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Verpackungstechnik

„One Stop Shopping“ in der Verpackungstechnik wird Realität

Referat von Friedbert Klefenz,
Vorsitzender des Bereichsvorstands Bosch Packaging Technology
und
Beat Kälin,
Mitglied des Bereichsvorstands Bosch Packaging Technology

anlässlich der Pressekonferenz auf der Interpack
am 21. April 2005

Bosch Packaging Technology verfolgte in den vergangenen Jahren konsequent die Strategie, sich zum Komplettanbieter in der Verpackungsindustrie weiter zu entwickeln. Im Jahr 2002 akquirierte Bosch die Makat Candy Technology und 2003 die Tevopharm sowie 51 Prozent der Geschäftsanteile von Moeller & Devicon. Das Jahr 2004 stand ganz im Zeichen der Akquisition der Sigpack-Gruppe. Die Sigpack-Unternehmen sind heute unter der Leitung von Beat Kälin, Mitglied des Bereichvorstands, im Bosch-Geschäftsbereich Packaging Technology eingegliedert. Wir gehen davon aus, dass der Integrationsprozess in der zweiten Hälfte von 2005 weitgehend abgeschlossen ist.

Geschäftsentwicklung im Jahr 2004
Durch die Akquisition der Sigpack-Gruppe und durch eigenes Wachstum hat sich 2004 der Umsatz gegenüber dem Vorjahr wesentlich erhöht. Mit der Konsolidierung der Sigpack für das 2. Halbjahr 2004 erreichte der Umsatz 476 Millionen Euro, was einem Wachstum von 31 Prozent entspricht. Unter Berücksichtigung des Gesamtumsatzes 2004 von Sigpack wäre der Geschäftsbereichsumsatz sogar um 58 Prozent gewachsen.

Am 1. Januar 2005 betrug die Zahl der Mitarbeiter 4 151; rund 1 500 davon arbeiten in Bereichen der ehemaligen Sigpack. 51 Prozent aller Mitarbeiter beschäftigen wir außerhalb Deutschlands.

Der vom Bosch-Geschäftsbereich Packaging Technology zusätzlich geführte Bereich Montageanlagen und Sondermaschinen erwirtschafteten im abgelaufenen Geschäftsjahr mit 1 058 Mitarbeitern einen Umsatz von 320 Millionen Euro. Dies entspricht einem erfreulichen Wachstum von 18,5 Prozent.
Der Anteil des außerhalb von Deutschland mit Verpackungstechnik erzielten Umsatzes erhöhte sich um 8 auf 91 Prozent. Dies unterstreicht unsere internationale Ausrichtung. Auf Westeuropa inklusive Deutschland entfielen 40 Prozent des Umsatzes, auf Nordamerika 30 Prozent und auf Asien 14 Prozent. Trotz der stark umkämpften Märkte wollen wir auch im Jahr 2005 unseren Wachstumskurs fortsetzen.

Hauptkunden des Geschäftsbereichs Packaging Technology sind Pharma- und Kosmetikhersteller, die Süßwaren- sowie die Food- und die Non-Food-Industrie. Da die Sigpack-Unternehmen vorwiegend in den Bereichen Süßwaren, Food und Non-Food tätig sind, veränderten sich im Vergleich zum Vorjahr die Anteile des Gesamtumsatzes des Geschäftsbereichs bei Süßwaren um + 12 auf 23 Prozent, bei Food um – 4 auf 30 Prozent und bei Pharma um – 9 auf 42 Prozent.

Weltmarkt stagniert weiterhin
Der Weltmarkt für Verpackungsmaschinen stagnierte in den vergangenen drei Jahren auf einem Niveau von 19 Mrd. Euro. Die weltweit bedeutendsten Herstellerländer sind weiterhin Deutschland, USA, Italien und Japan. Diese vier Nationen produzieren wertmäßig rund 70 Prozent aller Verpackungsmaschinen. Im Jahr 2004 hatte Deutschland die USA als Nummer eins unter den Herstellerländern für Verpackungsmaschinen abgelöst. Während die USA mit einer Exportquote von 18 Prozent vor allem für den Heimmarkt produzieren, führt Deutschland 76 Prozent der Erzeugnisse aus. An dritter Stelle folgt dann Italien mit einem Volumen von 3 Milliarden Euro und einer Exportquote von 80 Prozent. Auf Platz 4 folgt Japan mit einem Volumen von 2,7 Milliarden und einem Exportanteil von nur 7 Prozent. Auch der Importanteil ist mit 4 Prozent in diesem Land sehr klein; dies bestätigt die Bosch-Strategie, eigene Standorte in Japan aufzubauen.

