Forschung

8 Fragen, 8 Antworten mit Bosch-Chef
Dr. Volkmar Denner
„Die Fertigungstechnik ist Innovationstreiber für neue Produkte“ Ultrakurze Laserpulse liefern ein gutes Beispiel

  • Lange Tradition bei Bosch
  • Höchste Präzision in großer Stückzahl
  • Vernetzung bekommt größere Bedeutung
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  • 04. Dezember 2013
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Pressetext

    1. Wie wichtig ist die Fertigungstechnik für Bosch?

    Denner: „Die Fertigungstechnik ist eine der wesentlichen Fähigkeiten von Bosch. Sie versetzt uns in die Lage, Maschinen, Fertigungsstraßen oder Produkte herzustellen, die wir am Markt nicht beziehen können. Damit schaffen wir uns besonders bei hochwertigen Produkten Alleinstellungsmerkmale bei Kosten, Funktion und Qualität. Eines der vielen Beispiele dafür ist die Fertigung der Ventile für unsere Benzin-Direkteinspritzung mit ultrakurzen Laserpulsen. Oder nehmen Sie unseren Prozess zur Herstellung von mikromechanischen Sensoren, den ‚Sinnesorganen' der modernen Automobil-, Unterhaltungs- und Handytechnik. Hier sind wir mit dem im eigenen Haus geschaffenen‚Bosch-Prozess' zu einem der führenden Anbieter aufgestiegen. Diese lange Tradition der Fertigung hat bereits mit dem ersten Magnetzünder begonnen, als Robert Bosch auf dem Markt die dafür nötigen, hochpräzisen Bauteile nicht kaufen konnte. Damals begann er, selbst Fertigungsanlagen zu bauen und sich die nötige Expertise in der Fertigungstechnik anzueignen. Dieses Prinzip gilt bei Bosch bis zum heutigen Tag und darüber hinaus.“


    2. Wie trägt die Fertigung zu neuen Produkten bei?

    Denner: „Viele unserer Komponenten wären ohne die präzise Fertigung gar nicht möglich. Für die Komponenten der Diesel-Direkteinspritzung fügen wir Teile auf einen tausendstel Millimeter genau zusammen. Außerdem regt die Fertigungstechnik immer wieder Entwicklungssprünge auf Produktebene an. Durch die Ultrakurzpuls-Technologie beispielsweise können wir nun feinste Löcher auch mit unterschiedlichen Durchmessern in das Einspritzventil bohren – das war bislang nicht möglich. Eine solche Bohrung hat etwa den Durchmesser eines menschlichen Haares und ist sehr, sehr glatt. Damit können unsere Kunden die Verteilung des Kraftstoffes im Brennraum noch besser steuern und ganz individuell auf den jeweiligen Motor anpassen. Auf diese Weise trägt die Fertigungstechnik erheblich zur Emissions- und Kraftstoffeinsparung bei.“


    3. Wieso ist es für Bosch wichtig, Schlüsselkomponenten in eigenen Werken herzustellen?

    Denner: „Unser Anspruch ist es, präzise gefertigte Produkte in großer Stückzahl und in höchster Qualität zu liefern. Das ist der Kunde von uns gewöhnt, und er erwartet dies auch in Zukunft von uns. Dafür brauchen wir eine ausgeklügelte Fertigungs- und Prozesstechnik. Nur wenn wir diese im Detail selbst beherrschen und verstehen, können wir die geforderte Qualität auch wirklich bieten. Aus diesem Grund haben wir für den Bau von Montageanlagen und Sondermaschinen sowie der zugehörigen Prüf- und Prozesstechnik auch einen eigenen Bereich. Dieser entwirft und konstruiert für Kerntechnologien viele der komplexen Fertigungslinien der Bosch-Gruppe.“


    4. Welche Themen bekommen künftig eine Bedeutung für Bosch?

    Denner: „Einen großen Anteil wird in den nächsten Jahren die Produktionstechnik für die Elektromobilität einnehmen. Hier sind die Stückzahlen derzeit noch so klein, dass die Fertigung im Vergleich zu der Masse der Komponenten, die wir in der Einspritztechnik fertigen, eher Manufaktur-Charakter hat. Die Entwicklung zum kostengünstigen Massenprodukt hat gerade erst begonnen. Das gilt unter anderem für die Leistungselektronik, die E-Maschine und Batteriesysteme. Für alle unsere Produkte wird das Thema Ressourceneffizienz in Produktdesign und Fertigung weiter an Bedeutung gewinnen. Zunehmend wird Software und Vernetzung nicht nur unsere Produkte und Dienstleistungen, sondern auch die Fertigungsprozesse bestimmen. Das Stichwort dazu lautet Industrie 4.0. Dies wird ein wesentlicher Treiber dafür sein, entlang der Produktentstehung über Firmengrenzen hinweg die Produktivität zu steigern.“


    5. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit von Firmen und Universitäten, um Produktionsprozesse zu verbessern?

    Denner: „Sehr wichtig. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass interdisziplinär vernetzte Arbeitsgruppen oft bessere Ergebnisse erzielen. Durch eine enge Kooperation mit Universitäten haben wir die Möglichkeit, Forschung anwendungsnah zu gestalten. Wir können so die Forschungsergebnisse schneller in der Entwicklung unserer Produktionsprozesse nutzen. Im Gegenzug geben wir Impulse für neue Forschungsthemen. So entstehen Vorteile für beide Seiten.

