Wirtschaft

Mit breitem Technik- und Branchenwissen die vernetzte Welt mitgestalten Referat von Dr. Volkmar Denner,
Vorsitzender der Geschäftsführung,
und Dr. Stefan Asenkerschbaumer,
stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung,
anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz am 30. April 2014

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  • 30. April 2014
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  • Referat

Pressetext

Die Welt vernetzt sich, sehr geehrte Damen und Herren,

und es scheint, als entwickelten sich Internet und Globalisierung in einer Eigendynamik. Unternehmen wie Bosch aber können diese Entwicklung mitgestalten – das wird ein Schwerpunkt auf dieser Bilanz-Pressekonferenz sein, zu der auch ich Sie herzlich begrüße. Was hat es zu bedeuten, dass schon 2015 fünf Milliarden Menschen im Internet nicht mehr unter sich bleiben, vielmehr auch sechs Milliarden Geräte vernetzt sind? Was heißt es, dass die Kosten für die Datenkommunikation stetig fallen, Hard- und Softwarebranche sich vermischen? Wir bei Bosch sehen darin eine große Chance – eine Chance für neue Services, die ihrerseits zu einer neuen Qualität und Breite unserer „Technik fürs Leben“ führen. Wir ergänzen unsere innovativen Technologien durch innovative Dienstleistungen.

Auf dieser Pressekonferenz bieten wir zudem einen Rück- und Ausblick zum Geschäftsverlauf. Die wesentlichen Punkte:



  • 2013 entwickelte sich unser Geschäft in schwachem wirtschaftlichem Umfeld positiv. Wir konnten Umsatz und Ertrag steigern – dank innovativer Erzeugnisse, aber auch harter Kostenarbeit. Besonders erfolgreich: unsere Kraftfahrzeugtechnik.
  • 2014 erwarten wir leicht gestärkte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Damit kann unser Geschäft schneller wachsen als im Vorjahr, voraussichtlich um drei bis fünf Prozent. Zugleich wollen wir unser Ergebnis weiter verbessern.
  • Übers Jahr hinaus setzen wir auf Innovationen und Qualität. Mit der Sensorik verfügen wir über besonderes Know-how in einer Schlüsseltechnik für die Zukunft.
Es ist gut, dass Innovationen in vielen Ländern auch auf der Tagesordnung der Politik stehen. So hat die neue deutsche Bundesregierung nicht nur eine Hightech-Strategie ausgegeben, sondern auch konkrete Handlungsfelder wie die Digitalisierung benannt. Dennoch gibt es zu denken, dass ein Land wie China jährlich 40-mal so viele Jungingenieure hervorbringt wie Deutschland. Im vergangenen Jahr haben chinesische Forscher im Ausland sogar mehr Patente angemeldet als deutsche. Solche Indikatoren zeigen: Die asiatischen Schwellenländer konkurrieren nicht mehr allein über die Kosten – auch dort zählen Innovationen. Daher zwei Punkte:

  • Erstens kann die Politik in der Innovationsförderung nicht ehrgeizig genug sein. Deutschland und andere europäische Länder müssen sich bei Forschung und Entwicklung mit den führenden Ländern in der Welt messen.
  • Zweitens müssen die eingesetzten Mittel vor allem der Grundlagenforschung zugutekommen, ebenso wie dem schnellen Transfer in die industrielle Anwendung. Erstklassige Universitäten steigern die Strahlkraft des Standorts – und davon profitieren auch die Unternehmen. Länder wie Deutschland müssen Anschluss an die Spitzenforschung halten.
Unternehmen wie Bosch zielen auf die Spitze des technischen Fortschritts – und dabei setzen wir auf die Ideen unserer Mitarbeiter. Wie wir unsere Innovationskraft auf die vernetzte Welt ausrichten, darauf werde ich zurückkommen. Zunächst aber ein Blick auf die Entwicklung unseres Geschäfts. Dazu übergebe ich das Wort an Herrn Asenkerschbaumer.



Geschäftszahlen 2013: Auf dem richtigen Weg

Meine Damen und Herren,

ich werde Ihnen jetzt die Eckpunkte des Jahresabschlusses 2013 in kompakter Form erläutern und einen Ausblick auf 2014 geben. Drei Aspekte spielen dabei eine besondere Rolle: erhebliche Wechselkurseffekte, Methodenänderungen in der Konzernrechnungslegung sowie der Ausstieg aus der kristallinen Photovoltaik. Letztere ist als nicht fortgeführter Bereich separat in Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung darzustellen. Die folgenden Ausführungen beziehen sich daher im Wesentlichen auf die fortgeführten Aktivitäten, das heißt ohne die kristalline Photovoltaik.

Doch zunächst möchte ich die positive Aussage von Herrn Denner aufgreifen: Unser Unternehmen hat sich 2013 vor dem Hintergrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds erfreulich entwickelt. Wir sind auf dem richtigen Weg – auch wenn wir noch einiges an Aufgaben vor uns haben, um mittelfristig unser Ziel eines Renditeniveaus von acht Prozent vom Umsatz zu erreichen. Dies ist kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für unser langfristiges Wachstum und die Unternehmenssicherung.