Mit dem überdurchschnittlichen Produktionswachstum von 10 Prozent auf das Volumen von 1,1 Mrd. Euro ist China weiterhin auf dem Vormarsch. Der chinesische Exportanteil stieg um 13 Prozent auf nunmehr 16 Prozent. China ist auf bestem Wege, sich zu einem bedeutenden Produzenten von Verpackungsmaschinen zu entwickeln.

Convenience-Trend beeinflusst Verpackungsmarkt
Der Verpackungsmarkt wird stark durch den "Convenience"-Trend geprägt. Sowohl Ursachen als auch Auswirkungen dieses Trends auf Verpackungen und Verpackungsmaschinen sind sehr unterschiedlich und erfordern ein hohes Maß an Weitsicht auf zukünftige Bedürfnisse.

Die Ursachen für diesen Trend liegen unter anderem in den wandelnden Lebensgewohnheiten und sich verändernden demografischen Konsumentenstrukturen. Beispiele dafür sind die erhöhte Lebenserwartung in den Industrienationen, das hohe verfügbare Einkommen der Senioren und der anhaltende Trend hin zu Single-Haushalten. Singles haben vielseitige Bedürfnisse hinsichtlich Convenience-Funktionen bei Produkten und Verpackungen.

Auch der Gesundheitsbereich verändert sich. Der Trend zur Selbstmedikation setzt sich fort. Die neue Medizin fokussiert sich auf Prävention, Erhaltung von Lebensqualität sowie Lifestyle und erforscht dabei nicht mehr vordergründig die Krankheitsbilder, sondern das Gesundheitspotenzial. Dies wirkt sich auch auf die Ernährung aus. Begriffe wie "Reform", "Biokost" oder "Functional Food" begleiten uns täglich. In diesem Bereich wird die Abgrenzung zwischen Food und Pharma aufgeweicht, was sich letztendlich auch auf die Produktion und die Verpackung auswirkt. Im Pharmabereich bezieht sich der Conve-nience-Trend meist auf spezielle Darreichungsformen der Medikamente und die Verpackungsgestaltung. Diese Veränderungen eröffnen dem Marketing neue Chancen.

In den gesättigten Konsummärkten der Industrieländer spielt die Produktdifferenzierung eine immer größere Rolle. Dies zeigen Beispiele wie Snack-Portionen oder auch assortierte Packungen herkömmlicher Produkte. Die Produzenten wollen sich mit Convenience-Funktionen des Produkts und vor allem der Verpackung von den Wettbewerbern differenzieren und Produkte mit Alleinstellungsmerkmalen anbieten. Daraus erhoffen sie sich mehr Absatz und bessere Margen.

Für den Verpackungsmaschinen-Hersteller sind diese Trends eine große Herausforderung. Sein Kunde – der Produzent – weiß oft heute noch nicht, was er morgen produzieren und verpacken wird. Deswegen verlangt er flexible, modular aufgebaute Lösungen mit der Option, sie später um zusätzliche Funktionen zu erweitern. Formatwechsel müssen sich aufgrund kleiner Losgrößen schnell und einfach vollziehen lassen. Zudem sollen die Produktionsparameter für reproduzierbare Fertigung leicht einzustellen sein.

Partnerschaftliche Beziehungen zwischen Maschinenbauer und beispielsweise Nahrungsmittel-Produzent sind ein Schlüssel zum Erfolg in diesem Umfeld. Bosch setzt deswegen auf eine intensive Interaktion mit dem Marketing des Produzenten und den Verpackungsdesignern, die bereits im Entwicklungsstadium eines Projekts beginnt. Alle Seiten erhalten so frühzeitig wichtige Anregungen.

Weltweite Präsenz ausgebaut, Synergien genutzt
Die verdichtete globale Präsenz von Bosch erlaubt es uns, die Kunden zukünftig noch besser zu betreuen und lokaler zu agieren. Mit dem gemeinsamen Heimmarkt in Europa, einer starken Marktstellung der bisherigen Bosch Packaging Technology im asiatischen Raum sowie einer vergleichbaren Position der Sigpack in Nordamerika ergänzen sich die Einzelunternehmen ideal. Produktionsstätten in Hangzhou, China, Bangalore, Indien, Sao Paolo, Brasilien, und Saratov/Engels in Russland bilden die Basis unserer Präsenz in den Wachstumsregionen.

