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Wie Industrie 4.0 die Arbeitswelt verändert

5 Fragen an Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH

Wie verändert Industrie 4.0 die Arbeitswelt?

Mit Industrie 4.0 stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produktionsstandorte und sichern so Beschäftigung. In nahezu allen rund 280 Bosch-Werken weltweit setzt Bosch auf Industrie 4.0. Die unterschiedlichen Fähigkeiten von Mensch und Maschine lassen sich in der vernetzten Fertigung optimal nutzen: Roboter arbeiten präzise, besitzen eine große Ausdauer. Der Mensch überzeugt durch Wissen und Erfahrung, findet für komplexe Situationen kreative Lösungen. Die Vernetzung von Maschinen und Anlagen schafft Mehrwert, indem wir Daten erheben, Informationen ermitteln und so neues Wissen gewinnen. Auf diese Weise steigern wir die Produktivität, schonen Ressourcen, erhöhen die Sicherheit und erleichtern die Arbeit. Der Mensch macht dabei den Unterschied. Mit seiner Empathie, Kreativität und Problemlösungskompetenz ist und bleibt er unverzichtbar. Diese Talente lassen sich nicht digitalisieren. Allerdings verändern sich Jobprofile und Qualifikationen. Interdisziplinäres Arbeiten und die Bereitschaft, immer wieder Neues zu lernen, werden wichtiger. Der digitale Wandel ist auch ein kultureller Wandel.

Wie bereiten Sie Ihre Mitarbeiter auf den digitalen Wandel in der Fertigung vor?

Wir beteiligen unsere Mitarbeiter frühzeitig in Veränderungsprozessen. In Piloten sammeln wir Erfahrungen, die wir in die Umsetzung einfließen lassen. In unserem Werk in Stuttgart-Feuerbach haben wir eine App getestet, mit der die Mitarbeiter sehr schnell und einfach Schichten tauschen können. So wollen wir auch in der Fertigung eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen.
Zudem machen wir unseren Mitarbeitern umfangreiche Qualifizierungsangebote wie die neue Weiterbildung zur Fachkraft für Industrie 4.0. Denn nur wer die vernetzte Welt versteht, kann sie auch gestalten.

Welche Bedeutung haben die Themen Lernen und Weiterbildung?

Wir qualifizieren unsere Mitarbeiter für die Arbeitswelt von morgen. So schaffen wir die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0. Gleichzeitig sichert das Lernen die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter. Lernen ist daher von strategischer Bedeutung, um den digitalen Wandel erfolgreich gestalten zu können. In den vergangenen fünf Jahren haben wir mehr als eine Milliarde Euro in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter investiert. Derzeit bieten wir rund 19 000 Schulungsprogramme an.
Mit unserer Initiative „Bosch Learning Company“ wollen wir eine Lernkultur im Unternehmen etablieren, die eigenverantwortliches informelles Lernen im beruflichen Alltag ermöglicht. In umfangreichen Qualifizierungsprogrammen machen wir unsere Mitarbeiter fit für Themen wie Elektromobilität, Software oder auch digitale Transformation.
Für Mitarbeiter in der Fertigung bieten wir spezifische Weiterbildungsprogramme an. Im Lehrgang zur Fachkraft für Industrie 4.0 qualifizieren wir die Teilnehmer für die Anforderungen der vernetzten Fertigung. Wir vermitteln neben technologischem Fachwissen neue Arbeitsmethoden wie agiles Arbeiten. An- und ungelernten Mitarbeitern machen wir Angebote, sich für höherwertige Aufgaben zu qualifizieren.
Um die Weiterbildung der Mitarbeiter zu fördern, unterstützen wir sie mit Stipendien oder auch Freistellungen. Dabei arbeiten wir eng mit den Betriebsräten zusammen.

Was für neue Jobprofile entstehen?

Industrie 4.0 erfordert neue Kompetenzen bei den Mitarbeitern, in IT genauso wie in vernetzten Geschäftsmodellen. Wir qualifizieren unsere Mitarbeiter für diese neuen Anforderungen. Unsere Azubis lernen, wie sie Apps programmieren und Roboter konfigurieren. Ein neues Berufsbild speziell für die vernetzte Fertigung ist der Produktionstechnologe, der Produktionsprozesse betreut. Diesen bilden wir seit 2015 aus. Der Data Scientist wertet große Datenmengen aus und gibt Handlungsempfehlungen auf Basis der so gewonnenen Informationen. Auch an Entwicklern besteht ein großer Bedarf. Bereits heute arbeiten mehr als 25 000 Softwareexperten bei Bosch. Jede zweite offene Stelle hat Bezug zu Software oder IT.

Inwieweit profitieren die Mitarbeiter von den neuen Techniken und Arbeitsweisen?

Industrie 4.0 steigert die Wettbewerbsfähigkeit der Werke und sichert so Beschäftigung. Intelligente Maschinen und Software werden in Zukunft Routinearbeiten übernehmen, Menschen hingegen anspruchsvollere Tätigkeiten. Roboter wie der automatische Produktionsassistent APAS sorgen für Entlastung, indem sie gefährliche, anstrengende oder monotone Tätigkeiten übernehmen wie die Sortierung von Werkstücken. Autonome Transportroboter reduzieren die Laufwege für die Materialbeschaffung und ermöglichen den Mitarbeitern, ohne Verzögerungen zu arbeiten. Das spart Zeit und schafft Freiraum. Der Mensch konzentriert sich wieder auf das Wesentliche: Er steuert die Prozesse, bringt sich mit Kreativität ein und entwickelt Neues.

Tags: Weiterbildung, Ausbildung, IHK, Industrie 4.0 Fachkraft, IoT, vernetzte Fertigung

Journalistenkontakt:
Michael Kattau,
Telefon: +49 711 811-6029
Twitter: @MichaelKattau

Über Bosch

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 402 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2017).

Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 78,1 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Als führender Anbieter im Internet der Dinge (IoT) bietet Bosch innovative Lösungen für Smart Home, Smart City, Connected Mobility und Industrie 4.0. Mit seiner Kompetenz in Sensorik, Software und Services sowie der eigenen IoT Cloud ist das Unternehmen in der Lage, seinen Kunden vernetzte und domänenübergreifende Lösungen aus einer Hand anzubieten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs-, Entwicklungs- und Vertriebsverbund von Bosch über fast alle Länder der Welt. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit rund 64 500 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 125 Standorten.

Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart gegründet. Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbstständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die Stimmrechte hält mehrheitlich die Robert Bosch Industrietreuhand KG; sie übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion aus. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.iot.bosch.com, www.bosch-presse.de, www.twitter.com/BoschPresse.

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