten. Wechselkurseffekte und gestiegene Materialkosten spiegeln sich auch im Ergebnis wieder. Dennoch haben wir ein starkes Ergebnis erreicht. Auch die EBIT-Rendite bleibt auf Vorjahresniveau. Mit Blick auf das konjunkturelle Umfeld und die Entwicklung unserer Märkte können wir mit dem Geschäftsverlauf zufrieden sein.Geschäftsentwicklung 2018 der Unternehmensbereiche Der Blick in die einzelnen Unternehmensbereiche zeigt, wie robust sich das Geschäft für Bosch trotz ungünstiger Rahmenbedingungen entwickelt hat. Die Erlöse des umsatzstärksten Unternehmensbereichs Mobility Solutions stieg um 2,3 Prozent auf 47 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt um 4,7 Prozent. Der Umsatz entwickelte sich damit erneut besser als die weltweite Automobilproduktion, die 2018 unter dem Vorjahreswert lag. Getragen wurde diese erfreuliche Entwicklung vom Zuliefergeschäft für Nutz- und Off-Road-Fahrzeuge, der Nachfrage nach Fahrerassistenzsystemen und Systemen zur Abgasnachbehandlung sowie nach Antrieben für eBikes. Einen Umsatzrückgang auf 17,8 Milliarden Euro verzeichnete der Unternehmensbereich Consumer Goods . Die beiden Geschäftsbereiche BSH Hausgeräte und Power Tools belasten in besonderem Maße die Wechselkurseffekte sowie ein starker Preisdruck in den Kernmärkten. Wechselkursbereinigt liegt der Umsatz leicht über Vorjahresniveau. Der Umsatz des Unternehmensbereichs Industrial Technology verzeichnete das höchste Wachstum. Die Erlöse stiegen auf 7,4 Milliarden Euro. Dadurch ergibt sich ein Umsatzanstieg von 8,9 Prozent, wechselkursbereinigt 11 Prozent. Zu der sehr guten Entwicklung hat vor allem der Geschäftsbereich Drive and Control Technology beigetragen. Er profitierte vom erholten Marktumfeld im Maschinen- und Anlagenbau. Wie bekannt planen wir, das zum Unternehmensbereich gehörende Geschäft mit Verpackungsmaschinen zu verkaufen. Einen Umsatzanstieg auf 5,5 Milliarden Euro erzielte der Unternehmensbereich Energy and Building Technology . Das entspricht einem Zuwachs von 2,3 Prozent, wechselkursbereinigt von 4,7 Prozent. Wachstumstreiber waren insbesondere vernetzte Lösungen für die Energie- und Gebäudetechnik sowie die steigende Nachfrage nach Serviceleistungen.Geschäftsentwicklung 2018 in den Regionen Meine Damen und Herren, wie entwickelte sich das Geschäft in den Regionen? 2018 konnten alle Regionen bis auf Südamerika nominales Wachstum erzielen: In Europa verzeichnete unser Unternehmen eine positive Geschäftsentwicklung. Der Umsatz wuchs auf 41 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg um 2,1 Prozent, wechselkursbereinigt um 3,7 Prozent. Besonders positiv entwickelten sich Deutschland und Österreich. Zweistellige Zuwächse kamen aus Rumänien und Bulgarien. In Nordamerika lief das Geschäft für Bosch besser als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 2,8 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt beträgt der Zuwachs 7,9 Prozent. Profitiert hat Bosch hier vor allem vom Automobilgeschäft. In Südamerika lag die Geschäftsentwicklung der Bosch-Gruppe unter Vorjahresniveau. Der Umsatz erreichte 1,4 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt ist das ein Anstieg von 8,9 Prozent, nominal ein Rückgang um 7,8 Prozent. Ausschlaggebend waren die enormen negativen Wechselkurseffekte in unseren Kernmärkten Brasilien und Argentinien. In Asien-Pazifik einschließlich Afrika liegen die Erlöse mit 23,2 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Wechselkursbereinigt stieg der Umsatz um 3,1 Prozent. Bosch konnte sich der konjunkturellen Abkühlung in China nicht entziehen. Ungeachtet davon konnten wir unseren Umsatz in China in den vergangenen fünf Jahren verdreifachen. Der Anteil der Region Asien-Pazifik am Gesamtumsatz beträgt zwischenzeitlich fast 30 Prozent.Mitarbeiterentwicklung 2018 Vor dem Ausblick auf das aktuelle Jahr komme ich zur Beschäftigungsentwicklung. Auch die