Insbesondere im ersten Halbjahr 2013 mussten wir uns auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld einstellen. Es hat sich zwar im Jahresverlauf verbessert, dennoch blieb das Wachstum der weltweiten Wirtschaftsleistung mit 2,5 Prozent hinter unseren Prognosen zurück. So erholte sich die Wirtschaft in der Europäischen Union aufgrund der Rezession in Südeuropa langsamer als erwartet.
In unseren Kernmärkten konnte die weltweite Fahrzeugproduktion mit einem Zuwachs von vier Prozent etwas stärker zulegen als erwartet. Doch der Maschinenbaumarkt war erneut sehr schwach, in Europa sogar rückläufig. Die weltweiten Zuwächse beim Privaten Konsum und auch der Bautätigkeit entwickelten sich 2013 etwas schwächer als 2012.

Vor diesem Hintergrund können wir mit dem Umsatzwachstum der Bosch-Gruppe insgesamt gesehen zufrieden sein – insbesondere wenn man die wechselkursbereinigten Werte in Betracht zieht. Der Umsatz in der Bosch-Gruppe stieg gegenüber Vorjahr um 3,1 Prozent auf 46,1 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt um 6,3 Prozent. Die Wechselkursbelastungen summieren sich damit auf rund 1,5 Milliarden Euro.



Bei diesen Zahlen sind der Ausstieg aus der kristallinen Photovoltaik sowie Konsolidierungseffekte aus Methodenänderungen und Akquisitionen des Vorjahres bereits berücksichtigt. Dabei waren auch die Basiszahlen für 2012 rückwirkend im Geschäftsbericht 2013 anzupassen.



Die Methodenänderungen betreffen unsere paritätischen Gemeinschaftsunternehmen – vor allem die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH sowie die ZF Lenksysteme GmbH. Sie werden nicht mehr anteilig im Sinne der sogenannten Quotenkonsolidierung einbezogen, sondern nach der At-equity-Methode mit ihrem Nachsteuerergebnis im operativen Ergebnis berücksichtigt.

Daraus ergeben sich erhebliche Veränderungen gerade beim Umsatzausweis und den Beschäftigtenzahlen. Beim Umsatz vermindert sich der Ausweis für 2012 um 7,3 Milliarden Euro auf 44,7 Milliarden Euro. Die Beschäftigtenzahl verringert sich um rund 33 100 auf 272 800.

Die kristalline Photovoltaik ist als nicht fortgeführter Bereich ebenfalls nicht mehr im Umsatzausweis enthalten. Der Effekt für 2012 beträgt rund eine halbe Milliarde Euro.



Günstig hat sich die Kraftfahrzeugtechnik entwickelt – mit einem Umsatzwachstum von 6,7 Prozent und wechselkursbereinigt 10,3 Prozent. So ist beispielsweise die Nachfrage nach Benzin-Direkteinspritzungen stark gestiegen, aber auch der Umsatz mit Sensoren. Weitere Beispiele sind Infotainment- und Fahrerassistenzsysteme. Dazu mehr gleich von Herrn Denner.

Ungünstig war dagegen die Geschäftsentwicklung in der Industrietechnik mit einem Umsatzeinbruch von 9,2 Prozent und selbst wechselkursbereinigt von 6,5 Prozent. Über das schwierige konjunkturelle Umfeld sprach ich bereits. Besonders betroffen war davon der Geschäftsbereich Drive and Control Technology, während sich der Bereich Packaging Technology gut entwickelte. Bei Verpackungsmaschinen sind wir im weniger konjunkturabhängigen Geschäft mit der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie tätig.

Beim Bereich Gebrauchsgüter, dessen Umsatzzahlen aufgrund der Methodenänderung nur den Geschäftsbereich Power Tools umfassen, lag der Umsatz knapp unter Vorjahr. Wechselkursbereinigt erzielte der Bereich jedoch einen Zuwachs von 2,9 Prozent. Die Energie- und Gebäudetechnik konnte stärker zulegen mit einem Plus von 3,9 Prozent und wechselkursbereinigt von 5,9 Prozent.



Nach Regionen konnten wir unseren Umsatz am stärksten in Asien-Pazifik steigern. Das Umsatzplus beträgt 5,8 Prozent und wechselkursbereinigt knapp 14 Prozent. Überdurchschnittlich gestiegen sind wechselkursbereinigt auch die Umsätze in Nord- und Südamerika. Die gravierenden Wechselkurseffekte in Südamerika gehen auf den schwachen brasilianischen Real zurück. In Europa konnten wir zwar den Umsatz nur um 2,2 Prozent erhöhen und wechselkursbereinigt um 2,9 Prozent. Doch damit entwickelte sich unser Umsatz besser als der schwache europäische Markt.

Ein kurzer Blick auf die Investitionen und die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen: Die Investitionen gingen im vergangenen Jahr auf 2,5 Milliarden Euro oder 5,5 Prozent des Umsatzes zurück. Gründe sind unsere Bemühungen, die Fixkosten zu senken, aber auch Investitionskürzungen in Bereichen, die in einem sehr schwierigen konjunkturellen Umfeld unterwegs waren. Darüber hinaus spielt beim Rückgang der Ausstieg aus der sehr investitionsintensiven Photovoltaik eine Rolle, die in den Investitionszahlen noch enthalten ist.



Auf Europa entfielen 1,6 Milliarden Euro an Investitionen. Darin sind Großprojekte enthalten wie das neue Forschungszentrum Renningen, der Ausbau der Sensorfertigung in Reutlingen, das neue Logistikzentrum in Karlsruhe, aber auch die Erweiterung der Common-Rail-Fertigung im türkischen Bursa. Rund 620 Millionen Euro investierten wir in Asien-Pazifik, rund 280 Millionen Euro in Nord- und Südamerika. Nach Unternehmensbereichen investierten wir rund 2,2 Milliarden Euro in die sehr fertigungsintensive Kraftfahrzeugtechnik.


