Dr. Stefan Hartung,
Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH,
Dr. Markus Heyn,
Mitglied der Geschäftsführung und Vorsitzender von
Bosch Mobility,
anlässlich der IAA Mobility am 8. September 2025
Es gilt das gesprochene Wort.
Dr. Stefan Hartung,
Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH,
Dr. Markus Heyn,
Mitglied der Geschäftsführung und Vorsitzender von
Bosch Mobility,
anlässlich der IAA Mobility am 8. September 2025
Es gilt das gesprochene Wort.
Meine Damen und Herren,
das Auto der Zukunft hat mit dem Auto, wie wir es kennen, in etwa so viel gemeinsam wie ein Computer mit einer mechanischen Schreibmaschine. Die haben zwar beide eine Tastatur und mit beiden kann man einen Brief schreiben – viel mehr an Übereinstimmungen gibt es aber nicht. Ähnlich einschneidend zeigt sich der Fortschritt beim Auto: Das Fahrzeug von morgen wird zwar noch – in der Regel – vier Räder haben und uns von A nach B befördern. Alles andere aber wird sich tiefgreifend wandeln.
Die Mobilität wird intelligenter, vernetzter und leistungsfähiger sein als je zuvor. Und der eigentliche Schub für diese Entwicklung ist, sie wissen es natürlich – die Software. Vor uns liegt das Zeitalter der Software Driven Mobility, und wir bei Bosch werden dieses Zeitalter maßgeblich mitprägen: als Innovationstreiber, als Technologiepartner und als Anbieter von maßgeschneiderten Lösungen auf allen Ebenen der softwaregetriebenen Fahrzeugentwicklung. Und damit herzlich willkommen zu unserer Pressekonferenz hier auf der IAA Mobility.
Die softwaregetriebene Mobilität wird nicht nur das Auto an sich erneuern, sondern vor allem seine Entwicklung, Herstellung, seine Wartung und Nutzung. Neue Geschäftsmodelle, neue Wettbewerber und Verschiebungen in der Wertschöpfung werden die gesamte Automobilindustrie verändern. Chancen und Herausforderungen liegen dabei nah beieinander – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Anspannungen. Für uns steht deshalb fest: Wer erfolgreich sein will, braucht – mehr denn je – Flexibilität und tiefes Systemverständnis, Mut zum Risiko, wettbewerbsfähige Kosten und strategische Partner.
Bosch treibt diese neue Fahrzeugwelt aktiv voran. Produkte für die softwaregetriebene Mobilität sind bereits weltweit in Serie. In China gehören wir zu den wichtigsten Anbietern in diesem Bereich und sind ein idealer Partner für unsere Kunden. Die starke Position im Leitmarkt hilft uns dabei, wettbewerbsfähige Lösungen weltweit anzubieten und zugleich an regionale Gegebenheiten anzupassen. Auch deshalb können wir unser Geschäft in der software-getriebenen Mobilität weiter stark ausbauen. Mein Kollege Markus Heyn wird Ihnen gleich einige der besonders nachgefragten Lösungen nennen.
Wir profitieren dabei sowohl von unserer seit langem aufgebauten Software-Kompetenz wie auch von unserem einzigartigen Wissen über alle Domänen der Fahrzeugtechnik hinweg: Wir können Hardware und Software, wir können sie getrennt anbieten oder miteinander verbunden, standardisiert, integriert oder entkoppelt – ganz so wie der Kunde es wünscht. Denn auch in Zukunft gilt: Ohne anspruchsvolle Hardware bewegt sich selbst das klügste Auto keinen einzigen Millimeter. Wir müssen also auch in diesem Bereich innovativ bleiben.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die softwaregetriebene Mobilität mit ihren vielen neuen Marktteilnehmern den intensiven Wettbewerb noch weiter verschärft. Dabei mangelt es in unserer Branche ohnehin nicht an Herausforderungen: Die globale Fahrzeugproduktion stagniert seit Jahren, und in Europa sinken Nachfrage und Produktion sogar. Belastend wirken auch die Marktverzögerungen bei der Elektromobilität und beim automatisierten Fahren. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten sowie die anhaltenden Einschränkungen der Handelsströme.