Personalzahlen haben sich erfreulich entwickelt: Die Bosch-Gruppe beschäftigte zum 31. Dezember 2018 weltweit rund 410 000 Mitarbeiter. Das ist ein Anstieg von rund 7 800 gegenüber dem Vorjahr. Der stärkste Mitarbeiterzuwachs fand in den Regionen Europa und Asien-Pazifik statt. Im Heimatmarkt Deutschland vergrößerte sich die Belegschaft um 1 700 auf 139 500 Beschäftigte.Geschäftsjahr 2019: Konjunktureintrübung dämpft Erwartungen Meine Damen und Herren, nach einem trotz äußerst volatiler volkswirtschaftlicher Rahmenbedingungen positiven Geschäftsjahr 2018 gehen wir mit gedämpften Erwartungen ins neue Jahr. Wir erwarten 2019 ein weltweites Wirtschaftswachstum von nur 2,3 Prozent. Wir sehen eine Reihe geopolitischer Fehlentwicklungen, die den privaten Konsum wie auch die Investitionsfreude negativ beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel weiterhin die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA sowie der Brexit. Nicht nur diesen beiden Themen liegt das gleiche Muster zugrunde: Ein zunehmender, teils aggressiver Nationalismus, der sich in der Wirtschaftspolitik in Form von Protektionismus, Strafzöllen und aufgekündigten Freihandelsabkommen zeigt. In Europa stellen wir uns auf eine leicht schwächere Wirtschaftsentwicklung ein. Ein Grund dafür ist der bereits erwähnte Brexit. Nach wie vor ist unklar, wie er ablaufen wird. Zwar planen wir in Szenarien. Dennoch wäre die Wirtschaft für klare Verhältnisse und Planungssicherheit dankbar. Von einer verhaltenen Dynamik gehen wir für Nordamerika aus. Nach einem Anstieg der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr, unterstützt von den Entlastungen durch die Steuerreform sowie deutlichen Lohnanstiegen, rechnen wir 2019 mit einer leichten Abschwächung. Ebenfalls eine gedämpfte Entwicklung erwarten wir in den Schwellenländern von Südamerika . Die Region wird weiterhin von den Krisen in Venezuela und Argentinien belastet. Die Entwicklung Brasiliens hängt von der neuen Regierung ab und ist derzeit nur schwer einzuschätzen. Ein verlangsamtes, aber stabiles Wachstum erwarten wir in der Region Asien-Pazifik . Ausschlaggebend ist die anhaltende Verlangsamung der konjunkturellen Entwicklung in China. Diese resultiert unter anderem aus der hohen Verschuldung der Privatwirtschaft sowie den Belastungen durch den Handelskonflikt mit den USA. Auch der Blick in für Bosch wichtige Schlüsselbranchen bestätigt unsere verhaltene Konjunkturprognose: Bei der weltweiten Fahrzeugproduktion rechnen wir 2019 mit einem erneuten Rückgang. Dies betrifft alle großen Produktionsländer, insbesondere auch China. Wachstum erwarten wir nur in Indien und Lateinamerika. Der Maschinen- und Anlagenbaubranche dürfte sich den konjunkturellen und politischen Belastungen nicht entziehen können. So wiesen die globalen Auftragseingänge im Maschinenbau zuletzt eine merkliche Abschwächung auf. Wir rechnen daher im Vergleich zu den Vorjahren mit einem signifikant langsameren Wachstum. Auch der Private Verbrauch wird sein hohes Expansionstempo nicht beibehalten können. Allerdings spricht die noch gute Arbeitsmarktlage in den meisten Ländern sowie eine wachsende konsumfreudige Mittelschicht in den asiatischen Schwellenländern für eine überdurchschnittliche Ausweitung der Konsumausgaben. Meine Damen und Herren, was bedeutet das für die wirtschaftlichen Ziele von Bosch? Wir wollen uns auch im laufenden Jahr positiver entwickeln als die für uns relevanten Märkte. Was das konkret für die Umsatzentwicklung heißt, das ist mit Blick auf die um uns herrschenden Unsicherheiten derzeit noch nicht abschätzbar. Ungeachtet dessen und trotz beträchtlicher Vorleistungen wollen wir 2019 ein hohes Ertragsniveau von mehr als fünf Milliarden Euro absichern. Dazu wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit aller Bereiche weiter steigern, um so den Wandel und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens finanzieren und voranbringen zu können. Als Innovationsführer wollen wir den Wandel unserer Märkte technisch und geschäftlich gestalten. Dazu gehört insbesondere der Wandel der Mobilität. Darauf und auf die Rolle künstlicher Intelligenz wird Herr Denner jetzt eingehen.Wandel der Mobilität: Individuelle Bedürfnisse und Umweltschutz Vielen Dank, Herr Asenkerschbaumer. Meine Damen und Herren, unser Blick geht natürlich über das Jahr 2019 hinaus. Lassen Sie uns ins Jahr 2050 blicken. 