Forschung

5 Fragen, 5 Antworten mit Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner „Bildung, Innovationen und Kreativität sichern unsere Zukunft“ Fertigung mit ultrakurzen Laserpulsen als gutes Beispiel

  • Innovationen sind Antwort auf stagnierende Wirtschaft
  • Neue Verfahren für neue Produkte in reifen Märkten
  • Schulen, Universitäten, Unternehmen sollen Kreativität fördern
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  • 04. Dezember 2013
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Pressetext

    1. Bosch kann mit kurzen Laserpulsen zum Beispiel feinste Löcher in hartes Metall bohren. Warum ist diese Innovation so wichtig?

    Denner: „Bosch stellt mit ultrakurzen Laserpulsen Produkte her, die so zuvor nicht möglich waren. Ein gutes Beispiel ist die Benzin-Direkteinspritzung: Deren Löcher in den Düsen sind so fein, dass gerade ein menschliches Haar hindurch passt. Die Kante des Loches ist dank der Laserfertigung exakt geformt, die Innenwände der Bohrungen sind extrem glatt. In der Folge wird der Kraftstoff im Brennraum sehr fein zerstäubt. Zudem gelangt das Benzin genau an die gewünschte Stelle. So verbrennt es besonders effektiv, was zur Kraftstoff- und Emissionseinsparung beiträgt. Das nutzt Autoherstellern und Autofahrern. Dies ist dank der hochpräzisen Fertigung mit den ultrakurzen Laserpulsen möglich.

    Das ist zum einen ein technischer Fortschritt. Zum anderen erhöhen wir mit diesen innovativen Produkten unsere Marktanteile in den reifen, aber relativ zahlungskräftigen Märkten wie Europa und den USA. Bosch wird Ende 2013 bereits rund 30 Millionen Bauteile an Kunden ausgeliefert haben, die mit dieser Lasertechnologie gefertigt wurden. Dazu zählen außer den Einspritzdüsen für die Benzin-Direkteinspritzung auch Lambdasonden, Dieselinjektoren oder Einspritzventile für Ölheizkessel. Diese Zahl wird künftig deutlich steigen. Dies zeigt: Innovative Produkte sind die richtige Antwort, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“


    2. Wie reagiert Bosch auf das Szenario einer länger anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation?

    Denner: „Viele Experten gehen davon aus, dass der Anteil Asiens an der globalen Wirtschaftsleistung zu Lasten Europas wachsen wird. Wäre dies der Fall, würde der Aufbau von Arbeitsplätzen naturgemäß überwiegend in diesen Wachstumsregionen erfolgen. In Deutschland und Europa müssen wir uns auf eine längerfristige Stagnation einstellen, die mehrere Jahre dauern könnte. Diese verhaltenen Aussichten müssen in Deutschland und Europa zu einem bedeutenden, offen diskutierten Thema werden. Die Frage lautet deshalb: Wie schaffen wir es, in einem stagnierenden Markt attraktive Produkte und damit auch Arbeitsplätze anzubieten? Für mich liegt eine der Antworten in kreativen Produktideen für die reifen, aber relativ zahlungskräftigen Märkte wie Europa und die USA. Das wird eine Herausforderung – für alle Unternehmen. Die gute Nachricht ist, dass wir alle erforderlichen Potenziale haben, etwa gut ausgebildete Mitarbeiter oder zahlreiche Netzwerke mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen.“


    3. Wie stark ist die Konkurrenz, die uns in Asien erwachsen ist?

    Denner: „Über viele Jahre hinweg waren Länder wie China oder Indien nur die verlängerte Werkbank des Westens. Ideen anderer Ingenieure wurden dort auf Bestellung in Produkte umgesetzt. Dies ändert sich derzeit grundsätzlich. Diese Länder konkurrieren nicht mehr allein über Kosten, sondern zunehmend über Innovationen. China will nicht auf Dauer die Fabrik der Welt sein und steuert massiv um – auf Innovation sowie auf Forschung und Entwicklung. Die Phase, in der China Waren lediglich imitiert hat, ist auf vielen Gebieten längst vorbei. In China ist das Lohn- und Gehaltsniveau extrem stark gestiegen. China reagiert mit einer Stärkung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, setzt also auf Innovation.

