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Mehr Effizienz im Gütertransport ist möglich: Bosch ergänzt Technik für Nutzfahrzeuge durch internetbasierte Logistikservices

Statement von Dr. Rolf Bulander, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions der Robert Bosch GmbH, anlässlich der Pressekonferenz zur IAA Nutzfahrzeuge am 21. September 2016 in Hannover

So vielseitig wie noch nie, sehr geehrte Damen und Herren …

… können wir die Effizienz des Gütertransports steigern. Die Betriebskosten des Nutzfahrzeugs senken, auch indem wir es automatisieren – das ist das eine. Die ganze Logistikkette wirtschaftlicher machen, indem wir internetbasierte Services realisieren – das ist das andere. Unsere Lösungen wollen wir Ihnen auf dieser Pressekonferenz vorstellen. Dazu begrüße ich Sie herzlich – auch im Namen meines Geschäftsführer-Kollegen Herrn Heyn, der Ihnen nach meinem Statement hier auf dem Stand mit einer „Vision X“ zeigen wird, wie Lkw-Fahren im nächsten Jahrzehnt aussehen kann.

Vorab jedoch ein kurzer Blick auf die aktuelle Geschäftslage: Trotz verhaltener Konjunktur bleibt Bosch im Unternehmensbereich Mobility Solutions auf Wachstumskurs. Während die weltweite Automobilproduktion in diesem Jahr um weniger als zwei Prozent zunimmt, legt unser Umsatz real um nahezu fünf Prozent zu. Dabei erhöht sich die weltweite Mitarbeiterzahl von 217 000 auf gut 225 000. Zugleich steigt unsere Investition für Innovationen. Anfang 2016 waren 43 600 Forscher und Entwickler für die Mobility Solutions tätig, zum Jahresende werden es nahezu 47 000 sein. Das ist die Mannschaft, die auch für die Zukunft des Nutzfahrzeugs arbeitet.

Neue Pfade zum kostengünstigen Gütertransport: Die Ziele von Bosch

In dieser Zukunft zeichnet sich eine weitere Zunahme des weltweiten Transportbedarfs ab. In Deutschland wird sich die Güterverkehrsleistung in den nächsten 25 Jahren um die Hälfte erhöhen, in China und Indien sogar mehr als verdoppeln. Und dieser Verkehr findet vor allem auf der Straße statt. Um-so wichtiger, die Betriebskosten des Nutzfahrzeugs auf ganz neuen Pfaden zu senken. Wo aber setzen wir an – dazu nur einige Punkte:

  • Noch immer ist jede fünfte Fahrt eines Trucks eine Leerfahrt. Eine Quote, die sich noch deutlich senken lässt – etwa mit Trailer-Sensoren, die ständig Standort und Ladezustand melden, so dass Frachtbörsen und Transportmanagement-Systeme schneller und intelligenter werden.

  • Mit nahezu einem Drittel hat das Personal einen höheren Anteil an den Lkw-Betriebskosten als der Kraftstoffverbrauch. Je mehr der Truck automatisiert fährt, desto effizienter wird der Personaleinsatz – sei es, dass sich der Fahrer unterwegs um Logistikaufgaben kümmern kann, sei es, dass eine Langstrecken-Tour mit einem statt zwei Fahrern auskommt.

  • Jeder zehnte Euro der Lkw-Betriebskosten entfällt auf Versicherungen. Die Prämien werden in dem Maße sinken, wie Assistenzsysteme bis hin zum automatisierten Fahren die Unfälle reduzieren. Sie werden auch niedriger, wenn wir den Gütertransport auf der Straße sicherer machen. Frachtdiebstähle an parkenden Lkw richten in Europa jährlich einen Schaden von mehr als 16 Milliarden Euro an.

Schon diese Beispiele deuten an, wie vielseitig wir beim Gütertransport auf der Straße noch sparen können. Und das kommt nicht allein den Speditionen zugute. Was dem Nutzfahrzeug nützt, nützt der gesamten Logistikkette – sowie nicht zuletzt Umwelt und Gesellschaft. Denn effiziente Trucks bedeuten Klimaschutz, automatisierte Trucks Unfallschutz. Was Bosch dazu beiträgt, entspricht dem Leitmotiv unserer Entwicklung – es ist „Technik fürs Leben“.