9,7 Milliarden Menschen werden die Erde bewohnen. 70 Prozent davon, knapp sieben Milliarden, werden in Städten leben (Quelle: UN). Rund 140 Millionen Menschen werden auf der Flucht sein – nicht vor Krieg und Verfolgung. 140 Millionen Klimaflüchtlinge werden vertrieben werden von Dürren, Missernten, Sturmfluten und steigendem Meeresspiegel. Die Weltbank warnt, dass der Klimawandel zum „Motor für Migration“ wird. Die Weltbank weist aber auch darauf hin, dass es so nicht kommen muss. Die Zahl der Klimaflüchtlinge kann um 80 Prozent reduziert werden – beispielsweise durch die Verringerung der Treibhausgasemissionen. Als Innovationsführer will und kann Bosch mit „Technik fürs Leben“ dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Wir verstehen Klimaschutz als „Motor für Innovation“. Energieeffizienz zieht sich daher seit jeher wie ein roter Faden durch die Entwicklungsabteilungen aller Bosch-Unternehmensbereiche. Der Klimawandel ist Triebfeder unserer Innovationsarbeit. Mehr als die Hälfte unserer Aufwendungen für Forschung und Entwicklung zielt auf umwelt- und ressourcenschonende Erzeugnisse. Allein im vergangenen Jahr haben wir rund 400 Millionen Euro in die emissionsfreie Mobilität investiert. Denn Mobilität ist mehr als Verkehr und Transport. Mobilität ist Teil unserer individuellen Lebensqualität. Mobilität ist Freiheit. Mobilität entscheidet darüber, wie Menschen zueinanderkommen, wie Menschen teilhaben, wie Menschen Chancen nutzen können. Mobilität und Verkehr sind eng verbunden mit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung. Mobilität ist unerlässlich. Wir wollen deshalb Mobilität ermöglichen, die keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt hat. Klima- und Umweltschutz ist auch, wenn Mobilität sich wandelt. Dazu drei Fakten: Fakt 1: Der Anteil des Straßenverkehrs an den globalen CO 2 -Emissionen beträgt 18 Prozent. Fakt 2: Unser Augenmerk muss neben den CO 2 -Emissionen auch der Luftqualität gelten. Sie wird zwar in vielen Städten weltweit immer besser. In vielen Schwellenländern wird sie aber mit zunehmender wirtschaftlicher Entwicklung schlechter. Fakt 3: Weltweit wollen Menschen mobil sein, sicher und stressfrei von A nach B kommen. Der Bedarf an Mobilität steigt. Um 50 Prozent wird der Personenverkehr bis 2030 gegenüber 2015 wachsen. Fast verdoppeln wird sich in der gleichen Zeit der Warentransport (Quelle: ITF). Was mit gleicher Rate nicht steigen darf, sind die globalen und lokalen Emissionen. Wir brauchen also mehr Mobilität, aber weniger Umweltbelastung. Die Schlüssel dazu sind Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung. Gerade bei den lokalen Emissionen, also der Verbesserung der Luftqualität, geht es nicht nur um gänzlich neue technische Möglichkeiten. Auch bestehende Antriebskonzepte können hier einen Beitrag leisten. Unseren Entwicklern ist der Durchbruch bei der Diesel-Technik gelungen. Gerade einmal 13 Milligramm Stickoxid pro Kilometer emittiert ein Entwicklungsfahrzeug mit unserer Diesel-Technik auf einer RDE-Fahrt. Mit dieser drastischen Senkung können Fahrzeuge schon heute künftige Grenzwerte einhalten. Mit unserer Technik behalten Diesel-Fahrzeuge zudem ihren Verbrauchs- und damit ihren Klimavorteil. Die Nutzung nicht-fossiler Kraftstoffe, sogenannter eFuels, kann die CO 2 -Bilanz von Verbrennungsmotoren weiter verbessern. Die jetzt vereinbarte CO 2 -Regulierung der EU verpasst bedauerlicherweise die Chance, über diese alternativen Kraftstoffe weitere Anreize für emissionsarme Mobilität zu schaffen. Wichtige CO 2 -Reduktionspotenziale bleiben so ungenutzt. Um die mehr als ambitionierte CO 2 -Regulierung der EU einzuhalten, muss die Mobilität von morgen technologieoffen gestaltet werden. 