Gesucht? Gefunden:
Medien, Meldungen, Events

Stabilität durch Dynamik: Bosch setzt auf AIoT, Elektrifizierung und grünen Wass ...

22.04.2021

Referat

Wirtschaft

Stabilität durch Dynamik: Bosch setzt auf AIoT, Elektrifizierung und grünen Wass ...

Dr. Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Prof. Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 22. April 2021 Es gilt das gesprochene Wort.Sehr geehrte Damen und Herren, in diesen bewegten Zeiten sprechen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über den Wandel – wir unternehmen ihn und sind dabei mit großer Dynamik unterwegs. Dies ist eine der spannendsten Zeiten in der Geschichte unseres Unternehmens. Gerade sind Drehraten- und Beschleunigungssensoren von Bosch mit der Nasa-Mission auf dem roten Planeten unterwegs. Sie helfen den Mars-Helikopter zu stabilisieren, von dem wir ganz aktuell so spektakuläre Bilder sehen können. Hier unten auf der Erde freue ich mich, Sie heute zu unserer Bilanzpressekonferenz herzlich begrüßen zu können. Wandel unternehmen – das heißt für uns: nicht nur das Kerngeschäft weiterentwickeln, sondern aus neuen Herausforderungen auch neues Geschäft machen. Um es bildlich zu sagen: Gegenwind wird zu Rückenwind, wenn man sich konsequent ausrichtet. So antworten wir zum Beispiel auf … den Klimawandel mit der CO 2 -Neutralität unseres Unternehmens, auf die Notwendigkeit klimaneutraler Mobilität mit elektrischen An-trieben, auf die Pandemie mit dem Wachstumsfeld Molekulardiagnostik, auf die IT- und AI-Entwicklungssprünge in China und den USA mit industrieller AIoT by Bosch. Bosch hat die richtigen Antworten auf die wesentlichen Zukunftsfragen, um sich an die Spitze wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen zu setzen. Die Stabilität unseres Unternehmens liegt in seiner Dynamik. Das haben wir im Krisenjahr bewiesen: Zum einen haben wir uns mit Mut und Konsequenz den Herausforderungen der Pandemie gestellt. Zum anderen haben wir den Übergang von bestehendem zu neuem Geschäft weiter vorangetrieben – immer mit dem Ziel im Blick, das eine muss das andere finanzieren können. Umso wichtiger, dass wir das vergangene Geschäftsjahr trotz Corona mit einem deutlich positiven Ergebnis abschließen konnten und dies auch im laufenden Geschäftsjahr erwarten. Über die Geschäftslage wird nunmehr Stefan Asenkerschbaumer berichten, bevor ich auf die Strategie von Bosch eingehe.Die Geschäftslage der Bosch-Gruppe: Zuversicht für 2021 Meine Damen und Herren, vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle von enormen Herausforderungen für das Geschäftsjahr 2020 gesprochen. Heute kann ich feststellen: Wir haben die großen Herausforderungen gut gemeistert. Und dieser Erfolg vermittelt Zuversicht für das laufende Geschäftsjahr. Denn auch 2021 verlangt uns sehr viel ab: Die Pandemie birgt weiterhin erhebliche Risiken. Zusätzlich spüren wir gerade im Automobilsektor die Engpässe bei stark nachgefragten Halbleitern. Wir unternehmen in dieser angespannten Situation alles in unserer Macht Stehende, um unsere Kunden zu unterstützen. Daran arbeiten wir gemeinsam mit ihnen und unseren Lieferanten seit Wochen in Task Forces. Eine kurzfristige Verbesserung der Situation ist aber leider nicht zu erwarten, sondern unsere gesamte Industrie wird voraussichtlich auf Monate hinaus mit dieser unbefriedigenden Lage konfrontiert sein. Das belastet die Geschäftsentwicklung in einer Phase der wirtschaftlichen Erholung sowohl bei uns als auch bei unseren Kunden. Auf Dauer müssen die Lieferketten in der Automobilbranche besonders bei Halbleitern resilienter werden. Sie sind neben Corona zugleich auch durch Natur- und Brandkatastrophen gestört worden. Aber auch wenn mehrere Ausnahme-Ereignisse zusammentreffen, müssen wir gemeinsam alles unternehmen, damit die Lieferketten maximal aufrecht erhalten bleiben. Auch darüber sprechen wir mit unseren Geschäftspartnern. Den Unternehmensbereich Mobility Solutions richten wir konsequent auf Zukunftsfelder wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren oder auf die künftige Elektronikarchitektur aus. Dies erfordert enorme Vorleistungen. Die Herausforderungen des Jahres 2021 gehen wir mit Zuversicht an. Dazu geben uns die Zahlen für das erste Quartal allen Grund: Der Umsatz stieg in der Bosch-Gruppe um 17,0 Prozent. Sicher, da ist bereits ein deutlicher Effekt durch die Coronavirus-Pandemie zu berücksichtigen. Doch auch gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 legte der Umsatz um 8,5 Prozent zu. Bezogen auf die Unternehmensbereiche sehen wir einen Anstieg bei Mobility Solutions mit einem Plus von 13,6 Prozent. Bei Industrial Technology ist für das Plus von 11,6 Prozent die Markterholung im Maschinenbau verantwortlich. Der Unternehmensbereich Consumer Goods profitiert mit einem Zuwachs von 29,4 Prozent weiterhin von der anhaltend hohen Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen. Und auch bei Energy and Building Technology verzeichnen wir mit einem Umsatzwachstum von 10,0 Prozent eine erfreuliche Entwicklung. Bei der Umsatzentwicklung nach Regionen gibt es deutliche Unterschiede. Hier wirken sich drei Faktoren aus: der zeitlich versetzte Einbruch durch die Coronavirus-Pandemie im vergangenen Jahr, erhebliche Wechselkurseffekte sowie das unterschiedliche Erholungstempo der Volkswirtschaften in den großen Weltregionen. Der Umsatz in Asien-Pazifik inklusive Afrika ist nominal um 37,5 Prozent angestiegen, in China allein um 54,4 Prozent. Damit konnten wir in China den Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2019 um 26,7 Prozent steigern. In Nordamerika verzeichnen wir einen Rückgang um 3,2 Prozent, wechselkursbereinigt allerdings ein Plus von 6,6 Prozent. In Südamerika beträgt der Anstieg 16,2 Prozent. In Europa konnten wir den Umsatz gegenüber 2020 um 13,8 Prozent erhöhen. Für das Geschäftsjahr 2021 gehen wir derzeit von einem Wachstum der Weltwirtschaft von knapp 4 Prozent aus, nach einem Rückgang um 3,8 Prozent im Vorjahr. Am stärksten fällt die Erholung in Asien aus, gefolgt von Nordamerika. Beide Regionen weisen erkennbare Fortschritte bei der Eindämmung der Pandemie auf. Das macht sich inzwischen auch im Dienstleistungssektor bemerkbar und unterstützt das Wachstum. In den USA kommt das umfangreiche Konjunkturpaket hinzu. In Europa dagegen, wo viele Staaten weiterhin stark von den Einschränkungen aufgrund der aktuellen Ausbreitung des Corona-Virus betroffen sind, wird sich die Erholung weiter verzögern und eine deutlich langsamere Ausweitung der Wirtschaftsleistung von kaum mehr als 3 Prozent die Folge sein. Während 2021 global der BIP-Verlust des vergangenen Jahres ausgeglichen werden dürfte, wird es in Europa wohl erst im kommenden Jahr zu einem Aufholen der Pandemie-bedingten Wachstumsausfälle kommen. Bei der Automobilproduktion sehen wir die bisher prognostizierte Erholung für 2021 durch die Engpässe bei Halbleitern gefährdet. Ohnehin wird die Produktion erheblich hinter dem Vorkrisenniveau von 92 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2019 und dem bisherigen Höchststand von 98 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2017 zurückbleiben. Die daraus resultierenden Überkapazitäten belasten die Branche. Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme, dass es nicht zu ähnlich gravierenden Restriktionen wie im zweiten Quartal 2020 durch die Pandemie kommen wird, gehen wir derzeit für 2021 von einem Umsatzanstieg in der Bosch-Gruppe von etwa 6 Prozent aus. Auch für den Unternehmensbereich Mobility Solutions erwarten wir ein Wachstum. Zurzeit rechnen wir mit 5 bis 7 Prozent, auch wenn die Halbleiter-Engpässe die Prognose erschweren. Für Industrial Technology prognostizieren wir einen Zuwachs von rund 6 Prozent. Für Consumer Goods gehen wir derzeit aufgrund der anhaltend guten Entwicklung von einem Umsatzwachstum von rund 5 Prozent im Vergleich zum Rekordvolumen des Vorjahres aus, bei Building and Energy Technology von einem Anstieg um rund 4,5 Prozent. Wie eingangs gesagt, wird 2021 nochmals ein sehr anspruchsvolles Jahr, um die Bosch-Gruppe auf die zukünftigen Anforderungen auszurichten. Dazu haben wir mit unserem umfassenden Programm zur Verbesserung der Kostenstrukturen und Wettbewerbsfähigkeit eine gute Basis geschaffen. Die vielfältigen Maßnahmen setzen wir weiter konsequent um. Das bedeutet allerdings erneut erhebliche Belastungen durch Restrukturierungskosten. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir unsere operative Rendite gegenüber dem Vorjahr leicht auf rund 3 Prozent verbessern können; ohne Restrukturierungsaufwendungen ergibt sich eine Rendite von rund 4 Prozent. Allerdings ist auch diese Prognose unsicher aufgrund der schwer abschätzbaren Auswirkungen der Halbleiter-Engpässe und der Pandemie. Das Jahr 2021 wird dennoch ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg, die Zielrendite von rund 7 Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder zu erreichen. Dafür haben wir mit unserem positiven Ergebnis im Geschäftsjahr 2020 die Grundlage geschaffen, obwohl wir hohe Belastungen durch die Pandemie zu verkraften hatten. Der Umsatz ging 2020 um 6,4 Prozent auf 71,5 Milliarden Euro zurück. Der Rückgang bezieht sich dabei auf den vergleichbaren bereinigten Wert für 2019, also ohne die damals noch enthaltenen Aktivitäten bei Verpackungsmaschinen. Trotz des Umsatzrückgangs erzielten wir eine operative EBIT-Rendite von 2,8 Prozent. Bereinigt um Restrukturierungsaufwendungen, die unser Ergebnis 2020 stark belastet haben, ergibt sich ein Wert von 4,7 Prozent. Zu dem angesichts der Pandemie erfreulich positiven Ergebnis haben neben den verbesserten Umsätzen im zweiten Halbjahr 2020 umfangreiche Kostenanpassungen beigetragen. Zudem weisen bis auf den Unternehmensbereich Mobility Solutions alle Unternehmensbereiche ein positives operatives Ergebnis aus. Für Mobility Solutions gilt dies ebenfalls, wenn man die Belastungen durch die umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen in diesem Bereich außer Acht lässt. Ein Highlight: Der Unternehmensbereich Consumer Goods konnte durch die hohe Nachfrage nach Haushaltsgeräten und Elektrowerkzeugen eine operative Rekordrendite von 11,5 Prozent erzielen. Hervorzuheben sind auch unsere solide Finanzstruktur mit einer weiterhin sehr guten Eigenkapitalquote von 44 Prozent und einer erfreulichen Liquiditätssituation mit einem Free-Cash-Flow auf der Rekordhöhe von 5,1 Milliarden Euro. Dies ist eine solide Basis, um unsere Zukunftsthemen voranzutreiben. Damit gebe ich zurück an Volkmar Denner. Detaillierte Informationen zu den Geschäftszahlen 2020 finden Sie in den schriftlichen Unterlagen.Ausdauer und Sprint in Zeiten des Wandels – Bosch kann beides Vielen Dank, Stefan! Wenn ich nun die markanten Veränderungen in unserem Umfeld und im Unternehmen behandle, dann komme ich ohne Verweis auf den Zeitfaktor nicht aus. Denn Bosch muss immer beides können – langfristigen Strukturwandel forcieren, aber auch kurzfristig flexibel agieren. Chancen in Megatrends wie Vernetzung und Klimawandel ergreifen – das erfordert Investitionskraft und Durchhaltevermögen. Ein schlagendes Beispiel sind die fünf Milliarden Euro Vorleistungen, die wir bereits für die Elektromobilität aufgewendet haben. Langfristiges Denken ist typisch für Bosch, es schließt jedoch kurzfristige Beweglichkeit nicht aus. Wie sonst könnten wir im Gebrauchsgüter-Geschäft erfolgreich sein? Hier haben wir zuletzt besonders im Online-Geschäft kräftig zugelegt, und hier bringen wir in kurzen Intervallen immer neue Produkte auf den Markt – zum Beispiel den Cookit, eine Küchenmaschine mit integrierter Kochfunktion, die zugleich eine Vielzahl digitaler Dienste ermöglicht. Wir sind zudem vor zehn Jahren entschlossen in den Markt für E-Bike-Antriebe eingestiegen, bald waren wir Europas Marktführer und sind heute der weltweit führende Hersteller. Jüngstes Beispiel für Agilität ist die Entwicklung des PCR-Schnelltests für das Covid19-Virus, die am Beginn der Pandemie auf unserer Vivalytic-Plattform binnen sechs Wochen gelungen ist. Ein Test, mit dem auch alle bekannten Virusmutationen detektiert werden können. Übers Jahr hinaus erschließen wir auf unserer Plattform weitere Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel gegen multiresistente Keime – wichtig in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Hier zeichnet sich ein Wachstumsfeld für Bosch ab. Das zeigt: Bosch hat Ausdauer im Wandel, kann aber auch Sprint.Die Kunden werden Teil der Entwicklung – die Logik von AIoT In beiden Disziplinen üben wir uns, wenn wir im Zeichen von Vernetzung und künstlicher Intelligenz datengetriebenes Geschäft erschließen. Das ist bisher die Domäne von IT-Firmen außerhalb Europas. Die höchsten Investitionen auf diesen Zukunftsfeldern finden jedenfalls in China und den USA statt. Doch genauer betrachtet, bringt Bosch etwas mit, was einzigartig ist: Wir verbinden vielseitiges Domänenwissen mit Know-how in IoT und AI, also im Internet of Things und in der Artificial Intelligence. Und daraus geht AIoT hervor. So führt die Vernetzung zu Wissen über die Verwendung der Dinge. Und die Auswertung dieses Wissens mit den Methoden künstlicher Intelligenz bietet die Chance zur Entwicklung neuer Funktionen und Dienstleistungen, die wiederum den Nutzen der Dinge vergrößern. Damit schließen wir den Wertschöpfungskreislauf zwischen den Labors unserer Ingenieure und dem Alltag unserer Kunden. Wenn man so will, wird dieser Alltag produktiver Teil unserer Entwicklung. So können wir über Cloud-Algorithmen etwa die Ankunftszeit eines E-Bikers künftig dynamisch nach Erfahrungswerten abschätzen, also nicht mehr nur statisch nach Karte. Aus Felddaten zusätzlichen Kundennutzen ableiten – das wird Kernkompetenz von Bosch. Und aus jedem Produktumsatz auch Serviceumsatz ableiten – das ist unser erklärtes Ziel. Wir entwickeln Bosch weiter zur führenden AIoT-Company. Was dies technologisch und geschäftlich bedeutet, lässt sich am Beispiel der Videosicherheit zeigen. Wesentlicher Wachstumstreiber ist in Zukunft AI – die auf neuronalen Netzen basierende Videoanalyse. Dazu integrieren wir Detektoren sowohl in neue Kameras als auch in eine AI-Box, die sich mit installierten Geräten verknüpfen lässt. Solche Detektoren entwickeln wir für die Videosicherheit und für die Videosensorik in der Fahrerassistenz – Synergien, wie sie so nur Bosch heben kann. Erste Anwendung in der Videosicherheit ist ein „Traffic Detector“, der Fahrzeuge in verkehrsreichen Situationen auch bei schwierigen Lichtverhältnissen präzise erkennen und lokalisieren kann – das ist wichtig etwa für eine hochgenaue Verkehrsfluss-Messung. Je mehr Daten fließen, desto mehr wird AI können, nicht zuletzt eine exakte Unfalldetektion. Solche Weiterentwicklungen werden mit Software-Updates möglich – das Produkt erhält damit neue Funktionen, es bleibt up-to-date. So schließt sich der AIoT-Kreislauf, und das Produktgeschäft wird durch Softwaregeschäft ergänzt. Auf diesem Weg kommen wir gut voran. So konnten wir zum Beispiel 2020 rund vier Millionen vernetzbare Geräte für den Wohnbereich verkaufen – Hausgeräte, Elektrowerkzeuge, Heizsysteme und Smart-Home-Devices. 