Welche Ziele aber haben wir uns konkret gesteckt? Dazu zwei Punkte, den einen zum Sparpotenzial unserer Lösungen, den anderen zum Wachstumspotenzial unseres Geschäfts:

  • Einerseits verfolgt Bosch in Zukunft für das Nutzfahrzeug ein doppeltes Sparziel. Wir können die Effizienz des Antriebsstrangs durch eine Vielzahl von Maßnahmen um bis zu zehn Prozent steigern. Das heißt für Lang-strecken-Lkw: jährlich gut 5 000 Euro weniger Betriebskosten. Eine ähnlich große Betriebskosten-Ersparnis werden wir künftig auch über das automatisierte und vernetzte Fahren ermöglichen, indem wir zum Beispiel Unfälle und Ausfallzeiten reduzieren.

  • Andererseits sehen wir mit solchen Lösungen für Bosch große Wachstumschancen. Schon jetzt erlöst unser Unternehmensbereich Mobility Solutions jeden vierten Euro mit Nutzfahrzeugtechnik, vom Transporter aufwärts. In Zukunft wird sich Bosch noch umfassender auf Systeme und Services für schwere Nutzfahrzeuge konzentrieren – sei es für Trucks, sei es auch für Bau- und Landmaschinen. Dazu haben wir zu Jahresbeginn eine Vertriebsorganisation mit eigener Systementwicklung gegründet: Commercial Vehicle and Off-Road. In diesem Segment wollen wir unser Geschäftsvolumen in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.

Euro 6 kommt in aller Welt: Schub für die Antriebssysteme von Bosch

Welche Innovationen tragen diese Erwartungen? Darauf möchte ich mit drei Themen antworten, erstens mit unseren Antriebssystemen, zweitens mit der Automatisierung und drittens mit der Vernetzung des Nutzfahrzeugs. Gerade diese letzten beiden Punkte werden auch mit unserer „Vision X“ vom Truck der Zukunft deutlich. Zunächst aber zum Nutzfahrzeug-Antrieb – eine Domäne von Bosch, für die wir allein 2 600 Entwickler beschäftigen.

Mit unseren Dieselsystemen hat der Lkw die Voraussetzung, um umweltschonend unterwegs zu sein. Schon jetzt könnten Trucks die Emissionsnorm Euro 6 auch im realen Straßenverkehr einhalten. Vergleichbare Abgasvorschriften kommen bis 2020 auch in China und Indien. Dies bringt einen Schub für unser internationales Geschäft. Dies bringt einen Schub für unser internationales Geschäft. Bis Ende der Dekade wird der Anteil des Common-Rail-Systems in neu produzierten Nutzfahrzeugen weltweit von 70 auf 90 Prozent steigen. Ein besonderes Wachstumsfeld ist die Abgasnachbehandlung – ein Feld, auf dem wir unseren Umsatz bis Anfang der nächsten Dekade voraussichtlich nahezu verdoppeln werden.

In Zukunft werden Klimaschutz-Vorschriften fürs Nutzfahrzeug an Bedeutung gewinnen. In Europa zeichnen sich Kohlendioxid-Grenzwerte ab, während in den USA die schon geltenden Werte weiter gesenkt werden sollen. Damit wird alles, was Kraftstoff spart, nochmals attraktiver – nicht zuletzt alternative Antriebssysteme, die sich bisher wegen niedriger Dieselpreise kaum gerechnet haben. Bosch entwickelt auch diese Systeme, für den Hybrid- und Gasantrieb ebenso wie für die Wärmerückgewinnung. Dabei haben 48-Volt-Einstiegshybride nicht nur wegen der Kraftstoffersparnis gute Chancen. Vielmehr werden sie vom Trend zu höheren Spannungslagen im Nutzfahrzeug profitieren. Leistungsstärkere Bordnetze sind eine wesentliche Voraussetzung für den Hightech-Truck der Zukunft.