Die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen lagen mit 4,5 Milliarden Euro oder erneut 9,9 Prozent vom Umsatz leicht über dem Vorjahresniveau. Auch hier entfällt mit rund 80 Prozent der größte Anteil auf die Kraftfahrzeugtechnik. Die strategischen Schwerpunkte wird gleich Herr Denner ansprechen.



Damit komme ich zu den Ergebniszahlen. Wir konnten die für uns maßgebliche operative Ergebnisgröße EBIT, also das Ergebnis vor Finanzergebnis und Steuern, verbessern. Dies gilt sowohl einschließlich der erneut hohen Belastungen durch den Ausstieg aus der kristallinen Photovoltaik als auch ohne diese Belastungen. Ohne diese letztmaligen großen Sonderbelastungen von rund 1,3 Milliarden Euro erzielten wir eine Rendite von sechs Prozent und sind damit unserer Zielrendite von acht Prozent einen wichtigen Schritt näher gekommen.



Die Ergebnisverbesserungen resultieren insbesondere aus der Kraftfahrzeugtechnik, bei der wir auf eine Umsatzrendite von 7,7 Prozent vom Umsatz kamen. Belastet wurde unser Ergebnis durch die unbefriedigende Lage im Unternehmensbereich Industrietechnik, der einen Verlust von 83 Millionen Euro ausweist.

Die zweistellige Umsatzrendite im Unternehmensbereich Gebrauchsgüter ist auf die Einbeziehung des anteiligen Nachsteuerergebnisses der BSH zurückzuführen. Ohne diesen Effekt ist die Rendite gemessen an dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld des Vorjahres erfreulich. Der Unternehmensbereich Energie- und Gebäudetechnik konnte zwar sein Ergebnis verbessern. Die Rendite liegt allerdings bei nur 2,3 Prozent.



Die Bilanzstruktur ist sehr solide mit einer Eigenkapitalquote von rund 50 Prozent. Auch hier wirken sich die Konsolidierungsveränderungen aus. Durch den Entfall der Quotenkonsolidierung liegt die Bilanzsumme für 2012 um rund 3,7 Milliarden Euro unter der bisher veröffentlichten Zahl.

Der Anstieg der Aktiva gegenüber Vorjahr resultiert vor allem aus der gestiegenen bilanziellen Liquidität. Sie erhöhte sich auf 13,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vergleichswert von 2012 von 11,6 Milliarden Euro. Die Kennzahl umfasst neben den flüssigen Mitteln auch die Wertpapiere und Guthaben bei Kreditinstituten mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen.

Aber auch die flüssigen Mittel selbst sind deutlich auf 3,8 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreswert von 3,1 Milliarden Euro gestiegen. Der Cash-Flow liegt mit 4,0 Milliarden Euro zwar leicht unter Vorjahr, erreicht aber mit 8,6 Prozent vom Umsatz erneut einen guten Wert.

Auf der Passivseite erhöhten sich die Rückstellungen. Ein Grund war der Ausstieg aus der kristallinen Photovoltaik. Dafür stellten wir rund 800 Millionen Euro zurück. Im Zusammenhang mit Ermittlungen der Wettbewerbsbehörden gegen die Automobilzulieferer-Industrie ist auch Bosch mit Vorwürfen konfrontiert. Vorsorglich und auf Basis der jetzigen Erkenntnisse bildeten wir dazu Rückstellungen in Höhe von 150 Millionen Euro.

Zudem nutzten wir das attraktive Zinsniveau und refinanzierten planmäßig eine Anleihe in Höhe von 700 Millionen Euro und ein Bankdarlehen von rund 500 Millionen US-Dollar. Wir konnten neue Anleihen mit Laufzeiten zwischen acht und 20 Jahren mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Euro zu sehr attraktiven Konditionen platzieren.

Fazit: Wie eingangs gesagt, sind wir auf dem richtigen Weg. Wir werden weiterhin intensiv an den Verbesserungen auf der Kostenseite arbeiten. Gleichzeitig wollen wir neue Märkte für uns erschließen. Darauf geht gleich Herr Denner ein.

Ausblick: Guter Start ins Jahr 2014



Für 2014 erwarten wir aus heutiger Sicht einen Umsatzanstieg in einem Korridor von drei bis fünf Prozent. Der Start ins Jahr 2014 war sehr erfreulich. In den ersten drei Monaten konnten wir den Umsatz gegenüber einer allerdings schwachen Vorjahresbasis um rund sieben Prozent und wechselkursbereinigt um rund zehn Prozent steigern. Besonders gut entwickelte sich das Geschäft in der Kraftfahrzeugtechnik und in Asien-Pazifik. Aber auch alle anderen Unternehmensbereiche und Regionen verzeichneten deutliche Zuwächse.

Dennoch bleiben wir bei unserer zurückhaltenden Umsatzprognose, zumal wir auch unsere vorsichtige Konjunkturprognose nicht angehoben haben.

