Forschung

Porträt Dr. Jens König Der Laser-Bändiger von Schwieberdingen

  • Physiker mit humanistischer Bildung
  • Gruppenleiter mit mehr als 30 Mitarbeitern
  • Geschichtenvorleser mit zwei Kindern
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  • 04. Dezember 2013
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Pressetext

Stuttgart - Tagsüber bändigt Dr. Jens König die konzentrierte Kraft des Laserlichts, um feinste Strukturen in härtestes Metall zu bohren. Abends bändigt der Physiker im Licht der Nachttischlampe seine beiden vier- und sechsjährigen Kinder. Sohn und Tochter suchen sich täglich je eine Geschichte zum Vorlesen aus. Beide Aufgaben nimmt König überaus ernst - für anderes bleibt ihm daher nicht viel Zeit. Der 37 Jahre alte Wissenschaftler ist heute Gruppenleiter bei Bosch mit mehr als 30 Mitarbeitern. Damit ist König so ausgefüllt, dass er als Forschungs- und Entwicklungsmanager nur noch selten an den Lasern im Labor steht.

Dabei hat er seine Karriere bei Bosch genau hier begonnen, und manchmal würde er gerne mehr Zeit beim präzise arbeitenden Maschinenpark verbringen. Ein gewaltiger Tisch aus tonnenschweren Granitplatten bildet die Grundlage für den mächtigen, schwingungsarmen Aufbau. Alles dient hier einem Ziel: Ein extrem feiner, extrem schnell gepulster Laserstrahl wird von speziellen Optiken und Spiegeln so geschickt gelenkt, dass seine Energie hunderttausende Mal in der Sekunde auf Metall trifft. Dort lässt das Licht Metall verdampfen und somit feinste Bohrungen oder fast beliebige andere Strukturen entstehen. Bosch entwickelt in Schwieberdingen neue Produktionsprozesse, mit denen Produkte wie eine noch bessere Benzin-Direkteinspritzung hergestellt werden. Zusammen mit Kollegen hat König nun den Deutschen Zukunftspreis gewonnen, den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation.

Der Laser begleitet ihn seit seinem Physikstudium in Würzburg. Dem gingen ein humanistisches Gymnasium und der Zivildienst beim Bayerischen Blindenbund voraus. Ein besonders gutes Seminar zur Photonik bei einem umtriebigen Professor in Würzburg weckte die Neugier auf die Möglichkeiten des konzentrierten, mächtigen Lichtes. Viele Firmenbesuche in dieser Zeit zeigten, dass Experten auf diesem Feld gefragt sind. Nach einer Station an der Universitätsklinik Lübeck, wo König das Potenzial des Lasers im Einsatz gegen Altersblindheit prüfte, kam 2002 der Wechsel zu Bosch. Hier absolvierte der Forscher zunächst eine Industriepromotion und wurde 2005 fest angestellt. Seither befasst er sich damit, die Kraft des Lasers für die industrielle Fertigung zu bändigen. Mehr als 30 Millionen damit gefertigte Teile wird Bosch bis Ende 2013 ausgeliefert haben. Die dafür nötigen Prozesse und Maschinen entwickelt das Unternehmen selbst.

Der vollkommen nüchterne Schreibtisch von König steht in einem Großraumbüro des Bosch-Standortes Schwieberdingen bei Stuttgart. Zuweilen erinnert es an ein Universitätsinstitut, auch der Umgangston ist mitunter entsprechend locker. Viele seiner Kollegen sind weit jünger als er. Immerhin, beim abteilungsinternen Beachvolleyball-Turnier reichte es noch für Platz zwei, dieses Hobby kommt bei König sonst meist zu kurz.

2002 kam das erste Funktionsmuster namens „FM1" eines ultrakurz gepulsten Lasers von Trumpf ins Labor. Es dauerte lange, ihn und dessen Nachfolgemodelle so einzustellen und zu verbessern, bis die Energie des Lichtes Metall in der gewünschten Geschwindigkeit und Präzision abtrug. Mitunter wurde es darüber spät. Als König noch Doktorand war, kam ab und zu der Hund des Werkschutzes angelaufen, wenn der Physiker abends zu lange hinter dem Mikroskop saß. Kommt er heute zu spät nach Hause, trägt ihm das mahnende Blicke seiner Frau ein.

