Forschung

Das „Stanford“ von Bosch Rede von Dr. Volkmar Denner,
Vorsitzender der Geschäftsführung
der Robert Bosch GmbH,
zur Eröffnung des Forschungscampus Renningen
am 14. Oktober 2015.

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  • 14. Oktober 2015
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Pressetext

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
meine Damen und Herren!

Dies ist ein Tag, der den Geschäftsführer in mir stolz, den Physiker in mir beinahe neidisch macht. Wir eröffnen hier in Renningen heute das neue Forschungszentrum von Bosch – ein Zentrum, das wir ganz bewusst Campus nennen. Denn hier sind wie auf dem Gelände einer Universität viele Fakultäten vereint, hier können sich Ingenieure und Wissenschaftler aller Disziplinen austauschen. Dies ist, wenn man so will, das „Stanford“ von Bosch.

Hier wird gut forschen sein, könnte ich auch sagen, und eben deshalb schlägt das Herz des Physikers heute in mir deutlich höher. Vielleicht können Sie, Frau Bundeskanzlerin, dieses Gefühl gut verstehen. Denn auch Sie sind der Physik abhanden gekommen. Auf diesem Forschungscampus wären wir beide vielleicht noch einmal gerne dabei – nicht um zu sehen, was die Welt im Innersten zusammenhält, wohl aber, um nach neuen und vor allem sinnvollen Lösungen für den Straßenverkehr, die Energieeffizienz oder auch für die digitale Vernetzung zu suchen. Hier jedenfalls ist die technische Zukunft offen.

Tatsächlich war hier in Renningen, kaum einer weiß das noch, schon in der Vergangenheit Zukunft. Dazu blende ich kurz 20 Jahre zurück, als zwar noch niemand an einen Campus dachte, unsere Ingenieure aber den benachbarten Flugplatz schon für ihre Fahrversuche nutzten. Sie erprobten das ESP – genau jenes Elektronische Schleuderschutz-Programm, das einige Jahre später nach dem legendären Elchtest von sich reden machen sollte. In Renningen also sind die ersten Versuche für ein System gemacht worden, das so segensreich war, dass es heute automobile Standardausrüstung in vielen Ländern der Welt ist. Allein in Europa hat der elektronische Schutzengel nach einer Studie der Universität Köln nahezu 260 000 Verkehrsunfälle verhindert und gut 8 500 Menschenleben gerettet. Das ist „Technik fürs Leben“, wie wir sie bei Bosch verstehen – eine Technik, die so sinnstiftend ist, dass sie unsere Ingenieure auch über den Lohn hinaus belohnt. Renningen also ist ein guter Platz für technische Pionierleistungen. Die ESP-Geschichte verstehe ich beispielhaft als Ansporn für unsere Zukunft – eine Zukunft, in der wir unter anderem das Fahren weiter automatisieren und damit unfallfrei machen. Zwar wirkt nicht jede Innovation von Bosch unmittelbar lebensrettend. Aber zumindest die Lebensqualität der Menschen können unsere technischen Lösungen verbessern. Das treibt, bei allen geschäftlichen Interessen, Bosch und seine Ingenieure an. In den nächsten 20 Jahren, so denke ich, werden wir noch reichlich „Technik fürs Leben“ aus Renningen erwarten können.

Auf diesem guten Pflaster jedenfalls haben wir mehr als 300 Millionen Euro in unseren neuen Forschungscampus investiert. Hier werden nun 1 700 kreative Kräfte enger und intensiver denn je zusammenwirken, die bisher über drei Standorte im Großraum Stuttgart verteilt waren. Und dies wird zugleich der Knotenpunkt in unserem weltweiten Forschungs- und Entwicklungsverbund sein – mit 45 700 Mitarbeitern an 94 Standorten in 25 Ländern. Hinzu kommen 250 Partnerschaften mit Universitäten und Forschungseinrichtungen – den besten der Welt. Wir vernetzen unsere Forschung und Entwicklung lokal und global zugleich.

Nicht genug, dass wir unsere technischen Vordenker vernetzen – wir vernetzen auch die Technik selbst. Es ist das Internet der Dinge, das wir bei Bosch als epochalen Wandel begreifen, wie vor 50 Jahren den Einzug der Elektronik ins Auto. Wenn demnächst Fahrzeuge, Maschinen, Hausgeräte, Energiesysteme automatisch kommunizieren, dann berührt das den industriellen Kern der deutschen Wirtschaft. Wie kann Deutschland In Zeiten digitaler Vernetzung technologisch souverän bleiben? Vor allem, indem es die Schlüsselkompetenzen Sensorik und Software fördert. Geschäft im Internet der Dinge entsteht aber auch aus neuen Services. Und wenn wir dieses Geschäft nicht anderen überlassen wollen, dann müssen wir noch schneller und risikobereiter sein als bisher. Ich könnte auch sagen: Unsere Entwickler müssen früher denn je unternehmerisch denken.

Große Unternehmen wie Bosch müssen dazu Freiräume schaffen, jenseits ihrer klassischen Organisation. Nicht zufällig haben wir daher für neue Geschäftsfelder eine eigene Start-up-Plattform gegründet. Doch wirklich ausfüllen können solche Freiräume nur Mitarbeiter mit unternehmerischer Dynamik. Und diese Dynamik sollte in Zukunft möglichst schon der wissenschaftliche Nachwuchs mitbringen. Wir müssen mehr Unternehmergeist in die deutsche Hochschulbildung tragen, das ist mein Anliegen.

Viele tun so, als könne aus Europa ein „silicon valley“ werden. Tatsächlich aber fehlt es hier sowohl an Chancen als auch an Bereitschaft, ein Start-up zu gründen. Ich spreche also nicht bloß vom Mangel an Wagniskapital, vielmehr auch vom Mangel an Wagemut. Es muss zu denken geben, dass sich nur 25 Prozent der Deutschen eine Firmengründung vorstellen können, in den USA immerhin 40 Prozent. Und was noch fataler ist: Als Hinderungsgrund nennen 80 Prozent der Deutschen die Angst vorm Scheitern, in den USA lediglich 30 Prozent. Dieses Land braucht mehr Start-up-Mentalität gerade im wissenschaftlichen Nachwuchs, und dazu müssen die Universitäten mehr vermitteln als eine hochspezialisierte Examensvorbereitung. Viel wäre zum Beispiel mit Lehrstühlen gewonnen, die technische Studiengänge mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen verbinden. Wenn „silicon valley“ für Europa wirklich Vorbild sein soll, dann müssen wir das Wagen lernen.

In einem Unternehmen wie Bosch jedenfalls muss der Weg vom Campus zum Markt kurz sein. Schließlich wollen wir keine Technik fürs Labor, sondern fürs Leben. Daran entscheidet sich nichts weniger als die Zukunft unseres Unternehmens. Dieser Forschungscampus ist ein Versprechen: dass bei Bosch die besten Köpfe zusammenarbeiten, um weitere Innovationen vom Kaliber des ESP hervorzubringen – Innovationen, die bleibende Spuren in der Welt hinterlassen.

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Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 375 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2015). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 70,6 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über rund 150 Länder. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit 55 800 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 118 Standorten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“.

Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart gegründet. Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbstständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die Stimmrechte hält mehrheitlich die Robert Bosch Industrietreuhand KG; sie übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion aus. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de, http://twitter.com/BoschPresse.

RF00255 - 14. Oktober 2015

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

René Ziegler

+49 711 811-7639 E-Mail senden

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