Wir gehen derzeit nur von einem leichten Anziehen des Wachstumstempos der Weltwirtschaft auf 2,8 Prozent aus, denn die Dynamik in den Schwellenländern wird unseres Erachtens hinter früheren Jahren zurückbleiben. Bei der Fahrzeugproduktion rechnen wir mit einem moderaten Wachstum im Gesamtjahr um rund drei Prozent auf rund 90 Millionen Einheiten. Die Maschinenbaukonjunktur verbessert sich zwar. Aber die weltweit nicht ausgelasteten Kapazitäten dämpfen weiterhin die Investitionsbereitschaft.

Auch in diesem Jahr können wir erhebliche Wechselkursbelastungen nicht ausschließen. Wir schätzen, dass sie erneut über eine Milliarde Euro erreichen könnten. Denn wir gehen vorerst von einem starken Euro aus. Dies ist aber nur partiell Ausdruck der Stabilisierung der Eurozone, sondern in hohem Maße der Schwäche anderer Währungen geschuldet.



Die Verringerung der Anleihekäufe durch die US-Notenbank führte im vergangenen Jahr zu einem Mittelabfluss aus einer ganzen Reihe von Schwellenländern und damit zu einer starken Abwertung ihrer Währungen. Zum Jahresende waren sie bis zu 20 Prozent weniger wert als zur Jahresmitte. Von den für uns wichtigen Ländern waren vor allem Brasilien, Indien und die Türkei betroffen. Die Währungen dieser Länder werden durch die dortigen ungelösten strukturellen Probleme belastet. Deshalb müssen wir uns auch weiterhin auf eine hohe Volatilität einstellen.

Angesichts solcher gravierender Währungsschwankungen muss es unser Ziel sein, offene Währungspositionen möglichst zu begrenzen, um die daraus resultierenden Ergebniseffekte zu verringern. Die Umsatzeffekte sind rein rechnerischer Natur.

Deshalb ist es für einen internationalen Konzern wie die Bosch-Gruppe wichtig, quasi einen natürlichen Ausgleich zu schaffen: eine Risikobegrenzung durch eine am jeweiligen Umsatz orientierte Wertschöpfung vor Ort und durch lokalen Bezug. Dies bringt Kostenvorteile und begrenzt gleichzeitig die offenen Währungspositionen.

Mit dieser kurzen Betrachtung übergebe ich wieder an Herrn Denner.



Die Strategie: Bosch wächst schon jetzt mit Zukunftstechnik

Wenn ich jetzt über unsere Strategie spreche, meine Damen und Herren, dann nicht bloß gestützt auf Megatrends. Die Globalisierung, die demografische Entwicklung, die Energieeffizienz, die Vernetzung – natürlich schlagen wir entlang dieser Trends einen Bogen von jetzt nach übermorgen. Doch wir können auch zeigen, wie wir schon jetzt in die Zukunft hineinwachsen.



Dazu lohnt sich ein Blick auf unsere wachstumsstärksten Erzeugnisfelder. An der Spitze liegt in diesem wie im vergangenen Jahr die Benzin-Direkteinspritzung. Schon 2014 werden wir nahezu neun Millionen Systeme der Benzin-Direkteinspritzung absetzen, zwei Millionen mehr als 2013. Gerade im Hinblick auf die kommenden Klimaschutz- und Abgasnormen erzielen wir erhebliche Akquisitionserfolge. Das treibt auch unser Dieselgeschäft. Erstmals werden wir in diesem Jahr über zehn Millionen Common-Rail-Systeme ausliefern, davon bereits mehr als eine Million für die neue Abgasnorm Euro 6.

Ebenfalls hervorzuheben ist: Unter die „Top Five“ der wachstumsstärksten Erzeugnisse bei Bosch sind auch die mikromechanischen Sensoren für die Konsumelektronik aufgerückt. Rechnen wir die Mikromechanik fürs Auto hinzu, dann hat Bosch 2013 erstmals mehr als eine Milliarde solcher Sensoren produziert. In diesem Jahr rechnen wir bereits mit 1,3 Milliarden.



Was zeigen diese Erfolge? Sie stehen beispielhaft für zwei
wesentliche Entwicklungen von Bosch:
  • Zum einen forcieren wir weiterhin unser klassisches Hard- und Software-Geschäft – und das nicht nur mit Einspritzsystemen. Nach wie vor wachsen wir zum Beispiel mit Akku-Elektrowerkzeugen stärker als der Markt, ebenso wie mit Messtechnik für Hand- und Heimwerker. Und mit einem Volumen von rund 45 Millionen Euro haben wir den größten Auftrag in der Geschichte unserer Verpackungstechnik gewonnen.
  • Zum anderen erschließen wir nicht nur neue Geschäftsfelder, wir legen auch bereits kräftig mit ihnen zu. Die mikromechanischen Sensoren sind ein Schlüssel für andere Zukunftstechniken. So macht das Internet der Dinge und Dienste nur Sinn, wenn die Dinge auch etwas zu sagen haben – also sensitiv ihre wechselnden Zustände erfassen. Gerade mit der Sensorik wachsen wir in die Zukunft.
Die Zukunft, wie wir sie sehen, bringt eine neue Qualität unseres Leitmotivs „Technik fürs Leben“. Schon immer hat Bosch mit Technik das Leben vereinfacht, ob mit Geschirrspüler oder Bohrhammer. Jetzt zeichnet sich ein neues Bild ab: Wir beleben geradezu die Technik, wir bringen sie mit unseren Sensoren zum Fühlen, über das Internet der Dinge und Dienste zum Sprechen. Autos, Hausgeräte, Maschinen – all dies wird noch sensitiver, intelligenter und kommunikativer.