    Einige Beispiele: China entwickelt Hochgeschwindigkeitszüge und Flugzeuge. China meldete im Jahr 2002 nur rund 80 000 Patente an – 2012 waren es bereits rund 650 000. Und allein in China verlassen jedes Jahr etwa sechs Millionen Absolventen die Universitäten. Mehr als zwei Millionen von ihnen kommen aus den Ingenieurswissenschaften. In Deutschland erlangen derzeit nur etwa 50 000 Ingenieure jährlich ihren Erstabschluss. Mit dieser großen Zahl an Absolventen können wir nicht konkurrieren. Daher müssen wir deutlich besser sein als sie.“


    4. Wie können Deutschland und Europa darauf reagieren?

    Denner: „Die wesentlichen Ressourcen Deutschlands sind das Wissen und die Kreativität der Menschen. In Asien ist das Ausbildungssystem hingegen vielfach durch repetitives Lernen geprägt, da haben wir in Deutschland noch einen Vorsprung. Bei uns stehen die Kreativität des Einzelnen und seine persönlichen Fähigkeiten im Mittelpunkt. Wir sollten diese Kreativität in der Schule, in der Ausbildung und an den Hochschulen sicherstellen und fördern. Denn Kreativität hilft beim systemischen Denken und beim Verstehen komplexer Systeme. Genau diese Fähigkeiten brauchen wir auf allen Ebenen, wenn wir im internationalen Wettbewerb bestehen wollen. Diese Stärken sollten daher weiterentwickelt werden.

    Aber statt die Kreativität in den Mittelpunkt zu stellen, haben wir in Deutschland einige Schritte eingeleitet, die eindeutig in die falsche Richtung zielen. Dazu gehören die Art der Umsetzung des achtjährigen Gymnasiums und die stärkere Verschulung des Studiums. Wenn man Schüler und Studenten durch zu starke Verdichtung des Lehrstoffes überfrachtet, wie sollen sie dann Kreativität und eigene Lösungsansätze entwickeln? Stattdessen sollten wir das neugierige und forschende Lernen fördern.“


    5. Wie lässt sich Kreativität in Unternehmen fördern?

    Denner: „Kreativität benötigt in erster Linie Freiraum und die Fähigkeit, verschiedene Dinge miteinander zu verknüpfen. Kreativität ist nur bedingt planbar. Aber wir können die bestmögliche Arbeitsatmosphäre dafür schaffen, zum Beispiel durch den Bau unseres neuen Forschungszentrums in Renningen bei Stuttgart. Dort investieren wir 310 Millionen Euro in rund 1 300 Arbeitsplätze. Wir investieren dieses Geld, weil wir glauben, dass wir unsere Leistungen im Bereich Forschung und Vorausentwicklung nochmals deutlich steigern können. Daher entsteht in Renningen auch eine Art Campus mit universitärem Charakter, wo Informationen leicht fließen können, und wo die Mitarbeiter in neuen und modernen Formen zusammenarbeiten.

    Neue Ideen entstehen oft aus der Vernetzung bekannten Wissens. Daher ist es so wichtig, dass die richtigen Spezialisten zusammenkommen und neue Schnittmengen bilden. Darüber hinaus benötigen wir eine Einstellung, einen ‚Spirit', der es den kreativen Köpfen erlaubt, sich mit innovativen Themen zu beschäftigen. Auch wenn die Gefahr besteht, dass es schiefgeht. Aber stattdessen hemmt die in Deutschland weit verbreitete Kultur der Fehlervermeidung viele kreative Ideen, das ist ein Wettbewerbsnachteil.“
Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 375 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2015). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 70,6 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über rund 150 Länder. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit 55 800 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 118 Standorten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“.

Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart gegründet. Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbstständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die Stimmrechte hält mehrheitlich die Robert Bosch Industrietreuhand KG; sie übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion aus. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de, http://twitter.com/BoschPresse.

PI8320 - 04. Dezember 2013

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Thilo Resenhoeft

+49 711 811-7088 E-Mail senden

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