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Bosch sorgt für nachhaltige Bewegung im Güterverkehr mit Software, Logistik-Plat ...

19.09.2022

Referat

Bosch Gruppe

Bosch sorgt für nachhaltige Bewegung im Güterverkehr mit Software, Logistik-Plat ...

Dr. Markus Heyn, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions der Robert Bosch GmbH, anlässlich der Pressekonferenz auf der IAA Transportation am 19. September 2022 in Hannover Es gilt das gesprochene Wort. Sehr geehrte Damen und Herren, zu keiner Zeit war die Entwicklungsperspektive des Nutzfahrzeugs so offen wie jetzt. In dieser für unsere Kunden und Ingenieure spannenden Zeit heiße ich Sie bei Bosch auf der IAA Transportation willkommen. Während die Elektromobilität für die Zukunft des Pkw nahezu alternativlos wird, können wir den Antrieb für den Lkw von morgen gleich in mehreren Alternativen denken. Im Zeichen des Klimaschutzes wird sich der Güterverkehr anders und vor allem vielfältiger bewegen als bisher. Zwar hat der Diesel im Lkw, vor allem außerhalb Europas, noch ein längeres Leben vor sich als im Pkw. Aber gleich drei klimaneutrale Antriebsoptionen kommen hinzu: die Batterie, die Brennstoffzelle und nicht zuletzt der Wasserstoffmotor. Bosch entwickelt, wie kein anderes Unternehmen, alle Antriebe für den Lkw von morgen. Unser Ziel sind Lastwagen, die dem Klima nicht mehr zur Last fallen. Dieses Ziel ist ambitioniert, da der weltweite Gütertransport bis 2030 voraussichtlich um 40 Prozent zunehmen, sich bis 2050 sogar verdreifachen wird. Er bewegt das wirtschaftliche Wachstum, das Wachstum bewegt ihn. Also entscheidet sich auch am Lkw-Antrieb die Frage, ob sich Wachstum und Klimaschutz auf einen Nenner bringen lassen. Dies ist nicht das einzige Thema, das derzeit die Logistikbranche bewegt. Hier vier weitere Herausforderungen, die wir lösen helfen: Erstens der Fahrermangel. Europaweit fehlen 400 000 Trucker. Also bringen wir dem Truck selbst das Fahren bei. Ein Lkw, der automatisiert fährt, vermeidet nicht nur Unfälle aufgrund menschlicher Fehler – er wird sich auch rechnen. Zweitens die derzeit angespannten Lieferketten in aller Welt. Wo ist die Ware, wie ist ihr Zustand – solche Fragen beantwortet unsere Track-and-Trace-Lösung in Echtzeit, mit Sensoren an den Transportboxen. Drittens die mangelnde Effizienz und Sicherheit der Warentransporte. Mehr als jede dritte Lkw-Fahrt ist eine Leerfahrt, und durch gestohlene Frachten entsteht jährlich europaweit ein Schaden von mehr als acht Milliarden Euro. Dagegen helfen Logistikservices, die auf der Vernetzung der Lkw-Flotten basieren. Viertens die nahezu unübersichtliche Vielfalt der IT-Lösungen für das Management von Lkw-Flotten. Umso wichtiger ist ihre Bündelung auf einer Plattform, wie Bosch sie in diesen Monaten mit Amazon Web Services einführt. Herausforderungen wie diese verlangen mehr denn je Know-how in Software und im Internet der Dinge. Daher arbeiten wir auch über die Motorhaube hinaus an der Zukunft des Güterverkehrs. Bei allem bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig – der Krieg in der Ukraine, die Lieferengpässe, die Inflation, um nur Stichworte zu nennen. Zuletzt hat sich die Energiekrise verschärft, nach der erheblichen Verteuerung von Rohstoffen und Halbleitern. Unter dieser Entwicklung leidet die gesamte Branche, daher muss auch Bosch mit seinen Kunden in der Automobilindustrie über einen fairen Ausgleich im Gespräch bleiben. Bisher ist der Umsatz unseres Unternehmensbereichs Mobility Solutions in diesem Jahr wechselkursbereinigt um gut sechs Prozent gewachsen. Jeden vierten Euro erwirtschaften wir dabei im Geschäft mit Nutzfahrzeugtechnik, vom Transporter bis zum 40-Tonner. Gerade dieses Geschäft wird im Laufe der Dekade einen Wachstumsschub bekommen, vor allem durch alternative Antriebe wie der Brennstoffzellen-Technik. Viele Wege führen zum klimaneutralen Antrieb – Bosch geht alle Wie aber entwickelt sich der Markt für diese Antriebe? Wir tun gut daran, in Szenarien zu denken. Voraussichtlich jedoch wird bis 2035 bei Nutzfahrzeugen ab sechs Tonnen der bisher dominierende Dieselanteil auf weniger als die Hälfte zurückgehen – immerhin noch so viel, um in seiner Entwicklung nicht nachzulassen. Und mit synthetischen Kraftstoffen werden auch Dieselfahrzeuge CO₂-neutral fahren – so ist Klimaschutz auch im Flottenbestand möglich. Allerdings wird mehr als jedes zweite neue Nutzfahrzeug Mitte nächster Dekade elektrisch angetrieben, entweder batterieelektrisch oder wasserstoffbasiert. Besonders im Nutzfahrzeug ist Technologie-Offenheit sinnvoll: Es wird – je nach Anwendung, Streckenlänge und Fahrzeuggewicht – mehr als einen klimaneutralen Lkw-Antrieb geben. Mit 3.400 Ingenieuren ist Bosch auf vier Entwicklungspfaden unterwegs, um das Nutzfahrzeug von morgen zu bewegen: Da ist erstens der Diesel, der mit neuen Abgas- und