Daraus entstehen viele neue Anwendungen, eine bisher nicht dagewesene technische Assistenz im Alltag. Ob mit automatisiertem Fahren oder im Smart Home – eine neue Qualität von Komfort, Sicherheit und Effizienz ist im Entstehen. Bosch schafft die technischen Voraussetzungen dafür.

Davon versprechen wir uns neue Wachstumschancen – Wachstum nicht nur in Schwellenländern, sondern auch in reifen Märkten, Wachstum in neuen ebenso wie in klassischen Geschäftsfeldern. Bosch geht dynamisch und differenziert seinen Weg.

Stärker als der Markt: Unser Schub in der Fahrerassistenz

Neues erschließen, Bewährtes weiterentwickeln – beides gelingt nicht zuletzt in unserem größten Unternehmensbereich Kraftfahrzeugtechnik. Hier sind die Erfolge bei den klassischen Antriebssystemen das eine. Das andere sind die Alternativen, und daran arbeiten wir auch. So wird die Zukunft des Autofahrens elektrisch sein. Schon jetzt trägt Bosch dazu einiges bei:



  • Wir beliefern das Gros der namhaften Automobilhersteller. Allein in diesem Jahr starten neun weitere Serienprojekte, darunter die Leistungselektronik für den BMW i3 und den e-Golf von VW sowie der Elektromotor für die Hybridversion der Mercedes S-Klasse.
  • Wir bieten alle Komponenten für die Elektromobilität, vom Motor bis hin zum Lademanagement. Wie kaum ein anderer Zulieferer schöpfen wir aus breitem Systemwissen.
Um das Elektroauto kostengünstig auf die Straße zu bringen, forcieren wir die Entwicklung der Batterietechnik. Mit unserem neuen Gemeinschaftsunternehmen Lithium Energy and Power wollen wir die Energiedichte der Batterien mindestens verdoppeln und die Kosten halbieren.

Besonders dynamisch verläuft die Entwicklung von klassischen zu neuen Geschäftsfeldern bei den Sicherheits- und Komfortsystemen fürs Auto. Rasant wächst vor allem das Geschäft mit der Fahrerassistenz.



Getrieben vom neuen Ratingschema für die Fahrzeugsicherheit, legt der Markt in jedem der nächsten drei Jahre um ein Drittel zu – Bosch noch deutlich stärker. Damit werden wir mit der Fahrerassistenz die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro früher als erwartet erreichen, nämlich 2016. Schon 2014 steigen unsere Stückzahlen gegenüber 2013 deutlich: So sehen wir bei Ultraschallsensoren einen Zuwachs um ein Viertel auf knapp 50 Millionen. Und wir setzen in diesem Jahr bereits mehr als zwei Millionen Radar- und Videosensoren ab, gut doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

Die Dynamik setzt sich fort – auf dem Markt durch den Trend vom Sonder- zum Standardzubehör, vom Ein-Sensor- zum Multisensorsystem. Technisch reicht unser Ehrgeiz noch weiter: Wir wollen den Autopiloten auf die Straße bringen. Was unsere Ingenieure anspornt, sind zwei Zahlen:
  • 1,2 Millionen Unfalltote weltweit jedes Jahr,
  • und 90 Prozent aller Unfallursachen sind Fahrfehler.


Das aber heißt: Die Automatisierung des Fahrens ist eine Technik, die Leben rettet. Zugleich ist sie eine Technik, die begeistern kann, weil sie den Fahrer gerade in solchen Fahrsituationen unterstützt, die ihm wenig Freude bereiten. Im nächsten Jahr bringen wir unseren Stauassistenten in Serie, ebenso das ferngesteuerte Parken. Und früher als erwartet kommen die ersten Anwendungen zur Hochautomatisierung. Bis 2020 werden wir das automatisierte Fahren auf der Autobahn auch bei höheren Geschwindigkeiten ermöglichen. Dies setzt erhebliche technische Fortschritte voraus, nicht zuletzt in der 360-Grad-Umfelderkennung. Hier nützen uns besondere Kompetenzen: in der Sensordatenfusion, aber auch in der automobilen Systemintegration.

Die Schlüsseltechnik: Mit Sensoren werden alle Dinge smart

Sensorik, das ist für uns auch Mikromechanik. Schwingende Strukturen mikroskopisch fein in Millionenstückzahlen zu produzieren, damit Beschleunigung, Druck und vieles andere mehr zu detektieren – allein dafür haben wir mehr als 1 000 Patente. Ein Know-how, das wir längst über die Automobilindustrie hinaus vermarkten. Mehr als zwei Drittel unserer mikromechanischen Sensoren gehen in die Konsumelektronik – sie stecken bereits in jedem zweiten Smartphone weltweit. Ein Erfolg, den wir der Schlagkraft eines Start-ups zu verdanken haben: Bosch Sensortec. Ohne die Skaleneffekte unserer Waferfab in Reutlingen wäre er jedoch ebenso wenig denkbar gewesen. Dies zeigt beispielhaft, wie eine kleine Einheit auch von der Kraft des Großen profitiert. Indes sehen wir in der Mikromechanik nicht nur quantitatives Wachstum, sondern auch qualitative Verschiebungen. Um nur zwei wesentliche zu nennen:



  • Wir realisieren immer mehr Messgrößen: Anfang 2014 haben wir einen neuen Sensor vorgestellt, der Druck, Temperatur und Feuchte misst. Das ist für uns der Einstieg in die Umweltsensorik, wichtig auch für Smart-Home-Anwendungen.
  • Und wir integrieren immer mehr Intelligenz. Derzeit läuft die Fertigung unseres ersten Sensors an, der nicht nur Beschleunigung, Drehrate und Magnetfeld misst. Vielmehr enthält er bereits einen Mikrocontroller zur Signalauswertung.