2021 werden es doppelt so viele sein. Und mit KI-fähigen Erzeugnissen werden wir in den nächsten Jahren einen Milliarden-Umsatz erreichen. Dazu haben wir schon jetzt mehr als 50 Produktlösungen realisiert. Katalysator dieser Entwicklung ist nicht zuletzt das Bosch Center for Artificial Intelligence, kurz BCAI. Bereits drei Jahre nach Gründung hat es mit seinen Projekten einen Return of Invest erzielt, bei einem positiven EBIT-Beitrag von rund 300 Millionen Euro. Mit AIoT setzen wir einen eigenen Akzent im Megatrend der Digitalisierung. Genauso gehen wir im Klimaschutz einen Bosch-Weg. Dies ist ein Megatrend, der wie kein anderer das Leitmotiv unserer Forschung und Entwicklung herausfordert: Technik fürs Leben. Tatsächlich kann Bosch auch hier technische Antworten auf ökologische Fragen geben – das werde ich nunmehr zeigen.Schub von außen und innen – Aus Klimaschutz wird Geschäft Wir finden es gut, dass in aller Welt die Anstrengungen für den Klimaschutz anziehen. Erfreulich vor allem: das Comeback der USA im Pariser Abkommen. Besonders ehrgeizig: der Green Deal der Europäischen Union. Für unsere Branchen hat er zwei wesentliche Konsequenzen: mehr Elektrifizierung einerseits, mehr Wasserstoff-Technologien andererseits. Um die gesteckten Ziele zu erreichen, wird der Elektroauto-Anteil unter den Neuzulassungen in Europa noch deutlich stärker steigen müssen als bisher prognostiziert, auf mindestens 60 Prozent im Jahr 2030. Zugleich wird sich die jährliche Rate der energetischen Wohngebäude-Sanierung auf gut zwei Prozent verdoppeln müssen – viel Bewegung also auch in den Immobilien. Vor allem aber zeichnet sich ein Schub für grünen Wasserstoff ab. Dessen Marktvolumen in der EU wird bis 2030 jährlich um 65 Prozent auf nahezu 40 Milliarden Euro wachsen. In Summe heißt das für Bosch: Der Strukturwandel in unseren bestehenden Geschäftsfeldern wird sich beschleunigen, die Chance für neues Geschäft sich vergrößern. Dieser Umbruch wird nicht nur von außen, sondern auch von innen getrieben – denn die Arbeit an der CO 2 -Neutralstellung geht weiter. Seit Frühjahr 2020 sind wir mit unseren weltweit mehr als 400 Standorten klimaneutral. Dies ist inzwischen zertifiziert – ein großer Schritt, aber nur ein erster Meilenstein. Denn jetzt nehmen wir den sogenannten Scope 3 in den Blick, den CO 2 -Ausstoß entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette, von den Lieferanten bis zu den Kunden. Dafür haben wir mit der Science-Based-Target-Initiative ein verbindliches Reduktionsziel vereinbart – minus 15 Prozent bis 2030 gegenüber 2018. Das sind 67 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß weniger, schon dies verringert den CO 2 -Fußabdruck mehr als 20mal so stark wie die Neutralstellung im eigenen Haus. Und wir konkretisieren das Ziel für Lieferanten und Logistik ebenso wie für die eigenen Produkte. Das heißt zum Beispiel: Der CO 2 -Fußabdruck wird künftig ein Kriterium bei Neuvergaben im Einkauf. Und vor allem bedeutet dies: Wir verändern unser Produktportfolio – sei es in Richtung Energieeffizienz oder gar Technologiewechsel.Elektrisches Fahren, elektrisches Heizen – Bosch gewinnt auf dem Markt mit Elektrifizierung Diese Entwicklung findet, auch wenn die Frage nach einer klimaschonenden Mobilität im Brennpunkt steht, in mehr als einem Unternehmensbereich statt. Elektrifizierung – das erfordert nicht nur Lösungen fürs elektrische Fahren im Auto, vielmehr auch fürs elektrische Heizen in Gebäuden. Hier wie dort geht es um den Übergang von der Verbrenner-Technik der Gegenwart in eine strombasierte Zukunft, hier wie dort forciert Bosch den Fortschritt, hier wie dort allerdings ist eine Ergänzung durch Wasserstoff-Technologien notwendig. Dazu lohnt sich eine differenzierte Analyse, die das „Entweder-Oder“ scheinbar konkurrierender Entwicklungspfade durch ein offenes „Sowohl-als auch“ ersetzt. Zunächst aber zur Elektrifizierung selbst. In unserem größten Unternehmensbereich Mobility Solutions etabliert sich die Elektromobilität als Kerngeschäft. Wir erbringen dafür hohe Vorleistungen – 700 Millionen Euro allein in diesem Jahr. Mehr als 40 Prozent der FuE-Investitionen unserer Antriebssparte fließen in diese Technologie, nachdem es vor zwei Jahren noch gut 30 Prozent waren. Und dieser Aufwand führt zu Erfolgen, technisch wie geschäftlich. So liegt der Wirkungsgrad unserer E-Achse mit 96 Prozent im Wettbewerb vorn. Und während der Markt für elektrische Antriebskomponenten derzeit jährlich um gut 20 Prozent wächst, legt Bosch um nahezu 40 Prozent zu. Bis Ende 2020 haben wir bereits ein Auftragsvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro akquiriert. Unser Umsatz wird sich bis 2025 verfünffachen, auf rund fünf Milliarden Euro. Und ein Jahr zuvor werden wir den „break even“ erreicht haben. Die Elektromobilität ist damit keine Wette auf die Zukunft mehr, wir verdienen die Vorleistungen zurück. Auch in der Thermotechnik wachsen wir mit elektrischen Lösungen deutlich schneller als der Markt. Unser Umsatz mit Wärmepumpen ist 2020 um mehr als 20 Prozent gestiegen, bis 2025 wird er sich voraussichtlich verdreifachen. Dabei bedeutet das kräftige Wachstum auch eine Herausforderung für die Branche, und dafür kann Bosch typische Stärken einbringen – Investitionskraft, Großserienfähigkeit, Know-how in der Industrialisierung. Einen Vorsprung haben wir nicht zuletzt mit unseren besonders leisen und effizienten Luft-Wasser-Wärmepumpen. Allein der Absatz dieser Geräte hat sich 2020 in Deutschland nahezu verdoppelt. Ob in Gebäuden oder auf der Straße, Bosch gehört zu den Gewinnern der Elektrifizierung.Ohne Wasserstoff keine Klimaneutralität – Bosch ist „H 2 -ready“ Je größer die Fortschritte bei der Elektrifizierung, desto mehr stellt sich die Frage: Warum überdies Wasserstoff-Technologien? Weil die rein strombasierte Elektrifizierung sowohl im Verkehr als auch in Gebäuden Grenzen hat – das ist die realistische Antwort. Tatsächlich steigen die Grenzkosten steil an, wenn ausschließlich elektrische Lösungen in allen stationären und mobilen Anwendungen kommen sollen. So rechnet sich der Wärmepumpen-Einbau eher in Neu- als in Bestandsbauten, der Batterie-Antrieb mehr im Pkw als im Lkw – in Off-Highway-Fahrzeugen ist er wenig sinnvoll, in Schiffen oder vielen Flugzeugen gar nicht. Je