37,5 Prozent weniger CO 2 bedeuten Flottenverbräuche von durchschnittlich 2,3 Liter Diesel bzw. 2,6 Liter Benzin – technisch zunehmend schwerer zu erreichen. Zudem: Verbräuche sollten unter Realbedingungen auf der Straße gemessen werden. Erst dann ergäbe sich eine realistische CO 2 -Bilanz jedes gefahrenen Kilometers. Ohnehin ist die CO 2 -Bilanz des Straßenverkehrs unvollständig, solange Kraftstoff- und Stromerzeugung nicht betrachtet werden. Wir brauchen daher eine Well-to-wheel-Betrachtung, also von der Quelle bis zum Rad. Meine Damen und Herren, auch die Automatisierung des Verkehrs wird einen Beitrag zur CO 2 -Reduzierung leisten. Über 30 Prozent Kraftstoff kann automatisiertes Fahren einsparen, auf deutschen Autobahnen sind es 15 Prozent (Quelle: KEConsult). Auf dem Weg zur emissionsfreien, stressfreien und unfallfreien Mobilität ist deshalb auch die Automatisierung des Verkehrs ein aktueller und künftiger Schwerpunkt unserer F&E-Ausgaben.Automatisierung: Game Changer für die individuelle Mobilität Der Weg zur unfallfreien Mobilität ist technisch und finanziell ein Kraftakt. Technisch ist automatisiertes Fahren weit mehr als Sensoren, Steuergeräte und Rechenleistung. Automatisiertes Fahren braucht Kompetenzen aus Hardware, Software und Services. Unser Vorteil: Unsere Ingenieure verstehen das Gesamtfahrzeug, nicht nur seine Einzelteile. Der mit der Automatisierung verbundene Entwicklungsaufwand ist enorm und damit finanziell aufwändig. Allein bis 2022 rechnen wir mit Vorleistungen in Höhe von vier Milliarden Euro. Unser Vorteil: Unsere solide Finanzlage und Renditestärke erlauben uns diese. Auf dem Weg hin zur unfallfreien Mobilität folgen wir zwei Entwicklungspfaden. Der eine ist die Fortsetzung einer weit zurückreichenden Erfolgsgeschichte. Bereits im Jahr 2000 hat Bosch mit der adaptiven Abstands- und Geschwindigkeitsregelung das erste Fahrerassistenzsystem auf den Markt gebracht. Heute sind wir weltweit führend in diesem Bereich. Schon in diesem Jahr erreicht der Umsatz mit Fahrerassistenzsystemen zwei Milliarden Euro. Vor drei Jahren betrug er noch eine Milliarde Euro. Diese Systeme ermöglichen schrittweise das teilautomatisierte Fahren für Privatfahrzeuge; in den sogenannten Autonomiestufen 2 und 3. Der zweite Entwicklungspfad wird uns zu den Autonomiestufen 4 und 5 führen. Im US-amerikanischen San José werden wir bereits in diesem Jahr gemeinsam mit Daimler einen automatisierten Mitfahrservice testen. Ziel der Entwicklungspartnerschaft ist das fahrerlose Fahren. Bei aller Faszination für das Roboterauto sollten wir nicht aus den Augen verlieren, welches Ziel die Automatisierung des Verkehrs hat: Mobilität soll unfallfrei werden. Verkehrsunfälle sind die häufigste Todesursache bei Kindern und jungen Menschen im Alter von fünf bis 29 Jahren. Alle 24 Sekunden kommt ein Mensch im Straßenverkehr ums Leben (Quelle: WHO). Gut ein Viertel der Todesopfer sind Fußgänger und Fahrradfahrer. Gerade deswegen betreiben wir im Bereich des automatisierten Fahrens einen hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwand. Vorteil für unsere Kunden: höchste Sicherheitsstandards für automatisiertes Fahren. Meine Damen und Herren, das fahrerlose Fahren wird zum Game Changer für die individuelle Mobilität, sowohl für Nutzer als auch für Anbieter. Das fahrerlose Fahren ermöglicht disruptive Geschäftsmodelle wie Robotaxis und Shuttle-Mobilität. Dank Automatisierung können kommerziell genutzte Fahrzeuge ohne Fahrer rund um die Uhr, sieben Tage die Woche im Einsatz sein. Nur so rechnet sich die stattliche