CO₂-Grenzwerten noch effizienter wird. In China ebenso wie den USA ziehen die Normen an, in Europa kommt Euro VII, und das kann nochmals zum Innovationstreiber werden. Umso wichtiger, dass die Emissionsvorgaben auf möglichst realistische Fahrbedingungen zielen. Wir sehen einen Schub für die Abgasnachbehandlung voraus, schon im nächsten Jahr wird der Absatz unseres Denoxtronic-Systems um zehn Prozent zulegen. Auch die CO₂-Gesetzgebung bringt wirtschaftlichen Nutzen, und das unmittelbar für die Spediteure. Denn weniger Kohlendioxid setzt mehr Effizienz beim Diesel voraus. Unser zweiter Entwicklungspfad ist der batterieelektrische Antrieb. Zunehmend schlägt er sich in unseren Auftragsbüchern nieder. So verzeichnen wir bereits 30 Serienaufträge von Nutzfahrzeugherstellern aus allen Teilen der Triade. Wir punkten nicht nur mit unseren Komponenten, sondern auch mit integrierten Lösungen. Für Transporter eignet sich unser „Advanced Driving Module“ – es vereint E-Achse, Bremse und Lenkung. Für Trucks bieten wir skalierbare Elektromotoren, die auf den gemeinsamen Einsatz mit Silizium-Karbid-Invertern abgestimmt sind. Aus diesem Zusammenspiel ergibt sich ein Wirkungsgrad von bis zu 97 Prozent. Ein Spitzenwert unter den elektrischen Antrieben fürs Nutzfahrzeug. Auf dem dritten Entwicklungspfad nähern wir uns mit großen Schritten der Serienreife – es geht um den brennstoffzellen-elektrischen Antrieb, der auf dieser IAA zum Beispiel in einem Nikola-Truck zu sehen ist, mit Bosch an Bord. Zum Jahresende werden bereits 500 Lkw mit unserer Brennstoffzellen-Technik unterwegs sein, bis 2025 voraussichtlich mehr als 40.000. Produzieren wollen wir weltweit in der Nähe unserer Kunden. So werden wir Brennstoffzellen-Stacks auch im chinesischen Wuxi herstellen, und im amerikanischen Anderson investieren wir dafür 200 Millionen Euro. Schon in diesen Wochen fällt der Startschuss für die Stack-Fertigung im Werk Bamberg. Ende der Dekade soll der Betrieb eines Brennstoffzellen-Trucks nicht mehr kosten als ein Diesel. Was ökologisch richtig ist, darf ökonomisch nicht falsch sein – so gelingt Klimaschutz. Last but not least arbeiten wir am Wasserstoffmotor. Ein Motor, der alles kann, was der Diesel kann, aber nahezu klimaneutral. Genau betrachtet, schließt er eine Lücke unter den CO₂-neutralen Antrieben. Zwar liegt sein Wirkungsgrad bei niedrigen und mittleren Lasten unter der Brennstoffzelle, bei Volllast aber darüber. Also wird sein Einsatzfeld der schwere Fernverkehr und vor allem die Land- und Baumaschine sein. Mit unseren Komponenten sind wir an mehr als 100 technischen Versuchen in allen Teilen der Triade beteiligt. In Indien haben wir bereits ein erstes Serienprojekt gewonnen. Auch hier machen wir ernst. Ohne Infrastruktur geht es nicht – zwei Lösungen von Bosch Eins jedoch müssen wir bedenken, meine Damen und Herren: Was immer wir an klimaneutraler Antriebstechnik entwickeln, durchsetzen wird sie sich nur, wenn die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung steht. Ohne flächendeckendes Netz an Ladepunkten und Wasserstoff-Tankstellen werden auf Dauer nur wenige Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf unseren Straßen rollen – und umgekehrt. Ein Henne-Ei-Problem, wenn man so will. Hier ist die Politik gefragt, aber auch Bosch geht beide Seiten des Problems an. Wir entwickeln nicht nur Lösungen fürs Fahrzeug, sondern auch für die Infrastruktur: Zum einen ermöglichen wir Tankstellen-Betreibern einen kostengünstigen Einstieg in die Wasserstoff-Technologie. Dazu hat unsere Tochtergesellschaft Bosch Rexroth gemeinsam mit Maximator Hydrogen eine Lösung zur Kompression von Wasserstoff für Tank-stellen, Speicher und Pipelines entwickelt. Schon im nächsten Jahr soll diese Technik auf den Markt kommen. Bis 2030 soll sie in 4.000 Wasserstoff-Tankstellen eingesetzt werden. Zum anderen entwickeln wir einen digitalen Lade- und Betriebsser-vice für elektrifizierte Nutzfahrzeug-Flotten. Auch dieser Service kommt nächstes Jahr auf den Markt. Wir gehen davon aus, dass Nutzfahrzeuge vor allem an privaten Punkten elektrisch geladen werden, etwa auf den Betriebshöfen großer Flotten. Dafür bietet der neue Service von Bosch unter anderem ein Energiemanagement, das teure Lastspitzen beim elektrischen Laden einer Vielzahl von Fahrzeugen abfängt. Eine Lösung, die besonders auf die Elektromobilität in der Logistik zugeschnitten ist. Insgesamt wird der Markt für das „Charging“ von Nutzfahrzeugen in dieser Dekade jährlich um 50 Prozent wachsen. Gegen den Fahrermangel – selbst fährt der Truck In jeder Hinsicht müssen wir den Güterverkehr neu denken – nicht nur, was ihn bewegt, sondern auch, wie er sich bewegt. Denn das automa-tisierte Fahren kommt, getrieben auch durch den akuten Fahrermangel. Nirgends ist es wirtschaftlich so sinnvoll wie im Nutzfahrzeug. Bosch macht Tempo, um dem Truck