    Die Informationsflut und die Wissensbasis sind heute auf vielen Gebieten so groß, dass einzelne Menschen sie nicht mehr beherrschen können. Daher ist es wichtig, über ein wissenschaftlich-industrielles Netz zu verfügen. In dem können die Spezialisten gemeinsam größere Aufgaben erledigen als für sich allein. Durch das Zusammenwirken der Spezialisten entsteht ein Mehrwert – oft sind das neue, größere Lösungen. Dies gilt nicht nur für das Unternehmen Bosch allein, die Kooperation der Experten ist für ganz Deutschland ein Erfolgsfaktor. Eines der besonders guten Beispiele dafür ist die Zusammenarbeit von Bosch mit Trumpf sowie der Universität Jena und dem Fraunhofer-Institut IOF zur Fortentwicklung der ultrakurzen Laserpulse für die Materialbearbeitung.“


    6. Wie können öffentlich geförderte Projekte helfen, Innovationen zu treiben?

    Denner: „Mit öffentlich geförderten Projekten schafft der Staat eine große Plattform für anwendungsnahe Forschung. In der Verbundforschung arbeiten dabei Universitäten, Forschungsinstitute, Hersteller von Systemen und Komponenten sowie Anwender intensiv im vorwettbewerblichen Bereich zusammen. Wenn Experten aus unterschiedlichen Fakultäten und mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenkommen, entsteht eine neue, kritische Masse. Dies kann dann den nächsten Innovationsschub auf einem Gebiet auslösen. Diese Netzwerke decken häufig den kompletten Wertschöpfungsprozess ab und erlauben die zügige Umsetzung der Forschungsergebnisse in Produkte. Dies regt nicht nur die Innovationskraft einzelner Unternehmen an, sondern sichert die Innovationskraft des Standortes Deutschland.

    Die Verbundprojekte PRIMUS und PROMPTUS, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, sind ein gutes Beispiel für die Entwicklung einer innovativen Fertigungstechnik. Durch enge Zusammenarbeit von Universitäten, Laser- und Systemtechnikherstellern sowie Anwendern wurde der Prozess der Materialbearbeitung mit ultrakurzen Laserpulsen vom Forschungslabor in die raue industrielle Fertigung überführt. Der inzwischen daraus hervorgegangene wirtschaftliche Erfolg nutzt dem Standort Deutschland, sowohl mit Blick auf die Arbeitsplätze als auch mit Blick auf die Steuereinnahmen. Darüber hinaus sind Verbundforschungsprojekte eine treibende Kraft in der Ausbildung. Durch die Kooperation zwischen der Grundlagenforschung mit der Industrieforschung können junge Forscher ihr Wissen nicht nur einbringen, sondern erhalten zum Beispiel durch eine Industriepromotion die Möglichkeit sich weiterzubilden und sich damit weiterzuentwickeln. Bosch nutzt diese Möglichkeit sehr intensiv.“


    7. Gibt es bei Bosch auch eine Zusammenarbeit mit den Zulieferern?

    Denner: „Die Zusammenarbeit mit Zulieferern ist absolut notwendig und wichtig. Viele Zulieferer haben auf ihren Gebieten große Kompetenz. Wenn wir besondere Lösungen brauchen, steigen wir gemeinsam mit ihnen in die Entwicklung ein. Dies gilt sowohl für die Ebene des Produktes als auch für die Ebene der Fertigungsmaschine. Es ist viel Know-how nötig, um die Ergebnisse der Grundlagenforschung in eine Maschine für den Dauerbetrieb umzusetzen, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche zuverlässig arbeitet. Dazu brauchen sie kompetente Anlagenbauer. Diese starken Netzwerke existieren in Deutschland und sind ein strategischer Vorteil für den Hochlohnstandort. Diese Netzwerke sorgen auch dafür, dass die Entwicklung von Produkten und der zugehörigen Fertigung Hand in Hand geht – von Anfang an. Nur so schaffen wir exzellente Produkte.“


    8. Wie lange setzt Bosch bereits Laser in der Fertigung ein?

    Denner: „Wir stellen damit schon seit mehr als 36 Jahren Produkte her. Zu den Anwendungen zählten zum Beispiel das Einstellen von Widerständen in der frühen Fahrzeugelektronik. Das Laserschweißen hilft bei der Produktion von Sensoren und Einspritzkomponenten. Trotz dieser Erfahrung war es ein arbeitsreicher Weg, um die Mikrobearbeitung mit Ultrakurzpulslasern von den universitären Labors in die Fertigungshallen zu überführen. Dafür betreibt Bosch eine starke Industrieforschung. Diese nimmt Ergebnisse aus der Wissenschaft auf und trägt mit eigenen Erkenntnissen und langem Atem dazu bei, dass diese für die Industrialisierung reif werden. Die Materialbearbeitung mit ultrakurzen Laserpulsen ist ein gutes Beispiel hierfür. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung hat sich zehn Jahre lang damit befasst.“
Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 375 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2015). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 70,6 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über rund 150 Länder. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit 55 800 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 118 Standorten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“.

Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart gegründet. Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbstständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die Stimmrechte hält mehrheitlich die Robert Bosch Industrietreuhand KG; sie übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion aus. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de, http://twitter.com/BoschPresse.

PI8321 - 04. Dezember 2013

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Thilo Resenhoeft

+49 711 811-7088 E-Mail senden

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