schwerer die Fahrzeuge, das ist die Faustregel, desto mehr kommt es auf regenerative Kraftstoffe an – und diese Kraftstoffe werden für Chemie- und Stahlwerke in Zukunft ohnehin gebraucht. Wer Klimaschutz wirklich will, darf Technologiepfade nicht gegeneinander ausspielen, er muss sie kombinieren. Ohne Wasserstoff-Wirtschaft jedenfalls wird Europa nicht klimaneutral! Es ist gut, dass sich diese Erkenntnis durchsetzt. Und doch wird eine Chance ausgelassen, wenn eFuels, gewonnen aus Wasserstoff und CO 2 , im Straßenverkehr tabu bleiben sollen. Für den Klimaschutz jedenfalls kommt es nicht auf das Ende des Verbrenners an, sondern auf das Ende der fossilen Treibstoffe. Und ein CO 2 -neutraler Straßenverkehr lässt sich mit E-Mobilität erreichen, aber auch mit regenerativen Kraftstoffen – Bosch forciert beides. Es scheint jedoch, als fixiere sich die europäische Politik allein auf das kurzfristige Ende des Verbrenners, scheue sich aber, über die Beschäftigungsfolgen zu sprechen. Stattdessen waren die ersten Pläne zur Euro7-Regulierung so unrealistisch, dass aus Umweltpolitik eine bedenkliche Industriepolitik werden könnte. Inzwischen kommt Bewegung in die Sache, und vor allem die Versachlichung der Debatte finden wir gut. Denn schon jetzt haben Diesel und Benziner auf die Luftqualität keinen nennenswerten negativen Einfluss mehr, auch dank der Fortschritte von Bosch. Die künftigen Grenzwerte sollten anspruchsvoll sein, aber es wäre ökologisch wie ökonomisch sinnlos, sie auch in Szenarien einzuhalten, die mit sauberer Luft in den Städten nichts mehr zu tun haben: bei Kaltstart am Berg, vollbeladen mit Anhänger. Meine Damen und Herren, Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen können genauso klimaneutral unterwegs sein wie Batteriefahrzeuge. Klimaneutrale Mobilität – das ist ein beinahe so ehrgeiziges Ziel wie der Mondflug. Kennedy hatte seinerzeit das große Ziel „first man on the moon“ ausgegeben – die konkrete Entwicklung aber den Ingenieuren überlassen. Die EU-Kommission läuft Gefahr, es umgekehrt zu machen. Mit ihrer Politik, die faktisch auf ein Technologie-Monopol hinausläuft, wäre schon die Mondlandung nicht gelungen. Heute schneidet sie mögliche Pfade zum Klimaschutz ab. Bosch jedenfalls ist offener – wir setzen unsere Antriebssysteme unter Strom, sind aber auch „H 2 -ready“. Auf dem raschen Weg zur Serienreife befindet sich die Brennstoffzelle, die Wasserstoff in Strom umwandelt. Auch dafür entwickeln wir stationäre ebenso wie mobile Lösungen. Von 2021 bis 2024 investieren wir für den Brennstoffzellen-Antrieb gut 600 Millionen Euro, für Brennstoffzellen-Kleinkraftwerke nochmals 400 Millionen Euro. Diese Zahlen zeigen in aller Deutlichkeit: Bosch antwortet auf den Klimaschutz nicht nur technologieoffen, sondern auch geschäftlich offensiv. Schon in diesem Jahr werden wir nahezu 100 Anlagen mit unserer stationären Brennstoffzelle in Betrieb nehmen, etwa um Rechenzentren, Industriebetriebe und Wohnquartiere mit Strom zu versorgen. Dazu zeigen wir erstmals einen Realbetrieb in der Bamberger Innenstadt. In allen Teilen der Triade sind wir bereits mit unserer Entwicklung für die mobile Brennstoffzelle unterwegs. In diesen Wochen sind wir ein Joint Venture mit der chinesischen Qingling Motor Group eingegangen, und noch in diesem Jahr wird eine Testflotte mit 70 Trucks über die Straße rollen. Überdies beginnt 2021 in unserem Werk Wuxi die Produktion von Brennstoffzellen-Komponenten. Weltweit geht es bis Ende der Dekade um ein Marktvolumen von 18 Milliarden Euro, und wir haben die Power, um auch auf diesem Markt vorn zu sein.Perspektiven für die Mitarbeiter – Bosch baut Zukunft nicht auf der grünen Wiese, sondern in seinen Werken Bei allen geschäftlichen Chancen, ich kann meine Ausführungen nicht schließen, ohne auf die Perspektiven unserer Mitarbeiter einzugehen. Denn der Wandel von Bosch mutet nicht zuletzt den Boschlern einiges zu – er wird Beschäftigung kosten, aber auch bringen. Das Unternehmen selbst wird sich auf dem Weg in die Zukunft treu bleiben und Balance halten – nicht nur zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen, sondern auch sozialen Interessen. Unsere Mitarbeiter zeigen Offenheit für Veränderung, und das stimmt zuversichtlich. Da sind zum einen die Betriebsvereinbarungen, die wir in unseren Stammwerken abgeschlossen haben. Sie enthalten Kostensenkungen, aber auch Zukunftsbausteine. Damit wird klar: Wir bauen die Zukunft nicht auf der grünen Wiese, sondern in unseren Werken. Dies mag gegen Lehrbuchweisheiten verstoßen, tatsächlich aber können wir Qualifikationen aus Entwicklung und Fertigung von Benzin- und Dieselsystemen für neue Technologien nutzen. Schon in den vergangenen beiden Jahren haben wir mehr als die Hälfte der Stellen für die Elektromobilität mit Mitarbeitern aus dem Verbrenner-Geschäft besetzt. Auch die Brennstoffzelle sorgt bereits für Beschäftigung – in der mobilen Anwendung steigt die Mitarbeiterzahl weltweit allein in diesem Jahr von 600 auf nahezu 1 100, für die stationäre wird sie sich auf gut 500 verdoppeln. Mehr als 90 Prozent dieser Stellen können wir intern besetzen, auch hier vor allem mit Mitarbeitern aus unserer Antriebssparte. Überdies haben wir eine unternehmensweite Vermittlungsplattform aufgebaut. Damit verfolgen wir gleich zwei Ziele: dringend benötigte Stellen schneller besetzen, Fachkräften aus dem klassischen Geschäft neue Perspektiven bieten. So konnten wir für ein großes Fahrzeugcomputer-Projekt binnen sechs Monaten nahezu 100 Ingenieure gewinnen, größtenteils über unsere Plattform, fast ein Viertel aus der Antriebssparte. Genauso wichtig ist ein anderer Punkt: Die Mitarbeiter selbst machen sich auf den Weg, zumindest verstehen sie Bosch mehr denn je als „learning company“. Davon zeugt in besonderem Maße die digitale Qualifizierung. Seit Anfang 2020 verzeichnen wir mehr als 400 000 Zugriffe auf unser Lernportal. 2020 war bereits mehr als jedes dritte Schulungsangebot ein Online-Training, bis 2023 wird es jedes Zweite sein. Schon 1 200 Lernvideos sind über den „Bosch Tube“ im Intranet verfügbar, gut 7 000 Mitarbeiter haben sich bereits in einer „E-University“ eingeschrieben. Was uns inhaltlich wichtig ist: dass die Lernangebote den Weg von Bosch in die Zukunft unterstützen. Dafür stehen zum Beispiel die Software-Schulungen für die Entwickler unserer Mobility Solutions, vor allem aber die KI-Trainings für mehr als 25 000 Führungskräfte. Sie sehen, meine Damen und Herren, wir tun viel für die Qualifikation und Vermittlung unserer Mitarbeiter für Zukunftsthemen. Es ist gut zu wissen, dass der Wandel von Bosch mehr ist als ein strategisches Ziel. Längst wird er auch von unseren Mitarbeitern „unternommen“. Es ist dieser innovative Geist, der von den Frauen und Männern in unseren Reihen gelebt wird, mit dem wir immer neue, in jedem Fall aber immer besondere Antworten auf die großen Fragen der nächsten Jahre geben werden – ob auf die Digitalisierung oder den Klimaschutz. Am Ende des Jahrzehnts, da bin ich mir sicher, wird Bosch nach wie vor ein stabiles und zugleich dynamisches Unternehmen sein. Vielen Dank fürs Zuhören, jetzt sind wir gespannt auf Ihre Fragen!