das Fahren mit europäischer Technik auf europäischen Straßen beizubringen. Gerade erst haben wir mit dem britischen Start-up Five ein Unternehmen übernommen, das mit seiner cloudbasierten Testplattform unsere Software-Entwicklung nochmals beschleunigen wird. Ohnehin ist es die Software, die auch im Nutz-fahrzeug die automatisierten Fahreigenschaften wesentlich bestimmen wird. Kommen wird also der „software defined truck“. Hier liegt eine Stärke von Bosch: Jeder zweite Mitarbeiter der Forschung und Ent-wicklung unserer Mobility Solutions ist Software-Entwickler. Noch in dieser Dekade sollen mit unserer Technik Trucks hochautomatisiert auf Autobahnen unterwegs sein. Im ersten Schritt wollen wir den fahrerlosen Betrieb zwischen zwei Rasthöfen realisieren. Folgen wird das automatisierte Pendeln zwischen zwei Logistikhöfen. An den entsprechenden Lösungen arbeiten wir mit mehr als 1.100 Ingenieuren. Schon jetzt haben wir drei wichtige Voraussetzungen geschaffen: Erstens verfügen wir über ein Steuergerät fürs automatisierte Fahren – mit einer Rechenpower, die gut 100-mal größer ist als für die Fahrerassistenz. Der Prototyp ist entwickelt. Er ist die Basis für un-sere Fahrstrategie-Software sowie für die Auswertung von Sensor-daten mit künstlicher Intelligenz. Zweitens machen wir die Elektronik-Architektur in künftigen Trucks noch deutlich leistungsfähiger. Dazu bringt Bosch Mitte der Dekade einen Fahrzeugcomputer bei einem europäischen Lkw-Hersteller in Serie. Drittens stellen wir auf dieser IAA gleich zwei neue Lenkungen vor, die hochautomatisiertes Fahren ermöglichen. Die eine ist rein elektrisch ausgelegt, die andere elektrohydraulisch. Dazu haben wir Kunden nicht nur in Europa, sondern auch in China und den USA. Auf dem Markt ist bereits eine elektrohydraulische Lenkung, mit der Nutzfahrzeuge automatisch die Spur halten können. Allein damit wachsen wir jährlich um rund 40 Prozent. Gut unterwegs ist Bosch schließlich in der Fahrerassistenz. Treiber sind hier die gesetzlichen Vorgaben für den Unfallschutz im Nutzfahrzeug. So werden zum Beispiel in Europa von 2024 an Abbiege-Assistenten in neuen Lkw Pflicht. Das bringt einen Schub für das Geschäft für Corner-Radarsensoren im Truck. Dabei wächst der Markt in den nächsten Jahren um 40 Prozent, Bosch um nahezu 60 Prozent. Übersicht in der Service-Vielfalt – die Logistik-Plattform startet Mehr Sicherheit, mehr Effizienz – beides wird schließlich durch die Vernetzung des Güterverkehrs getrieben. Mit der Connectivity Control Unit, kurz CCU, liefern wir die wesentliche technische Voraussetzung, damit Trucks Teil des Internets werden können. Längst ist die CCU mehr als ein Mautgerät, sie ermöglicht Software-Updates, vorausschauende Diagnosen und nicht zuletzt Logistik-Services. Unser Geschäft mit solchen Vernetzungsboxen wächst um 25 Prozent, der Markt um zehn Prozent. Auch hier legen wir überdurchschnittlich zu. Wenn es um Vernetzung geht, kann Bosch doppeltes Know-how nut-zen: im Lkw selbst, aber auch im Internet der Dinge. Wir sind hier mehr als Hardware-Lieferant, wir forcieren auch unmittelbar das Geschäft mit Logistik-Services. Dazu zwei Beispiele: Erstens das Logistik-Monitoring: Service-Center von Bosch über-wachen rund um die Uhr den Zustand kritischer oder gar lebens-wichtiger Transporte, jährlich zwischen 30 000 und 40 000 hochwertige Lkw-Touren. In der Corona-Pandemie haben wir auch das Monitoring von Impfstoff-Transporten übernommen. Zweitens das Secure Truck Parking: Europaweit fehlen 400 000 sichere Lkw-Parkplätze. Bosch bietet in elf Ländern 100 passende Areale entlang der Autobahnen. Das heißt: Sichere Stellplätze können über unsere Plattform bequem gebucht werden, die Lkw-Fahrer müssen nicht jeden Abend verzweifelt danach suchen. Die Nachfrage steigt, allein 2021 hat sich das Buchungsaufkommen verdreifacht. In Zukunft kommt auf unseren sicheren Parkplätzen auch das „Overnight-Charging“ – womit gleich zwei Probleme des Güterverkehrs gelöst werden. Bei allem, was wir als Provider von Logistikservices tun – wir bieten auch eine Plattform, die solche Services bündelt. Aus unserer Sicht ist das entscheidend für den praktischen Nutzen digitaler Services unter Zeit- und Kostendruck. Bisher haben es die Flottenbetreiber mit einer Vielzahl von Lösungen zu tun, die unabhängig voneinander bestehen, also keine gemeinsame Datenbasis haben. Ihre Integration ermöglicht ein Plus an Effizienz. Genau dies bietet eine neue Plattform von Bosch und Amazon Web Services: das Logistics Operating System, kurz L.OS. Schon in diesen Wochen starten wir es in Indien, Anfang nächsten Jahres auch in Europa und den USA. Bosch liefert noch mehr als klimaneutrale Antriebe, auch mit unseren Software-Lösungen sorgen wir für neue Bewegung im Güterverkehr. Alles dies ist hier auf unserem Stand zu besichtigen – dazu lade ich Sie herzlich ein!

