Mobility Solutions

Auf dem Weg in eine elektrische, automatisierte, vernetzte Zukunft Vortrag von Wolf-Henning Scheider,
Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH,
Sprecher des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik,
auf der Tokyo Motor Show 21. November 2013

Beitrag sammeln
PDF herunterladen
  • 21. November 2013
  • Mobility Solutions
  • Referat

Pressetext

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Tokyo Motor Show bietet die Chance, Antworten auf eine häufig gestellte Frage zu finden: Wie sieht das Fahrzeug von morgen aus? Bei Bosch gehen wir davon aus, dass Autos in Zukunft elektrisch, automatisiert und vernetzt unterwegs sein werden.

Wir sind überzeugt, dass diese Trends künftige Entwicklungen in der Automobiltechnologie prägen und das Fahren insgesamt sicherer und bequemer machen werden. In allen drei Bereichen hat Bosch innovative Lösungen im Angebot.

Automobiltechnologie im Aufschwung
Lassen Sie mich zunächst auf den wirtschaftlichen Kontext eingehen. Unser Unternehmensbereich Kraftfahrzeugtechnik ist derzeit stark im Aufwind begriffen. Der operative Umsatz wird 2013 voraussichtlich um rund fünf Prozent wachsen – stärker als die weltweite Automobilproduktion. Besonders vielversprechend entwickelt sich das Geschäft im asiatisch-pazifischen Raum, wo wir in den Landeswährungen ein Wachstum von rund zehn Prozent erwarten. Weltweit erwarten wir für unsere Automobilsparte eine Umsatzrendite vor Steuern von rund sechs Prozent.

In den kommenden Jahren dürfte die weltweite Fahrzeugproduktion um durchschnittlich drei Prozent wachsen, insbesondere in Asien. Über zehn Jahre wird der weltweite Pkw-Bestand voraussichtlich um 50 Prozent zunehmen, wobei dieses Wachstum in erster Linie auf den asiatischen Schwellenmärkten zu erwarten ist [d. h. Asien ohne Japan und Südkorea]. Zurzeit machen diese Länder 36 Prozent der globalen Fahrzeugflotte aus. In zehn Jahren wird dieser Anteil bei 46 Prozent liegen.

Weltweit aufgestellte Unternehmen im Vorteil
Vor diesem Hintergrund werden weltweit aufgestellte Fahrzeugkonzerne ganz klar die Oberhand haben. Die japanischen Hersteller haben das bereits erkannt, weshalb sie zunehmend auf den Schwellenmärkten aktiv werden. Während 2005 ihr Produktionsanteil außerhalb Japans noch leicht unter 50 Prozent lag, wird dieser bis 2015 auf knapp 70 Prozent wachsen.

Auch für die Zulieferer der Automobilindustrie ist internationale Präsenz ein wichtiger Erfolgsfaktor. Bosch ist darin schon heute sehr gut: Mit unseren weltweit 95 Fertigungsstandorten befinden wir uns immer in der Nähe unserer Kunden aus der Automobilindustrie. Lassen sich diese an einem neuen Ort nieder, stehen die Chancen nicht schlecht, dass wir bereits dort sind. Und wir bauen unser Netzwerk kontinuierlich weiter aus: Allein im Jahr 2013 haben wir in China drei große Werke eröffnet. Unser erster Produktionsstandort in Indonesien befindet sich im Bau, eines unserer thailändischen Werke wird derzeit erweitert. Neben dem asiatisch-pazifischen Raum fassen wir auch verstärkt in Russland und Mexiko Fuß.

Entwicklungskompetenz in Kundennähe
In allen unseren Geschäftsbereichen legen wir großen Wert auf lokale Entwicklungskompetenz. Durch diese Marktnähe können wir vor Ort vorhandenes Know-how nutzen und einen besseren Einblick in die Bedürfnisse lokaler Kunden und Märkte gewinnen. Daher siedeln wir unsere technische Kompetenz dort an, wo auch unsere Kunden entwickeln. Anders ausgedrückt entwickeln wir dort, wo wir die besten Rückmeldungen aus dem Markt bekommen und die Synergien aus der Nähe zu Fahrzeugherstellern zum einen und Endkunden zum anderen am effizientesten nutzen können.

