Mobility Solutions

Härtetests auf Eis und Schnee Bosch führt die Sicherheitssysteme aufs Glatteis Wintertestzentrum feiert zehnjähriges Jubiläum

  • 1973 nutzte Bosch als erstes Unternehmen eine Flugpiste auf einem zugefrorenen See bei Arjeplog für ABS-Tests
  • Nordschweden bietet mit den konstant winterlichen Bedingungen und der Vielzahl von Seen ideale Bedingungen für fahrdynamische Tests
  • Leistungsfähiges Testzentrum vor zehn Jahren auf der Halbinsel Vaitoudden errichtet
  • Vernetzte und automatisierte Fahrfunktionen bieten künftig noch mehr Sicherheit und Komfort
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  • 07. Februar 2014
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Pressetext

Im schwedischen Arjeplog ist alles etwas anders. Gut 3 100 Einwohner verteilen sich auf einer Fläche, die etwa zehn Mal so groß ist wie New York City mit seinen 8,3 Millionen Bewohnern. Kilometerlange menschenleere Straßen, wochenlang weit unter null Grad, dazu unzählige zugefrorene Seen. Man vermutet nichts außer Elchen und Nordlichtern. Tatsächlich aber kommen jeden Winter Tausende von Fahrzeugtechnikern mit ihren Prototypen, um genau diese Abgeschiedenheit und die konstant winterlichen Bedingungen zu nutzen. Eines der ersten Unternehmen war Bosch, das in diesem Jahr im 40. Winter in Arjeplog testet. Seit zehn Jahren nutzt das Unternehmen ein für 20 Millionen Euro errichtetes leistungsfähiges Testgelände auf der Halbinsel Vaitoudden. „Hier in Nordschweden lassen sich Sicherheitssysteme wie ABS und ESP® perfekt auf Schnee und Eis abstimmen“, sagt Gerhard Steiger, der Vorsitzende des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control. Niedrige Reibwerte sind eine besondere Herausforderung für Bremsregelsysteme. „Hat man diese Manöver im Griff, sind auch alle anderen Situationen abgedeckt“, so Steiger.

Erste kleinere Testfahrten in Nordschweden führte Bosch bereits 1971 durch. 1973 schließlich hörten sie von einer Landepiste in Arjeplog auf einem zugefrorenen See – und kamen als erste auf die Idee, diese parallel zum Flugbetrieb für die Entwicklung des Antiblockiersystems ABS zu nutzen. Seitdem kommen sie jedes Jahr nach Arjeplog zurück. Mittlerweile ist das Gebiet knapp 60 Kilometer südlich des Polarkreises zu einem Mekka der europäischen Automobiltester avanciert. Auf dem Flughafen im nahen Arvidsjaur sorgen große Maschinen mehrmals die Woche für eine direkte Anbindung an die deutschen Automobilmetropolen Stuttgart, München, Frankfurt und Hannover.

Perfekte Bedingungen im 2003 eröffneten Bosch-Wintertestzentrum
Da die Anforderungen und die Zahl der Projekte und Ingenieure von Jahr zu Jahr stiegen, baute Bosch 2003 ein neues, deutlich größeres Testgelände etwas außerhalb der Stadt direkt am See. „Rund elf Kilometer Straßen winden sich auf dem 420 Hektar großen Areal“, erläutert Allen Andrew, der britische Geschäftsführer der schwedischen Bosch-Tochter. „Die Anlage bietet so ziemlich alles, was Autofahrern Schweiß auf die Stirn treibt.“ Einseitig vereiste Fahrbahnen auf Asphalt, Steilstrecken mit unterschiedlichen Steigungsgraden und viele weitere Testparcours sind Elemente auf dem Festland. Zweiter Fixpunkt ist der vereiste See mit zahlreichen weiteren Streckenmodulen. Hier erproben die Testfahrer moderne Bremsregelsysteme unter extremsten Bedingungen auf einer mindestens 30 Zentimeter dicken Eisschicht. Bis vor einigen Jahren wurden Asphaltstrecken sogar jedes Jahr von Neuem auf dem See installiert, um sogenannte µ-split-Bremsungen durchzuführen. Hier befindet sich die eine Seite des Fahrzeugs auf griffigem Teer, die andere auf poliertem Eis. Nur ein gut abgestimmtes ABS hält hier bei einer Vollbremsung das Fahrzeug auf Kurs. Seit einigen Jahren erprobt Bosch auch Antriebskomponenten in Arjeplog: Hybrid- und Elektrofahrzeuge werden bei minus 20 Grad auf ihre Funktionsfähigkeit getestet. Deshalb kamen 2012 entsprechende Ladestationen in speziellen Garagen dazu.