07.12.2018

Referat

Wirtschaft

Mehr Sicherheit, mehr Energieeffizienz, mehr Komfort: Bosch investiert in digita ...

Referat von Dr. Stefan Hartung, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH beim Pressegespräch des Unternehmensbereichs Bosch Energy and Building Technology am 7. Dezember 2018 Es gilt das gesprochene Wort.Sehr geehrte Damen und Herren, willkommen zu unserem Pressegespräch – bei uns auf der Schillerhöhe oder zugeschaltet per Webcast. Hier vor Ort begrüße ich Sie in einem unserer neu gestalteten Gebäude. Und vielleicht haben Sie im Vorbeigehen gesehen, wie sehr wir vor allem die Arbeitsumgebung modernisiert haben, ganz auf Zusammenarbeit ausgelegt. Möglicherweise sind Sie auf dem Weg hierher oder zu Ihrem Arbeitsplatz an der einen oder anderen Lösung aus dem Bosch-Bereich, über den wir heute reden wollen, bereits vorbeigekommen. Haben Sie es bemerkt? Wahrscheinlich nicht. Denn mit Energie- und Gebäudetechnik sind wir häufig hinter den Kulissen unterwegs, unsere Lösungen sind nicht immer sofort sichtbar. Aber auch mit dem Unsichtbaren tragen wir dazu bei, dass der Alltag der Menschen effizienter, komfortabler und sicherer wird. Darüber wollen wir heute reden. Um drei Themen wird es vor allem gehen: User Experience, die frühzeitige Einbeziehung des Kunden in die Entwicklung von Produkten und Services, Vernetzung und künstliche Intelligenz, der Einsatz von Sensoren, Software und selbstlernenden Systemen, damit Lösungen intelligent werden, Partnerschaften, Plattformen und Interoperabilität, also die Öffnung von Systemen verschiedener Anbieter füreinander. Für uns bei Bosch sind dies entscheidende Themen, um das Internet der Dinge, kurz IoT, konsequent voranzutreiben – und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt. Wir sind mehr denn je überzeugt davon, dass das IoT den Alltag der Menschen grundlegend verbessern wird: Smarte Energie- und Gebäudetechnik sorgt für mehr Komfort und Sicherheit, sie spart Energie, senkt Betriebskosten und schont die Umwelt. Konkret bieten wir Produkte und Services, um Energie effizient zu erzeugen, zu messen, zu steuern, zu speichern und zu sichern. Ich spreche von vernetzten Heiz-, Kühl- und Lüftungssystemen im Bürogebäude, von Smart Home-Anwendungen fürs eigene Zuhause und nicht zuletzt von Energiespeichern im Industriebereich. Was haben User Experience, künstliche Intelligenz, Software-Plattformen und Interoperabilität damit zu tun? Sie sind entscheidend, um die Chancen des IoT auszuschöpfen. Bevor wir auf einige Lösungen aus dem Bereich Energie- und Gebäudetechnik sowie Services näher eingehen, möchte ich einen kurzen Blick auf aktuelle Trends, das Marktumfeld und auf die wirtschaftliche Entwicklung im ablaufenden Geschäftsjahr werfen. Wachsen durch Sparen – das Marktpotenzial effizienter Lösungen Im Jahr 2050 werden voraussichtlich mehr als sechs Milliarden Menschen weltweit urbane Räume bewohnen – doppelt so viele wie heute oder 70 Prozent der weltweiten Gesamtbevölkerung. Städte konsumieren bereits heute rund 75 Prozent der verbrauchten Energie, allein Gebäude kommen auf 40 Prozent. Bis 2035 wird der Energieverbrauch rund um den Globus insgesamt um 30 Prozent steigen. Damit zeichnet sich nochmals ein Zuwachs des CO 2 -Ausstoßes ab. Demgegenüber sind smarte, also vernetzte Lösungen zur effizienteren Energienutzung ein Schlüssel für den Klimaschutz. Denn nicht genug, dass sie einfach und automatisch für ein angenehmes Gebäudeklima sorgen – sie sparen Kosten, Energie und damit CO 2 -Emissionen. Die Digitalisierung von Gebäuden hat also auch eine ökologische Wirkung – und vor allem liegt sie klar im Trend. Weltweit sollen bis 2020 rund 230 Millionen Häuser intelligent vernetzt sein – das sind rund 15 Prozent aller Haushalte. Bis 2020 erwarten Experten einen Anstieg des weltweiten Marktvolumens für das Internet der Dinge um jährlich 35 Prozent auf 250 Milliarden US-Dollar (Quelle: Gartner). Dieses Marktpotenzial wollen auch wir bei Bosch nutzen. Bereits 2017 hat Bosch 38 Millionen vernetzbare Erzeugnisse verkauft. Davon profitiert auch der Unternehmensbereich Energy and Building Technology, bei dem es mehr als 13 Millionen internetfähige Geräte waren, zum Beispiel Sicherheitskameras oder Heizungen. Der Bereich wächst – zwar moderat, aber er wächst. Sein Umsatz legt in diesem Jahr von 5,4 auf 5,5 Milliarden Euro zu, das ist ein Plus von zwei Prozent. Wechselkursbereinigt liegt es bei sechs Prozent. Vor allem die Schwächen von US-Dollar und Türkischer Lira beeinträchtigen den Umsatzausweis. Die Mitarbeiterzahl im Bereich Energy and Building Technology ist im Jahresverlauf von rund 31 700 auf 32 400 gestiegen. (voraussichtlich) Meine Damen und Herren, übers Jahr hinaus ist und bleibt das Internet der Dinge der entscheidende Treiber für unser Geschäft. Es wächst rasant. Marktforscher rechnen damit, dass im kommenden Jahr weltweit mehr als 14 Milliarden Dinge vernetzt sein werden. Bis 2021 werden es 25 Milliarden sein. Dabei ist Vernetzung für uns kein Selbstzweck. Es geht darum, mit vernetzten Lösungen den Alltag der Menschen zu verbessern. Was tun wir bei Bosch dafür, um dieses Ziel zu erreichen? Wissen, was der Kunde will – User Experience Zunächst einmal: Produkte und