Beneficial AI – Gemeinsam digitales Vertrauen aufbauen

06.01.2020

Referat

Wirtschaft

Beneficial AI – Gemeinsam digitales Vertrauen aufbauen

Dr. Michael Bolle, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, und Mike Mansuetti, President von Bosch in Nordamerika, anlässlich der Consumer Electronics Show in Las Vegas am 6. Januar 2020Es gilt das gesprochene Wort. Übersetzung aus dem Amerikanischen.2001: Odyssee im Weltraum. Terminator. Matrix. Ex Machina. Das klingt wie eine Liste unserer Lieblingsfilme. Tatsächlich haben all diese Filme etwas gemeinsam.Sie spielen alle in einer Zukunft, in der Maschinen gelernt haben, selbst zu denken – mit katastrophalen Folgen für die Menschheit. Ob sie uns manipulieren, versklaven oder ersetzen – die Botschaft dieser Filme ist immer die gleiche: Mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz öffnen wir die Büchse der Pandora. Seit Jahrzehnten kommen Filme, in denen KI das Böse verkörpert, beim Kinopublikum gut an. Auch ich bin ein Anhänger von Science-Fiction. Doch nun ist die Zeit gekommen, sich mit dem wahren Potenzial dieser Technologie auseinanderzusetzen, dem Potenzial, echten Mehrwert für real existierende Menschen zu schaffen. „Wie können wir künstliche Intelligenz zu unserem Vorteil nutzen? Wie können wir damit unsere menschliche Intelligenz ergänzen?“ Das sind zwei der großen Fragen, mit denen sich die diesjährige CES befasst. Wie lautet unsere Antwort? Künstliche Intelligenz hat nichts mehr mit Science-Fiction zu tun – sie ist bereits fester Bestandteil unseres Alltags. Sie verändert unsere Art zu fahren, zu arbeiten, zu lernen, einzukaufen und zu reisen fundamental. Bei Bosch wird sie auch zunehmend Bestandteil der Produkte, die wir herstellen – Produkte, die uns helfen und unterstützen und uns das Leben insgesamt erleichtern. Ob in der Produktion, im Smart Home oder beim automatisierten Fahren: Uns geht es immer darum, KI für die Menschen sicher, robust und nachvollziehbar zu machen, getreu unserem Motto „Technik fürs Leben“. Die Arbeitswelt steht nicht nur vor einem technischen Wandel, sondern auch vor einem deutlichen Facharbeitermangel. Auch vor diesem Hintergrund gewinnt die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen an Bedeutung. Für Bosch steht dies außer Frage. In diesem Sinne versuchen wir, die digitale Transformation mit gezielten Schulungsmaßnahmen zu gestalten, wir investieren in die Qualifikation unserer Mitarbeiter ebenso wie in die Intelligenz unserer Produkte und Maschinen. Als Gesellschaft müssen wir lernen, mit einer Technologie umzugehen, die ihrerseits lernt. Das erreichen wir zum Beispiel, indem wir verstärkt in unsere eigene Bildung investieren – und genau das tun wir. Mit einem groß angelegten Qualifizierungsprogramm wollen wir in den nächsten zwei Jahren nahezu 20000 Mitarbeiter fit für die KI-Zukunft machen – dazu später mehr. Doch geht der gesellschaftliche Nutzen von KI weit über Alltag und Arbeitswelt hinaus. So birgt künstliche Intelligenz auch für Umwelt- und Klimaschutz enormes Potenzial. Dieses Potenzial möchten wir heben, um unser Ziel einer Balance zwischen ökonomischer, ökologischer und sozialer Verantwortung zu erfüllen. Ende 2019 sind alle unsere Standorte in Deutschland klimaneutral geworden. Und bis Ende dieses Jahres werden alle 400 Bosch-Standorte weltweit vollständig klimaneutral sein. Damit ist Bosch das erste große Industrieunternehmen, das dieses ehrgeizige Ziel in nur gut einem Jahr realisiert haben wird. Das schaffen wir auch mit Hilfe unserer eigenen Lösungen: Schon jetzt nutzt zum Beispiel unsere eigene Energieplattform intelligente Algorithmen, um den Energieverbrauch in der Produktion zu überwachen. Abweichungen im Energieverbrauch einzelner Maschinenwerden rasch erkannt und Lastspitzen aufgefangen. Allein dadurch konnten wir den Kohlendioxidausstoß in einigen Werken binnen zwei Jahren um mehr als zehn Prozent verringern. Für ein Unternehmen mit 270 Produktionsstandorten liegt hier ein enormes Einsparpotenzial. Dieser Erfolg hat uns dazu veranlasst, die Energieplattform extern zu vermarkten. Und das ist längst nicht alles: Mit KI werden wir den Energieverbrauch auch langfristig prognostizieren und reduzieren können.KI schafft Märkte, aber ohne digitales Vertrauen ist alles nichts Dieses Beispiel verdeutlicht, dass in der künstlichen Intelligenz auch ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial steckt, wie auch eine Vielzahl unterschiedlicher Studien belegt. So wird zum Beispiel in großen Volkswirtschaften auf der ganzen Welt eine erhebliche Steigerung des Bruttoinlandsprodukts durch KI erwartet – PwC geht von einem Anstieg von 15 Prozent alleine in Nordamerika aus. Gleichzeitig werde sich der Umsatz mit KI-Anwendungen rund um den Globus bis 2025 gegenüber 2018 verzwölffachen – auf knapp 120 Milliarden Dollar. Und das Weltwirtschaftsforum prognostiziert, dass durch KI zwar weltweit Arbeitsplätze verloren gehen, aber auch neue geschaffen werden, so dass bis 2022 mit einem Nettozuwachs von fast 60 Millionen neuen Arbeitsplätzen zu rechnen ist. Wie bereits erwähnt, wird es sich dabei um Aufgaben handeln, für die ganz neue Kompetenzen erforderlich sein werden. Umschulung und Weiterbildung werden daher ein wichtiges Thema sein. Künstliche Intelligenz – das ist unbestritten – wird enorme Auswirkungen haben. Wir müssen den Nutzen von KI für die Menschen nachvollziehbar machen – und, was noch wichtiger ist, digitales Vertrauen aufbauen. Unser CES-Motto bringt es auf den Punkt: „Beneficial AI. Building trust together.“ Damit KI eine Erfolgsgeschichte wird, geht Bosch zwei Wege. Zum einen schaffen wir die technischen Voraussetzungen, entwickeln Lösungen und erschließen neue Geschäftsfelder mit Hilfe unserer Innovationen. Zum anderen wollen wir die Gesellschaft vom Nutzen der KI überzeugen, indem wir mittels KI unsere strategische Verpflichtung erfüllen, kreative „Technik fürs Leben“ zu entwickeln. Schließlich sind es unsere Ingenieure, denen wir lebensrettende Erfindungen zu verdanken haben, wie die elektronische Stabilitätskontrolle, Airbag-Steuergeräte sowie Antiblockiersysteme für sämtliche Fahrzeugklassen vom Auto über das Motorrad bis hin zum eBike. Das verstehen wir unter „Technik fürs Leben“ – und genau das gilt auch für unsere Arbeit mit KI. Auch sie wird zum Beispiel in automatisierten Fahrzeugen Leben schützen, aber dazu später mehr.Verantwortung wird konkret, mit Ethik für die KI-Entwickler Wir nehmen unternehmerische Verantwortung ernst, an ihr richten wir unsere Herangehensweise an neue Technologien wie künstliche Intelligenz aus. In der digitalen Welt ist dabei Vertrauen maßgeblich. Denn Vertrauen entscheidet über den Erfolg unseres digitalen Geschäfts, genauso