Diese Software-Integration ist entscheidend für die nächste Welle des Siegeszugs unserer Mikromechanik. Nachdem sich die Sensoren zunächst im Auto, dann in Handys verbreitet haben, werden sie jetzt Teil des Internets. Und genau dafür müssen sie neben Funkchip und Batterie auch Software-Intelligenz an Bord nehmen. Denn nicht Rohdaten sollen ins Internet übertragen werden, sondern nur die relevanten Informationen. Diese lokale Datenaufbereitung braucht jedoch System-Know-how, wie es Bosch in besonderer Weise mitbringt.



Schon 2013 haben wir einen Türsensor in Serie gebracht, der verdächtige Bewegungen dem Smartphone des Hauseigentümers meldet. Künftig werden Fenster über die unauffälligen Fühler Heizung oder Alarmanlage steuern oder auch Armbänder nach dem Sturz ihres Trägers um Hilfe rufen. Nicht nur im Smartphone, vielmehr in allem, was „smart“ ist, wird internetfähige Sensorik enthalten sein.

Dies geht über die Vernetzung unserer Geräte noch hinaus. Schon jetzt macht Bosch mehr als die Hälfte seines Geschäfts in der Videoüberwachung mit internetfähigen Kameras. Auch Heizungen sind zunehmend „online“. 2014 wird Bosch voraussichtlich 50 000 internetfähige Heizthermen verkaufen, doppelt so viele wie 2013. Über die Sensoren jedoch lässt sich noch mehr vernetzen – nämlich alles mit allem. Denn mit ihnen können auch bisher „elektronikfreie Dinge“ wie Türen oder Fenster ihre Zustände ins Web übermitteln. Erst die Mikromechanik ermöglicht das Internet aller Dinge.

Die Vernetzung der smarten Dinge: Unsere Internet-Lösungen

Dafür schaffen wir nicht nur die Voraussetzungen, daraus wollen wir neue Lösungen entwickeln. Dieses neue Geschäft erschließt für uns wiederum ein Start-up, die Bosch Connected Devices and Solutions GmbH. Seit ihrer Premiere zu Jahresbeginn auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas verzeichnet die neue Gesellschaft erste Aufträge, vor allem in Sachen Smart Home. Darauf konzentriert sie sich ebenso wie auf das Segment Logistik und Verkehr – denn künftig werden kritische Warentransporte automatisch jede ungewöhnliche Zustandsänderung an die Logistikzentrale übermitteln.



Grundsätzlich sind wir jetzt mit zwei Speerspitzen unterwegs ins Internet der Dinge und Dienste: Denn Bosch Connected Devices and Solutions versteht sich als Ergänzung unseres Systemhauses Bosch Software Innovations. Beide Gesellschaften

wirken eng zusammen. Schließlich geht es darum, aus den Sensorinformationen neue Services abzuleiten. Und diese Services setzen die regelbasierte Software-Plattform voraus, wie sie unser Systemhaus entwickelt hat. Sensorik, Software, Services – das sind unsere „3S“ im Vernetzungsgeschäft.

In der Entwicklung internetbasierter Dienstleistungen profitieren wir von unserem tiefen Hardware-Know-how – das haben wir der IT-Branche voraus. Doch können wir uns nicht mehr nur über Hardware-Innovationen, vielmehr auch über zusätzliche Serviceangebote vom Wettbewerb differenzieren.



So sind unsere internetfähigen Videokameras nur das eine. Das andere sind die Dienstleistungen, die wir daraus ableiten: den „Cloud Based Service“. Schon jetzt bieten wir mit unseren Sicherheitsleitstellen die internetbasierte Videoüberwachung von Großbaustellen oder Autobahnparkplätzen. Für solche Anwendungen arbeitet unser Systemhaus eng mit den klassischen Geschäftsbereichen zusammen. Daraus sind bereits rund 100 Projekte zum Internet der Dinge und Dienste hervorgegangen. Besonders ambitioniert: unser Pilotprojekt in Monaco zur vernetzten Stadt. Hier verknüpfen wir zum Beispiel Busnetz, Straßenbauarbeiten und Parkplatzmanagement. Es ist bezeichnend, dass die Internet-Projekte nahezu alle unsere Bereiche ergreifen. In der vernetzten Welt kommt es auf breites Branchenwissen an – ein Vorteil, den wir nutzen werden.



  • Vielseitig sind unsere Lösungen schon für die Vernetzung des Autos. Bis 2025 wird weltweit nahezu jeder Neuwagen über Mobilfunk-Datenkommunikation verfügen. Schon jetzt bieten wir dazu eine Reihe von Dienstleistungen. Beispiel eCall: Bereits 2013 haben unsere Sicherheitsleitstellen gut 30 000 automatische Notrufe aus dem Straßenverkehr bearbeitet. Beispiel Telematik: In diesem Jahr führen wir erste Anwendungen für das Flottenmanagement von Leasinggesellschaften und Versicherungen ein – etwa indem wir auf Basis von Steuergeräte-Daten Verschleiß- und Wartungsprognosen übermitteln. Beispiel eRoaming: Im Projekt „Hubject“ ermöglicht unsere Software-Plattform das Stromladen an den Stationen unterschiedlicher Betreiber. Das vernetzte Fahren unterstützt also das elektrische Fahren – und nicht zuletzt das automatisierte Fahren. Denn je mehr sich die Fahrzeuge automatisch bewegen, desto mehr benötigen sie Car-to-X-Communication – sie müssen sich gegenseitig vor Hindernissen warnen. Vernetzung im Straßenverkehr, das ist für uns Effizienz und Komfort, aber auch Sicherheit.