Services müssen technisch überzeu-gen. Das allein reicht aber nicht: Sie müssen auch Spaß machen! Unsere Kunden wollen Produkte, die einfach und intuitiv zu bedienen sind und Probleme lösen. Kurz gesagt: Wir müssen wissen, was der Nutzer will und braucht – und das womöglich sogar, bevor er es selbst weiß oder ausgesprochen hat. Dazu muss man sich dem Nutzer, seinen Bedürfnissen und Erwartungen systematisch nähern. Genau das machen wir bei Bosch mit dem „User Experience“-Ansatz. In den vergangenen sechs Jahren haben wir mehr als 13 000 Mitarbeiter zu diesem Ansatz geschult. Er umfasst vier entscheidende Phasen: Nutzer-Beobachtung, Analyse der Beobachtungen, schnelle Gestaltung von Prototypen und Nutzertests. Wir wiederholen die vier Phasen, bis das Ergebnis und das Produkt überzeugen. Sie sehen: Wir beziehen den Kunden bei der Entwicklung von Produkten und Services von Anfang an in die Entwicklung ein. Und den Erkenntnissen, die wir dabei gewinnen, passen wir Funktion und Design an. Damit hören wir mit Markteintritt nicht auf: User Experience geht auch weiter, wenn das Produkt beim Verwender in Gebrauch ist. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Unsere 360° Innenkamera wurde bereits in Zusammenarbeit mit potenziellen Nutzern entwickelt. Seit der Produkteinführung der Sicherheitskamera Mitte 2017 sind unsere Produktentwickler im regelmäßigen Austausch mit unseren Kunden, haben 1 000 Feedbacks ausgewertet und zahlreiche Gespräche geführt. Seit der Markteinführung kamen so mehr als 20 neue Funktionen dazu: von der Kamerasteuerung via Alexa über die Erkennung verdächtiger Geräusche bis hin zur Möglichkeit, im Live-Video zu schwenken und zu zoomen statt nur statisch zu verfolgen, was zuhause passiert. Die erweiterten Funktionen der 360° Innenkamera zeigen: Wir machen den User gewissermaßen zum Entwickler und lernen von ihm und seinen Erfahrungen. Dieser Ansatz steckt auch im Konferenzsystem Dicentis für Dolmetscher. Stellen Sie sich vor, EU-Vertreter kommen zu einem europäischen Digitalgipfel zusammen – Politiker mit 24 Sprachen, die zu gemeinsamen Entscheidungen finden müssen. Hier sind Dolmetscher gefragt, die sich nicht auf Technik, sondern ganz auf korrekte Übersetzung des Gesagten konzentrieren können. Dazu haben wir gemeinsam mit ihnen ein Pult entwickelt, das unser System Dicentis erweitert. Wir haben Dolmetschern Zeichnungen, Modelle aus Holz und Prototypen gezeigt und auf Basis des Feedbacks die Anordnung der Bedientasten im Vergleich zum Vorgängermodell verändert. Das Pult lässt sich ohne hinzusehen bedienen, ist also auch für sehbehinderte Dolmetscher verwendbar. Zudem haben wir die Installation erleichtert. Dolmetscher können ihre Einstellungen im System speichern und bei Bedarf mit persönlicher NFC-Karte (Near Field Communication, Nahfeldkommunikation) kontaktlos aufrufen: Kurz die Karte vor das Pult halten, und schon sind alle individuellen Konfigurationen verfügbar. Das verstehen wir unter User Experience: den Menschen und seine spezifischen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Vernetzung und künstliche Intelligenz gehen Hand in Hand Den Menschen entlasten, ihm Routineaufgaben abnehmen, ihn im Alltag so unterstützen, dass er Freiraum für kreative Arbeit oder auch für Erholung bekommt – das ist gleichermaßen das Ziel der Künstlichen Intelligenz, kurz KI. Ein Thema, über das momentan die ganze Welt spricht – Bosch setzt es um. Mit Hilfe von KI lernen Maschinen mit- und weiterzudenken, etwa indem sie Sprache und Bilder erkennen. Dies setzt die Auswertung von Daten voraus, die Vernetzung von möglichst vielen Dingen. Erst vernetzte Produkte werden mit Hilfe von KI zu intelligenten Assistenten. Was zählt, ist immer der Nutzen für uns Menschen im Alltag. Schon jetzt ist die Zahl der Verkehrstoten auf den Straßen gesunken, Betriebsausfälle in Fabriken haben abgenommen, lebensbedrohliche Krankheiten werden schneller und präziser erkannt, Maschinen verbrauchen weniger Energie, während zuhause der Komfort steigt. Bereits diese positive Entwicklung ist der Zunahme technischer Assistenz zu verdanken – im Verkehr, in der Produktion, aber auch in den eigenen vier Wänden. Sie wird sich fortsetzen, mit vernetzten Sensoren, Software, Services – und nicht zuletzt mit KI. In zehn Jahren werden alle Bosch-Produkte entweder selbst über KI verfügen oder mit ihrer Hilfe produziert und entwickelt werden. Von dieser Überzeugung zeugen auch unsere Investitionen. Bis 2021 wird das Bosch Center for Artificial Intelligence , kurz: BCAI, rund 300 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung von KI aufwenden. Im BCAI, das wir 2017 gegründet haben, forschen weltweit rund 170 Experten – eine Zahl, die perspektivisch auf mindestens 400 steigen soll. Sie arbeiten an rund 80 Entwicklungsprojekten – vom automatisierten Fahren bis hin zu Anwendungen in Medizin und Industrie. Dabei ist Bosch nicht allein unterwegs, sondern auch mit akademischen Partnern, den Universitäten Tübingen, Stuttgart und Amsterdam. Ich möchte Ihnen nun aus dem Bereich Energy and Building Technology einige Beispiele von Systemen und Services nennen, die über das Internet der Dinge vernetzt sind und sich in Richtung KI entwickeln. Schon heute werden im