Investition in die aufwendige Technik. Die Marktpotenziale sind riesig: Für die nächsten zehn Jahre erwarten Analysten beim automatisierten Fahren ein Marktvolumen für Hard- und Software von rund 60 Milliarden US-Dollar (Quelle: Roland Berger). Allein in Europa, den USA und China sollen bis 2025 2,5 Millionen On-Demand-Shuttlebusse unterwegs sein – die Mehrzahl fahrerlos (Quelle: Roland Berger). In gut 15 Jahren legen Menschen 20 Prozent aller Fahrgastkilometer in gemeinsam genutzten Fahrzeugen zurück (Quelle: BCG). Bereits 2030 wird es für ein Drittel der europäischen Bevölkerung günstiger sein, selbstfahrende Taxis zu benutzen als ein Auto zu kaufen (Quelle: BCG). Unser Portfolio beinhaltet Komponenten für die Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung für die Fahrzeuge selbst. Hinzu kommen unsere Mobilitätsdienste. Unser Ecosystem vereint Dienste und Services für Buchung, Bezahlung, Parken, Laden, Verwaltung, Wartung und Infotainment. Auf der CES haben wir unser Portfolio erstmals in einem Konzeptfahrzeug gezeigt. Klar ist auch, dass die Mehrzahl dieser Shuttle-Fahrzeuge bzw. Pods elektrisch unterwegs sein wird.Elektrifizierung: Marktführerschaft im Massenmarkt Hier sind unsere Ziele nicht minder ehrgeizig: Wir wollen Marktführer im Massenmarkt für Elektromobilität werden. Wir setzen dabei auf unser System-Know-how sowie die Entwicklung und Produktion der Schlüsselkomponenten wie Elektromotor, Leistungselektronik und Batteriesysteme. So wie heute gilt: „Kein Auto ohne Bosch“, so werden wir künftig sagen: „Kein Elektroauto ohne Bosch.“ Kein Unternehmen ist so breit aufgestellt in der Elektromobilität wie Bosch. Vom Fahrrad bis zum Lkw elektrifizieren wir den Antrieb. Mit unseren eBike-Antrieben sind wir heute führend, führend in einem Markt, den wir selbst geschaffen haben. Mit Elektro- oder Hybridkomponenten von Bosch sind heute bereits mehr als eine Million Fahrzeuge weltweit unterwegs. Bis 2025 wollen wir unseren Umsatz im Bereich der Elektromobilität auf fünf Milliarden Euro mehr als verzehnfachen. Allein 2018 haben wir 30 Projekte im Volumen von mehreren Milliarden Euro akquiriert. Beispielsweise haben wir mit dem chinesischen Elektroauto-Unternehmen NIO eine strategische Kooperation für das automatisierte und elektrische Fahren vereinbart. Im chinesischen Wuxi startete vor einigen Wochen die Großserienproduktion unserer 48-Volt-Batterie, die auch in Klein- und Kleinstwagen eingesetzt werden kann. 2030 wird in 20 Prozent der Neufahrzeuge ein 48-Volt-System den Verbrennungsmotor unterstützen. Ebenfalls in China beginnen wir in diesem Jahr mit der Serienfertigung der eAchse, unserem Antrieb für Elektroautos. Ein wichtiger strategischer Schritt ist auch die vollständige Übernahme der EM-motive GmbH. Sie ist einer der erfolgreichsten Hersteller von Elektromotoren in Europa. In der neuen Eigentümerstruktur wird es möglich sein, noch stärker von der weltweit stark wachsenden Nachfrage nach Elektromotoren zu profitieren. Meine Damen und Herren, wir wollen einen Lastverkehr, der weder für das Klima noch für die Luftqualität eine Last ist. Die Schlüssel auch hier: optimierte Verbrennungsmotoren und die Elektrifizierung vor allem der Letzte-Meile-Logistik, also des innerstädtischen Zustellverkehrs. Allein in Deutschland werden täglich mehr als zehn Millionen Pakete ausgeliefert (Bundesverband Paket und Expresslogistik). Jedes Paket verursacht 500g CO 2 (Quelle: DHL). Bereits 2030 wird schon jedes vierte neue Nutzfahrzeug zumindest teilelektrisch angetrieben sein, in China nahezu jedes dritte. Für die Elektrifizierung des Warentransports gilt: Wir sind bereit, wenn es der Markt ist. Unser Produktportfolio deckt die ganze Bandbreite möglicher Anwendungen ab: 36-Volt-Antriebe für Cargo-Bikes, E-Antriebe für leichte Nutzfahrzeuge, mit denen beispielsweise schon rund 10 000 Streetscooter auf deutschen Straßen