Ein erstes Projekt für die Serienfertigung wurde 2006 noch gestoppt, danach konzentrierte sich König auf eines der heutigen Kerngeschäfte von Bosch: die Benzin-Direkteinspritzung. Hier gilt es, in ein- und dasselbe Ventil fünf bis sieben Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern von 0,1 bis 0,3 Millimetern zu bohren. Diese Flexibilität gab es vor den Lasern nicht, jetzt ist sie Standard bei Bosch. König erinnert sich noch genau an den „Hochzeitstag" im Jahr 2008 - so nennen es die Ingenieure, wenn zwei komplizierte Bauteile erstmals zusammenfinden und verschraubt werden. Im Fall von König galt es, die Lasereinheit samt Optik mit der Fertigungsstraße zu „verheiraten". Das gelang schon bei der Prototypen-Anlage mit Erfolg.

Aber nicht immer lief alles so schnell und glatt. Oft ging es über Wochen nicht voran, erinnert sich der Physiker. Dann galt es, den Spiegelaufbau neu zu justieren, die Anlage umzuprogrammieren und neue Testläufe zu starten. „Und weit mehr als nur einmal kam dabei die Frage auf: Was mache ich da eigentlich?", sagt König. Speziell an ein entscheidendes Treffen auf Managementebene erinnert sich der damalige Projektleiter noch sehr genau: „Damals ging es um eine Hop- oder Top-Entscheidung, ob die neue Technologie eingeführt wird oder nicht. Am Schluss war klar: Wir machen es."

Das alles, dessen ist sich König klar, hat er nicht allein seinem Umgang mit den Laserpulsen, den optischen Aufbauten oder seinen Berechnungen und Formeln zu verdanken. „Manches war auch Glück. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und: Wir waren und sind ein gutes Team über Abteilungen und Standorte hinweg." Die von ihm angestoßenen Neuerungen wurden zudem „offen und mutig" aufgenommen, ergänzt der 37-Jährige.

Von Kollegen kommt das Lob, dass König seine Meinung zwar entschieden mit Argumenten vertritt, aber dabei auf seine Leute hört: „Wenn er merkt, dass er auf dem falschen Weg ist, kehrt er um." Der rasante Aufstieg von seiner Einstellung im Jahr 2002 bis zum Gruppenleiter 2009 und Laser-Strategen bei Bosch habe nichts daran verändert. Unverändert ist auch der Weg zur Arbeit, den der Physiker mit seinem 15 Jahre alten Fahrrad zurücklegt. Viele Kollegen überholen ihn daher morgens. Es stört ihn nicht im Geringsten, denn: „Ich bin sehr dankbar, Glück und Erfolg haben sich bisher bei mir schon sehr ‚fokussiert'."

Die Bosch-Gruppe ist ein international führendes Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit weltweit rund 375 000 Mitarbeitern (Stand: 31.12.2015). Sie erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 70,6 Milliarden Euro. Die Aktivitäten gliedern sich in die vier Unternehmensbereiche Mobility Solutions, Industrial Technology, Consumer Goods sowie Energy and Building Technology. Die Bosch-Gruppe umfasst die Robert Bosch GmbH und ihre rund 440 Tochter- und Regionalgesellschaften in rund 60 Ländern. Inklusive Handels- und Dienstleistungspartnern erstreckt sich der weltweite Fertigungs- und Vertriebsverbund von Bosch über rund 150 Länder. Basis für künftiges Wachstum ist die Innovationskraft des Unternehmens. Bosch beschäftigt weltweit 55 800 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung an 118 Standorten. Strategisches Ziel der Bosch-Gruppe sind Lösungen für das vernetzte Leben. Mit innovativen und begeisternden Produkten und Dienstleistungen verbessert Bosch weltweit die Lebensqualität der Menschen. Bosch bietet „Technik fürs Leben“.

Das Unternehmen wurde 1886 als „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ von Robert Bosch (1861–1942) in Stuttgart gegründet. Die gesellschaftsrechtliche Struktur der Robert Bosch GmbH sichert die unternehmerische Selbstständigkeit der Bosch-Gruppe. Sie ermöglicht dem Unternehmen langfristig zu planen und in bedeutende Vorleistungen für die Zukunft zu investieren. Die Kapitalanteile der Robert Bosch GmbH liegen zu 92 Prozent bei der gemeinnützigen Robert Bosch Stiftung GmbH. Die Stimmrechte hält mehrheitlich die Robert Bosch Industrietreuhand KG; sie übt die unternehmerische Gesellschafterfunktion aus. Die übrigen Anteile liegen bei der Familie Bosch und der Robert Bosch GmbH.

Mehr Informationen unter www.bosch.com, www.bosch-presse.de, http://twitter.com/BoschPresse.

PI8325 - 04. Dezember 2013

Ihr Ansprechpartner für Journalisten

Thilo Resenhoeft

+49 711 811-7088 E-Mail senden

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