Dennoch werden wir 2025 im Mobility-Bereich wachsen – wenn auch nur leicht und voraussichtlich etwas weniger als zwei Prozent. Unsere längerfristigen Ziele werden wir ohnehin nur erreichen, wenn wir auch in der zukünftigen Fahrzeugwelt wettbewerbsfähig bleiben. Denn die software-getriebene Mobilität wird den Druck auf die Margen voraussichtlich noch weiter erhöhen. Also müssen wir zum einen unsere Strukturen weiter an die Nachfrage anpassen und die Kosten in allen Bereichen reduzieren. Und zum anderen müssen wir unsere Kunden weiterhin mit attraktiven und innovativen Lösungen für die intelligente und vernetzte Mobilität überzeugen. Welche Lösungen das sein werden, erklärt Ihnen nun mein Kollege Markus Heyn…
Vielen Dank, Stefan und auch von mir ein „Herzliches Willkommen“ auf der IAA.
Bislang war ein Fahrzeug nie so neu wie im Moment seiner Auslieferung. In Zukunft aber wird es per Software-Update fortlaufend aktualisiert und mittels KI ständig hinzulernen. Fahrer und Fahrerinnen können ihr Auto viel mehr personalisieren als heute – vom Innenraum über das Fahrverhalten bis hin zum Infotainment. So wird das Fahrzeug zum persönlichen Assistenten und jeder Kilometer zu einem individuellen Erlebnis. Das kann man sich in etwa so vorstellen wie den Wandel vom Radio zur eigenen Playlist: An die Stelle von starren Vorgaben treten persönliche Vorlieben. Die neue Mobilität ist also vor allem eine nutzerzentrierte Mobilität.
Ein Beispiel dafür ist das Vehicle Motion Management von Bosch. Dabei steuert eine zentrale Software verschiedene Funktionen in den Bremsen, im Antrieb, im Fahrwerk und in der Lenkung koordiniert an. Dadurch werden die einzelnen Systeme noch besser aufeinander abgestimmt als bisher. Je nach Stimmung der Fahrerin oder der Passagiere kann sich das Fahrzeug entweder besonders agil oder auch besonders sanft verhalten – bis hin zum völlig ruckfreien Anhalten. Die automatische Erkennung des Fahrers oder ein einfacher Knopfdruck genügt, und das Auto fühlt sich an wie ein anderes. Die dafür nötige Software ist von der Hardware entkoppelt und kann deshalb erstens in verschiedenen Fahrzeug-Architekturen zum Einsatz kommen, zweitens das markentypische Fahrgefühl des jeweiligen Herstellers perfekt zur Geltung bringen und drittens jederzeit per Update aktualisiert werden.
Die Nachfrage nach dem Vehicle Motion Management ist überwältigend – bereits jetzt nutzen mehr als zwei Dutzend Hersteller in Europa, China und Japan unsere Softwarepakete. Und wir programmieren weiter. Dafür investieren wir bis 2028 einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag und bauen unser modulares Software- und Funktionsportfolio aus – quer über alle Domänen.
Wir sind also in allen Bereichen aktiv, die für das softwaredefinierte Fahrzeug wichtig sind. Dazu gehören zum Beispiel intelligente Fahrerassistenzsysteme wie unsere ADAS-Produktfamilie: Fahrzeughersteller haben die Wahl zwischen drei vorkonfigurierten Varianten und können diese dann schnell und markenspezifisch in Serie bringen. Hard- und Software können auch hier sowohl integriert oder getrennt erworben werden. Grundsätzlich ist bei beiden Varianten ein ganzheitlicher Ansatz von erheblichem Vorteil: Denn nur wer das Zusammenspiel zwischen Hardware und Software im Detail versteht, kann individuell optimierte Lösungen anbieten, die sich nahtlos in bestehende Umgebungen einfügen lassen.
Zu solchen Lösungen zählen auch unsere By-Wire-Systeme für Bremse und Lenkung. Die mechanische Verbindung fällt weg – stattdessen übernimmt Software die Kontrolle. Das spart Gewicht, ermöglicht schnelle und präzise Reaktionen und bringt Abwechslung ins Auto. Denn auch hier gilt: Software macht den Unterschied. Brems- und Lenkverhalten können – natürlich im Rahmen der Sicherheitsvorschriften – jederzeit angepasst und aktualisiert werden. By-Wire ist eine Schlüsseltechnologie sowohl für das automatisierte Fahren wie auch für die softwaregetriebene Mobilität. Für Bosch ist das ein wichtiges Geschäftsfeld. Mit Brake-by-Wire und Steer-by-Wire erwartet das Unternehmen bis 2032 ein kumuliertes Umsatzvolumen von mehr als sieben Milliarden Euro. Die Marktdynamik dieser Schlüsseltechnologie wird sich in den 2030er Jahren immer weiter beschleunigen.