wie unser klassisches Geschäft mit Produktqualität steht und fällt. Wir müssen beides entwickeln: KI, aber auch Vertrauen in KI, denn ohne dieses wird sich künstliche Intelligenz langfristig nicht durchsetzen. Aber wie lässt sich dieses Vertrauen gewinnen? Indem wir KI entwickeln, die sicher, robust und nachvollziehbar ist. Beim Thema Vertrauen spielen auch Datensicherheit und Datenschutz eine große Rolle – insbesondere wenn es um personenbezogene Daten geht. Diesbezüglich haben wir bei Bosch eine ganz klare Linie: Bei allen unseren smarten Produkten und Dienstleistungen haben die Nutzer vollständige Transparenz und Kontrolle über die erhobenen Daten und darüber, wer sie verwendet. Um digitales Vertrauen bei unseren Kunden und Partnern zu schaffen, haben wir uns bereits 2015 Datenschutzleitsätze für unser Geschäft imInternet of Things gegeben. Unsere IoT Principles haben wir damit schon Jahre, bevor die DSGVO als regulatorischer Standard in Europa eingeführt wurde, formuliert. Ähnliche Leitsätze erarbeiten wir derzeit für die kommenden Anwendungen der künstlichen Intelligenz: einen KI-Kodex, der ethische Leitlinien für die Entwicklung und Anwendung von KI, besonders für Zweifelsfälle und Dilemmas, festlegt. Entscheidend für die Zukunft ist, dass die Menschen die Kontrolle über KI-basierte Systeme behalten. Nehmen wir das Beispiel Fahrerassistenz: Hier wollen wir KI in unseren Systemen so implementieren, dass sie vom Fahrer stets übersteuert werden kann. Grundsätzlich wollen wir die Algorithmen unserer KI-Modelle nicht in einer „Black box“ verstecken. Die Regeln und Entscheidungsparameter müssen zumindest für Fachleute nachvollziehbar bleiben. Der KI-Ansatz von Bosch unterscheidet sich von dem der Technologiegiganten in einem wichtigen Punkt: Unser Fokus liegt auf KI-Anwendungen für Dinge. Ob es um den Notbremsassistenten im Auto oder Produktionsvorgänge im Werk geht – unsere künstliche Intelligenz erklärt Maschinen die physische Welt. Unsere neueste Kamera für automatisiertes Fahren versteht mittels KI, was sie sieht – und schließt zum Beispiel daraus, ob ein Fußgänger die Fahrbahn betreten wird oder nicht. Das Resultat ist eine verbesserte Objekterkennung, zuverlässigere automatische Notbremsungen und somit erhöhte Sicherheit. Bosch geht es darum, das Potenzial der künstlichen Intelligenz zu nutzen, um Technik und Leistung unserer Produkte und Maschinen zu optimieren. Wir nennen das industrielle KI, und damit entwickeln wir smarte Lösungen in drei Kerndomänen: Mobility, Residential und Industry. Nicht von ungefähr heben wir den Begriff „Dinge“ hervor, wenn wir über das Internet der Dinge sprechen. Es sind unsere eigenen Produkte und Maschinen, die wir vernetzen und mit Intelligenz ausstatten. Wir kennen uns mit Autos wie Verkehr, Fabriken wie Gebäuden bestens aus – wie kein anderes IT- oder auch KI-Unternehmen bringen wir ein nicht nur tiefes, sondern auch breites Domänen- und Branchenwissen mit. Wir generieren aus unserer Sensorik ein so großes Datenvolumen, dass wir daraus mit den Methoden der KI neue Services und Applikationen kreieren können. Schon bis Mitte der nächsten Dekade soll jedes unserer Erzeugnisse über künstliche Intelligenz verfügen, mit ihr entwickelt oder produziert worden sein. Letztendlich bringen wir unseren Produkten bei, Assistenten unserer Kunden und Entwickler zuwerden.Unsere Investitionen, unsere Ingenieure, unsere Innovationen Um dies zu erreichen, streben wir auch in Sachen KI-Innovationen die Weltspitze an. Auf dieses Ziel richten wir unsere Forschung und Entwicklung aus. Bosch investiert derzeit 3,7 Milliarden Euro jährlich in die Softwareentwicklung und beschäftigt rund 30000 Softwareentwickler. Das 2017 gegründete Bosch Center for Artificial Intelligence arbeitet bereits an über 150 Projekten. Es beschäftigt rund 250 KI-Spezialisten an sieben Standorten rund um den Globus, darunter zwei hier in den USA – in Pittsburgh, Pennsylvania, und Sunnyvale, Kalifornien. Unsere Forschungsteams in den USA haben eine Schlüsselrolle in unserer KI-Entwicklung, insbesondere in den Bereichen Robotik und automatisiertes Fahren. Und wir arbeiten hier nicht in einem Vakuum. Gerade wenn es um die künstliche Intelligenz geht, versteht sich ein Technologieunternehmen wie Bosch als Teil der wissenschaftlichen Community. In Deutschland sind wir zum Beispiel Gründungsmitglied der Cyber-Valley-Initiative – einer KI-Forschungsallianz aus Wissenschaft und Industrie. Wir investieren unter anderem 100 Millionen Euro in einen KI-Campus, an dem ab Ende 2022 rund 700 KI-Experten von Bosch sowie von externen Start-ups und Forschungsgruppen tätig sein werden. Hier in den USA arbeiten wir bei der KI-Forschung eng mit der Carnegie Mellon University in Pittsburgh zusammen. An dieser Universität wird seit 60 Jahren, an künstlicher Intelligenz geforscht, also seit den Anfängen der Technologie. Seither hat die Hochschule Pionierleistungen für selbstfahrende Autos, für die Gesichtserkennung oder auch die Sprachverarbeitung hervorgebracht. Unserer Meinung nach haben sowohl Industrie als auch Wissenschaft einen wichtigen Beitrag zu leisten. Und wir schätzen besonders den Wissenstransfer zwischen unseren Entwicklern dies- und jenseits des Atlantiks.SoundSee hört, was im All defekt ist – mit KI von Bosch Ein tolles Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit mit einem unserer amerikanischen Partner befindet sich derzeit rund 390 Kilometer über der Erdoberfläche. Es handelt sich um das innovative KI-Sensorsystem SoundSee. Dieses kleine Gerät wird im Weltraum eine ziemlich große Rolle spielen. SoundSee ist eine Technologie zur Tiefenaudioanalytik auf der Internationalen Raumstation ISS. Mit hochempfindlichen Mikrofonen zeichnet es Geräusche der Systeme und Geräte der Raumstation auf und erkennt mittels KI potenzielle Anomalien in den Geräuschmustern. SoundSee hört also, wenn etwas in der Station defekt ist, und kann bestimmen, ob etwas repariert oder ersetzt werden muss. Dieses System haben wir zusammen mit dem Raumfahrtunternehmen Astrobotic Technology Inc. entwickelt. Im November wurde es zur ISS geschickt und wird in Kürze in den Astrobee-Roboter eingebaut. Natürlich wird das neue Sensorsystem auch ganz irdisch nützlich sein. In der Produktion lassen sich damit zum Beispiel Maschinenausfälle präziser vorhersagen, was die Wartungskosten verringert und die Produktivität steigert. An Bord der ISS kann diese Technologie jedoch auch lebensrettend sein.Virtual Visor – eine Idee aus den USA erhält die Auszeichnung „Best of Innovation“ Ein weiteres Beispiel für die Kreativität unserer amerikanischen Entwickler und ihre Fähigkeit, fachliche Grenzen zu überspringen, feiert hier auf der CES Weltpremiere. Unsere Ingenieure