unterwegs sind, eAchsen für leichte und schwere Transporter, elektrifizierte Achsen für Lkw-Sattelanhänger sowie künftig auch Brennstoffzellen-Antriebe für 40-Tonner. Gerade die Brennstoffzelle könnte eines Tages ihre Vorteile im Langstreckenbereich, bei Fahrzeugen mit wenig Standzeiten und im Nutzfahrzeugbereich ausspielen. Wird die Wasserstoff-Infrastruktur insbesondere für Nutzfahrzeuge weiter ausgebaut, können diese Tankstellen perspektivisch auch von Pkw genutzt werden. Weltweit arbeiten wir derzeit mit Nutzfahrzeugherstellern an der Umsetzung von Brennstoffzellenantrieben. Gleichzeitig prüfen wir Kooperationen mit Partnern für die Entwicklung und Produktion von Komponenten. Auch für die Brennstoffzelle gilt: Wir sind bereit für den Markt. Meine Damen und Herren, die Elektromobilität nimmt deutlich Fahrt auf. 2018 wurden in China, dem größten Markt für Elektrofahrzeuge, erstmals über eine Million elektrifizierte Fahrzeuge verkauft, ein Plus von über 60 Prozent. Bosch ist dort im Pkw-Bereich Marktführer. Auch in Deutschland stieg der Absatz 2018 um mehr als 25 Prozent gegenüber 2017 (Quelle: Center of Automotive Management). In diesem Jahr werden Hersteller weltweit mehr als 130 neue Elektrofahrzeuge – vollelektrisch und hybridisiert – in ihren Verkaufshäusern stehen haben (Quelle: McKinsey). Mit dem Angebot steigt auch die Nachfrage. Zwar ziehen fast 40 Prozent der deutschen Autofahrer es in Betracht, einen elektrifizierten Neuwagen anzuschaffen (Quelle: McKinsey). Gleichzeitig nennen aber mehr als zwei Drittel der Befragten lange Ladezeiten, zu wenig Ladestationen oder die geringe Reichweite als Gründe, die gegen die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs sprechen (Quelle: Statista). Deshalb geht unsere Strategie im Bereich der Elektromobilität deutlich über den Antriebsstrang hinaus. Wir besitzen Kompetenz im ganzen Ökosystem der Elektromobilität. Wir elektrifizieren nicht nur Antriebe, wir machen die Elektromobilität für den Nutzer alltagstauglich, beispielsweise mit unserem Convenience Charging Service, einer vernetzten Navigations- und Ladelösung für Elektrofahrzeuge.Vernetzung: Digitale Services für stressfreies Stromtanken Convenience Charging kombiniert Fahrzeuginformationen wie den Batteriezustand, die Fahrweise des Fahrers und den Energieverbrauch von Heizung und Klimaanlage mit Informationen aus dem Umfeld wie der aktuellen Temperatur und Verkehrsinformationen. Wir errechnen daraus eine besonders präzise Prognose der Reichweite. Convenience Charging findet zudem aus 40 000 Ladepunkten in ganz Europa die optimale Ladestation und kann sie vorab reservieren. Dank eines einheitlichen Zugangs- und Bezahlsystems ist Stromtanken so stressfrei und einfach wie nie. Erster Serienkunde ist der deutsche Elektrofahrzeughersteller Sono Motors. Mit weiteren Herstellern führen wir Gespräche. Convenience Charging ist einer von derzeit 25 Mobilitätsdiensten im Portfolio unseres neuen Geschäftsbereichs Connected Mobility Solutions. Zu diesen Diensten gehören auch das Carsharing von Elektro-Transportern in Kooperation mit der Baumarktkette toom und der Mitfahrservice SPLT. Der Wandel der Mobilität ist auch der Wandel des Nutzerverhaltens. Bis 2025 wird es mehr als 470 Millionen vernetzte Fahrzeuge auf den Straßen weltweit geben (Quelle: PwC). Bereits in drei Jahren soll das Marktvolumen für Mobilitätsdienste und digitale Services 140 Milliarden Euro betragen (Quelle: PwC). Unser Geschäft mit vernetzten Mobilitätslösungen soll entsprechend zweistellig wachsen.Künstliche Intelligenz: Technische Fortschritte, gesellschaftliche Diskussion Meine Damen und Herren, den Wandel der Mobilität wird eine Technologie wesentlich beflügeln: künstliche Intelligenz. Beispielsweise sind selbstfahrende und fahrerlose Autos künstliche Intelligenz auf vier Rädern. Ich spreche hier von industrieller KI, also intelligente Algorithmen