Bereich Bosch Service Solutions mehr als 15 Prozent der Kundeninteraktionen datenbasiert durchgeführt. Und datenbasiert heißt: direkte Kommunikation von Dingen und Maschinen ohne Einwirkung von Menschen. Bis 2021 wollen wir den Anteil dieser durch das Internet der Dinge vermittelten Interaktionen auf knapp 30 Prozent, bis 2025 sogar auf rund 50 Prozent erhöhen. In Pilotprojekten haben wir in unseren Service Solutions auch bereits den Einsatz von KI getestet. Konkret haben wir für die Kundenkommunikation Bots genutzt, also technische Dialogsysteme , die Texteingaben oder auch gesprochene Worte verstehen. Sie greifen auf Hintergrund-Datenbanken zurück, um die jeweils passende Antwort zur Frage abzuleiten. Dieser Vorgang entspricht mehr als reiner „Wenn-A-Dann-B“-Logik auf Basis festgeschriebener Schlüsselwörter. Mit KI sind Chatbots etwa in der Lage, den Kontext zu erfassen und damit mehrdeutige, falsch geschriebene oder falsch gesagte Begriffe einzuordnen. Mit dieser kontextsensitiven Wahrnehmung können Bots auch „Concierge-Funktionen“ übernehmen, also Kunden zielgerichtet und automatisch an den richtigen Kontaktpunkt weiterleiten. Ihre Software reagiert auf Kundenverhalten, schon deshalb gehen Bot-Lösungen über reine Suchfunktionen hinaus. Gleichwohl eignet sich dieser automatisierte Ansatz vor allem, um einfache und häufig gestellte Anfragen zu beantworten, zum Beispiel zu Lieferterminen oder Ausflugszielen. So haben Kundenberater mehr Zeit, sich um komplexe oder sensible Probleme zu kümmern. Wir sind überzeugt, dass der Mensch auch bei Service-Lösungen unersetzbar bleibt, etwa im Falle eines schweren Verkehrsunfalls. Eine menschliche Stimme ist in Situationen wie diesen notwendig, im strengen Sinn des Wortes. Wo Empathie gefragt ist, wird Bosch darauf weiterhin setzen, zum Beispiel beim Notrufdienst eCall. So kann ein geschulter Experte aus der Notrufzentrale beruhigend auf die Verunglückten einwirken. Künftig wird auch KI helfen können. Denn aus der Analyse von Sensordaten, sei es von Reifen, Autositzen, Gurtstraffern oder auch von Daten externer Wetterdienste, werden sich weitere wichtige Erkenntnisse zum Unfall gewinnen lassen. Es ist vorstellbar, dass KI die Rettungsdienste mit ersten wichtigen Angaben versorgt – nicht nur über Schnee oder Glatteis am Unfallort, auch über die wahrscheinliche Schwere der Verletzungen. Frühzeitige und umfassende Information kann Leben retten. Mehr Sicherheit bieten auch unsere Monitoring Services , und das mehr denn je über das Internet der Dinge. Wir vernetzen zum Beispiel kritische Bereiche und Infrastrukturen in Gebäuden. Rund 40 000 Fahrstühle allein in Deutschland sind an die Leitstelle von Bosch Service Solutions angeschlossen. Diese Art der Vernetzung ermöglicht im Ernstfall eine schnelle Befreiung eingeschlossener Personen. Auch in der Logistikbranche setzen wir sensorbasierte Dienste ein. Auf der Straße, auf dem Wasser und in der Luft steigt der Bedarf an internetbasierten Monitoring Services kontinuierlich. Sie helfen, Zustand und Aufenthaltsort von eiligen Bluttransporten, seltenen Impfstoffen, leicht verderblichen Nahrungsmitteln oder teuren Smartphones zu überwachen. Sollten Ort oder Zustand von der Norm abweichen, geht die Information sofort und automatisch an die Leitstelle. Der Nutzen für die Menschen: mehr Sicherheit und Komfort – und weniger Verschwendung. Um brenzlige Lagen geht es im wahrsten Sinne des Wortes im Geschäftsfeld videobasierte Branddetektion bei Bosch Building Technologies. Wir wollen dieses Geschäftsfeld weiter ausbauen, und gerade hier versprechen wir uns einiges vom Einsatz künstlicher Intelligenz. KI-basierte Spezialkameras vom Typ Aviotec erkennen Feuer über smarte Bildauswertung. Der direkte Kamerablick auf mögliche Gefahrensituationen detektiert Flammen oder Rauch binnen Sekunden – und damit noch schneller als herkömmliche Rauchmelder. Bei der konventionellen Brandmeldetechnik muss Rauch erst zum Detektor gelangen. Entsteht ein Feuer auf dem Boden in einer Halle mit hohen Decken, kann es Minuten dauern bis der Rauch an den Melder gelangt. Dagegen können die neuen und intelligenten Kameras Rauch und Flammen direkt an der Brandquelle detektieren – ein entscheidender Zeitvorteil, um Schäden zu begrenzen und vielleicht auch Leben zu retten. Über die Sicherheit hinaus sorgen unsere Smart Home-Lösungen für Raumklima, Komfort und Energieeffizienz. Ein Geschäft, das kontinuierlich zulegt. Allein der deutsche Markt soll einer Studie zufolge (Quelle: Arthur D. Little und eco) bis zum Jahr 2022 auf 4,3 Milliarden Euro wachsen – also jährlich im Schnitt um 26,4 Prozent. Zum Vergleich: 2017 waren es lediglich 1,3 Milliarden Euro. Dass vernetzte Lösungen im Eigenheim in Deutschland immer beliebter werden, erklärt der Branchenverband Bitkom nicht zuletzt mit der Verbreitung digitaler Sprachassistenten. Einfache Steuerung durch Sprache baut Berührungsängste zur Technik ab. Bosch hat in diesem Jahr Alexa in sein Smart Home-System integriert. Das ist KI auf Basis von Vernetzung und intelligenter Spracherkennung. Ein Sicherheitssystem, das sich mithilfe von Gesichtserkennung beim Eintreten deaktiviert oder ein Zimmerfenster, das sich aufgrund von Schlechtwetterdaten selbst schließt – so sieht für uns die Zukunft des Smart Home aus. Daraus wird ein Geschäft immer dann, wenn wir die Hausbewohner begeistern. Das tun wir beispielsweise mit dem Szenario-Manager , eines der Highlights auf der diesjährigen IFA in Berlin. Konkret ist der Manager eine App, über die sich alle mit dem Smart Home-System von Bosch vernetzten Geräte steuern lassen. So können Bewohner Alltagsroutinen wie das Ausschalten aller Lampen, Heizungen und Elektrogeräte beim Verlassen des Hauses schnell und komfortabel ausführen. Dabei können sie voreingestellte Szenarien nutzen oder eigene programmieren. Voreingestellte Abläufe sind zum Beispiel „Haus verlassen“ oder „nach Hause kommen“. Beim Auslösen des Szenarios „Guten Morgen“ fahren je nach Wunsch die Rollläden hoch, das Licht im Flur schaltet sich ein, und die Heizkörper-Thermostate regulieren die gewünschte Temperatur im Badezimmer. In der Küche wird dank des Zwischensteckers der angeschlossene Wasserkocher für die morgendliche Tasse Tee angeschaltet. Dies alles kann der Szenario Manager – dank der Vernetzung möglichst vieler Geräte. Künftig wird der KI-Anteil auch im smarten Zuhause zunehmen. Das Haus wird aus bestimmten Verhaltensmustern seiner Bewohner lernen und sich zu ihrem Nutzen selbst steuern können. Algorithmen werden erkennen, wenn etwas nicht nach einem bekannten Muster verläuft – etwa wenn ein smartes Heizungsventil mitten in der Nacht einen ungewöhnlich hohen Verbrauch registriert. Das Ventil meldet das ungewöhnliche Ereignis nicht nur dem Nutzer, sondern auch der Heizung selbst – sie schaltet sich ab, um Wasserschäden zu vermeiden. Dem Kunden bleiben hohe Kosten erspart. Wir sind überzeugt: Der Nutzen von KI wird so klar spürbar sein, dass wir damit weitere Hausbesitzer fürs Smart Home gewinnen können. Gerade deshalb beschäftigen wir uns schon heute mit künstlicher Intelligenz im Haus, mit Partnern inner- und außerhalb von Bosch. Damit sich Geräte verstehen – Plattformen und Interoperabilität Meine Damen und Herren, „gemeinsam“ ist das Stichwort für einen weiteren strategischen Aspekt, der uns bei Bosch wichtig ist: Partnerschaften, Plattformen und Interoperabilität. In der vernetzten Welt sind viele Geräte und Dienste unterschiedlicher Hersteller im Einsatz. Wir müssen diese Geräte und Dienste gewissermaßen Freunde werden lassen. Sie müssen sich verstehen, interoperabel sein, um Nutzen für die Menschen zu stiften. Dazu kann ich Ihnen heute vom jüngsten Neuzugang unseres IoT-Ökosystems berichten, dem Start-up SAST . SAST steht für Security and Safety Things GmbH. Erst vor wenigen Wochen in München gegründet, ist die Gesellschaft noch recht klein, hat aber Großes vor. Das Start-up ist eine 100prozentige Bosch-Tochter, die mit zunächst 80 Mitarbeitern den Markt mit Software für Sicherheitskameras aufmischen will. Das Ziel: Die weltweit erste offene IoT-Plattform für Kamera-Apps im Bereich Sicherheit zu entwickeln. Mitte 2019 soll der neue App-Store online sein. Sicherheitskameras sind nicht mehr wegzudenken, wo viele Menschen zusammentreffen – sie dienen dem Schutz von Bahnhöfen, Flughäfen, Kauf- und Bürohäusern. Längst helfen Kameras auch Gefahren frühzeitig zu erkennen, indem sie die Analyse von Bewegungsmustern unterstützen – auch dies ist ein frühes Einsatzfeld der KI. Es gibt jedoch eine Herausforderung: Mit der Alterung ihrer Software werden Kameras „dumm“. Und selbst wenn eine neue Software kommt, passt sie häufig nicht zur spezifischen Hardware. Sicherheitskameras könnten also viel mehr, gäbe man ihnen regelmäßig ein kompatibles aufgefrischtes Software-Paket. Genau hier kommt das neue Start-up ins Spiel. SAST stellt erstmals ein Betriebssystem zur Verfügung, mit dem Apps für verschiedene Sicherheitskameras programmiert und gesteuert werden können. Fürs Update ist also keine Vielzahl von Software-Varianten mehr notwendig, eine Version genügt. SAST schafft mit dem offenen und standardisierten Betriebssystem nichts weniger als einen globalen Marktplatz für Anwendungen in Sicherheitskameras. Für neue Kameras heißt das über den Lebenszyklus hinweg: alte Software raus, neue Software rein. Per Fernzugriff. Ohne weitere Anpassungen, ohne großen Aufwand. Wann immer nötig. Die neue Lösung trifft auf einen Markt, der seit Jahren stetig expandiert. Allein in Deutschland haben Kunden 2017 mehr als eine halbe Milliarde Euro für Videotechnik im Sicherheitsbereich ausgegeben, ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Quelle: BHE). Weltweit werden Hersteller 2018 rund 130 Millionen Sicherheitskameras ausliefern, 2006 waren es erst zehn Millionen Stück (Quelle: IHS Markit). Für diesen wachsenden Markt realisieren wir erstmals eine einheitliche Software-Entwicklungsplattform. Davon können alle Beteiligten profitieren. Meine Damen und Herren, mit unserem SAST-Engagement komme ich zum Schluss. Es verdeutlicht in besonderem Maße unsere Strategie, in digitale Wachstumsfelder zu investieren und dabei auch neue Plattformen entstehen zu lassen. Abschließend noch die Ankündigung des Wechsels in der Geschäftsführung des Unternehmensbereichs Energy and Building Technology. Diesen übernimmt ab dem 01. Januar mein Nachfolger Dr. Christian Fischer. Das Wort möchte ich nun an ihn übergeben.