Weniger Unfälle, weniger Ausfälle: Das Lkw-Fahren wird automatisiert

Technologieträger war das Nutzfahrzeug für Bosch schon immer. Hier haben wir unsere erste Hochdruck-Einspritzung und unsere erste Abgasnachbehandlung realisiert. Und genauso wollen wir den Markt mit Lösungen für das automatisierte Fahren treiben – mein zweites Innovationsthema. Wir bringen dafür ein breites und tiefes Software- und Systemwissen mit, um die nötigen technologischen Voraussetzungen zu schaffen:

  • Zum einen wird der Truck zum „40-Tonnen-Smart-Device“. Sein Software-Umfang wird bis 2025 mehr als sechsmal, seine Rechenleistung 20mal so hoch sein wie heute.
  • Zum anderen gilt es Antriebs-, Assistenz- und Lenksysteme zu verknüpfen. Inzwischen ist Bosch auch Weltmarkführer für Nutzfahrzeug-Lenkungen – und wir erwarten, dass 2025 jeder zweite Langstrecken-Truck in Europa, USA und Japan mit elektrisch unterstützter Lenkung unterwegs ist. Ohne solch eine Lenkung kein automatisiertes Lkw-Fahren.

Diese Automatisierung kommt – Funktion für Funktion, schon um Unfälle zu verhindern. Längst sind im Nutzfahrzeug neben dem Schleuderschutz ESP weitere Sicherheitssysteme Pflicht: die automatische Notbremsung ebenso wie die Warnung vor dem Verlassen der Spur. Kommen werden Funktionen wie Abbiege-, Spurwechsel- oder Rangierassistent. Und mit allen diesen Systemen lassen sich nach unserer Einschätzung bis zu 90 Prozent der von Trucks verursachten Unfälle mit Personenschaden vermeiden. Und weniger Unfälle – das heißt für die Speditionen: weniger Ausfälle, niedrigere Versicherungsprämien. So wird die Wirtschaftlichkeit des Nutzfahrzeugs auch zum Treiber seiner Automatisierung. Dies gilt besonders für die Königslösung auf der Autobahn, das automatisierte Windschattenfahren. Dieses „Platooning“ wird spätestens Mitte der nächsten Dekade realistisch – was es für den Trucker bedeutet, wird Herr Heyn an unserer „Vision X“ zeigen.

Ohne Vernetzung ist alles nichts: Bosch bietet Hardware und Services

Grundsätzlich gilt: Das automatisierte Fahren wird auch im Truck vernetztes Fahren sein – mein drittes Innovationsthema. So setzt das „Platooning“ eine virtuelle Längsachse in der Kolonne voraus, um etwa Steuer- und Bremsbefehle vom Front-Lkw an die Folgefahrzeuge weiterzuleiten. Doch ist die Vernetzung mehr als ein Hilfsmittel für die Automatisierung des Nutzfahrzeugs. Sie hilft auch unmittelbar Betriebskosten zu senken. Ein Beispiel ist die Bosch-Lösung für das Flottenmanagement: Connectivity Control Units, die auf Steuergeräte-Daten zugreifen, so dass wir Fehler oder Verschleiß frühzeitig erkennen, die Fahrzeuge also vorausschauend warten können. Dies vermeidet Ausfall- und Abschleppkosten.

Die wirtschaftlichen Vorteile der Vernetzung sind so groß, dass schon im nächsten Jahr jeder neue Truck in Europa und Nordamerika telematikfähig sein wird. Bosch wird 2017 den Absatz seiner Connectivity-Boxen für Nutzfahrzeuge mehr als verdoppeln. So liefern wir zum Beispiel künftig für neue Lkw von Daimler das Truck Data Center.