Die By-Wire-Technologie zeigt die kommende Reihenfolge im Fahrzeugbau: Das Design der Hardware richtet sich in Zukunft nach den Anforderungen der Software. Das gilt auch für Hochleistungsrechner, wie man sie etwa für intelligente Cockpit-Systeme braucht. Solche Fahrzeugcomputer sind zentrale Bestandteile in modernen E/E-Architekturen – also im Hirn- und Nervensystem des Autos. Im software-definierten Fahrzeug wird es nur einige wenige dieser leistungsstarken Computer geben statt Dutzende von Steuergeräten wie bisher. Für uns ist das ein starker Treiber: Unser Geschäft mit Hochleistungscomputern wächst aktuell jedes Jahr um mehr als fünf Prozent. Zu unseren Kunden zählen Hersteller wie beispielsweise die BMW Group.
Zur software-getriebenen Mobilität zählt auch unsere ADAS und Cockpit Integration Platform. Die Lösung verarbeitet zeitgleich verschiedene Funktionen aus Fahrerassistenz und Infotainment – und zwar auf nur einem Steuergerät und einem sogenannten System-on-Chip. Das spart Platz, Kosten und Energie. Zudem ist das System modular aufgebaut und kann Software verschiedener Hersteller flexibel integrieren. Für solch eine Lösung muss man mit der funktionalen Sicherheit im Fahrzeug und in der Cloud bestens vertraut sein. Und außerdem braucht man genau das, was Stefan vorhin schon angesprochen hat: Erfahrung und tiefes Wissen über alle Fahrzeugdomänen hinweg.
Ähnliches gilt für das KI-Cockpit, das wir für SAIC-GM in China entwickelt haben. Dabei verarbeitet ein kompakter und leistungsstarker Prozessor äußerst große Datensätze aus einem Large Language Modell, so dass der Fahrer auf natürliche Weise mit dem Fahrzeug sprechen kann – fast so wie mit einem Menschen. Noch in diesem Jahr soll die Produktion anlaufen.
Bosch, meine Damen und Herren, bereitet sich seit Jahren auf diese softwaregetriebene Zukunft vor. Wir haben unseren Bereich Mobility völlig neu geordnet und unsere Prozesse und Methoden auf die neue Rolle der Software hin ausgerichtet. Wir sind pragmatischer, unternehmerischer und schneller geworden – und erschaffen eine Software- und Systemarchitektur, in der Zentralrechner und Steuergeräte, Sensoren, Halbleiter, Hard- und Middleware kompatibel und modular aufeinander abgestimmt sind.
Dennoch bleiben die Herausforderungen, die dieser fundamentale Wandel mit sich bringt, auch für uns noch eine Weile erhalten – zumal die Transformation nicht auf allen Märkten und nicht bei allen Herstellern das gleiche Tempo zeigt. Unser Vorteil dabei ist aber nicht nur das Wissen um Hard- und Software gleichermaßen, sondern auch die Tatsache, dass wohl in kaum einem anderen Unternehmen weltweite Präsenz und lokales Wissen derart ideal zusammenlaufen wie bei Bosch. Diese Chance werden wir nutzen.
Und damit wieder zurück an Stefan – vielen Dank!
Danke, Markus – ich denke, es ist noch einmal klar geworden, wie fundamental der Umbruch ist, mit dem wir umgehen müssen, den wir aber natürlich gleichzeitig vorantreiben wollen. Dafür setzen wir auch auf strategische Partnerschaften, vor allem dort, wo es um neue Geschäftsmodelle und skalierbare Softwaresysteme geht. In China etwa arbeiten wir gemeinsam mit WeRide und Horizon Robotics an Lösungen für das assistierte und automatisierte Fahren, genauso wie mit der VW-Tochter CARIAD in Europa.