  • Für die vernetzte Produktion, die sogenannte Industrie 4.0, versteht sich Bosch gleichermaßen als Leitanbieter wie als Leitanwender. Es gilt, Fertigungs- und Logistiknetzwerke via Internet zu optimieren und das Zusammenwachsen von Informationstechnik und Fabrikautomation weiter zu fördern.

    Bosch Rexroth hat dafür die Voraussetzung geschaffen: Das Open Core Engineering ermöglicht erstmals die Maschinenprogrammierung via Smartphone-App.


  • Auch für das vernetzte Haus kommt es auf eine gemeinsame Sprache aller Domänen an. Wenn der Geschirrspüler je nach Strompreis starten, die Klima- und Heizungsanlage je nach Wetterbericht anspringen soll, dann müssen sich die beteiligten Geräte verstehen. Eben deshalb strebt Bosch mit einigen Partnerunternehmen einen offenen Standard für das Smart Home an. Die Initiative will auch eine Software-Plattform für Service-Anbieter etablieren.
In das Internet der Dinge und Dienste bringt Bosch Software- und Systemintegrationskompetenz ein. Jeder vierte Mitarbeiter unserer Forschung und Entwicklung ist Software-Spezialist. Wir bleiben ein Hersteller von Systemen und Geräten, aber wir machen unsere Geräte und Systeme sensitiv und kommunikativ.

Die Welt vernetzt sich – und gerade Bosch mit seiner technologischen Breite ist dazu prädestiniert, ein vernetzendes Unternehmen zu sein.

Dabei achten wir auf zweierlei:



  • Einerseits die Bedienkonzepte. Vernetzte Erzeugnisse dürfen nicht komplex werden, ihr Nutzen muss einleuchtend, ihre Bedienung einfach sein. Das gilt besonders im Straßenverkehr. Im Auto erleichtert unsere Lösung mySPIN etwa die Smartphone-Integration. Sie geht in diesen Wochen bei Jaguar Land Rover in Serie. Über mySPIN lassen sich Apps über das Dashboard ansteuern – und dies erstmals sowohl mit iPhones als auch mit Android-Smartphones. Dabei starten wir mit zehn Apps, die für Autofahrer besonders wichtig sind.


  • Andererseits die Datensicherheit. Hier setzen wir für die Datenübertragung modernste Verschlüsselungstechniken ein, zum Beispiel die Sicherheitssoftware unserer Tochtergesellschaft escrypt. Außerdem gilt für uns: Transparenz und Kundenentscheidung bei der Datennutzung. Denn durchsetzen wird sich das Internet der Dinge nicht ohne das Vertrauen der Menschen. Unser klares Ziel: Der Nutzen der Vernetzung muss die Risiken bei weitem übersteigen.
Über die Dynamik in Asien hinaus: Wachsen auch in Afrika

Mit der Spitze des technischen Fortschritts zielen wir vor allem auf die reifen Märkte der Industrieländer. Zwar hält gerade in Europa die Wachstumsschwäche noch an. Aber auch hier trauen wir uns zu, dass unsere Umsätze stärker zulegen als die entsprechenden Märkte. Demgegenüber wollen wir in den aufstrebenden Ländern Asiens mit den dort gefragten kostengünstigen Lösungen kräftig wachsen. Unser Airbag-Light-Steuergerät für den chinesischen Markt, unsere elektronische Hubwerksregelung für einen indischen Traktoren-Hersteller – Erfolge wie diese gelingen nur mit technischer Expertise vor Ort. Zum Jahresende wird unsere Forschung und Entwicklung etwa 45 000 Mitarbeiter beschäftigen. Davon werden bereits gut 17 000 in Asien/ Pazifik tätig sein, 2 000 mehr als zu Jahresbeginn.



Die lokale Entwicklung ist ein wesentlicher Faktor für das Wachstum in der Region. Schon in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Asien/Pazifik-Umsatz auf gut elf Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Und bis 2020 streben wir eine weitere Verdoppelung an. Dazu erbringen wir erhebliche Vorleistungen. Von 2010 bis 2014 werden wir in Asien/Pazifik 3,3 Milliarden Euro investiert haben.