Weltweit betreiben wir 50 Forschungs- und Entwicklungsstandorte. Von den insgesamt 36 000 Ingenieuren in der Kraftfahrzeugtechnik von Bosch arbeiten rund 15 000 im asiatisch-pazifischen Raum, und diese Zahl wird weiter steigen. Aus gutem Grund konzentrieren wir genau dort unsere Entwicklungskompetenzen: Berechnungen zufolge werden bis 2016 die Hälfte aller weltweit verkauften Fahrzeuge in diese Weltregion gehen.

In Japan arbeiten für uns an sieben Forschungs- und Entwicklungsstandorten mehr als 1 300 Ingenieure. Unser Werk in Yokohama ist das größte Forschungszentrum für aktive Sicherheitssysteme außerhalb Deutschlands und auf Zweiradsicherheit spezialisiert. Damit ist Japan in der Entwicklung von Systemen für Zweiräder konzernweit führend.

Zwei bemerkenswerte Innovationen aus diesem Land, die beide Enden des Produktspektrums repräsentieren, haben mittlerweile in unsere Antiblockiersysteme (ABS) Eingang gefunden. Dies ist zum einen die Motorrad-Stabilitätskontrolle (Motorcycle Stability Control, MSC), ein leistungsfähiges Sicherheitssystem für Motorräder der Premiumklasse. Die fortschrittliche Funktion ermöglicht auch in Kurven ein sicheres Abbremsen des Motorrads – ein völliges Novum auf diesem Gebiet. Die zweite Errungenschaft heißt „ABS 9M light“, eine kostenoptimierte Front-ABS-Variante für den asiatischen Massenmarkt. Da preiswerte Zweiräder in vielen Regionen Asiens Haupttransportmittel sind, hat diese erschwingliche Innovation dort das Potenzial, die Häufigkeit von Unfällen mit Verletzungen oder gar Todesfolge erheblich zu senken. Dieses Beispiel veranschaulicht deutlich das Leitbild von Bosch – „Technik fürs Leben“.

Umweltschutz und Sicherheit als Innovationstreiber
Unfallvermeidung ist für Bosch ein absolutes Muss. In diesem Zusammenhang verfolgen wir Ziele wie „Vision Zero“, die eine vollständige Vermeidung von Verkehrstoten zum Ziel hat. Hierbei werden wir durch weltweit immer strenger werdende Sicherheitsbestimmungen unterstützt. Außerdem geben Umweltschutzbemühungen immer niedrigere Emissionsziele vor. Auch hier wollen wir mit unseren ressourcenschonenden und umweltfreundlichen Technologien weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Im Automobilbereich spiegelt sich dieses Engagement in unseren Bemühungen um die Elektrifizierung des Antriebsstrangs wider.

Elektrofahrzeuge: Innovationen wohin man blickt
Zurzeit setzt Bosch wegweisende Lösungen auf der Basis leistungsstarker Mild-, Strong- und Plug-in-Hybridsysteme sowie reiner Elektroantriebe um. Hier ist unser Alleinstellungsmerkmal unsere umfassende Systemkompetenz. Bosch hat ein modulares System für Antriebskomponenten entwickelt, mit denen wir für jeden Bedarf eine maßgeschneiderte Lösung bieten können. So liefern wir beispielsweise sämtliche Komponenten für den Mild-Hybrid mit einem 48-Volt-basierten Boost Recuperation System bis hin zum Plug-in-Hybrid des Topmodells Porsche Panamera oder auch für vollelektrische Fahrzeuge – und sind damit der einzige Zulieferer, der diese Elemente aus einer Hand anbieten kann.