Und ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft noch deutlich mehr solcher Allianzen sehen werden – spätestens dann, wenn die Antriebswende wieder an Fahrt aufnimmt. Denn mit den neuen Elektroplattformen kommen auch die modernen Software-Architekturen in die Fahrzeuge. Wir sind jedenfalls unverändert davon überzeugt, dass der batterieelektrische Antrieb in einigen Jahren die weltweit vorherrschende Technologie für neue Pkw sein wird.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Verbrenner völlig verschwinden wird – zumal wir in allen Weltmärkten einen steigenden Anteil leistungsstarker Hybride erwarten. Dazu zählen auch die Range Extender, die insbesondere in China erfolgreich sind – und bei denen ein Verbrenner bei Bedarf die Batterie auflädt. Bosch bietet hierfür Einspritztechnik und Antriebskomponenten, wie etwa unseren Elektromotor, an. Range Extender sollten, genauso wie Plug-in-Hybride, auch in Europa über 2035 hinaus eine Perspektive erhalten, da sie Emissionen deutlich reduzieren können. Hierzu müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen so bald wie möglich angepasst werden. Politisch zu klären ist außerdem die Nutzung regenerativer Kraftstoffe – denn nicht zuletzt davon hängt ab, wie sich der Verbrenner hier in Europa entwickelt. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass die vereinbarte Regelung für die entsprechenden Fahrzeuge bald Gestalt annimmt. Eine technologische Lösung, um nachzuweisen, dass tatsächlich erneuerbarer Kraftstoff getankt wurde, haben wir jedenfalls schon: Mit unserem Digital Fuel Twin lassen sich Herkunft und Eigenschaften verwendeter Kraftstoffe lückenlos nachverfolgen und zertifizieren.
Meine Damen und Herren, es ist, denke ich, eines heute sehr deutlich geworden: Das Zeitalter der domänenzentrierten Fahrzeugentwicklung geht seinem Ende entgegen. Die Zukunft gehört immer mehr der Zentralarchitektur – effizient, intelligent und updatefähig. Sie gehört der Software und einer davon abgeleiteten Hardware. Sie gehört all denen, die Tempo und Technologie zusammenbringen und gleichzeitig die Nutzer in den Mittelpunkt stellen. Wir sind dabei, wie Sie gesehen haben, schon gut unterwegs. Dabei hilft uns unsere Innovationskraft und eine klare strategische Ausrichtung mit einem klaren Ziel: Wir wollen auch in der softwaregetriebenen Mobilität ein führender Technologiepartner bleiben und gemeinsam mit unseren Kunden intelligente, vernetzte Fahrzeuge, Transportsysteme und Dienstleistungen erfolgreich entwickeln.
Vielen Dank!
Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 418 000 Mitarbeitenden (Stand: 31.12.2024). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 90,3 Milliarden Euro. Die Geschäftsaktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Mit seiner Geschäftstätigkeit will das Unternehmen übergreifende Trends wie Automatisierung, Elektrifizierung, Digitalisierung, Vernetzung sowie die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit technologisch mitgestalten. Die breite Aufstellung über Branchen und Regionen hinweg stärkt die Innovationskraft und Robustheit von Bosch. Mit seiner ausgewiesenen Kompetenz bei Sensorik, Software und Services ist das Unternehmen in der Lage, Kunden domänenübergreifende Lösungen aus einer Hand anzubieten. Zudem setzt Bosch sein Know-how in den Bereichen Vernetzung und künstliche Intelligenz ein, um intelligente, nutzerfreundliche und nachhaltige Produkte zu entwickeln und zu fertigen. Bosch will mit „Technik fürs Leben“ dazu beitragen, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und natürliche Ressourcen zu schonen. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH sowie ihre rund 490 Tochter- und Regionalgesellschaften in mehr als 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs-, Entwicklungs- und Vertriebsverbund von Bosch über fast alle Länder der Welt. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit rund 87 000 Mitarbeitende in Forschung und Entwicklung an 136 Standorten.
Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart gegründet. Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbstständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 94 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die übrigen Anteile halten eine Gesellschaft der Familie Bosch und die Robert Bosch GmbH. Die Stimmrechte liegen mehrheitlich bei der Robert Bosch Industrietreuhand KG. Diese hat die durch den Firmengründer Robert Bosch testamentarisch verfügte Aufgabe, für den langfristigen Bestand des Unternehmens und speziell für dessen finanzielle Unabhängigkeit zu sorgen.
Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de.