kombiniert mit Domänenwissen zu Verkehr, Industrie oder Gebäude. Sie bietet weit mehr Potenzial als die von amerikanischen und chinesischen Unternehmen dominierte KI für die Konsumindustrie. Das Versprechen von KI liegt vor allem in ihrem Potenzial als Basistechnologie, die zahlreiche Folgeinnovationen mit sich bringt. KI wird nicht nur den Verkehr revolutionieren. Sie wird Menschen in vielen Alltagsituationen unterstützen, bei der Arbeit, in der Freizeit und bei Fragen der Gesundheit. Unsere Ziele für KI sind klar: Erstens wollen wir als Innovationsführer die Technik selbst beherrschen. Wir wollen in der KI-Forschung zur Weltspitze gehören. Zweitens sollen Mitte der kommenden Dekade alle unsere Produkte mit KI ausgestattet sein bzw. mit ihr entwickelt oder produziert werden. Drittens wollen wir mithilfe von KI die Daten, die Produkte im Internet der Dinge erzeugen, sinnvoll und sinnstiftend nutzen. Wir wollen Bosch-Produkte zu intelligenten Assistenten für die Menschen machen. Das Bosch Center for Artificial Intelligence bearbeitet nahezu 150 Projekte aus den Bereichen Mobilität, Produktion, Smart Home und Landwirtschaft. Eines ist das Bosch Sensorsystem SoundSee. Es soll Maschinenausfälle präzise vorhersagen und so Wartungskosten reduzieren und Produktivität steigern. Der SoundSee-Algorithmus analysiert dazu feine akustische Spuren der charakteristischen Geräusche von Motoren und Pumpen. SoundSee hört, was defekt ist. SoundSee hört auch, ob die ganze Maschine oder nur einzelne Komponenten betroffen sind. Ab Mitte des Jahres sollen auch auf der Internationalen Raumstation ISS Fehler gefunden werden, indem Geräusche mit SoundSee analysiert werden. Kommerzielle Anwendungen sehen wir in Industrie, Gebäude und Fahrzeugbau. Ein zweites Beispiel ist die in der Ausstellung gezeigte neue Multifunktionskamera. Sie hebt Kameratechnik im Auto auf eine neue Entwicklungsstufe. Fahrzeuge können damit ihr Umfeld deutlich zuverlässiger wahrnehmen – eine wesentliche Voraussetzung für das automatisierte Fahren. Die Kamera vereint erstmals Bildverarbeitungsalgorithmen mit Methoden künstlicher Intelligenz. So kann die Kamera mithilfe maschinellen Lernens eine Fahrbahn auch dann erkennen, wenn Markierungen fehlen. Sie erkennt dazu unterschiedliche Oberflächen wie Schotter, Gras und Asphalt. Fahrzeuge bleiben so in jeder Situation in der Spur. Die Multifunktionskamera sieht zudem besser als das menschliche Auge. Sie sieht beispielsweise Fußgänger am Straßenrand und erkennt aus Blickrichtung, Kopfstellung und Bewegungsrichtung, ob er auf die Fahrbahn treten wird und Kollisionsgefahr besteht. Meine Damen und Herren, über das Ausmaß des Nutzens, den KI der Menschheit bringen wird, wird nicht zuletzt die Akzeptanz der Nutzer entscheiden. Auf die KI-Revolution müssen wir uns auch ethisch und regulatorisch vorbereiten. Wir erforschen und entwickeln KI, die sicher, robust und nachvollziehbar ist. Nachvollziehbar heißt, Entscheidungen, die KI trifft, müssen transparent und erklärbar sein. Und: Auch für künstliche Intelligenz ist die menschliche Intelligenz die letzte Entscheidungsinstanz. Gesellschaften müssen die ethischen und moralischen Maßstäbe diskutieren und regulative Leitplanken setzen. Andererseits darf Regulierung nicht innovations- und investitionshemmend wirken. Die KI-Strategie der Bundesregierung weist auf diese Ambivalenz hin und sieht insbesondere bei der Nutzung von Daten Handlungsbedarf. Wir führen derzeit eine intensive Diskussion mit Mitarbeitern, Kunden, Partnern sowie Spitzenforschern der Natur- und Geisteswissenschaften über genau diese Themen, über KI-Sicherheit und KI-Ethik. Das Ziel: Ein KI-Kodex, der unseren Entwicklern ethische und moralische Leitplanken für ihre Arbeit gibt; gerade für Zweifelsfälle und Dilemmasituationen. KI ist für Bosch eine Schlüsselkompetenz. In den kommenden drei Jahren wollen wir die Zahl der