Deutschland kann Hightech: Halbleiter sind der Grundstein für mehr Lebensqualität

25.06.2018

Referat

Wirtschaft

Deutschland kann Hightech: Halbleiter sind der Grundstein für mehr Lebensqualität

Es gilt das gesprochene Wort.Sehr geehrte Damen und Herren, vor nur fast einem Jahr haben wir gemeinsam die Entscheidung zum Bau unserer neuen 300-Millimeter-Halbleiterfabrik bekannt geben – heute können wir nach komplexen Planungsschritten den Grundstein für die Chipfabrik der Zukunft von Bosch legen. Wir legen damit zugleich den Grundstein für mehr Lebensqualität der Menschen, wir legen den Grundstein für mehr Sicherheit im Straßenverkehr – und wir legen den Grundstein für eine Schlüsseltechnologie des Internets der Dinge sowie der Mobilität der Zukunft. Halbleiter sind Kernbestandteil aller elektrischen Systeme. Und Halbleiter machen Daten auch zum begehrten Rohstoff der Zukunft – ohne Halbleiter würde heute kein Auto mehr fahren. Sie ermöglichen automatisiertes, ressourcenschonendes Fahren und sorgen für bestmöglichen Insassenschutz – etwa beim Auslösen eines Airbags. Für die immer größeren Anwendungsfelder von Halbleitern erweitern wir unsere Fertigungskapazitäten und setzen für unser neues Werk auf den Technologiestandort Deutschland. Mit dem Neubau steigen wir erstmals in die 300-Millimeter-Technologie ein, um weitere Skaleneffekte zu erzielen und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Landeshauptstadt Dresden ist für uns ein Motor der Mikroelektronik in Europa – und war damit weltweit die erste Wahl für unsere Milliardeninvestition. Ich bin überzeugt: Deutschland kann Hightech. Durch eine enge Kooperation mit Halbleiterunternehmen, Wissenschaft und Lehre wollen wir sowohl unsere Innovationskraft als auch die Wettbewerbsfähigkeit dieser Hochtechnologiebranche stärken – in Deutschland und in Europa. Meine Damen und Herren, in unserer Chipfabrik schaffen wir mit hochautomatisierten Fertigungsprozessen täglich nicht nur Zukunft in Form von Halbleitern. Wir schaffen ebenso die Zukunft für hochattraktive Arbeitsplätze. In unserem Hightech-Werk sollen künftig bis zu 700 Mitarbeiter tätig sein. Wir suchen kreative Köpfe, die den Bau der modernsten Chipfabrik von Bosch mitgestalten. Dazu setzen wir stark auf Fachkräfte aus der Region, aber auch auf internationale Kompetenzträger und Experten. Unser neues Bauvorhaben ist zugleich die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Bosch. Wir investieren rund eine Milliarde in unseren neuen Standort und freuen uns, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beabsichtigt, die Einrichtung und Inbetriebnahme zu unterstützen. Neben der Bundesregierung haben auch das Land Sachsen und die Stadt Dresden Unterstützung zugesichert. Deshalb bedanke ich mich an dieser Stelle bei Ihnen, Herr Bundesminister Altmaier, und auch bei Ihnen, Herr Ministerpräsident Kretschmer. Sie und Ihre Vorgänger haben dazu beigetragen, dass wir heute gemeinsam bereits den symbolischen Grundstein legen können – für mehr Lebensqualität der Menschen, für die Halbleiterbranche in Dresden und für die Wettbewerbsfähigkeit des Technologiestandortes Deutschland.