Mobility Solutions

Das Auto als Fahrer Autobahnpilot ist in fünf Jahren technisch serienreif

  • Automatisiertes Fahren stellt hohe Ansprüche an technische Zuverlässigkeit
  • Bosch-Technik bringt künstliche Intelligenz in Erprobungsfahrzeuge
  • Mehr als 10 000 Kilometer bei Testfahrten auf öffentlichen Straßen absolviert
  • Rechtliche Vorschriften müssen mit technischen Möglichkeiten Schritt halten
  • Mit zunehmender Automatisierung bis zu einem Drittel weniger Unfälle in Deutschland
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  • 10. September 2015
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Pressetext

Frankfurt/Stuttgart – Selber fahren oder fahren lassen – schon in wenigen Jahren bringt Bosch eine Funktion auf den Markt, die Autofahrern diese Entscheidung überlässt. „Mit unserem Autobahnpiloten könnten Autos ab 2020 hochautomatisiert über die Autobahn fahren“, sagt Dr. Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Beim hochautomatisierten Fahren übernimmt das Fahrzeug vorübergehend die volle Verantwortung. „Das Auto wird zum Chauffeur, der Fahrer zum Passagier“, sagt Hoheisel. Das erhöht die Sicherheit im Straßenverkehr, stellt gleichzeitig aber auch große Anforderungen an die Zuverlässigkeit der Technik und macht tiefgreifende Veränderungen der Fahrzeugarchitektur erforderlich. „Aus technischer Sicht sind wir bei Bosch in der Entwicklung auf einem guten Weg “, so Hoheisel. Wichtig ist aber auch, dass die Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das automatisierte Fahren schafft. „Die rechtlichen Vorschriften müssen mit den technischen Möglichkeiten Schritt halten“, fordert Hoheisel.

Bosch-Erprobungsfahrzeuge: Künstliche Intelligenz auf vier Rädern
Was technisch bereits heute alles möglich ist, zeigt Bosch auf der Autobahn A81 und der US-Interstate I280. Seit Anfang 2013 sind Ingenieure hochautomatisiert auf öffentlichen Straßen unterwegs – anfangs mit Erprobungsfahrzeugen auf Basis des BMW 3er Touring, seit Mitte 2015 auch mit dem Tesla Model S. „Mehr als 10 000 Testkilometer haben unsere Entwickler inzwischen problemlos absolviert“, sagt Hoheisel. Die Fahrzeuge bewegen sich selbständig durch den Verkehr – beschleunigen, bremsen, überholen. Wann sie den Blinker setzen und die Spur wechseln, entscheiden die Bosch-Autos – abhängig von der Verkehrssituation – ganz allein. Basis dafür ist ein präzises, von Sensoren erzeugtes Bild des Fahrzeugumfelds. Zusätzlich liefert Bosch-Kooperationspartner TomTom hochgenaue Kartendaten. Mit allen diesen Informationen stellt ein Computer Berechnungen über das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer an und leitet daraus Entscheidungen für die Fahrstrategie der hochautomatisiert fahrenden Fahrzeuge ab. „Bosch-Technik macht die Autos intelligent“, erklärt Hoheisel.

Umbau der Testfahrzeuge mit 1 400 Arbeitsstunden und 1 300 Metern Kabel
Damit die Erprobungsfahrzeuge das Steuer übernehmen können, war ein Umbau erforderlich. 1 400 Arbeitsstunden hat Bosch zum Beispiel in die Ausrüstung des Tesla gesteckt. 50 neue Komponenten wie beispielsweise die Stereo-Videokamera sind dabei neu eingebaut und 1 300 Meter Kabel neu verlegt worden. Der Aufwand kommt nicht von ungefähr: Hochautomatisiert fahrende Fahrzeuge müssen auch beim Ausfall einer Komponente jederzeit sicher funktionieren. Das lässt sich nur durch die redundante Auslegung sicherheitsrelevanter Systeme wie Bremse und Lenkung erreichen. So verfügen die Tesla-Erprobungsfahrzeuge beispielsweise sowohl über den elektromechanischen Bremskraftverstärker iBooster als auch über das Bremsregelsystem ESP. Beide Bosch-Komponenten können ein Auto unabhängig voneinander abbremsen, ohne dass der Fahrer eingreifen muss. Auch die Stromversorgung und wichtige Steuergeräte sind doppelt ausgelegt.

Von Serienmodellen sind die Bosch-Erprobungsfahrzeuge auf den ersten Blick aber kaum zu unterscheiden. „Der größte Unterschied zu heutigen Serienautos wird sich künftig im Innenraum zeigen“, ist sich Hoheisel sicher. Hochautomatisiertes Fahren verändert die Fahrzeugbedienung und verlangt nach modernen Konzepten für die Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrzeug. Der Fahrer muss das System intuitiv erfassen und bedienen können. Mit seinen innovativen Anzeigeninstrumenten liefert Bosch auch hier bereits ansprechende Lösungen: Maximale Flexibilität bei der Verarbeitung und der brillanten Anzeige von Inhalten bietet beispielsweise das displaybasierte Kombi-Instrument, wie es unter anderem im Audi TT zum Einsatz kommt. Mit Head-up-Displays stellt Bosch Informationen wie Geschwindigkeit, Navigation und Warnungen direkt im Blickfeld des Fahrers dar. Gleichzeitig wird das erzeugte Bild so in die Szenerie außerhalb des Autos eingefügt, sodass beides in einem Abstand von etwa zwei Metern vor dem Fahrzeug miteinander zu verschmelzen scheint.

