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Motorrad-Stabilitätskontrolle von Bosch „Wir wollen Tausenden das Leben retten“ Interview mit Dr. Fevzi Yildirim, Leiter des Bosch-Kompetenzzentrums für Motorrad-Sicherheit

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  • 16. Januar 2014
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Pressetext

Dr. Fevzi Yildirim studierte Luft- und Raumfahrttechnik und ist 1998 bei Bosch in der Forschung und Vorausentwicklung gestartet. Er ist begeisterter Motorradfahrer und seit drei Jahren verantwortlich für die Produktgruppe „Zweiradsicherheit“ mit dem Schwerpunkt der Entwicklung neuer Sicherheits-Assistenzsysteme für Motorräder. 1967 kam er in der Türkei zur Welt und zog mit 14 Jahren nach Deutschland.

Herr Yildirim, Sie haben mit Ihrem Team ein System entwickelt, das Motorradfahrern in der Kurve entscheidend helfen kann. Wie sind Sie zu dieser Lösung gekommen?
Jeder vierte selbst verschuldete Motorradunfall in Deutschland passiert in der Kurve. Deswegen haben wir uns gefragt, ob es eine Technik gibt, mit der das Motorrad auch in der Schräglage beherrschbar bleibt. Das klingt einfacher, als es letztlich gewesen ist. Man muss sehr genau analysieren, wie sich Zweiräder in so einer Situation verhalten und welche physikalischen Gesetze und Grenzen hier eine Rolle spielen. Und dann geht es darum, den Fahrer sicher in die Nähe dieser Grenzen zu bringen – aber nie drüber.

Waren sie sich von Anfang an sicher, dass so ein System machbar ist?
Nach einer gewissen Zeit war klar, welche Voraussetzungen in der Theorie erfüllt sein müssen. Anhand von Fahrsimulationen haben wir gesehen: Unser Ansatz ist richtig. Aber dann muss man diese Idee auf Basis bestehender Systeme auch technisch umsetzen können. Zum Glück waren auch hier die ersten Ergebnisse ermutigend.

Was kann Ihr System genau?
Wenn man bei der Fahrt geradeaus stark bremst, tendiert das Rad zum Blockieren. Das kann man mit einem ABS ausgleichen, genau wie beim Auto. In der Kurve jedoch herrschen andere Bedingungen. Da darf es erst gar nicht zum Blockieren des Rad kommen, weil das Motorrad sofort instabil wird. Mit völlig neuen Regelansätzen haben wir daher den klassischen ABS-Algorithmus wesentlich erweitert.

Führt das nicht dazu, dass man riskanter fährt und die Möglichkeiten der Maschine bis zur physikalischen Grenze ausreizt?
Bisherige Untersuchungen liefern keine Hinweise auf eine veränderte Fahrweise. Ganz im Gegenteil: Beim Auto ist die Zahl der tödlich verlaufenden Unfälle mit der Einführung aktiver Sicherheitssysteme wie ESP kontinuierlich und deutlich gesunken. Dies wollen wir mit ABS und MSC nun auch bei Motorrädern erreichen. So zeigen Auswertungen der größten deutschen Unfalldatenbank GIDAS, dass bereits das ABS ein Viertel aller Motorradunfälle mit Personenschaden in Deutschland ganz verhindern kann. Bei einem weiteren Drittel lässt sich die Unfallschwere mindern. MSC kann darüber hinaus in kritischen Kurvensituationen die Sicherheit weiter erhöhen – natürlich immer innerhalb der physikalischen Grenzen.

Was treibt Sie an, solche Systeme zu entwickeln?
Als ich 16 Jahre alt war, ist ein Schulfreund tödlich mit dem Moped verunglückt. Das berührt mich bis heute. Denn gerade die jungen, unerfahrenen Leute brauchen solche Assistenzsysteme – aber nicht nur sie. MSC hat das Potenzial, zwei Drittel aller selbst verschuldeten Motorradunfälle in Kurven positiv zu beeinflussen.

Sie entwickeln diese Systeme in Japan. Warum ausgerechnet dort?
Im Bosch „Center of Competence Two-Wheeler Safety“ in Yokohama haben wir bereits sehr viel Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit den weltweit größten Motorradherstellern gesammelt, die alle in Japan sitzen. Und auch die aufstrebenden, preissensiblen Märkte wie China und Indien sind nicht weit. Hinzu kommt ein hohes gemeinsames Verständnis der Deutschen und Japaner für eine umfassende Projektplanung und durchdachte Detaillösungen.

Was kommt als Nächstes?
Bisher haben wir vor allem an reagierenden Funktionen gearbeitet. Die greifen in einer kritischen Situation ein. Der nächste logische Schritt wird sein, die verschiedenen Funktionen und ihre Steuergeräte im Motorrad noch besser miteinander zu vernetzen. Damit können wir die bestehenden Funktionen weiter verbessern. Und dann kommen als nächstes vorausschauende Funktionen, die kritische Situationen erkennen und den Fahrer warnen oder sogar frühzeitig eine Reaktion des Motorrads einleiten können – beispielsweise leichte Bremsmanöver. Auch hier können wir auf die umfassende Kompetenz zurückgreifen, die sich Bosch bereits bei den Pkw-Systemen erarbeitet hat.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Mobility Solutions ist der größte Unternehmensbereich der Bosch-Gruppe. Er trug 2015 mit 41,7 Milliarden Euro 59 Prozent zum Umsatz bei. Damit ist das Technologieunternehmen einer der führenden Zulieferer der Automobilindustrie. Der Bereich Mobility Solutions bündelt seine Kompetenzen in den drei Domänen der Mobilität – Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung – und bietet seinen Kunden ganzheitliche Mobilitätslösungen. Die wesentlichen Geschäftsfelder sind: Einspritztechnik und Nebenaggregate für Verbrennungsmotoren sowie vielfältige Lösungen zur Elektrifizierung des Antriebs, Fahrzeug-Sicherheitssysteme, Assistenz- und Automatisierungsfunktionen, Technik für bedienerfreundliches Infotainment und fahrzeugübergreifende Kommunikation, Werkstattkonzepte sowie Technik und Service für den Kraftfahrzeughandel. Wichtige Innovationen im Automobil wie das elektronische Motormanagement, der Schleuderschutz ESP oder die Common-Rail-Dieseltechnik kommen von Bosch.

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 375 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2015). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 70,6 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über rund 150 Länder. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit 55 800 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 118 Standorten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de, http://twitter.com/BoschPresse.

PI8418 - 16. Januar 2014

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Stephan Kraus

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