haben eine digitale Lösung für ein alltägliches und dabei nicht ungefährliches Problem der Autofahrer gefunden. Diese Innovation ersetzt ein knapp 100 Jahre altes Automobilprodukt: die Sonnenblende. Laut einer Studie der amerikanischen Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (National Highway Traffic Safety Administration, NHTSA) verursacht Gegenlicht der tiefstehenden Sonne fast doppelt so viele Unfälle wie alle anderen Wetterwidrigkeiten zusammen. Mit unserem Virtual Visor, einer digitalen Sonnenblende, haben wir nun eine Lösung dafür. Auf den ersten Blick sehen Sie dabei nur ein transparentes LCD Display auf Augenhöhe des Fahrers. Das Besondere daran ist, dass es mit einer Innenraumkamera vernetzt ist, die das Gesicht des Fahrers während der Fahrt betrachtet und mittels KI analysiert. Intelligente Algorithmen erkennen sowohl die Gesichtspartien als auch den Schatten, den die Sonne auf das Gesicht des Fahrers wirft. Sie analysieren permanent, wohin der Fahrer gerade blickt und verdunkeln ausschließlich einen kleinen Bereich auf dem Display, damit nur ein Schatten im Bereich der Augen des Fahrers entsteht. Der Rest des Displays bleibt transparent. Der Virtual Visor ist ein weiteres tolles Beispiel für „Technik fürs Leben“, das offensichtlich auch die Consumer Technology Association (CTA) überzeugt hat. Die digitale Sonnenblende, die Sie auf unserem Messestand testen können, ist mit dem renommierten „Best of Innovation Award“ der CES 2020 ausgezeichnet worden.3D-Fahrzeugdisplay – unser zweiter Best of Innovation Award Dieses Jahr haben wir gleich zwei Preise gewonnen – was, wie mir gesagt wurde, gar nicht so leicht ist: Auch unser neues 3D-Fahrzeugdisplay wurde mit einem CES Best of Innovation Award ausgezeichnet. In Fahrzeugdisplays steckt großes wirtschaftliches Potenzial – schließlich soll sich das weltweite Marktvolumen bis 2025 auf 30 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Unser preisgekröntes Display arbeitet mit einer besonders kostengünstigen Multi-View-3D-Technologie, die ohne Eye-Tracking und 3D-Brille auskommt. Wie das funktioniert, lässt sich am leichtesten anhand von Kinofilmen erläutern. Wir alle kennen 3D-Filme, die dank Technologie lebendiger und unterhaltsamer wirken. In einem Fahrzeug erfüllt 3D eine ähnliche, aber nützlichere Funktion: 3D hilft, Informationen schneller zu begreifen. Durch die Tiefenwirkung der Anzeige erfassen Autofahrer wichtige Informationen, wie Warnungen von Assistenzsystemen oder Gefahrenmeldungen, schneller. Warnhinweise, die aus dem Display herauszuwachsen scheinen, springen einem geradezu ins Auge und sind kaum zu übersehen.Interior Monitoring – Technik, die das Kind im Auto schützen kann Die Gefahr durch Müdigkeit oder Ablenkung wächst, je länger wir hinter dem Steuer sitzen und je technologielastiger das Cockpit ist. Unser Fahrerüberwachungssystem erkennt Ablenkungen mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Kameras zeichnen die Blickrichtung des Fahrers, seine Kopfhaltung sowie die Häufigkeit, mit der er blinzelt, auf. Wenn das System feststellt, dass ein kritischer Punkt erreicht ist, ertönt, je nach Herstellerwünschen und gesetzlichen Vorgaben, ein Alarmsignal oder Fahrassistenzsysteme greifen ein. In der EU werden ab 2022 alle Neuwagen standardmäßig über ein solches System verfügen. Auch beim automatisierten Fahren wird diese Technologie eine wichtige Rolle spielen. Schließlich werden die Fahrer auch bei den nächsten Entwicklungsstufen aufmerksam und bereit bleiben müssen, um in kritischen oder heiklen Situationen zu übernehmen.Das Überwachungssystem überprüft, ob der Fahrer dazu in der Lage ist, jederzeit zu reagieren, und passt die Übergabe der Fahraufgabe entsprechend an. Je nach Design können manche Systeme auch auf die Insassen achtgeben und ihre Sicherheit erhöhen, indem sie zum Beispiel Änderungen in ihrer Sitzposition wahrnehmen und ihre Airbags sowie Gurtstraffer für den optimalen Schutz im Falle eines Aufpralls anpassen. Oder indem sie erkennen, dass sich Kinder allein in abgestellten Autos befinden. 2018 sind in den USA mehr als 50 Kinder in parkenden Fahrzeugen ums Leben gekommen – sei es, weil sie länger als geplant im Auto zurückgelassen wurden oder unbemerkt hineingeklettert waren. Das neue System von Bosch erkennt die Anwesenheit von Kindern und warnt Eltern umgehend über eine Nachricht auf dem Smartphone. Notfalls kann es auch einen Notruf absetzen. Wie der Hot Cars Act, der derzeit im US-Kongress debattiert wird, zeigt, besteht ein erhebliches Interesse an Lösungen, die solche Tragödien verhindern können. Wieder einmal verbessert unsere Technologie nicht nur unser Leben, sie hilft auch, Leben zu schützen. Wir planen, unsere Innenraumüberwachungssysteme um In-Vehicle-Sensing zu ergänzen, und dies auch in Carsharing-Flotten einzusetzen. Mit Hilfe von In-Vehicle-Sensing kann man zum Beispiel erkennen, ob jemand etwas in einem gemeinsam genutzten Fahrzeug vergessen hat oder in einer Notsituation Hilfe braucht. Mit unseren Lösungen echten Mehrwert zu bieten, steht für uns stets im Vordergrund. Nahezu alle unsere Fahrerassistenzsysteme erhöhen sowohl die Sicherheit als auch den Komfort. Wir sind einer der führenden Anbieter der Automobilbranche in diesem Bereich. 2019 stieg unser Umsatz hier um 12 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. Technisch betrachtet, sind wir über die Fahrerassistenz auf dem Weg zum automatisierten Fahren. Eine Entwicklung, für die wir bis 2022 rund vier Milliarden Euro investieren und unser Team auf 5000 Ingenieure aufstocken werden. In diesem Zusammenhang haben wir auch mit der Serienentwicklung von Lidar-Sensoren begonnen. Neben unserer neuen Videokamera mit KI, Radar und Ultraschallsensoren wird Bosch bald das vollständige, zum automatisierten Fahren benötigte Sensorportfolio anbieten. Wenige Automobilzulieferer weltweit verfügen in diesem Bereich über ein mit Bosch vergleichbares Know-how. Unser Lidar wird die erste automotive-taugliche Lösung sein, das heißt skalierbar und in großen Stückzahlen zu fertigen. Es wird auch die erste Lidar-Technologie sein, die für Funktionen des automatisierten Fahrens auf den SAE-Level 3-5 geeignet ist. Sie bietet weitreichende Sensorik-Funktionalitäten, ein weites Blickfeld und eine außergewöhnlich hohe Auflösung. Unsere verschiedenen Sensorarten werden zusammen für eine äußerst zuverlässige Umwelterkennung sorgen. Um die vielen Herausforderungen des vollautomatisierten Fahrens im Straßenverkehr zu meistern, setzt Bosch auf sein fundiertes Sensorik- und System-Know-how – eine Wissensbasis, wie sie nur ein Automobilunternehmen aufweisen kann. Wir testen das automatisierte Fahren bereits in verschiedenen Umgebungen, auch in den