Tiefes Verständnis aller Systeme im Fahrzeug als Schlüssel zum Erfolg
Automatisiertes Fahren hat Einfluss auf alle Bereiche im Auto: Antrieb, Bremse, Lenkung, Anzeigeninstrumente, Navigation und Sensorik sowie die Vernetzung innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs. Schlüssel zum Erfolg ist ein tiefes Verständnis aller Systeme im Fahrzeug. Darüber verfügt Bosch wie kaum ein zweites Automotive-Unternehmen weltweit – die Anfang des Jahres vollzogene vollständige Übernahme des Lenkungsspezialisten ZF Lenksysteme GmbH, heute Robert Bosch Automotive Steering GmbH, unterstützt dies in idealer Weise. Basis für das automatisierte Fahren sind Fahrerassistenzsysteme. Diese helfen Autofahrern schon heute beim Wechseln und Halten der Spur sowie beim Bremsen oder Ausweichen vor einem Hindernis. „Auf dem Weg hin zu selbstfahrenden Autos werden wir noch viele neue Assistenzsysteme auf den Markt bringen“, kündigt Hoheisel an. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen bei Bosch eins-zu-eins in die Entwicklung des automatisierten Fahrens und geben ihr weiteren Schub. 2 000 Entwickler arbeiten bei Bosch weltweit im Bereich der Fahrerassistenz und unterstützen damit beide Teams, die seit 2011 in Abstatt bei Heilbronn und in Palo Alto im Silicon Valley das automatisierte Fahren entwickeln.

Größter Ansporn für die Entwicklung des automatisierten Fahrens ist die Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr. Weltweit sterben pro Jahr schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen durch Verkehrsunfälle. In 90 Prozent der Fälle ist menschliches Fehlverhalten die Ursache. „Die richtige Unterstützung in kritischen Verkehrssituationen kann Leben retten“, sagt Hoheisel. Laut Prognose der Bosch-Unfallforschung kann die zunehmende Automatisierung die Unfallzahlen weiter senken, allein in Deutschland um bis zu einem Drittel. Das haben auch erste Versicherer erkannt. Verfügt ein Auto über bestimmte Fahrerassistenzsysteme, wie zum Beispiel eine Notbremsfunktion für den Stadtverkehr (AEB City), werden Fahrzeughalter etwa in Großbritannien bereits mit einer günstigeren Einstufung der Fahrzeugklasse belohnt. Automatisiertes Fahren macht den Straßenverkehr aber nicht nur sicherer, sondern auch effizienter. So erhoffen sich US-Studien bei Autobahnfahrten dank vorausschauender Fahrstrategie Kraftstoffeinsparungen von bis zu 39 Prozent.

Rechtliche Voraussetzungen: Politik und Verbände in der Pflicht
Voraussetzung dafür sind Änderungen an der Gesetzgebung. Limitierend auf das automatisierte Fahren wirkt sich etwa die Wiener Verkehrskonvention von 1968 aus. Demnach müssen Fahrer ständig die Kontrolle über ihr Auto haben, womit hochautomatisiertem Fahren bislang ein Riegel vorgeschoben ist. Anpassungen der nicht nur für Deutschland gültigen Rechtsgrundlage deuten sich aber an: Automatisierte Fahrfunktionen sollen erlaubt werden, wenn der Fahrer sie aktiv übersteuern oder ausschalten kann. Eine entsprechende Überarbeitung der Regelung wird aktuell diskutiert. Neben dem Verhaltensrecht stellt das Zulassungsrecht eine weitere Hürde dar. So erlaubt die Regelung R 79 der UNECE (The United Nations Economic Commission for Europe) automatische Lenkeingriffe nur bei Geschwindigkeiten von bis zu zehn Stundenkilometern. Änderungen wurden bislang nur zögerlich angegangen. Inzwischen arbeitet jedoch eine informelle Arbeitsgruppe der UNECE an diesem Thema. „Wir sind zuversichtlich, dass Politik und Verbände die Weichen zeitnah richtig stellen“, sagt Hoheisel. Bleibt noch die Frage der Validierung: Zur Serienfreigabe eines Autobahnpiloten müssten nach gängigen Methoden mehrere Millionen Testkilometer absolviert werden. Hier arbeitet Bosch an neuen Ansätzen, die stärker auf Simulationen zurückgreifen.

Journalistenkontakt: Jörn Ebberg, Telefon: +49 711 811-26223

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Mobility Solutions ist der größte Unternehmensbereich der Bosch-Gruppe. Er trug 2015 mit 41,7 Milliarden Euro 59 Prozent zum Umsatz bei. Damit ist das Technologieunternehmen einer der führenden Zulieferer der Automobilindustrie. Der Bereich Mobility Solutions bündelt seine Kompetenzen in den drei Domänen der Mobilität – Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung – und bietet seinen Kunden ganzheitliche Mobilitätslösungen. Die wesentlichen Geschäftsfelder sind: Einspritztechnik und Nebenaggregate für Verbrennungsmotoren sowie vielfältige Lösungen zur Elektrifizierung des Antriebs, Fahrzeug-Sicherheitssysteme, Assistenz- und Automatisierungsfunktionen, Technik für bedienerfreundliches Infotainment und fahrzeugübergreifende Kommunikation, Werkstattkonzepte sowie Technik und Service für den Kraftfahrzeughandel. Wichtige Innovationen im Automobil wie das elektronische Motormanagement, der Schleuderschutz ESP oder die Common-Rail-Dieseltechnik kommen von Bosch.

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 375 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2015). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 70,6 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über rund 150 Länder. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit 55 800 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 118 Standorten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de, http://twitter.com/BoschPresse.

PI9016 - 10. September 2015

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Jörn Ebberg

+49 711 811-26223 E-Mail senden

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