Bis 2014 wird bei 30 Bosch-Projekten die Serienfertigung von Komponenten zur Elektrifizierung des Antriebsstrangs angelaufen sein. Mit unserer wachsenden Erfahrung bei der Einführung hochleistungsfähiger und kosteneffizienter Antriebe auf dem Massenmarkt nähern wir uns zunehmend einer durchgängigen Elektromobilität.

Gleichwohl bleibt noch viel zu tun. Unser Ziel ist, die Kosten von Lithium-Ionen-Akkumulatoren um mindestens die Hälfte zu senken und ihre Energiedichte dabei mindestens zu verdoppeln – also mehr Energie in jede Zelle hineinzustecken und auch wieder herauszuziehen. Zu diesem Zweck haben wir mit zwei japanischen Partnern, GS Yuasa und Mitsubishi Corporation, ein Joint-Venture vereinbart, um unsere Erfahrung in der Elektronik und Sensorik mit dem umfangreichen Know-how unserer Partner in der Zellchemie zu bündeln. Zunächst konzentrieren wir uns auf Batteriemanagementsysteme sowie die Forschungs- und Entwicklungsarbeit für Zellen der nächsten Generation – mit einem angestrebten Produktionsbeginn zum Ende des Jahrzehnts.

Bindeglied zwischen Elektrifizierung und Automatisierung
Ein neues Bindeglied zwischen der Elektrifizierung und der Automatisierung von Fahrzeugen ist der Bosch iBooster, ein elektromechanischer Bremskraftverstärker, der eine situationsabhängige Unterstützung beim Bremsvorgang bietet. Je nach Fahrzeugkonzept kann der iBooster die Reichweite von Elektrofahrzeugen um bis zu 20 Prozent steigern, indem der Elektromotor den größten Teil der Bremsenergie wieder zurückgewinnt, noch bevor die konventionellen Bremsen zum Einsatz kommen. Außerdem wird der Bremsdruck dreimal so schnell wie bei herkömmlichen Systemen aufgebaut. Bei 30 km/h verkürzt sich dadurch der Bremsweg um bis zu 1,5 Meter – was manchmal entscheidend ist, um einen Unfall zu verhindern.

Automatisierte Fahrfunktionen für mehr Sicherheit und Komfort
Im Bereich Sicherheits- und Assistenzsysteme hat Bosch mehr wegweisende Lösungen entwickelt als jeder andere Zulieferer – allen voran die Systeme ABS und ESP®. Bei Bosch arbeiten mehr als 5 000 Ingenieure an der Zukunft unserer Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme.

Mit der kontinuierlich voranschreitenden Automatisierung verbessern sich auch Sicherheit und Komfort im Straßenverkehr. Auch wenn es im kommenden Jahrzehnt noch keine vollautomatisierten Fahrzeuge geben wird, so bringt uns schon heute eine steigende Zahl automatisierter Sicherheits- und Assistenzfunktionen unserem Ziel eines unfallfreien Straßenverkehrs einen großen Schritt näher.

Eine dieser Funktionen ist ACC Stop&Go. In Japan stehen Autofahrer durchschnittlich 30 Stunden pro Jahr im Stau. 2014 wird Bosch einen Stauassistenten auf den Markt bringen, der die Fahrt im Stop-and-go-Verkehr übernimmt.

Danach folgt der Highway-Assist, der die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit dem Spurhalteassistenten kombiniert, den Bosch bereits im Angebot hat. Bis Ende dieses Jahrzehnts wird ein Highway-Pilot verfügbar sein, der von der Autobahnauffahrt bis zur Ausfahrt bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h sämtliche Fahrfunktionen übernimmt.