Globalisierung ist für Bosch mehr als Dynamik in Asien. Auch in anderen Regionen der Welt haben wir uns anspruchsvolle Ziele gesetzt:
  • In Amerika streben wir bis Anfang der nächsten Dekade gleichermaßen eine Verdoppelung unseres Umsatzes an. Technische Expertise vor Ort – das ist auch dort ein Schlüssel zum Erfolg. In diesem Jahr eröffnen wir zum Beispiel im mexikanischen Guadalajara ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum.
  • Nicht zuletzt wollen wir in Afrika unseren Umsatz in den nächsten Jahren signifikant steigern. Die Wirtschaft des schwarzen Kontinents wächst überdurchschnittlich – und daran können wir mit unserer „Technik fürs Leben“ teilhaben. Allein in diesem Jahr kommen zwei neue afrikanische Regionalgesellschaften hinzu, in Kenia und Nigeria.
  • Und bei allem bleibt: Auch in Europa können und wollen wir stärker wachsen als der Markt.
Um unsere Wachstumsziele zu erreichen, stärken wir in der Technik auch unseren weltweiten Verbund. Wir punkten in den Schwellenländern nicht nur mit lokalen Innovationen, unsere asiatischen Ingenieure tragen auch zu unseren Lösungen für die Industrieländer in Europa und Nordamerika bei. So sind die mit Abstand meisten Software-Entwickler von Bosch, nämlich mehr als 9 000, in Indien tätig. Wir können unsere Techniken nur vernetzen, wenn wir unsere technischen Spezialisten vernetzen.

Grundsätzlich gilt: Wir globalisieren nicht nur unser Geschäft, sondern auch die entsprechenden Standards – den Umweltschutz ebenso wie die Compliance-Regeln. Wie Sie dem Vortrag von Herrn Asenkerschbaumer entnehmen konnten, laufen derzeit Ermittlungen von Kartellbehörden auch gegen Bosch. Wir haben daher vorsorglich auf Basis der derzeitigen Erkenntnisse die im Jahresabschluss 2013 ausgewiesenen Rückstellungen in Höhe von 150 Millionen Euro gebildet. Für uns gilt das Prinzip, dass unsere Mitarbeiter in aller Welt dem Grundgedanken von Robert Bosch, eine „anständige Art des Wirtschaftens“ zu gewährleisten, auch heute nachkommen. Dafür haben wir Schulungsprogramme eingeführt, an denen unsere Mitarbeiter weltweit, verpflichtend und regelmäßig teilnehmen. Hinweisen auf Verstöße gehen wir konsequent nach und klären diese auf. Denn: Wir stellen uns dem Wettbewerb und wollen unsere Kunden nur mit der Qualität unserer Produkte und Leistungen überzeugen. Alles andere widerspricht nicht nur Recht und Gesetz, sondern auch den fundamentalen Leitlinien und Werten unseres Unternehmens – und wird nicht toleriert.

Mehr Kooperationen nach innen und außen: Unsere Zukunft



Um Lösungen für die vernetzte Welt zu schaffen, kooperieren unsere Mitarbeiter mehr als bisher über Bereichs- und Unternehmensgrenzen hinweg. Für ihren Einsatz und ihre Offenheit möchte ich mich auch an dieser Stelle herzlich bedanken. Nach wie vor benötigen wir im operativen Geschäft effiziente Bereiche und Abteilungen. Aber wir öffnen diese vertikale Organisation. Bosch steht eben nicht nur für vernetzte Technik, Bosch versteht sich auch als vernetztes Unternehmen. Dies fördern wir mit einer Reihe von Maßnahmen:

  • Mehr als 5 600 Mitarbeiter sind als Vertragsangestellte für längere Zeit außerhalb ihres Herkunftslandes tätig. Zudem nimmt der kurzfristige Austausch zu. Das eine wie das andere unterstützen wir durch interkulturelle Trainings.
  • Rund 110 000 Mitarbeiter nutzen bereits regelmäßig die Social Media Plattform „Bosch Connect“. Seit deren Einführung im Herbst 2013 haben sich über 13 000 Communities selbst organisiert.
  • Der neue Forschungscampus, der für 300 Millionen Euro in Renningen bei Stuttgart entsteht, wird auch den direkten Austausch unter den Fakultäten anregen. Forschung heißt für uns nicht zuletzt Erforschung zukünftiger Geschäftsmodelle, die in Zeiten des Internets immer vielfältiger werden. Wichtig für diese Art der Exploration ist unsere neue Start-up-Plattform.
  • Kooperationen ergänzen mehr als bisher unsere traditionellen Außenbeziehungen zu Kunden und Lieferanten. Gerade für das Internet der Dinge und Dienste ist eine offene Entwicklung notwendig. Schon jetzt kooperiert unser Software- und Systemhaus mit 80 Partnerunternehmen.
All das zeigt: Bosch ist auf gutem Weg in die vernetzte Welt – und gestaltet diesen Weg mit. Zwei Punkte sind dabei von besonderer Bedeutung:

  • Erstens steht und fällt die Erschließung neuer Geschäftsfelder mit einem soliden Kerngeschäft. Eine Basis, die derzeit etwa mit unseren Erfolgen bei den Einspritzsystemen noch stärker wird. Und die klassischen Bosch-Stärken zählen auch in der vernetzten Welt: die Innovationskraft, die Qualität, die Internationalität und nicht zuletzt die einzigartige Integrationskraft der Unternehmenskultur.


  • Zweitens kann gerade Bosch vieles mit vielem vernetzen – und das nicht nur wegen des vielseitigen Know-hows in Hard- und Software. Vielmehr sind wir Weltmarktführer in der Schlüsseltechnik der mikromechanischen Sensorik. Aus all dem leiten wir neue Geschäftsmodelle mit internetbasierten Services ab. Dies ist eine große Chance für Bosch als Technologie- und Dienstleistungsunternehmen!
Presseinformation Bilanz-Pressekonferenz 2014
Lebenslauf Dr. Volkmar Denner
Lebenslauf Dr. Stefan Asenkerschbaumer

RF00217 - 30. April 2014

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

René Ziegler

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