weithin als ultimative Herausforderung geltenden Innenstädten. Unser Pilotprojekt mit Mercedes-Benz, ein On-Demand-Ridehailing-Dienst mit autonom fahrenden Fahrzeugen, ist inzwischen gestartet. Ausgewählte Nutzer können nun per App einen Shuttle-Service mit automatisierten Mercedes-Benz-S-Klasse-Wagen zwischen dem Stadtteil West im kalifornischen San José und dem Stadtzentrum nutzen. Von diesem Projekt erhoffen wir uns wertvolle Erkenntnisse über die Entwicklung des automatisierten Fahrens sowie Antworten auf die Frage, wie selbstfahrende Autos am besten in ein multimodales Mobilitätssystem zu integrieren sind. Bei der Entwicklung dieses Projekts kommen sowohl KI als auch Simulationen und Tests zum Einsatz, bei denen es um äußerst seltene Situationen im Straßenverkehr geht. Unsere Mobilitätslösungen verwenden wir jedoch nicht nur, um Autos das Fahren beizubringen, sondern auch, um elektrisches und vernetztes Fahren zu realisieren. Damit erschließen wir neue Geschäftsfelder und ebnen den Weg für neue Partnerschaften mit neuen Kunden. So entwickeln wir zum Beispiel einen Wasserstoffantrieb für die Schwerlaster des amerikanischen Start-ups Nikola Motor Company. Auch Mobilitätsdienstleister wie DiDi und Lyft arbeiten mit unseren Lösungen. Für DiDi werden wir bald einen Cloud-Service bereitstellen, der die Lebensdauer von Autobatterien verlängern wird. Unsere Vision einer urbanen Mobilität der Zukunft können Sie in einem IoT-Konzept-Shuttle an unserem Stand erleben. Dieses Jahr präsentieren wir Ihnen, wie wir Mobilitätsdienstleister beim Betrieb sicherer und effizienter automatisierter Ridesharing- und Ridehailingangebote unterstützen.Mikromechanik von Bosch – für Smart Glasses ohne Alien-Look Unsere Expertise in Sachen Mobilität ist zugleich Nährboden für Innovationen in anderen Bereichen. Bestes Beispiel dafür sind auf mikroelektromechanischen Systemen basierende Sensoren – kurz MEMS. Für diese Sensoren, die in Automobilanwendungen und Smartphones verwendet werden, sind wir marktführender Anbieter. Unsere neueste Entwicklung in diesem Bereich zeigen wir hier auf der CES: unser Light Drive System für Smart Glasses. Als kleinstes Modul dieser Art ist es fast um ein Drittel schmaler als derzeit auf dem Markt erhältliche Lösungen und eignet sich für nahezu jede Art von Gestell, so dass es problemlos in eine normale Brille integriert werden kann. Mit einem MEMS-basierten Laserscanner und einem holografischen Spiegel wird ein Bild auf die Netzhaut des Trägers projiziert. Dieses Bild kann jede Art von Textnachricht beinhalten – zum Beispiel von einem Navigationssystem oder Ihrem persönlichen Kalender. So können Sie immer auf dem Laufenden bleiben. Auch im Gesundheitsbereich kann KI von enormen Nutzen sein. Unsere indischen Ingenieure haben mit Vivalution (Markenname wurde geändert) eine bahnbrechende Innovation entwickelt, die mit einem CES® Innovation Award Honoree ausgezeichnet wurde. Dabei handelt es sich im Kern um eine intelligente Pathologie-Plattform für die medizinische Diagnose auf Basis hoch entwickelter Algorithmen des maschinellen Lernens. Sie analysiert mit Hilfe von KI Form, Kontur und Struktur menschlicher Zellen im Hinblick auf Abweichungen und weist Ärzte auf mögliche Erkrankungen hin. Und das in Minutenschnelle, was das Testverfahren drastisch verkürzt. Menschen zu helfen, gesundheitliche Probleme schneller und genauer zu diagnostizieren – auch das ist mit „Technik fürs Leben“ gemeint.AIoT mit Vorteilen für alle – Bildung für die Arbeit der Zukunft Wir sind der Meinung, dass IoT und KI allen zugutekommen sollten. Das bedeutet, sie dürfen nicht nur technische Spielereien sein und müssen Alltag und Arbeit der Menschen wirklich vereinfachen. Das gilt für alle unsere Bereiche: vernetzte Mobilität, vernetzte Häuser und vernetzte Industrie. Insbesondere in der Welt der Produktion kann künstliche Intelligenz menschliche Kreativität ergänzen und, was noch entscheidender ist, Routinearbeiten übernehmen. Auf jedem neuen Weg, den wir einschlagen, nehmen wir unsere Mitarbeiter mit. Auf unserer Mission, die Fabriken der Zukunft zu gestalten, möchten wir sie auf die Arbeit der Zukunft vorbereiten. Genau hier schließt sich der Kreis zu unserem KI-Qualifizierungsprogramm, das ich bereits erwähnt habe. Es besteht aus drei Teilen: Zum einen schulen wir rund 16000 Führungskräfte in den wirtschaftlichen Aspekten von KI. Mit unserer digitalen Transformation bewältigen wir den Spagat, einerseits ein Industrieunternehmen zu bleiben, andererseits führender IoT- und KI-Anbieter zu werden. Das setzt die richtigen Entscheidungen unserer Führungskräfte voraus. Dafür stärken wir ihre KI-Kompetenzen. Zweitens erweitern wir unsere KI-Lernplattform. Diese Plattform gleicht einer Online-Universität, wobei Anwendungen und Übungen aus dem realen Betrieb bei Bosch stammen. Mehr als 1500 Entwickler nutzen die Plattform bereits, und bis nächstes Jahr könnten es doppelt so viele sein. Bemerkenswert ist dabei unter anderem die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs über unsere KI-Lernplattform sowie die Verwendung von Best-Practice-Beispielen und Wettbewerben. Drittens besuchen knapp 500 erfahrene Entwickler Schulungen zum Thema KI-Entwicklungsmethoden. Dies ist die höchste Stufe unseres Qualifizierungsprogramms, gleichsam ein zusätzlicher Studiengang über Inhalte wie Data Engineering und Datenanalyse. Wir erhöhen die Anzahl unserer KI-Entwickler nicht nur über die Einstellung neuer Fachleute, sondern auch über die vertiefende Weiterbildung bereits vorhandener Mitarbeiter. Insgesamt werden wir auf diese Weise 20.000 unserer Mitarbeiter technologisch auf den neuesten Stand bringen. Wir sind der Meinung, solche Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten gehört nicht nur zu unserer unternehmerischen Verantwortung, sondern liegt auch in unserem strategischen Interesse.Fazit Meine Damen und Herren, es ist offensichtlich, dass die Entwicklung künstlicher Intelligenz für uns bedeutet, uns nicht nur auf technologische Innovationen zu konzentrieren. Einerseits müssen wir verstärkt in menschliche Intelligenz investieren, andererseits die Menschen vom wahren Potenzial dieser Technologie überzeugen. „Beneficial AI. Building trust together“ – das ist nicht nur ein flotter Spruch, den wir uns hier für die CES ausgedacht haben. Wir sind davon überzeugt, dass KI der Schlüssel zu einem sichereren, leichteren und umweltfreundlicheren Leben ist. Bitte besuchen Sie unseren Stand in der Central Hall und erleben Sie selbst anhand von Beispielen, wie wir das praktisch umsetzen. Und lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, Zweifel zu zerstreuen und eine neue, echte Science-Fiction-Ära einzuläuten, in der KI zum Helden wird.