In erster Linie tragen Fahrerassistenzsysteme dazu bei, die Zahl von 1,2 Millionen Verkehrstoten pro Jahr zu senken, von denen 90 Prozent auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Auch in alternden Gesellschaften wie Japan haben diese Systeme ein enormes Potenzial. Dort sind mehr als die Hälfte aller Verkehrstoten ältere Menschen [von insgesamt 4 411 Verkehrstoten im Jahr 2012 waren 2 264 Senioren]. Fahrerassistenzsysteme von Bosch können nicht nur Zusammenstöße mit Fußgängern verhindern, sondern verlängern auch die individuelle Mobilität im Alter.

Vernetztes Fahren: Autos kommunizieren mit ihrer Umwelt
Je ambitionierter die Sicherheitsfunktionen der Zukunft sind, desto lauter wird der Ruf nach vernetzten Fahrzeugen. Unser Augenmerk liegt in erster Linie auf der Car-to-Cloud-Kommunikation, bei der das Fahrzeug über Mobilfunk in ständiger Verbindung mit Hochgeschwindigkeitsdatennetzen steht. Das Unternehmen geht davon aus, dass bis 2015 nahezu jeder auf der Welt verkaufte Neuwagen entsprechend ausgerüstet sein wird. Ein Vorteil dieser Car-to-Cloud-Kommunikation ist der Informationsaustausch in Echtzeit, mit deren Hilfe der Fahrer Gefahrenstellen und Staus umfahren kann. Ein weiteres Plus ist das breite Spektrum an Dienstleistungen, die dadurch angeboten werden können, wie zum Beispiel ein Anruf bei der Werkstatt, das Streamen von Musiktiteln oder Notruffunktionen.

Zu den größten Herausforderungen zählt hierbei die Schaffung einer standardisierten Dateninfrastruktur. Mit unserer Tochtergesellschaft Bosch Software Innovations, die auf diesem Gebiet wegweisende Lösungen bietet, bringt Bosch IT- und Automobilindustrie zusammen. Sie hat eine Softwareplattform für das e-Roaming entwickelt, mit der die Fahrer von Elektrofahrzeugen ihre Batterien überall unabhängig vom Betreiber aufladen und über eine einheitliche Rechnung bezahlen können.

Die Vernetzung im Fahrzeuginneren sorgt zudem für mehr Fahrsicherheit und -komfort. In diesem Zusammenhang hat Bosch vor kurzem das System „mySPIN“ eingeführt, mit dem Smartphones ins Fahrzeug eingebunden werden können. Über „mySPIN“ werden Smartphone-Apps auf dem Display genauso wie auf dem Smartphone selbst angezeigt und können damit während der Fahrt sicher bedient werden. Mit dieser Technologie optimieren wir die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, erhöhen den Komfort und tragen zur Unfallvermeidung bei.

Innovationen wie diese machen ein Fahrzeug außerdem attraktiv für Käufer, denen eine mobile Internetverbindung besonders wichtig ist. Gleichzeitig steht „mySPIN“ für die allgemeine Überzeugung von Bosch, dass ein Fahrzeug umso einfacher zu bedienen sein muss, je mehr Ausstattungselemente es enthält. Wir sorgen dafür, dass der Fahrer stets informiert ist, ohne dass ihn diese Information erschlägt.

Drei Entwicklungsschwerpunkte fließen zusammen
Lassen Sie mich nun zu meinem Fazit kommen. Egal ob es um die Verbesserung von Fahrkomfort, Sicherheit oder Effizienz geht – im Zentrum jeder Innovation steht für unsere Ingenieure immer ein greifbarer Alltagsnutzen. Und genau das meinen wir bei Bosch mit „Technik fürs Leben“. Die drei Schwerpunkte automobiler Entwicklungsarbeit – Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung – sind alle auf dieses höchste Ziel ausgerichtet. Bosch macht in jedem dieser Bereiche rasche Fortschritte, die neues Wachstumspotenzial schaffen werden – in Japan wie in der ganzen Welt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Lebenslauf Wolf-Henning Scheider

Weitere Informationen finden Sie hier.

RF00210 - 21. November 2013

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Stephan Kraus

+49 711 811-6286 E-Mail senden

Diesen Beitrag teilen