Allerdings bieten wir für die Vernetzung des Nutzfahrzeugs mehr als die nötige Hardware. Denn der vernetzte Truck wird Teil des Internets der Dinge sein, und dafür verfügen wir über eine Cloud mit integrierter Software-Plattform. Auf dieser Bosch IoT Cloud können auch unsere Nutzfahrzeug-Kunden Services realisieren, wir nutzen sie aber ebenso für eigene Dienstleistungen. Beispiel Bosch Secure Truck Parking – eine Buchungsplattform für sichere Lkw-Parkplätze entlang der Autobahnen, die wir Anfang 2017 „live“ schalten. Jeder kennt das Problem: Trucks, die über Nacht die Raststätten „zuparken“. Allein an deutschen Autobahnen fehlen 14 000 sichere Lkw-Abstellplätze. Diesen Mangel können wir zwar nicht unmittelbar beheben, wohl aber den knappen Bestand effizienter nutzen. Mit unserer Buchungsplattform bieten wir Fuhrparkbetreibern Planungssicherheit, wo ihre Fracht über Nacht zuverlässig steht. Ein Pilotprojekt läuft bereits mit ausgewählten Speditionen auf einem firmeneigenen Parkplatz an der A5 in Karlsruhe. Und noch in diesen Wochen kommt in Bayern ein erster Autohof hinzu.

Das ist Zukunft: Wenn die Ware sagt, wie es ihr unterwegs geht

Mit diesem Beispiel komme ich vorerst zum Schluss. Es zeigt, wie intensiv wir an Lösungen für den gesamten Güterverkehr arbeiten. Wir bringen Branchenwissen mit, wir haben Sensorik- und Software-Know-how, wir verfügen über die Bosch IoT Cloud – auf dieser breiten Basis können wir neue Dienstleistungen für das Ecosystem der Logistik realisieren. In Zukunft wird Bosch die Transporteffizienz sowohl mit Logistikservices als auch mit Nutzfahrzeugtechnik steigern. Dazu jeweils noch ein markantes Beispiel:

  • Im nächsten Jahr starten wir TraQ – eine Industrie-4.0-Lösung, die Transporte mit Hilfe integrierter mikromechanischer Sensoren überwacht. Der Empfänger weiß damit immer, wo seine kostbare Ware ist und wie es ihr unterwegs geht.

  • Hier auf der Messe stellen wir ein digitales Spiegelersatzsystem vor – eine Weltneuheit für den Truck, die auch seine Aerodynamik verbessert. Sie senkt den Verbrauch um bis zu zwei Prozent, umgerechnet um nahezu 1 000 Euro jährlich.

Bosch hilft mit allen Mitteln sparen. Das ist der Schlüssel zum Wachstum unseres Geschäfts mit der Nutzfahrzeug- und Logistik-Branche.

Tags: Nutzfahrzeuge, Truck

Mobility Solutions ist der größte Unternehmensbereich der Bosch-Gruppe. Er trug 2016 mit 43,9 Milliarden Euro 60 Prozent zum Umsatz bei. Damit ist das Technologieunternehmen einer der führenden Zulieferer der Automobilindustrie. Der Bereich Mobility Solutions bündelt seine Kompetenzen in den drei Domänen der Mobilität – Automatisierung, Elektrifizierung und Vernetzung – und bietet seinen Kunden ganzheitliche Mobilitätslösungen. Die wesentlichen Geschäftsfelder sind: Einspritztechnik und Nebenaggregate für Verbrennungsmotoren sowie vielfältige Lösungen zur Elektrifizierung des Antriebs, Fahrzeug-Sicherheitssysteme, Assistenz- und Automatisierungsfunktionen, Technik für bedienerfreundliches Infotainment und fahrzeugübergreifende Kommunikation, Werkstattkonzepte sowie Technik und Service für den Kraftfahrzeughandel. Wichtige Innovationen im Automobil wie das elektronische Motormanagement, der Schleuderschutz ESP oder die Common-Rail-Dieseltechnik kommen von Bosch.

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 390 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2016). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 73,1 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Als führender Anbieter im Internet der Dinge (IoT) bietet Bosch innovative Lösungen für Smart Home, Smart City, Connected Mobility und Industrie 4.0. Mit seiner Kompetenz in Sensorik, Software und Services sowie der eigenen IoT Cloud ist das Unternehmen in der Lage, seinen Kunden vernetzte und domänenübergreifende Lösungen aus einer Hand anzubieten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über fast alle Länder der Welt. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit rund 59 000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 120 Standorten.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.iot.bosch.com, www.bosch-presse.de, www.twitter.com/BoschPresse.