Der letzte Schliff für Bremsregelsysteme
Heute verbringen jedes Jahr rund 500 Bosch-Mitarbeiter mehrere arbeitsintensive Winterwochen im hohen Norden. Dabei legen sie auf den Teststrecken 500 000 Kilometer zurück. Der Aufwand ist groß, um Menschen und Fahrzeuge jedes Jahr nach Schweden und zurück zu bringen. Aber er lohnt sich. Hier finden die Entwickler optimale Bedingungen, um das Regelungsverhalten der aktiven Sicherheitssysteme ABS und ESP® zu perfektionieren. So bieten die gleichbleibend tiefen Temperaturen konstante Rahmenbedingungen für Fahrsituationen, welche die Qualität der Regelsysteme am meisten fordern. Lokale Spezialisten, die Icemaker, sorgen dafür, dass sich die Fahrbahnbeläge immer im gleichen Zustand befinden. Mehrmals am Tag bewässern und glätten sie die Strecken, um dann mit Spezialmaschinen die gewünschten Reibwerte ins Eis zu bringen. Dies alles stellt sicher, dass auch kleinste Änderungen des Fahrverhaltens nach Software-Anpassungen analysiert werden können und nicht auf sich ändernde Untergründe zurückzuführen sind. Die Experten sprechen von der Reproduzierbarkeit, also der Vergleichbarkeit, von Messdaten. Ein Elektronisches Stabilitäts-Programm beispielsweise hat über 2 000 Parameter in der Software, die die Reaktion des Systems in extremen Situationen beeinflussen.

Auch in den kommenden Jahren wird den Spezialisten die Arbeit nicht ausgehen. Bremsregelsysteme werden weltweit zunehmend zum Standard. In den USA, Europa und vielen anderen Ländern greifen zunehmend gesetzliche Regelungen, die ESP® zur Pflichtausstattung machen. Auch in Brasilien, Indien oder in Südostasien setzt sich heute zumindest das Antiblockiersystem ABS immer stärker durch. Weltweit haben bereits rund 86 Prozent aller neu produzierten Fahrzeuge eines der beiden elektronischen Sicherheitssysteme an Bord.

Assistenz und Automatisierung erhöhen Sicherheit und Komfort weiter
Auch in Zukunft treibt Bosch die Fahrzeugentwicklung weiter voran. Das Ziel, Komfort und vor allem Sicherheit weiter zu erhöhen, sowie die zunehmende Elektrifizierung führen zu neuen Bremsentechniken, als auch zu neuen, immer vernetzter agierenden Fahrzeugfunktionen. 2013 brachte Bosch beispielsweise mit ESP hev im Mercedes-Benz S400 Hybrid ein neuartiges Bremsregelsystem in Serie, das weltweit erstmals die Funktion des regenerativen Bremsens ohne zusätzliche Komponenten integriert. Eine weitere Lösung für regeneratives Bremsen ist der iBooster von Bosch. Dieser elektromechanische Bremskraftverstärker ermöglicht eine nahezu vollständige Rekuperation. Verzögerungswerte bis 0,3 g, und damit alle im normalen Straßenverkehr vorkommenden Bremsmanöver, werden ausschließlich über die elektrische Maschine erreicht. Er arbeitet ganz ohne den Unterdruck des Verbrennungsmotors und hatte seine Weltpremiere im rein elektrisch angetriebenen VW e-up. „Bosch bietet einen Baukasten, aus dem sich für jedes Auto das passende Bremssystem zusammenstellen lässt“, sagt Steiger. „Er deckt die ganze Vielfalt ab, die sich durch die große Zahl an Antriebsarten und Ausstattungsgraden mit Assistenzfunktionen heutzutage ergibt.“