KI-Experten im Unternehmen von derzeit 1 000 auf 4 000 vervierfachen. Im internationalen Wettbewerb um die KI-Köpfe sind wir gut aufgestellt. Drei Gründe dafür: Erstens wollen gute Leute immer mit guten Leuten zusammenarbeiten. Zweitens braucht ein Algorithmus um intelligent zu werden entsprechendes Lernmaterial – also Daten. Und wer kann dieses Lernmaterial besser zur Verfügung stellen als ein Unternehmen, das allein im vergangenen Jahr 52 Millionen internetfähige Produkte verkauft hat und weltweit 280 Produktionswerke betreibt? Drittens differenzieren wir uns von anderen durch unseren wertebasierten Umgang mit Technik.Kultur: Neue Formen des Lernens und der Zusammenarbeit Der Aufbau digitaler Kompetenzen findet auch innerhalb des Unternehmens statt. Jährlich investieren wir rund 250 Millionen Euro in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Digitale Fähigkeiten sind Bestandteil aller Ausbildungsgänge. Meine Damen und Herren, Mobilität und Technik neu denken, heißt auch, das Lernen neu denken. Mit dem Konzept der „Bosch Learning Company“ ist Weiterbildung heute mehr als die Volkshochschule im Unternehmen. Weiterbildung ist integraler Bestandteil unserer Unternehmensstrategie. Die Ziele: Zum einen wollen wir unsere Mitarbeiter auf dem Weg in neue Geschäftsfelder mitnehmen. Mitnehmen heißt qualifizieren. Zum anderen wollen wir die Eigenverantwortung der Lernenden stärken, selbstbestimmtes und informelles Lernen fördern. Das zu Beginn vorgestellte „Working Out Loud“ ist ein Beispiel dafür. Wir verstehen Arbeiten und Lernen als Einheit. Dazu integrieren wir das Lernen in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter. Traditionelle Präsenzschulungen erweitern wir um Angebote zum Video-Lernen über Virtual Classrooms und zum mobilen Lernen mittels Apps. Seit Jahresbeginn können unsere Mitarbeiter im „Bosch Tube“ – dem YouTube für Boschler – ihr Wissen und ihre Kenntnisse teilen. Dort finden sie alle bei Bosch verfügbaren Lernvideos. Der Clou: Auch Mitarbeiter können Video Tutorials erstellen und hochladen. Sich weiterbilden heißt auch von seinen Kollegen lernen. Zusammenarbeit und Führung sind zwei wesentliche Elemente jeder Unternehmenskultur. Mit beiden Aspekten haben wir uns intensiv auseinandergesetzt. Entstanden sind nicht nur unser Unternehmensleitbild „We are Bosch“, sondern auch die Führungsgrundsätze „We lead Bosch“. Beides sind wichtige Wegweiser für die tägliche, agile Arbeit im volatilen Umfeld. Als Teil dieses andauernden Wandels haben wir jetzt auch die Zusammenarbeit der Unternehmenszentrale mit den operativen Geschäftseinheiten neugestaltet. Die Zentrale hat nur eine Aufgabe: Sie soll die Geschäfte bestmöglich unterstützen. Konkret heißt das, den Wandel des Geschäfts mit Mobilitätslösungen und der Vernetzung über das IoT mitgestalten. Dazu haben wir zum Jahresbeginn Strukturen von zentralen Service-Bereichen wie Einkauf oder Personal vereinfacht. Die Zentralabteilungen werden jetzt von vier statt von acht Geschäftsführern gesteuert – von den hier anwesenden vier Geschäftsführern. Die anderen Geschäftsführer sind ausschließlich für die operativen Geschäftseinheiten verantwortlich. Herr Hartung beispielsweise vertritt heute Abend den Bereich Mobility Solutions. „Bosch Aheadquarters“ heißt dieses Projekt. Der Name ist Ausdruck des Selbstverständnisses und Selbstanspruchs, den Anforderungen der Zeit immer voraus zu sein. Meine Damen und Herren, damit komme ich zum Ende meiner Ausführungen: Der Zeit immer voraus sein – das gilt nicht nur für unsere Zentrale. Genau das ist der Anspruch eines Innovations- und Technologieführers. Unsere Strategie bleibt dabei unverändert: Technologien verstehen und gestalten; Märkte ausbauen und schaffen – eben ganz „Like A Bosch.“ Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, meine Damen und Herren. Meine Kollegen und ich freuen uns nun auf Ihre Fragen.