Die Vorteile des Erwerbs der Sigpack-Gruppe für Bosch Packaging Technology liegen vor allem in der vergrößerten Kompetenz als weltweit tätiger Systemanbieter über die ganze Wertschöpfungskette. Die wertvolle Erweiterung des Produktportfolios brachte nur geringe Überschneidungen mit sich. Bosch ist nun in der Lage, für Verpackungslinien alle Komponenten aus einer Hand anzubieten – "One Stop Shopping" in der Verpackungstechnik wird Realität.

Die Ausschöpfung der Synergie- und Cross-Selling-Potenziale hat bereits begonnen: Bei Verpackungslösungen für die pharmazeutische Industrie nimmt Bosch traditionell eine starke Stellung ein. Mit komplementären Produkten in der Sekundärverpackung sowie mit der Robotik und der langjährigen Systemkompetenz ergänzt Sigpack das Produktprogramm für diesen Bereich. Unsere gemeinsame Serviceorganisation bauen wir sukzessive so aus, dass jeder Service-Standort die Kunden von allen Bosch-Packaging-Unternehmen betreuen und Serviceleistungen für sämtliche unserer Produkte anbieten wird. Innovative Dienstleistungen, wie das E-Portal zur Online-Ersatzteilbestellung, qualifiziertes Personal und eine Vereinfachung der Organisationsstruktur werden unseren Kunden über den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte wesentlichen Zusatznutzen bringen.

Marken bleiben erhalten
Die in die Bosch-Gruppe integrierten Marken der ehemaligen Sigpack-Gruppe haben eine lange Tradition in der Verpackungsindustrie und genießen einen ausgezeichneten Ruf. Aus diesem Grund hat Bosch entschieden, die einzelnen Marken wie beispielsweise Doboy, Sapal oder Sigpack Systems in Verbindung mit der Bosch-Dachmarke weiterzuführen. Auf diese Weise bleibt die Wiedererkennung der etablierten Marken gewährleistet. Gleichzeitig visualisiert dies, dass sie Teil der Bosch Packaging Technology sind. Diese Strategie gilt auch für die von Bosch akquirierten Unternehmen Makat, Moeller & Devicon und Tevopharm.

Ergebnisse des Integrationsprozesses
Der Integrationsprozess ist schon weit gediehen, verschiedene strategische Entscheidungen sind getroffen. Im Bereich der horizontalen Schlauchbeutelmaschinen und -systeme nimmt Bosch mit Sigpack Systems, Tevopharm und Doboy die weltweit führende Position ein. Die Produktüberschneidungen reduzieren wir mit der klaren Positionierung der einzelnen Firmen: Sigpack Systems und Tevopharm werden zukünftig mit einer gemeinsamen Vertriebsorganisation für integrierte Systeme am Markt auftreten. Im Bereich Schlauchbeutelmaschinen und Standardlösungen wird Doboy Nordamerika und Tevopharm, in Zusammenarbeit mit Demaurex, Europa und den mittleren Osten abdecken.

Alle Unternehmen von Bosch Packaging Technology bedienen den Markt weiterhin in bewährter Weise mit den bekannten Ansprechpartnern. Bei den Produkten für Zweitverpackung und Handling haben wir entschieden, dass sich im Bereich Pharma die Moeller & Devicon nur auf Projekte mit Sonderlösungen konzentriert, während Sigpack Systems die Standard-Applikationen anbietet.

Wichtige Exponate auf der Interpack
Im Pharmabereich zeigen wir unsere Kompetenz mit Innovationen in den Bereichen Flüssigabfüllung, Isolatortechnik, Abfüllung steriler Pulver, Maschinen für Gelatinekapseln sowie die Linienkompetenz in der Blisterverpackung einschließlich der Produktzuführung. Für kosmetische und chemische Produkte demonstriert Bosch seine Lösungen zum Füllen und Verschließen von Kunststoffbehältern.

· Eine besondere Neuheit unter den Pharma-Exponaten ist der PAT-Inspektionsteststand (Process Analytical Technology). Anhand eines GKF-Kapselfüllers zeigen wir eine Lösung zur PAT-Initiative der FDA (Food and Drug Administration). Das Ziel von PAT ist, durch Inline-Messungen zusammen mit Datenverarbeitung und statistischer Informationen die Herstellung pharmazeutischer Produkte unter Einhaltung von bekannten und relevanten, kritischen Prozessparametern effizient und im Sinne einer erhöhten Qualitätssicherung sicherzustellen.