Bereits heute ergänzen immer mehr Umfeldsensoren das Bremsregelsystem, und im Zusammenspiel mit Antrieb und Lenkung lassen sich viele leistungsfähige Funktionen realisieren, zum Beispiel automatische Abstandsregelungen, vorausschauende Notbremssysteme, Verkehrszeichenerkennung und selbstlenkende Einparkhilfen. Die zunehmende Vernetzung und die Anbindung an das Internet werden das Auto in Zukunft noch intelligenter machen. So weiß der Fahrer künftig frühzeitig, was hinter der Kurve auf ihn wartet, und wann er am besten den Fuß vom Gas nimmt und wieder beschleunigt. Auch der Grad der Automatisierung steigt weiter. Bereits heute parken die Fahrzeuge fast selbstständig ein und helfen beim Halten der Fahrspur. „In wenigen Jahren finden Autos in Parkhäusern völlig selbstständig einen freien Platz und fahren morgens im Autobahnstau hochautomatisiert dem Ziel entgegen“, sagt Dr. Dirk Hoheisel, der zuständige Geschäftsführer bei Bosch. Der Fahrer kann sich dann guten Gewissens zum Beispiel seinem Smartphone widmen. Die Kälte, aber auch der Charme von Arjeplog bleibt den Entwicklern dieser Funktionen aber erspart. Eine intensive Wintererprobung ist dafür bislang nicht erforderlich.

Bosch in Schweden
Bosch ist seit 1904 in Schweden präsent. Das Unternehmen ist mit allen seinen vier Unternehmensbereichen Kraftfahrzeugtechnik, Industrietechnik, Gebrauchsgüter und Energie- und Gebäudetechnik in dem Land vertreten. Bosch erwirtschaftet in Schweden derzeit mit rund 1 200 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 600 Millionen Euro.*

*Hinweis: Aufgrund veränderter gesetzlicher Regularien bezieht Bosch Gemeinschaftsunternehmen mit 50-prozentiger Beteiligung nicht mehr in die Rechnungslegung ein. Dies betrifft im Wesentlichen die Bosch Siemens Hausgeräte GmbH und ZF Lenksysteme mit einem konsolidierten Umsatzvolumen von rund sieben Milliarden Euro. Die Umsatz- und Mitarbeiterzahlen sind aufgrund dieser Veränderungen nur bedingt mit den veröffentlichten Kennzahlen für das Jahr 2012 vergleichbar.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Mobility Solutions ist der größte Unternehmensbereich der Bosch-Gruppe. Er trug 2015 mit 41,7 Milliarden Euro 59 Prozent zum Umsatz bei. Damit ist das Technologieunternehmen einer der führenden Zulieferer der Automobilindustrie. Der Bereich Mobility Solutions bündelt seine Kompetenzen in den drei Domänen der Mobilität – Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung – und bietet seinen Kunden ganzheitliche Mobilitätslösungen. Die wesentlichen Geschäftsfelder sind: Einspritztechnik und Nebenaggregate für Verbrennungsmotoren sowie vielfältige Lösungen zur Elektrifizierung des Antriebs, Fahrzeug-Sicherheitssysteme, Assistenz- und Automatisierungsfunktionen, Technik für bedienerfreundliches Infotainment und fahrzeugübergreifende Kommunikation, Werkstattkonzepte sowie Technik und Service für den Kraftfahrzeughandel. Wichtige Innovationen im Automobil wie das elektronische Motormanagement, der Schleuderschutz ESP oder die Common-Rail-Dieseltechnik kommen von Bosch.

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 375 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2015). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 70,6 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über rund 150 Länder. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit 55 800 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 118 Standorten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de, http://twitter.com/BoschPresse.

PI8442 - 07. Februar 2014

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Stephan Kraus

+49 711 811-6286 E-Mail senden

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