Verpackungstechnik

Was kann Bosch Verpackungstechnik leisten, um Lebensmittel umweltfreundlich und Ressourcen schonend bereit zu stellen? Referat von Friedbert Klefenz,
Vorsitzender des Bereichsvorstandes von
Bosch Packaging Technology

  • anlässlich des Kongresses „Save Food" am 17. Mai 2011
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  • 17. Mai 2011
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  • Referat

Pressetext

Meine Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, auf diesem Kongress zu Ihnen sprechen zu dürfen. Als wir von der Organisation vor einigen Monaten angesprochen wurden, haben wir nicht gezögert. Das mag jene, die unsere Branche nicht so gut kennen, erstaunen. Denn auf den ersten Blick scheint einen Hersteller von Verpackungsmaschinen wenig mit den Ernährungsproblemen der Menschheit zu verbinden. Aber ich will gern versuchen, für Sie diese Brücke zu schlagen.

Denn es wird häufig übersehen, dass die Vielfalt unserer Ernährung, nur dank einer entsprechenden Verpackungstechnik möglich ist. Viele Lebensmittel würden schneller verderben und wären nicht über weite Strecken transportier- und lagerbar. Schon Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs wie Milchprodukte, Gemüse oder Obst wären ohne Verpackung in der gewohnten Fülle und Güte undenkbar. Selbst simples Salz bedarf in feuchten Regionen einer geeigneten Verpackung, damit es küchenfertig bleibt.

Als führender Hersteller von Verpackungsmaschinen haben wir bei Bosch Packaging Technology also eine enge Beziehung zum Lebensmittel an sich. Als Teil der Bosch-Gruppe gibt es aber noch mehr Gründe, warum wir uns sofort für die Idee „Save Food“ begeistern konnten. In unserem Unternehmen, das in diesem Jahr sein 125jähriges Bestehen feiert, stehen Werte wie soziale Verantwortung, aber auch Völkerverständigung und nicht zuletzt Fairness ganz oben. Diese Werte gehen auf unseren Firmengründer, Robert Bosch, zurück und sie werden heute immer noch im Alltag unseres Unternehmens gelebt.

Robert Bosch hat sich immer als „sozial denkender Geschäftsmann“ verstanden. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde er von seinen Unternehmerkollegen als der „Rote Bosch“ betitelt, weil er den Acht-Stunden-Tag eingeführt hat und seine Leute überdurchschnittlich entlohnte. Er konterte: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle.“

Das Engagement von Robert Bosch spiegelt sich auch in unserer heutigen Unternehmensstruktur wider. Die Anteile gehören zu 92 Prozent der Robert-Bosch Stiftung, die einen Teil der Gewinne erhält und sie für soziale Zwecke einsetzen kann.

Nach den Vorgaben von Robert Bosch sollen die Produkte seiner Firma „nutzbringend für die Menschen“ sein. Wir fassen das heute mit dem Begriff „Technik fürs Leben“ zusammen. Das ist für uns bei Bosch weit mehr als ein Werbeslogan – es ist unser Leitmotiv, das uns die Richtung im Alltag vorgibt.

Wir sind davon überzeugt, dass nicht weniger sondern mehr Technik das Leben auf unserem Planeten verbessern kann. Darum steht in unserem Unternehmen grundsätzlich auch die Frage im Mittelpunkt: „Wie kann die nächste Produktgeneration dazu beitragen, dass weniger Ressourcen verbraucht und die Umwelt geschont wird?“

So hat der Bosch Geschäftsbereich Thermotechnik das „Energie Plus Haus“ entwickelt. Ein Gebäude, das in Summe mehr Energie abgibt, als es selbst verbraucht. Bosch ist aber auch mit Windkraftanlagen und Photovoltaik seit Jahren an der Entwicklung und dem Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligt. Allein im vergangenen Jahr hat unser Unternehmen in diesem Feld einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro erzielt.

Meine Damen und Herren,

Auch wir bei Bosch Packaging Technology sind den Werten, die unser Gründer vorgegeben hat, verpflichtet. Wir sind davon überzeugt, dass man mit mehr Verpackungstechnik die Ernährung von vielen Millionen Menschen verbessern und sie gleichzeitig bezahlbarer machen kann. Und gleichzeitig können wir mit mehr Verpackungstechnik viele Ressourcen und somit die Umwelt schonen.