· Die Video-Inspektionsmaschine CVT Slitec von Moeller & Devicon für Vials, Ampullen, Zylinderampullen und Spritzen prüft Behältnisse anhand mehrerer Bilder unabhängig voneinander auf Partikel. Eine Fehlerdiagnose löst sofort eine automatisierte Wiederholinspektion aus. Sie ist auch für schwierig zu handhabende Produkte wie Suspensionen geeignet.

Den flächenmäßig größten Anteil auf dem Bosch-Stand nimmt der Süßwarenbereich ein. Hier zeigen wir Innovationen für das Herstellen, Verarbeiten, Handhaben und Verpacken von Hartbonbons, Kaugummi und Schokolade. In diesem Bereich verfügen wir über ein ausgesprochen breites Produktportfolio, das die Bosch-Produktbereiche Süßwaren, Vertikale Schlauchbeutel, Demaurex, Makat, Sapal, Sigpack Systems, Tevopharm und Transver anbieten.

· Ein Highlight des Süßwarenbereichs ist der Bosch-Extruder "Togum RopeX 1010". Bei dieser neuen Extruder-Generation sind Antriebs- und Prozesstechnik klar getrennt, was eine sehr einfache Reinigung gewährleistet. Die modulare Bauweise des Extruders ermöglicht unterschiedliche Nachrüstoptionen wie beispielsweise eine Füllpumpe für flüssig gefüllte Stränge.

· Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird auch die neue Plattform von Sigpack Systems für horizontale Schlauchbeutel-Verpackungssysteme. Ihr Herzstück ist die innovative, kompakte HCM-Schlauchbeutelmaschine. Mit der verkürzten Zuführung verpackt sie Süßwaren und andere Produkte sehr Platz sparend.

Gemeinsam von verschiedenen Bosch-Produktbereichen erarbeiteten und auf der Interpack ausgestellten Verpackungssysteme verdeutlichen die Fortschritte bei der Integration innerhalb des Geschäftsbereichs. Sapal und Bosch-Süßwaren präsentieren zusammen eine Hochleistungs-Verpackungslinie für Schokoladepralinen. Demaurex und Tevopharm zeigen eine Standardlösung für die Primär- und Sekundärverpackung von Riegeln.

Verpackungslösungen für die Food- und Non-Food-Industrie sind im dritten Bosch-Ausstellungsbereich zu finden. Hier zeigen wir flexible und kompakte Paketiersysteme für Schüttgüter, das Füllen von vertikalen Schlauchbeuteln unterschiedlicher Packstile, neue Kartonierlösungen und eine innovative Applikation für das Verpacken von Schmelzkäse-Portionen.

Mittelpunkt des Angebots für die Food-Industrie sind folgende Exponate:

· Eine kundenspezifische Pick&Place-Lösung für die Handhabung von Spritzgussteilen in der Kaffeeindustrie basiert auf insgesamt 10 Delta-Robotern des Typs XR 22. Die Roboter bringen die Spritzgussteile auf kleinem Raum und mit hoher Effizienz sehr präzise vom ungeordneten in einen geordneten Zustand. Die erste dieser Anlagen ist seit Beginn dieses Jahres erfolgreich im Drei-Schicht-Betrieb im Einsatz.

· Die neue Paketiermaschine PME 5 verpackt unterschiedliche Produkte in vorgefertigte Beutel bis zum XL-Format bzw. bis 20 Liter Volumen. Wichtige Vorgaben für die Entwicklung der PME 5 waren kurze Formatwechselzeiten sowie einfache Wartung, Bedienung und Reinigung. Das modulare Konzept erlaubt die Erfüllung individueller Kundenbedürfnisse für den Verpackungsprozess.

Ausblick
Das Ziel von Bosch Packaging Technology ist es, die starke Position im Weltmarkt zu halten und auszubauen. Unsere Produkte zeichnen sich durch Innovation, Qualität, Zuverlässigkeit sowie ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Mit unseren motivierten Mitarbeitern sehen wir uns gut gerüstet, die Herausforderungen im umkämpften Markt für Verpackungsmaschinen und -systeme gut zu bewältigen.

RF50401 - April 2005

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