Ein Widerspruch?
Nein. Ich nenne Ihnen ein Beispiel.

Heute gehen in Schwellenländern wie Indien mehr als drei Viertel der Ernte auf dem Weg vom Feld zum Verbraucher verloren, weil die Lebensmittel nicht sicher vor Klimaeinflüssen oder Schädlingen verpackt sind. Entsprechend können sie auch nicht schadlos transportiert oder gelagert werden.

Die Lebensumstände von Millionen Menschen könnten sich deutlich verbessern, wenn es uns gelänge diesen Verlust zu bekämpfen. Ein Verlust, der gleichzeitig eine Vergeudung von Ressourcen ist. Um ein einziges Kilo Mais zu produzieren, werden 450 Liter Wasser benötigt. Bei einem Kilo Soja sind es 2 300 und für ein Kilo Reis 3 000 Liter. Und für ein Kilo Rindfleisch werden alles in allem sogar 4 500 Liter Wasser eingesetzt.

Insgesamt werden heute mehr als zwei Drittel des weltweit verbrauchten Süßwassers für die Landwirtschaft eingesetzt. Dieser Bedarf wird in den kommenden 20 Jahren um 30 Prozent steigen. Bis 2050 wird er sich sogar verdoppeln. Dabei ist Wasser schon heute in vielen Regionen ein sehr knappes Gut. Gleichwohl ist der Einsatz dieser Wassermengen vergebens, wenn in ärmeren Regionen nicht einmal ein Viertel der Ernte den Verbraucher erreicht. Hier besteht eindeutig Handlungsbedarf.

Bosch Packaging Technology hat aus diesem Grund bereits vor gut drei Jahren damit begonnen, etwas gegen diesen Verlust von Lebensmitteln und Ressourcen zu unternehmen. In Indien haben wir speziell für die örtlichen Bedürfnisse entwickelte Verpackungsmaschinen auf Lastwagen montiert, um Bauern und Behördenvertretern die Vorteile verpackter Lebensmittel zu zeigen.

Die Bauern haben schnell erkannt, wie sinnvoll es ist, ihre Ernte zu verpacken. Jedes Jahr kommen mehr als 100 zusätzliche Maschinen zum Einsatz. Es könnten viel mehr sein, gäbe es geeignetere Distributionsnetze um die Waren über weite Strecken zu verteilen. Ziel ist also eine möglichst flächendeckende Verbreitung von Verpackungsmaschinen, um schon vor Ort, die Ware vor dem Verderben zu schützen. Gleichzeitig müssen aber entsprechende Distributionsnetze aufgebaut werden.

Unsere Erfahrung aus Indien macht deutlich: wenn wir die Situation in diesen Ländern nachhaltig verbessern wollen, müssen alle an einem Strang ziehen: von den UN-Organisationen, über die lokalen Regierungen, der Landwirtschaft, der Verpackungs- und Nahrungsmittelindustrie bis hin zum lokalen Handel. Nur wenn es uns gelingt diese Kette zusammenzuschmieden, werden wir dem massenhaften Verlust von Nahrungsmitteln ein Ende setzen können. Gerade deshalb halten wir die Initiative „Save Food“ für einen wichtigen und richtigen Ansatz.

Eine erfolgreichere Landwirtschaft ist zudem der Schlüssel zu einer positiven ökonomischen Entwicklung vor allem in den ärmeren Ländern Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas, in denen in den kommenden Jahren die Bevölkerung überdurchschnittlich steigen wird. Das verdeutlicht eine Studie des World Development Reports aus dem Jahr 2008. Wenn demnach in diesen Ländern das Bruttosozialprodukt durch die Landwirtschaft nur um ein Prozent wächst, verbessert dies das Einkommen der Ärmsten um sechs Prozent. Ein Prozent Wachstum aus Industrie oder Dienstleistung kommt hingegen bei dieser Bevölkerungsschicht überhaupt nicht an.

Aber auch in unseren Breiten gehen wir noch sorglos – ja in Teilen geradezu verschwenderisch – mit den vorhandenen Ressourcen um. Oft kaufen wir viel mehr ein, als wir später tatsächlich konsumieren. Der Rest wird achtlos weggeworfen. Der jährliche Pro Kopf-Verlust von Lebensmitteln in Industrieländern beträgt rund 300 Kilogramm. Zum Vergleich: die Bundesbürger verbrauchen im gleichen Zeitraum knapp 90 Kilogramm Fleisch sowie 190 Kilogramm Obst und Gemüse. Eine genauere Portionierung durch entsprechende Packungen hat aber nur Erfolg, wenn wir Verbraucher unser Kaufverhalten dem tatsächlichen Bedarf anpassen.

Zudem ist der Energieaufwand für die industrielle Verarbeitung von Lebensmitteln oft immer noch zu hoch. Wir bei Bosch Packaging Technology wollen und können unseren Beitrag dazu leisten, dass Energieeffizienz und ein geringerer Einsatz von Verpackungsmaterial die Herstellkosten von Lebensmitteln senkt und gleichzeitig die Müllmengen weiter reduziert.

Ein Beispiel sind aseptisch verpackte Lebensmittel. Mit dieser Technik muss die Ware nicht mehr in der Verpackung mit hohen Temperaturen erhitzt werden. Das bedeutet, dass deutlich weniger Packstoff verwendet werden kann und der Energieeinsatz für das Verpacken der Lebensmittel im Vergleich zu herkömmlichen Systemen um bis zu 70 Prozent sinkt. Gleichzeitig bleiben durch diese schonende Verarbeitung deutlich mehr Nährstoffe erhalten.

Und nicht zuletzt brauchen so verpackte Lebensmittel keine Kühlkette, die sonst mit hohem Energieaufwand auf dem Weg von der Verarbeitung, über den Transport bis in den Einzelhandel aufrechterhalten werden muss. Mit dieser Form der Verpackung können wir beispielsweise auch Menschen versorgen, die keinen Kühlschrank oder einen Supermarkt mit Kühlregal in ihrer Nähe haben.

Ein weiterer Ansatz von Bosch ist die Entwicklung der Ultraschallsiegeltechnologie, bei der weniger Energie zum Verschließen der Packungen benötigt wird. Denn im Gegensatz zur Heißsiegelung erübrigt sich bei der „kalten“ Ultraschalltechnik das Vorheizen der Siegelbacken. Hersteller können zudem auf dünnere und merklich preiswertere Folien zurückgreifen. Darüber hinaus erzeugt die Ultraschallsiegelung schmalere Siegelnähte, was den Bedarf an Verpackungsmaterial verringert und damit Fertigungskosten sowie das Müllaufkommen reduziert.
Somit leistet Bosch auch hier einen Beitrag zu „Save Food“.

Meine Damen und Herren.

Die Initiative „Save Food“ mahnt an, dass wir mit unseren Anstrengungen, den Hunger in der Welt zu bekämpfen, nicht nachlassen dürfen. Vielerorts wäre sogar ausreichend Nahrung vorhanden, doch sie erreicht die Verbraucher nicht. Gleichzeitig sollte diese Initiative gerade in unseren Breiten als Mahnung dahingehend verstanden werden, nicht auf Kosten der übrigen Welt verschwenderisch mit Nahrungsmitteln und Ressourcen umzugehen. Wir haben alle Möglichkeiten und tragen somit auch die Verantwortung konsequent nach noch besseren Lösungen zu suchen. Ziel ist und muss sein, dass Nahrung sicher und in ausreichender Menge zu möglichst vielen Menschen gelangt. Zudem müssen wir auch weiter daran arbeiten, dass Verpackungen nach dem Gebrauch die Umwelt möglichst wenig belasten.

Die 4500 Frauen und Männer bei Bosch Packaging Technology wollen ihren Teil dazu beitragen, dass wir diesem Ziel jeden Tag einen Schritt näher kommen. Ich hoffe, dass wir auf der nächsten Interpack bereits erfolgversprechende Ergebnisse vorweisen können. Mit „Save Food“ ist ein Anfang gemacht. Lassen Sie uns nun gemeinsam diesen Weg fortsetzen.

Vielen Dank.

RF00119 - 17. Mai 2011

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Dirk Haushalter

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